Frühstücks(g)rollen

von: Eva Assignon am: Freitag, 08.04.2011
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Ein kleines Weekend-Theater. Völlig frei erfunden. Aber mitten aus dem Leben gegriffen.

Klare Rollenverteilung – und dennoch kein eitel Sonnenschein: Morgenszene aus «Mad Men».

Samstagmorgen, er muss zur Arbeit. Das Kind ist seit sechs Uhr auf, mit ihm die Mama. Er steht kurze Zeit später auf und duscht. Der Besucher, ein Freund aus Paris, schläft noch im Wohnzimmer auf der Couch.

Die Mutter, noch im Pyjama, bereitet das Frühstück zu. Es fehlen: Brot, Milch, Käse.

Sie zu ihm: Es fehlen Brot, Milch, Käse.

Ungesagt bleibt: Fährst du rasch zur Tankstelle und kaufst ein?

Er: Aha. (Er ist dabei, sich anzuziehen. Merke: Wenn Männer dabei sind, sich anzuziehen, können sie nicht gleichzeitig ihrer Frau zuhören. Besser wäre, die Frau wartet, bis der Mann mit seiner Tätigkeit fertig ist, stellt sich ihm dann, bevor er zur nächsten Tätigkeit wie z.B. Hemd zuknöpfen, Schuhe binden etc. übergeht, gegenüber, wobei der Abstand nicht mehr als einen Meter betragen sollte, fixiert ihn mit ihrem Blick, und spricht dann, laut, aber nicht zu laut, klar und deutlich, aber nicht zu klar und deutlich, vergewissert sich, ob er alles verstanden hat und wartet auf seine Antwort.)

Die Frau begibt sich wieder in die Küche, kocht Kaffee, deckt den Tisch und presst, um nicht tatenlos herumzustehen, zahlreiche Orangen aus. Das Kind schmeisst daneben fröhlich mit Töpfen und Deckeln um sich.

Währenddessen wartet sie. Auf ihren Mann, dass er schwungvoll um die Ecke käme, sich den Autoschlüssel schnappe, ihr eine Kusshand zuwerfe und fünf Minuten später mit Brot, Milch und Käse zurück sei. Darauf hat sie den Kaffee getimt, die Spiegeleier, den Appetit des Kindes, das Aufwecken des Gastes.

Der Mann steht derweilen vor dem Spiegel und freut sich auf sein Spiegelei. Er hat nicht gehört, dass die Frau ihm mitteilte, dass Brot und Milch fehlen. Er hat auch nicht gehört, dass sie nicht gesagt hat, dass sie aber von ihm erwartet, dass er rasch zur Tankstelle fährt und einkauft. Er hat auch nicht gehört, dass sie ihm nicht gesagt hat, dass er bereits gestern Milch und Brot hätte kaufen sollen, da er derjenige sei, der am Vortag für Kind und Frühstück zuständig war, und dass er somit hätte bemerken müssen, dass Milch und Brot ausgegangen seien.

Und während die Frau also im Pyjama dasteht in der Küche und, immer ungeduldiger werdend, Orangen auspresst, und die Zeit knapp und knapper werden spürt; während ihr Kind langsam hungrig wird und der Gast den Kopf hereinsteckt und auf den Frühstückstisch lugt, auf dem Brot und Milch und Käse fehlen, steht der Mann noch immer vor dem Spiegel, überlegt gerade, ob er nicht vielleicht doch das bordeauxrote Hemd anziehen soll, als ihm seine Frau, ihren Zorn nur mühevoll verbergend, an den Karren fährt. Erst jetzt realisiert der Mann, dass Brot und Milch fehlen, und dass sich ohne Milch und Brot nur schwer frühstücken lässt, und dass seine Frau von ihm erwartet, dass er schnell zur Tankstelle fährt.

Er zu ihr: Oh, es hat keine Milch und kein Brot? Dann kaufen mein Gast und ich unterwegs ein Croissant und essen im Auto.

