Nach Hause telefonieren

von: Rita Angelone am: Dienstag, 21.05.2013

In England ist es nun so weit: Das Handy für Kleinkinder ist auf dem Markt. Ist das Gadget Fluch oder Segen?

Jederzeit und überall erreichbar: Kleinkind mit seinem ersten eigenen Handy. (Bild: © 1stphone)

Wir müssen nun nicht mehr diskutieren, ab welchem Alter wir unseren Kindern unsere Handys zum Spielen geben dürfen oder ab welchem Alter wir ihnen ein eigenes kaufen sollten. Denn: Bereits mit vier Jahren können sie nun ihr ganz persönliches Gerät in ihren Patschhänden halten! Das Handy, das OwnFone speziell für Kleinkinder auf den Mark gebracht hat, erlaubt den Knirpsen nur ein paar wenige Anrufe zu tätigen: eine Taste, um Mami zu telefonieren, eine um Papi zu erreichen, eine weitere, um die Grosseltern anzurufen und eine letzte, um einen generellen Alarm auszulösen.

Dieses Handy soll nicht süchtig machen und kein Kostenrisiko für die Eltern darstellen, denn die Kinder können damit keine SMS schreiben und versenden oder im Internet surfen. Dieses Handy soll nur als «Sicherheits-Kommunikationsmittel» zwischen Eltern und Kind dienen, mit dem sie sich gegenseitig jederzeit erreichen können. Das Abo sieht für diese Sicherheits-Anrufe Optionen vor, die zwischen 50 bis 500 Minuten im Monat reichen. Bis zu 500 Minuten im Monat, um sich gegenseitig immer wieder zu versichern, wer wo ist und was er macht? Das bedeutet sage und schreibe ganze 16 Minuten Sicherheits-Anrufe pro Tag – und wenn dieses Handy zwar nicht zu einer Internet-Sucht führt, dann aber sicher zu einem Kontroll- und Sicherheitswahn.

Was halten Sie von einem solchen Handy? Nützlich oder sinnlos? Und wohin denken Sie, wird das alles noch führen?

Ich hasse Kindergeburtstage

von: Nils Pickert am: Montag, 20.05.2013

Unser Blogger Nils Pickert glaubt, dass Eltern Kindergeburtstage veranstalten, um sich an anderen Eltern zu rächen.

Den Clown spielen: Kindergeburtstag. (Bild: © thinkstock.com)

Es gibt so viele Dinge, auf die man sich im Zuge des Geburtstags seines Kindes freuen kann. In meinem Fall wird mein kleines Kerlchen sechs Jahre alt. Ich kann mich im Vorfeld über seine verrückten Wunschzettel und seine Vorfreude freuen, sammle coole Geschenke zusammen (Affenkostüm, Klamotten, Armbrust, Taschenmesser, Bücher und solche Sachen) und kann sie seiner Schwester zeigen, damit wir gemeinsam wie zwei Schneeköniginnen darüber kichern, was ihr Bruder wohl für Augen machen wird. Und wenn es so weit ist, kann ich Kuchen backen, singen, mein Söhnchen hochheben, beim Auspacken zugucken und noch so allerhand.

Wenn da nur nicht diese Geburtstagsfeiern wären. Diese Choreographien gesellschaftlicher Normen und Vorgaben, nach denen so ein Fest abzulaufen hat. Schminken, Topfschlagen, Schatzsuche – Kindergeburtstage sind wie eine schlechter zu ertragende Version des deutschen Karnevals: Man kann sich diesen Irrsinn um angeordnete Fröhlichkeit und unverständliches Zeug schreiende Menschen noch nicht einmal schön saufen. Also gibt es Süssigkeiten und Spiele, rote Backen und trommelfellschädigenden Krach. Immer muss ein Kind die ganze Zeit auf die Toilette und immer gibt es ein Kind, das aus irgendwelchen Gründen nicht mitmachen will und dann die ganze Zeit bei einem in der Küche hängt, während man Kinderessen vorbereitet. Also Pommes oder Nudeln.

