Die Vaterrolle im Wandel
von: Rita Angelone am: Dienstag, 03.07.2012
Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen. Das Bild, wie ein Vater zu sein hat, hat sich im Lauf der Zeit gewandelt.

Er ist der Beste und Stärkste: Vater mit Sohn. (Bild: iStockphoto)
Spricht man heute von einem «Familienoberhaupt», tönt es befremdend, weil es so gar nicht zum Bild des neuen engagierten Familienvaters passt. Und lässt sich «Das Familienoberhaupt» in meinem Blog diese Bezeichnung gefallen, dann auch nur, weil sie so offensichtlich ironisierend ist und sie in nur genau zwei Fälle zutrifft: wenn es ums Auto fahren und ums Fussball schauen geht. Dann hängt das Familienoberhaupt gerne den Chef raus.
Doch wie entwickelte sich die Vaterrolle im Laufe der Zeit? Wie wurde aus dem Patriarch ein neuer Vater?
Die Autoritätsperson
Im 18. Jahrhundert war der Vater die Autoritätsperson in der Familie und traf alle Entscheidungen. Die Vater-Sohn-Beziehung war wichtiger als die Ehe. Die Ehefrau hatte sich ihm zu unterwerfen.
Der Ernährer I
Im 19. Jahrhundert wandelte sich der Patriarch zum Ernährer der Familie. Aufgrund der Industrialisierung wurden Familie und Arbeitswelt getrennt, was eine klare Rollenaufteilung zur Folge hatte: Der Vater ernährte die Familie, die Mutter erzog die Kinder.
Der Förderer
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte man erstmals öffentlich über die Rolle des Vaters. Neu wurde ihm ein aktives Engagement in der Ehe und Familie abverlangt. Die «gesellschaftliche Familie» war das Idealbild und der Vater sollte die Entwicklung seiner Kinder gezielt fördern.
Der Ernährer II
Während der Wirtschaftskrise in den 30er-Jahren und dem Zweiten Weltkrieg kehrte das Idealbild des Vaters als Ernährer und Beschützer zurück.
Der Disziplinierer
In den 50er-Jahren wurde der Vater zur Disziplinierungsperson. Dies allerdings nicht während des Alltags, sondern vielmehr in Freizeit und Sport: Der Vater sollte Vorbild sein, aber keine Windeln wechseln müssen. Der Mutter kam die Rolle der emotionalen Bezugsperson zu.
Der Unentschlossene
In den 60er-Jahren wurde wieder radikal über die Rolle des Vaters diskutiert. Im Zuge der sexuellen Revolution stiegen die Scheidungsraten. Vaterrechtsbewegungen kämpften erstmals für das Sorgerecht der Väter.
Der neue Vater
Der heutige neue Vater übt den Spagat zwischen seinen beruflichen Verpflichtungen und dem Wunsch, sich mehr um seine Kinder zu kümmern. Die Autorität des Vaters hängt immer noch zu einem grossen Teil von seinem wirtschaftlichen und beruflichen Status ab. Viele Väter fühlen sich von der Doppelbelastung überfordert.
Fazit
: Auch wenn sich im Verlaufe der Entwicklung die Rollen verändert haben, weisen sie doch immer wieder ähnliche Grundzüge auf: Aspekte des Ernährers, Beschützers und Disziplinierers treten regelmässig wieder auf und prägen auch heute noch das Bild des Vaters. Nichtsdestotrotz schlagen immer mehr Väter den Weg der aktiven Vaterschaft ein. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle diejenige des heutigen neuen Vaters in ein paar Generationen wieder ablösen wird oder ob es eine völlig neue Definition der Vaterrolle geben wird.
Quelle: Vaterrolle im Wandel der Zeiten, www.welt.de
Wie neu sind neue Väter eigentlich? Und wohin könnte die Reise gehen?
Spannende Zusammenfassung.
Interessant übrigens, dass es sich bei den beschriebenen Vaterbildern, insb. vom Vater als Alleinernährer, vor den 1950er Jahren um ein anzustrebendes Ideal handelte, das nur eine kleine, privilegierte Minderheit leben konnte. Erst in der Nachkriegszeit, der Vollbeschäftigung und den sozialen Errungenschaften wie der ALV und AHV wurde das Modell des Alleinernährers für einen grossen Teil der Familien möglich.
So, fertig besserwissert, merci Rita für diesen Artikel!
Zum Weiterlesen für die mitlesenden Väter: Jesper Juul "Mann und Vater sein"
http://shop.famlab.de/VATER+SEIN
Hihi, bei uns bin ich auch der Autofahr-Chef (ich komme aus den Bergen und weiss, wie man fährt.... ;-)), und fürs Fussball interessiere ich mich auch eher mehr als mein Mann....
Das, was Katharina geschrieben hat, ist mir auch eingefallen. Und noch was: Es gab und gibt immer Väter, welche aus dem typischen Rollenbild rausfallen, zum Glück. Ich selber bin in den 70er-Jahren mit einem Vater aufgewachsen, der dauernd da war. Meine Eltern haben ein Restaurant geführt, und wir haben im gleichen Haus gewohnt, und so habe ich megaviele Alltags-Erinnerungen mit Papi. Zum Glück, denn er ist leider gestorben, als ich erst 15 war....
In gleichberechtigten Elternbeziehungen erachte ich die Rollen von Vater und Mutter bezüglich Status und Autorität als ebenbürtig. Vater und Mutter haben aber trotz Gleichberechtigung unterschiedliche Rollen - und ich finde es für die Kinder wunderschön, wenn sie von beiden ganz viel mitbekommen.
Ja, wirklich spannende Zusammenfassung! Wenn man sich das gut überlegt und vergleicht und sich auch zurück erinnert, ist es schon so, dass die Rollen immer wieder auftauchen. So wie eben Trends es auch tun. Autoritär erziehen, antiautoritär erziehen - auch das.. mal so und dann mal wieder eher so. Ich bin auch gespannt, wie die Vaterfigur sich weiterentwickelt!
Meine Vaterrolle könnt Ihr bei www.taunus4family.de unter weblogs als "Mein Leben als Familienvater" und im gleichnamigen Buch erkennen. Viel Spaß dabei! liebe Grüße, Hans-Peter
@Rita: Hast du dich mit Bänz Friedli abgesprochen? ;-)
http://www.migrosmagazin.ch/leben/der-hausmann/artikel/kocht-hier-der-chef
... Bänz Friedli wohnt imfall gleich nebenan...! :-)