Ungesagt bleibt: Meine Frau ist eine Enttäuschung. Nicht mal ein ordentliches Frühstück kann sie zubereiten. Nicht mal eingekauft hat sie. Wo sie doch eine Frau ist. Mein Gast hat eine viel bessere Frau, die kocht ihm sogar vor, wenn sie mal weg ist, friert es dann ein und schreibt «Montag Mittag, Schweinevoressen, 10 Minuten Mikrowelle» oder «Dienstag Abend, Filet mignon, Nudelsalat steht im Kühlschrank» drauf. Mein Gast wird mich für unmännlich halten, bei solch einer Frau, die nicht mal ein ordentliches Frühstück zubereiten kann. So eine Schande, und überhaupt, wo ist mein Spiegelei!

Sie zu ihm und zum Gast, dem Freund aus Paris: Dann geht doch, und überhaupt, ihr könnt mir in die Schuhe blasen!

Ungesagt bleibt: Schluchz, die beiden ziehen ein Croissant im Auto einem gemeinsamen Frühstück mit mir und dem Kind vor. Männer. Ignoranten. Haut doch ab und lasst euch hier nie mehr blicken. Schluchz, und was mache ich jetzt mit dem ganzen Orangensaft? Und mein vornehmer Herr Gast aus Paris, erzähl doch deiner Frau, dass ich neben der Kindererziehung und dem Haushalt zwei Betriebe schmeisse, dass mir die Arbeit aus den Ohren wächst, und dass ich rein organisch keine perfekte Hausfrau sein kann.

Nun, die Geschichte vom Mann und der Frau ist noch nicht fertig, und trotzdem macht es aus nachvollziehbaren Gründen Sinn, mit der Schilderung der Ereignisse hier Schluss zu machen. 

Bitte kreuzen Sie zur Vergegenwärtigung der Schlussfolgerungen an (mehrere Möglichkeiten sind erlaubt):

a) Es hat keinen Sinn mit Mann und Frau.

b) Es würde schon gehen, würden Mann und Frau nur kommunizieren lernen.

c) Es wäre alles sehr viel einfacher, wären die Rollen klar verteilt: Er: Job. Sie: Kind und Haushalt. Oder umgekehrt.

d) Männer sind weniger intelligent als Frauen.  

e) Frauen sind weniger intelligent als Männer.

f) Männer sind aufgrund ihrer geschlechtlich bedingten Einseitigkeit für die anspruchsvolle Aufgabe der Hausfrau nicht geeignet. 

g) Von Gästen aus Paris wird abgeraten.

h) Der Mann hat Recht.

i) Die Frau hat Recht.

k) Mir doch egal, du bescheuerte Zicke.

 Autorin
Eva Assignon ist Initiantin und Betreiberin von www.bestefreundin.ch, wo sie seit 2008 auch den Business-Mama-Blog schreibt. Sie ist ausgebildete Naturheilpraktikerin/Homöopathin und arbeitet heute als Betreuerin in einer Tagesschule. Zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn lebt sie in Langenthal/BE.

Kommentare

von: tigerlilly am: Freitag, 08.04.2011

AHHHH! Eva ist die Beste! Das ist perfekt auf den Punkt gebracht und à point gekocht, das Süppchen...genau so ist es und genau damit hadere ich auch. Danke. Der Blogpost wird ausgedruckt, heute abend meinem Mann hingestreckt "lies mal!" und er wird die Schultern zucken und grummeln "ja und wo ist das Problem?!"

von: Brunhild Steiner am: Freitag, 08.04.2011

@tigerlilly: das Hadern erübrigte sich wenn Sie statt Ausdruck unter die Nase halten eben den weiblichen Kardinalfehler vermeiden und klare Ansagen /Aussagen machen ;-).
Die Geschichte liest sich amüsiert- aber eigentlich ist es ja zum weinen dass wir immer wieder in die Falle "er sollte doch wissen was ich damit meine auch wenn ich es nicht wirklich klar zum Ausdruck gebracht habe"-Falle tappen... .

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