Sicher, man könnte Kindergeburtstage auch ganz anders aufziehen: mit Legobauen, Verkleiden, gutem Essen und was einem sonst noch so einfällt. Oder man überlässt die lieben Kleinen einfach sich selbst. Aber das geht natürlich nicht, weil es bei Tom ja auch ein Piratenfest mit Pommes und Schnitzel gab. Und bei Laura haben alle Blumentöpfe anmalen und kleine Mitbringsel nach Hause nehmen dürfen. Ein deutscher Kabarettist hat mal gesagt, Eltern würden Kindergeburtstage veranstalten, um sich einmal im Jahr an ihrem Nachwuchs zu rächen. Ich hingegen glaube, dass Eltern Kindergeburtstage veranstalten, um sich an anderen Eltern zu rächen. Und selbst wenn sie sich nicht rächen wollen, wird an ihnen Rache genommen. Für all die durchwachten Nächte, stressigen Autofahrten und sich ständig wiederholenden Gespräche über Fäkalien (Papa, ist das Durchfall? Jetzt sag doch mal! Papaaaaaaaaaaaaa!) Gibt es eigentlich keinen Verein für kindergeburtstagsausstiegswillige Eltern?

Schlimm ist nur, dass ich mich dunkel daran erinnern kann, meine Geburtstage als Kind immer ganz toll gefunden zu haben – so mit allem, was dazugehört. Sie wissen was das heisst, oder? Auf zum nächsten Kindergeburtstag!

Gute Eltern

von: Nathalie Sassine am: Donnerstag, 16.05.2013
Tags:

Nein, Sie sind keine schlechten Eltern! Auch wenn Sie das glauben.

Mütter, die backen, sind gute Mütter.

Sind Sie eine aktive Mutter? Eine, die neben dem ganzen Haushalt-Erziehungs-Hausaufgabenhilfe-Job-Freiwilligenarbeit-Vereins-Wohltätigkeits-Aufwand auch noch bastelt, spielt, singt, vorliest und und und? Nicht? Dann konnten Sie auch nicht bei der aktuellen Aktion der annabelle mitmachen, sorry!

Die will nämlich die aktivste Schweizer Mutter finden. Die Anmeldungen sind beendet, man kann noch bis 20. Mai für eine der vorgeschlagenen Mütter abstimmen. Da wären bspw. Fränzi, die so beschrieben wird: «Fränzi hat immer eine Lösung für alle Probleme parat. Sie kocht super feine Gerichte, arbeitet sehr viel und hat trotzdem immer noch Energie zum Tennisspielen mit ihrer Tochter. Sie sieht auch noch sehr jung aus – möglicherweise, weil Sie so eine aktive Mama ist und ständig in Bewegung bleibt.»

Oder Paola: «Unsere Mama ist 56 Jahre jung und sprudelt Energie wie einen Wasserfall. Sie schmeisst den Haushalt, kümmert sich um uns 3 Töchtern, verwöhnt unseren Vater, geht mit Chihuahua Chanel Gassi und nebenbei, kocht sie und backt für diverse Markte in der Region. Am Flohmi nimmt sie auch immer teil und an den Ostern-Weihnachtsmarkt, darf sie auch nicht fehlen mit ihren sizilianischen Delikatessen.»

Viele der vorgeschlagenen Mütter machen viel, einige wurden auch vorgeschlagen, weil sie «klug und cool» sind. Wie auch immer, es sind Frauen, die vieles unter einen Hut kriegen und in der Tat beeindruckt das. Auch mich. Doch Sie ahnen vielleicht, worauf ich hinaus will. Als weniger aktive Mutter – und da zähle ich mich nun mal dazu – fühlt man sich halt eben: weniger aktiv. Weniger Mami. Unsereins backt nicht bei jedem Schulanlass einen Kuchen, bastelt im Dezember den Weihnachtsschmuck nicht selber, hat nicht einmal einen Hund, den sie Gassiführen muss und der arme Kindsvater wird von ihr auch nicht übermässig verwöhnt...  Macht das aus mir eine schlechte Mutter? Ich hoffe nicht. Ich glaube nicht.

