Darf Mann das?

von: Rita Angelone am: Dienstag, 17.07.2012

Damit die Männer ja nicht zu den Gehörnten gehören, rufen sie laut nach einem Vaterschaftstest. Jüngstes Beispiel: Italiens Fussballspieler Mario Balotelli.

Ein Bild, das in die Geschichte des Sports eingeht: Mario Balotelli im EM-Spiel gegen Deutschland.

Unterdessen weiss es die ganze Welt: Der italienische Fussballer Mario Balotelli soll angeblich Vater werden, die Mutter soll seine Ex-Freundin Raffaella Fico sein. Balotelli liess verlauten, er wolle nur die Verantwortung für das Kind übernehmen, wenn ein DNA-Test seine Vaterschaft bestätigen würde.

Längst sind es nicht nur Promis, sondern auch Normalsterbliche, die immer häufiger einen Vaterschaftstest verlangen, doch der Fall Balotelli-Fico kurbelt die Diskussion um Vaterschaftstests erneut an. Fachleute gehen davon aus, dass rund 5% der Kinder in der Schweiz «Kuckuckskinder» sind. Die Verunsicherung unter den Männern ist deshalb gross: Rund 800 Vaterschaften werden jährlich in den Schweizer Instituten für Rechtsmedizin abgeklärt. Dazu kommen mehrere hundert Fälle, die in Privatlabors untersucht werden – Tendenz steigend. In rund einem Viertel der Fälle ist die Skepsis berechtigt und das Kind kein leibliches.

Für Aufsehen (und letztlich auch Lacher) sorgten vor Balottelli bereits andere Fussball-Promis, die ihre Vaterschaft (zu Unrecht) in Frage stellten. So hatte Diego Armando Maradona während seiner Zeit beim SSC Neapel eine Affäre mit einer Neapolitanerin. Als sein Sohn zur Welt kam, verweigerte Maradona zunächst die Anerkennung der Vaterschaft, musste schliesslich jedoch Unterhalt zahlen. Auch Cristiano Ronaldo liess das Resultat eines One-Night-Stands mit einer Kellnerin überprüfen, als aber seine Vaterschaft mittels Test bewiesen wurde, war er deutlich grosszügiger als Maradona und bezahlte der Kellnerin mehrere Millionen Franken, damit sie ihre Identität geheim halten und ihm das alleinige Sorgerecht für das Kind überlassen würde.

Die Liste zweifelnder Väter könnte mit Eddie Murphy weitergeführt werden, der seine Vaterschaft über das Kind, das er mit Ex-Spice-Girl Mel B gezeugt hatte, ebenfalls zunächst bezweifelte und mittels DNA-Test dann doch anerkennen musste oder mit Fürst Albert von Monaco, Vater von zwei unehelichen Kindern, die ebenfalls erst mittels Vaterschaftstest zu ihrem Recht kamen.

Bei allem Respekt vor der Ur-Angst der Männer vor Kuckuckskindern: Dürfen Männer sich das Recht herausnehmen, eine Vaterschaft a priori anzuzweifeln? Ist ihnen bewusst, was sie mit diesem Misstrauensvotum bei Frauen auslösen können? Raffaella Fico soll Mario Balotellis Misstrauen jedenfalls schwer zugesetzt haben. Doch sie hat einem von ihm verlangten Test zugestimmt, um allen zu beweisen, dass sie Balotellis Kind in ihrem Schoss trage. In wenigen Monaten wird Klarheit herrschen. Die Beziehungen zwischen allen involvierten Parteien wird dadurch aber bestimmt nicht besser.

Was meinen Sie dazu?

Kommentare

von: Katharina am: Dienstag, 17.07.2012

"Dürfen Männer sich das Recht herausnehmen, eine Vaterschaft a priori anzuzweifeln?"

Natürlich darf er die Vaterschaft anzweifeln. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass eine Frau einem Man ein Kind unterjubelt.


"Ist ihnen bewusst, was sie mit diesem Misstrauensvotum bei Frauen auslösen können?"

Die Frage ist für mich falsch gestellt, sie müsste eher lauten: "Ist ihnen bewusst, was sie mit diesem Misstrauensvotum ihrer Beziehung antun?"

