Glücklich ist, wer eine Schwester hat

von: Monique Brunner am: Freitag, 05.11.2010

Menschen mit Schwestern sind optimistischer und ausgeglichener. Schlechter als Einzelkindern ergeht es nur noch Menschen mit Brüdern, besagt eine britische Studie.

Geht Natur vor Kultur? Glückliche Schwestern. (Bild: ©iStockphoto)

Beim 2. grossen Ultraschalltermin fragte mein Gynäkologe vor der Untersuchung meine Tochter, ob sie sich denn ein Brüderchen oder ein Schwesterchen wünsche. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: «Eine Schwester!» Und als ob gleich die Barbapapas über den Bildschirm flimmern würden, starrte sie erwartungsvoll auf den Computerbildschirm.

Meine Tochter sollte sogleich schmerzlich erfahren, dass man im Leben nicht alles kriegt, was man sich wünscht. Auf dem Bildschirm prangte nämlich unverkennbar das, was Mann von Frau trennt. «Du kriegst ein Brüderchen», sagte der Arzt zu meiner Kleinen. «Nein!», hallte der Schrei durch das kahle Untersuchungszimmer, «den will ich nicht.»

Womöglich wusste sie intuitiv, dass sie fortan das Glück der Familie allein auf ihren schmalen Schultern zu tragen hätte. Denn laut einer britischen Studie machen Schwestern glücklich. Gemäss Untersuchungen von Sozialpsychologen der Universitäten Ulster und De Montfort fühlen sich Menschen mit weiblichen Geschwistern ausgeglichener und optimistischer als Menschen, die nur Brüder haben. Sozialpsychologe Tony Cassidy von der Universität von Ulster: «Schwestern fördern die offene Kommunikation innerhalb der Familie und stärken so den Zusammenhalt.» Besonders in familiären Stresssituationen wie einer Trennung oder Scheidung macht sich der positive Effekt bemerkbar (oder waren die Mädchen gar mit ein Grund für die Scheidung? siehe: Ruinieren Töchter die Ehe?). Denn Mädchen redeten eher über ihre Gefühle und ermunterten auch andere dazu, das zu tun, wie die Studienautorin Liz Wright in der Zeitschrift «Psychologie heute» ausführt. Ganz im Unterschied zu Brüdern: «Brüder neigen dazu, Probleme totzuschweigen.»

Die Sprachwissenschafterin und Buchautorin Deborah Tannen will die Studie nicht geschlechterspezifisch gedeutet haben, denn Frauen und Männer kommunizierten anders, wie sie in ihrem Buch «Du kannst mich einfach nicht verstehen» (englischer Titel: «You Just Don’t Understand») aufzeigt. Für sie ist das Entscheidende das Gespräch an und für sich und nicht, dass man über Gefühle spricht.

Und auch ich frage mich: Ist tatsächlich die Geschlechterkonstellation ausschlaggebend für die Zufriedenheit in der Familie? Geht Natur vor Kultur? Sind wir unserer biologischen Prägung tatsächlich ausgeliefert oder tragen wir nicht hauptsächlich zur Zufriedenheit bei, wie wir in der Familie das Zusammenleben gestalten? Wie sehen Sie das?

Kommentare

von: Elisabeth am: Freitag, 05.11.2010

Wir sind ein Familie mit 5 Kindern. Zuerst waren es 2 Buben dann ein Mädchen und dann wiederum ein Bub und dann ein Mädchen. Ich hab mir immer ein Mädchen gewünscht doch wenn sie Teenagers werden ist es sehr schwer auszuhalten. Meine erste Tochter war ein Gefühlsmonster und hat mich hundertfach aus dem Häuschen gebracht. Jetzt wo sie für ein Jahr ausgezogen ist, ist es viel ruhiger und ich schlimm ist das ich es relativ gelassen nehme dass sie mit 16 schon weg ist! Sie macht ein Jahr Französisch und plant sogar noch länger weg zu bleiben. Ich hab sowieso nichts mehr von ihr gehabt da sie in der Freizeit nur mit den Freunde ist. Die Buben sind viel unkomplizierter und machen selten Radau um ihre Person. Sicher gab es auch Zwischenfälle. Doch nicht so oft. Und ich musste niemit ihnen herum schreien weil sie mich in die Weißglut führten.
Ich fürchte dass die jüngste auch mal so wird. Jetzt ist sie noch ein kleiner Engel aber wie lange noch?

von: max am: Freitag, 05.11.2010

So wie es jetzt läuft sind Buben Störfaktoren in den Familien, weil eine brauchbare Erziehung als "traditionelle Familienwerte" verschrien wird von der linken Elite.