Deshalb hier ein Aufruf an alle Eltern – denn das Gefühl, nicht gut genug zu sein, kennen nicht nur Mütter, auch Väter leiden darunter: «Ihr seid gute Eltern!»

Gerade Eltern von kleinen Kindern wissen, dass es diese speziellen Momente gibt, die von Glück nur so triefen, in denen sie es kaum fassen können, solch tollen Nachwuchs zu haben. Doch es gibt auch die anderen Momente, die in denen man sich fragt, wie man den Tag, die nächste Stunde, die Woche überstehen soll. Deshalb lassen Sie sich gesagt sein:

Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie es nicht schaffen, dass Ihre Kinder gesundes Gemüse den Chicken Nuggets vorziehen.

Sie sind auch keine schlechten Eltern, wenn Sie Ihre Kinder manchmal anschreien. Schliesslich wohnen kleine Bashar El Assads und Benito Mussolinis in Ihrem Haus. Jeder andere, der so mit Ihnen reden würde, käme in den Knast!

Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie lieber bei der Arbeit wären. Dort ist es meist ruhiger und man hört Ihnen zu. Und auf die Toilette dürfen Sie auch ganz alleine!

Sie sind auch keine schlechten Eltern, wenn Sie es kaum erwarten können, bis die Kinder endlich im Bett sind und die Gute-Nacht-Geschichte aus einem fadenscheinigen Grund ausfallen muss.

Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie nicht bei jedem Schul-, Flöten-, Fussball-Event irgendeinen Job übernehmen, der Zeit frisst und für den die Kinder sich sowieso kein bisschen interessieren.

Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie abends lieber ein Glas Wein trinken, statt das Kostüm für die Fasnacht zu nähen.

Und nicht zuletzt hat der gute Dr. Oetker einen Wahnsinns-Job gemacht, wieso sollte man das nicht nutzen? Auch der selbstgemachte Kuchen geht den Kids nämlich am A... vorbei.

Ich wünsche den annabelle-nominierten Müttern wirklich alles Gute und der Gewinnerin viel Spass. Aber vor allem wünsche ich mir, dass die Medien, die Gesellschaft, die Supermami-Nachbarin den Druck von uns gewöhnlichen Müttern nimmt, damit wir endlich unsere Kinder geniessen können. Und das Glas Wein, wenn sie dann mal im Bett sind. Prost!

Eine Mutter taucht unter

von: Rita Angelone am: Dienstag, 14.05.2013
Tags: AbtauchengehtMutter

Die Amerikanerin Brenda Heist brachte ihre Kinder zur Schule – und verschwand für elf Jahre spurlos. Wie gross muss ihre Not gewesen sein, um alles hinter sich zu lassen?

Weltweit in den Schlagzeilen: Brenda Heist, vor und nach ihrer Flucht. (Bild: cbsphilly)

Zufall oder nicht: Genau vor einem Jahr haben wir uns an dieser Stelle bereits mit Müttern befasst, die mir nichts, dir nichts Kind und Kegel verlassen und abhauen: Wenn Mütter gehen. Ob – so wie letztes Jahr – der vor ein paar Tagen stattgefundene und vielleicht ernüchternd verlaufene Muttertag den Ausschlag zur Auseinandersetzung mit diesem Tabu-Thema geliefert hat? So wie die Weihnachtstage oftmals Treiber für Trennungen und sonstigen Kurzschlusshandlungen sein können?

Jedenfalls hat genau dieser Tage die Flucht einer amerikanischen Mutter für Schlagzeilen gesorgt. Ausgerechnet eine amerikanische Mutter gerät  wegen Verlassens ihrer Familie weltweit in die Schlagzeilen – wo es doch aus diesem Land weissgott Abartigeres zu berichten gibt. Brenda Heist, so heisst das Mami, hat im Februar 2002 ihre Kinder wie immer morgens zur Schule gefahren und ist dann einfach abgehauen. Es war ganz offensichtlich nicht von langer Hand geplant, denn die bereits in Scheidung lebende Mutter hatte an diesem Tag sogar noch das vorbereitete Nachtessen zum Auftauen aus dem Gefrierschrank genommen.