Doch, ich finde nicht, dass Männer in jedem Fall ungeprüft die Urheberschaft für ein Kind anerkennen müssen (mag nicht Vaterschaft schreiben, der Begriff ist für mich nicht durch die Genitor-Beziehung, sondern durch die Hege-Beziehung definiert).

Wo ich hingegen Mühe habe, ist mit heimlichen Vaterschaftstests im Nachhinein und mit Anzweifeln der Vaterschaft nach einer Trennung/Scheidung, Jahre nachdem das Kind als Sohn/Tochter des betreffenden aufgewachsen ist. Denn wenn ein Kind während einer Trennung/Scheidung dann auch noch das Gefühl vermittelt bekommt, der Vater wolle nun gar nichts mehr mit ihm zu tun haben, wolle nicht mal mehr sein Vater sein, dann ist das ganz mies für's Kind!

von: Brigitte am: Dienstag, 17.07.2012

Ich kann die Männer schon verstehen. Doch die Beziehung erst dann in Frage zu stellen, wenn ein Kind auf die Welt kommen soll, ist wohl auch ein wenig zu spät, oder?

von: Nicole am: Dienstag, 17.07.2012

Bei Balotelli gibt es ja an der Beziehung nichts mehr anzuzweifeln, weil sie ohnehin schon beendet ist....
Viele Vaterschaften werden in so einer Konstellation angezweifelt, auch wenn man - wie z.B. bei Beckers Tochter wohl keinen Test gebraucht hätte.... ;-)
Bei unseren beiden übrigens auch nicht... ;-)
Ich finde es absolut legitim, dass ein Mann, dem eine Frau verkündet, dass sie sein Kind erwarte oder von ihm ein Kind habe, das überprüfen lassen möchte. Selbst in vielen "intakten" Beziehungen gibt es dermassen viele Kuckuckskinder, dass man als Mann wohl schon versucht ist, das geklärt haben zu wollen... Und besser es testen lassen als in dieser Beziehung dauernd am Zweifeln zu sein.
Ich finde auch heimliche Tests legitim, solange ein Mann eben nicht einfach selber einen Test veranlassen kann, denn es kann meines Erachtens nicht sein, dass erst die Mutter oder ein Gericht das erlauben müssen.
Umgekehrt bin ich aber übrigens auch der Meinung, dass es dem leiblichen Vater gegenüber enorm grausam ist, wenn ihm die Mutter des Kindes, die mit einem anderen Mann verheiratet ist, keine Chance gibt, die Vaterschaft anzuerkennen. Wenn der Ehemann die Vaterschaft nicht aberkennt, so bleibt er kraft Eheschliessung einfach der Vater - egal, ob er es ist oder nicht. So müsste also jeder Mann, der eine ehrliche Beziehung eingehen möchte mit einer Frau, die noch verheiratet ist, zunächst auf der Scheidung beharren....

von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 19.07.2012

Was ist denn besser - ein ewig keimender Verdacht, ein ständiges, misstrauisches Betrachten des Kindes, seiner Ohren, seiner Augen, seiner Entwicklung - oder Klarheit? Ich finde, dass sowohl Mann als auch Kind das Recht haben zu wissen, ob sie blutsverwandt sind oder nicht. Wir Mütter haben die Situation ja verbockt, nicht sie.

von: Pippi Langstrumpf am: Montag, 24.09.2012

Ich finde auch, dass Männer immer das Recht haben müssen, genau zu wissen, ob sie der Vater sind oder nicht. Es wird halt in Beziehungen viel gelogen, von beiden Seiten, deshalb im Zweifelsfall lieber ein Test als dauerndes Misstrauen. Ich würde als Frau sogar soweit gehen, von mir aus einen Test zu fordern, wenn ich merken würde, dass er misstrauisch ist. Gerade wenn es unberechtigt ist, würde der Test mich ja unterstützen. Grundsätzlich verstehe ich nicht, wie man einem Mann ein Kind unterjubeln kann, das geht einfach nicht, hier hat jede Frau ehrlich zu sein.

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