Doch zum Nachtessen kam sie nicht zurück. Auch nicht zum Schlafen. Und auch die nächsten elf Jahre liess Brenda sich nicht mehr blicken. Zuerst wurde sie vermisst, irgendwann glaubte man sie tot und als sie sich nach elf Jahren wieder bei ihren Kindern meldete, wurde sie aufs Übelste beschimpft und wird nun vom Grossteil der Gesellschaft geächtet.

«Wie kann man aus einer Laune heraus ihre Familie verlassen?», fragen sich Menschen auf der ganzen Welt. «Wie kann man seinen Kindern und seinem (Ex-)Mann solches Leid zuführen? Eine wahre Mutter verlässt ihre Familie nicht!», so der weltweite Grundtenor, «und wenn, dann soll sie auch nicht mehr zurückkehren!»

Mag sein, dass Brenda besser nicht zurückgekehrt wäre, denn weil sie irgendwann für tot erklärt wurde, erhielt die Familie von der Lebensversicherung 100'000 Dollar ausbezahlt, die nun zurückbezahlt werden müssen. Doch ist diese – zugegebenermassen nicht läppische – Unannehmlichkeit Grund genug, um sie nun «in der Hölle schmoren sehen zu wollen», wie sich ihre Kinder zu ihrer Rückkehr geäussert haben sollen?

Welches Leid hat man Brenda zugeführt, dass sie damals nicht mehr so weiterleben wollte? Wie muss sich ihre Hoffnungslosigkeit,  ihre Einsamkeit – trotz Familie – gefühlt haben, dass sie lieber jahrelang mit Obdachlosen, bis auf die Knochen abgemagert auf der Strasse leben wollte, statt nach Hause zurückzukehren? Wie viel Liebe und Beachtung bekam sie überhaupt, dass niemand merkte, dass sie seelisch krank war und dringend Hilfe brauchte?

Das sind die Fragen, die ich mir stelle. Denn ja, keine Mutter verlässt einfach so aus einer Laune heraus ihre Familie. Niemand sollte überhaupt aus einer Laune heraus solch einschneidende  Entscheidungen fällen. Das kommt selten gut. Wenn eine Mutter es aber doch tut, dann hat sie ihre Gründe und statt im Nachhinein zu urteilen, sollten wir besser frühzeitig hinschauen und helfen. Oder im Nachhinein zumindest vergeben.

Haben Sie auch schon einmal daran gedacht, ihre Familie zu verlassen? Und was geht Ihnen bei Brendas Geschichte durch den Kopf?

Gegen Misshandlung

von: Nathalie Sassine am: Montag, 13.05.2013

Plakat mit zwei Aussagen: genial!

Plakat mit zwei Aussagen: genial!

Ein Plakat, das gegen Kindsmisshandlung angehen will. Ziemlich genial.

Kinder werden misshandelt, immer wieder, auf der ganzen Welt. Wir wünschten alle, es wäre nicht so, doch leider hat gerade die Entdeckung von drei jungen Frauen letzte Woche, die im Schnitt zehn Jahre lang an Ketten gefangen gehalten wurden, wieder einmal gezeigt, wie viele perverse, kranke Menschen es gibt. Und das nicht etwa im schlimmen Quartier der ach so bösen Grossstadt. Wir alle wissen, dass die meisten Misshandlungen um die Ecke stattfinden können. Nicht immer mit Entführungen verbunden, sondern – und das ist genauso schlimm – im eigenen Familienkreis, sozusagen vor aller Augen.

Dass ein von einem Familienmitglied oder nahen Bekannten misshandelte Kind nicht gleich zur Polizei rennt, leuchtet wohl jedem ein. Die Schwierigkeit liegt in dieser Angelegenheit eben genau darin, die Kinder zum Reden zu bringen. Schliesslich kennen die kleinen Opfer den Täter nicht nur, oft lieben sie ihn (oder sie) auch und wollen ihm (oder ihr) nicht schaden. Oder trauen sich nicht, weil ihnen gedroht wurde.

Die Kampagne der Spanischen ANAR Foundation zielt deshalb nicht nur darauf ab, auf Misshandlungen aufmerksam zu machen, um an Spenden zu kommen. Vielmehr richten sich die Plakate sowohl an den Erwachsenen als auch an das Kind. Dies tut es mit zwei verschiedenen Aussagen und Aufforderungen aus den diversen optischen Perspektiven. Genial eben!

Man wünscht sich auch bei uns mehr solche einfallsreichen Ideen, die hoffentlich auch mehr bringen. Für Meldungen von Kindsmisshandlungen in der Schweiz, findet man übrigens bei Pro Juventute alle Informationen und Adressen.

Ist der Muttertag ein alter Zopf?

von: Rita Angelone am: Donnerstag, 09.05.2013
Tags: Muttertag

Am zweiten Sonntag im Mai lassen sich Mütter feiern. Gehört der Muttertag angesichts der gleichberechtigten Elternschaft aber nicht abgeschafft?

Reich beschenkt: Vater und Sohn mit Aufmerksamkeiten. (Bild: © thinkstock.com)

Reden wir vom Valentinstag, verwerfen wir unsere Hände und finden, dieser einfallslose Feiertag gehöre abgeschafft, sei er doch ein rein kommerzieller Gedenktag, der nur den Blumenhändlern etwas bringe. Reden wir vom Vatertag, wissen die meisten unter uns nicht einmal, wann dieser genau gefeiert wird und welche Bedeutung dieser Tag überhaupt hat.

Ist aber die Rede vom Muttertag, werden wir alle etwas romantisch-melancholisch, verwandeln uns plötzlich in traditionell denkende Wesen und freuen uns jedes Jahr auf diesen ominösen zweiten Sonntag im Mai, an welchem DIE MUTTER – mit meist haufenweise unnützen Geschenken – geehrt wird, und feiern diesen Tag bisweilen in einem kommerziell fragwürdigen Ausmass, das wir bei anderen Gelegenheiten als verwerflich betrachten.

Wieso tun wir das? Weshalb feiern wir überhaupt einen Muttertag? Weil wir «nur» Mütter für ihre (Haus-)Arbeit, für ihr Engagement, für ihr Aufopfern ehren wollen? Ja, passt das denn alles noch zu unserem modernen Verständnis der Mutterrolle? Tut eine Mutter heutzutage überhaupt noch so viel mehr als ein «neuer» Vater, dass sich im Jahreskalender ein Feiertag wie dem Muttertag überhaupt rechtfertigt? Wir reden die ganze Zeit von Gleichberechtigung und Aufgabenteilung zwischen Müttern und Vätern, feiern dann aber einmal im Jahr nur die Mütter? Wie fair ist das? Wie fühlen sich Väter dabei?

Müssten wir also in der Folge raschmöglichst eindeutig definieren, wann in der ganzen Schweiz – oder gar auf der ganzen Welt – der Vatertag gefeiert werden soll, um den heutigen neuen Vätern, die genau gleich wie Mütter anpacken, die gleiche Ehre zukommen zu lassen? Oder sollten wir nicht vielleicht besser den Muttertag umbennen und mit dem diffusen Vatertag zu einem «Elterntag» fusionieren? Doch machten wir aus dem Muttertag wirklich einen Elterntag – wer würde dann wem die Blumen kaufen oder das Frühstück ans Bett bringen (müssen)? Wäre am Ende das gänzliche Abschaffen des Muttertages doch die beste Lösung?

Was meinen Sie? Ist der Muttertag ein alter Zopf, der längst überholt ist und drum ruhig umbenannt oder gar gänzlich abgeschafft werden  sollte? Oder soll der Feiertag so quasi als Mahnmal für das vielleicht eben doch noch verhältnismässig höhere Engagement der Mütter in den Familien beibehalten werden?

OMG! Sie ist schwanger!!

von: Nathalie Sassine am: Montag, 06.05.2013
Tags:

Ausser einem wachsenden Bauch und sinkender Hirnaktivität gibt es viele Hinweise darauf, dass eine Frau schwanger ist. Eine nicht wissenschaftliche Liste.

Bauch anfassen: Ein sicheres Zeichen für eine Schwangerschaft?

OMG! Jennifer Aniston ist vielleicht schwanger! Hui nei! Die einschlägigen Medien ereifern sich seit Tagen in Spekulationen über eine eventuelle Schwangerschaft der 44-jährigen Schauspielerin. Nach dem Brangelina-Fiasko würden wir ihr alle nichts Besseres wünschen, als endlich ein eigenes Kind mit ihrem Traummann zu haben. Oder etwa nicht?

Wie die Presse darauf gekommen ist? An einer Buch-Vernissage ihrer Yoga-Lehrerin soll sie gesagt haben, Yoga sei «wie Meditation. Es erlaubt dir, alles, was auf dich zukommt, als machbar zu erachten.» Aha. Was auf sie zukommt, scheint deshalb klar: ein Baby.

Als ich das las, musste ich daran denken, wie das bei uns war. Wir gehörten nämlich auch zu der Sorte, die das Baby nicht vor dem 3. Schwangerschaftsmonat ankündigen wollten. Das stellte sich aber als weit schwieriger heraus, als gedacht. Denn, einer schwangeren Frau sieht man das bevorstehende Ereignis nun mal an. Und ihr Benehmen verrät viel. In meinem Fall flog ich auf, weil

  • ich abends dauernd irgendwo einschlief. Ja, auch im Club bei 130 Dezibel und feucht-fröhlicher Stimmung um mich herum.
  • diese Abende vollkommen alkoholfrei von sich gingen. Was in meinem Fall wirklich mehr als nur einen erstaunte, da ich gerne ein Glas (oder zwei) mittrinke.
  • ich – wie viele Schwangere – mir offenbar dauernd an den Bauch fasste und meine Hand darauf ruhen liess, wie um ihn zu beschützen. Etwas, das sonst nur ältere Männer mit Bierbauch tun.
  • sich mein Gesicht veränderte. Es wurde glatter, meine Haut schöner. Wenigstens etwas!
  • ich furchtbar vergesslich wurde (das geht ja mit dem Stillen weiter). Ich habe mehrere Male die Haustür sperrangelweit offen stehen oder meinen Schlüssel stecken lassen.

All diese Dinge verrieten mich bei meinen beiden Schwangerschaften, was dazu führte, dass wir es nie bis zu den drei Monaten schafften. Alle wussten vorher schon Bescheid, was in einem Fall dazu führte, dass Freunde das mit einer Flasche Champagner begiessen wollten. Sehr witzig, wenn einem von morgens bis abends nur schlecht ist! (Und man schwanger ist und eigentlich nicht trinken sollte. Eigentlich.)

Ob Jennifer Aniston jetzt schwanger ist oder nicht, wenn es so weit ist, werden wir es wohl alle merken, bevor sie es eigentlich mitteilen wollten, wetten?

Wie war das bei Ihnen? Konnten Sie Ihre Schwangerschaft lange verheimlichen? Was verriet sie an Ihre Umgebung?

Kinder für alle?

von: Nathalie Sassine am: Donnerstag, 02.05.2013
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Nicht jeder kann sich Kinder leisten. Sollte arme Menschen deshalb auch keine haben?

Sie konnten sich Kinder leisten: Die Hiltons in den Achtzigern.

Heute geht es etwas philisophischer zu. Auf dem Blog «ars libertatis», der  – wie der Autor oder die Autorin selber schreibt – «Eigenwillige Betrachtungen und Spekulationen zu Philosophie, Wirtschaft, Politik, Kultur, Gesellschaft, Religion, Technologie und unserer Zukunft» anstellt, las ich folgenden Post: 

«Sollten sich alle Menschen Kinder leisten können?»

Unter anderem kritisiert die Autorin/der Autor, dass an der Debatte um die Familieninitiative von linker Seite immer wieder behauptet werde

Unbestritten ist: Die finanzielle Situation darf in der Schweiz nicht darüber entscheiden, ob sich jemand Kinder leisten kann.1

Diese Aussage veranlasst den Blogger dazu, sich Fragen zu stellen: «Wieso ist das unbestritten? Wieso sollte man sich stets Kinder leisten können, egal in welcher finanziellen Situation man sich befindet? Sollte dies auch für andere Dinge gelten? Für Häuser vielleicht? Für Flatscreen-Full-HD-TVs? Für Motorräder? Für Hunde und Katzen? Für Auslandsferien? Für Bordellbesuche?»

Worauf ich mich frage: Kann es sein, dass sich in einem der reichsten Länder der Welt auch nur Reiche Kinder leisten können? Darf es sein, dass man Kinder monetär mit einem Motorrad, einem Haus oder gar einem Besuch im Puff vergleicht? Worfür stehen Kinder in der Schweiz eigentlich? Für Besitz? Sind Kinder für uns Schweizer zum Statussymbol geworden?

Menschen mit kleinem Budget erhalten staatliche Unterstützung, damit ihre Kinder weitgehend dieselben Startchancen erhalten wie wohlhabende. Dass diese dennoch illusorisch sind, zeigt die Realität täglich. Der Mittelstand bleibt indes auf der Strecke. Wo aber müsste die Grenze gezogen werden? Und wer entscheidet darüber? Der Staat? Wäre da nicht gerade die Partei, die weniger Staat will, dagegeben? Wenigstens hätten dann nur die Kinder, die sich eine Mami leisten können, die zu Hause bei den Kindern bleibt!

Müsste man die Grenze nicht auch bei denen ziehen, die keine pädagogischen Grundsätze befolgen, nicht bio kochen und ihre Kinder in die Krippe geben?

Die Diskussion ist eröffnet: Wer darf Kinder haben?

Das bisschen Haushalt

von: Rita Angelone am: Dienstag, 30.04.2013
Tags:

Trotz Emanzipation und zunehmender Berufstätigkeit ausser Haus ist die Hausarbeit weiterhin Domäne der Frau. Halb so wild, sagt sich wohl der Mann.

«Und was mein Mann sagt stimmt haargenau, ich muss das wissen, ich bin ja seine Frau.» (Bild: © thinkstock.com)

Neulich beim Putzen habe ich mir Gedanken zu den Tätigkeiten im Haushalt gemacht und dabei ist mir das Lied von Johanna Von Koczian aus den 70er Jahren in den Sinn gekommen: «Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann.»

Wer macht bei Ihnen den Haushalt? Wie viel Zeit investieren Sie dafür?
«Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann.»

Weshalb reisst sich denn niemand um diese Aufgabe? Wer beteiligt sich bei Ihnen an der Hausarbeit?

«Wie eine Frau sich überhaupt beklagen kann, ist unbegreiflich, sagt mein Mann.»


Beklagen Sie sich auch? Und stossen Sie damit auf Verständnis? Oder begreifen Sie selber nicht, weshalb man sich darüber beklagen kann?

«Das bisschen Kochen ist doch halb so wild, sagt mein Mann.»


Wie oft kochen Sie pro Tag, pro Woche? Macht es Ihnen Spass?
«Was für den Abwasch ganz genauso gilt, sagt mein Mann.»

Gut, wir haben heute Geschirrspülmaschinen. Doch wer räumt diese bei Ihnen ein und aus?
«Wie eine Frau von heut' darüber stöhnen kann, ist ihm ein Rätsel, sagt mein Mann.»

Ja, was tut denn eine Frau von heut'? Welche Aufgaben übernimmt sie, welche nicht?


«Und was mein Mann sagt stimmt haargenau, ich muss das wissen, ich bin ja seine Frau.»

Sind Frauen selber schuld, wenn sie den Haushalt führen? Haben sie sich das selber eingebrockt?

Den Rest des Liedes können Sie selber nachlesen oder beim Haushalt machen am besten grad trällern und sich dabei Ihre eigenen Gedanken machen. Vielleicht verraten Sie uns, was Ihnen bei diesen Zeilen so alles durch den Kopf (oder durch den Magen) geht.

«Das bisschen Wäsche ist doch kein Problem, sagt mein Mann.

Und auch das Bügeln schafft man ganz bequem, sagt mein Mann.

Wie eine Frau von heut' da gleich verzweifeln kann, ist nicht zu fassen, sagt mein Mann.



Und was mein Mann sagt, stimmt haargenau,  ich muss das wissen, ich bin ja seine Frau.



Das bisschen Garten, oh wie wohl das tut, sagt mein Mann.

Das Rasen schneiden ist für den Kreislauf gut.
 Wie eine Frau von heut' das nicht begreifen kann, ist unverständlich, sagt mein Mann.

Er muss zur Firma geh'n tagein tagaus, sagt mein Mann.

Die Frau Gemahlin ruht sich aus zu Haus, sagt mein Mann. 

Dass ich auf Knien meinem Schöpfer danken kann, wie gut ich's habe, sagt mein Mann.
»

«Papa, warum denn nicht?!»

von: Nils Pickert am: Montag, 29.04.2013
Tags:

Kinder machen gerne Blödsinn. Aber Blödsinn ist nicht gleich Blödsinn – und das sollten Eltern zu unterscheiden wissen.

Eine Piratensocke, was denn sonst?! (Bild: Nils Pickert)

Kinder machen gerne Blödsinn. Das steht zwar nicht als Warnhinweis auf der Verpackung drauf (sähe als Tätowierung auf einem Frauenbauch auch reichlich albern aus), aber eigentlich sollte allen Eltern klar sein, worauf sie sich eingelassen haben. Das Problem ist nur, dass es solchen und solchen Blödsinn gibt und gestresste Eltern oft dazu neigen, beides gleich zu behandeln und gleich zu sanktionieren. Das ist schade, weil wir dadurch genau das abstrafen, was unseren Nachwuchs so liebenswert und einzigartig macht.

Kinder stellen Blödsinn an, weil sie rausfinden wollen, wie ihre Umgebung darauf reagiert, wenn sie ihnen allseits bekannte Regeln verletzten. Sie stänkern, schwindeln, mopsen Sachen und benehmen sich daneben. Woher sollten sie auch wissen, was Grenzen sind und wie sie sich anfühlen, wenn sie diese nur aus Geschichten und Ermahnungen der Eltern kennen und nie mal mit voller Wucht dagegentreten, um zu schauen, ob sie vielleicht doch einstürzen.
Es gibt aber auch anderen Blödsinn – und zwar die Sorte von Verhalten, das Kinder an den Tag legen, wenn sie sich und ihre Umwelt erforschen, das aber von Erwachsenen als zutiefst lästig und die Abläufe störend empfunden wird. Es gibt also den Blödsinn, den man macht und den Blödsinn, den andere befinden. Letzterer ist allerdings ein schlichter Etikettenschwindel.

Ein gutes Beispiel dafür ist Michel aus Lönneberga. Der Lindgrensche Prototyp aller Lausbuben stellt gar nicht so viel Unfug an, wie gemeinhin angenommen wird. Genau genommen überhaupt keinen, wenn Unfug eine wie stark auch immer geartete böswillige Absicht mit einschliesst. Er will niemanden verletzen und er tut nichts, um von seinen Eltern mehr Aufmerksamkeit  zu bekommen. Er ist mutig, hilfsbereit und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Michel will einfach raufinden, wie die Dinge funktionieren und tut dafür, was er kann. Dass er dabei nicht immer gleich an die Auswirkungen auf andere denkt, kann zwar oft sehr anstrengend sein, ist aber weder als Herausforderung noch als Feindseligkeit gemeint…

…habe ich mir heute Morgen gesagt und tief durchgeatmet, als mein Sohn mir seine Piratenstulpen gezeigt hat. Oder wie ich sie kenne: nagelneue Socken, die er vorn abgeschnitten und oben ein bisschen ausgefranst hat. Ich hab ihn gefragt, wie er überhaupt darauf kommen kann, das für eine gute Idee zu halten. Daraufhin hat er ganz irritiert und vollkommen ohne jede Ironie gefragt: «Papa, warum denn nicht?!» Ich hab es ihm dann erklärt, und er hat es mir erklärt. Jetzt wissen wir beide Bescheid.

Mal sehen, was als Nächstes passiert.

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