Wir leben in einer Zeit, wo man Buben gar nicht mehr zu Männern erzieht. Die gesamte Wirtschaftswelt verbubelet, kaum mehr jemand in der Schweiz ist produktiv. Die meisten Beruf bestehen aus der Aufgabe zu kontrollieren, dass jemand schaut, dass jemand anderes die Arbeit macht. Solches können auch Frauen beim Käfelen am Konferenztisch erledigen, beim Käfelen vor dem Bildschirm, beim Tratschen am Photokopierer.

Die wirklich produktive Arbeit erledigen 1 mio. Arbeitssklaven in China und Indien. Ohne die würden unsere emanzipierten Frauen gezwungen, wieder wirkliche Arbeit zu leisten, sich auf die Männer zu verlassen und Buben zu Männern zu erziehen.

Mein Vater, 15-jährig geworden, schaute dem Vernehmen nach in den Stubenwagen des neugeborenen vierten Kindes meiner Grossmutter und möffelte: "Öu scho wider e Schwoscht". Und seine Erinnerung ist, dass keine Kinder so schrecklich miteinander streiten und nie damit aufhören wie Schwestern.

Das hat sich auf jeden Fall bestätigt, nachdem meine Grossmutter gestorben war.

von: studimutter am: Freitag, 05.11.2010

So habe ich die Familienkonstellation gar noch nicht betrachtet. Selbstverständlich hätte ich mich auf beide Geschlechter gefreut, nun habe ich zwei Jungs. Gut fand ich, egal Mädl oder Junge, dass sie das selbe Geschlecht haben. Weil, so meine Überlegung, haben sie evtl mehr Gemeinsamkeiten, verbünden sich gegen die Eltern etc. Ich habe eine Schwester und retrospektiv denke ich, dass dies die Hölle für meine Eltern war. Täglicher Zickenkrieg, den wir nicht als solchen wahrnahmen aber das Rumgekeife unsere Eltern zur Verzweiflung trieb :-)

von: Brunhild Steiner am: Freitag, 05.11.2010

...nie besonders ermutigend wenn wieder mal eine Studie den Nachweis erbringt, dass wir uns allergrösste Schwierigkeiten einhandeln werden weil wir blöderweise genau diese Konstellation aufweisen..., die Zukunft wird es zeigen.
Was mir jedoch von Beginn weg wichtig war, diese heranwachsenden Geschwister über den Wert von Geschwisterschaft "zu lehren". Mit ihnen von klein auf über das Geschwistersein zu sprechen, völlig egal, was davon sie überhaupt schon verstehen können oder nicht. Wenn ich ihnen heute zuhöre, wie sie untereinander über sich als Brüder und Schwester sprechen, was es für sie bedeutet usw., (alle noch im Primarschulalter) dann hab ich nicht den Eindruck dass dieser Einsatz das Falscheste war.

von: Irene am: Freitag, 05.11.2010

Solche Aussagen haben in meinen Augen etwas Anmassendes! Es gibt so viele Faktoren, ob ein Kind glücklich aufwächst oder nicht. Wer garantiert einem, dass man mit einer Schwester ein gutes Verhältnis hat? Ich bin übrigens Mutter eines glücklichen Einzelkindes und meine ebenso glückliche Kindheit habe ich als Schwester eines Bruders verbracht...

von: alam am: Freitag, 05.11.2010

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Buben, aber immer gleich zu werten und jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben, mag ich nicht mehr hören. Noch dazu für etwas, auf das niemand einen Einfluss nehmen kann. Oder soll das ein Plädoyer für die vorgeburtliche Geschlechterbestimmung sein? Oder wollt ihr einfach wieder mal dem lieben Max eine Plattform für seine Ergüsse bieten?

von: Andrea Strahm am: Freitag, 05.11.2010

@elisabeth: die Tochter als Gefühlsmonster bezeichnen und froh sein, dass sie weg ist - ufff... also da habe ich Wahnsinnsmühe. Die tut mir echt Leid. Kann ich nicht nachvollziehen, obwohl ich auch zwei Teenies habe.

von: mueti am: Freitag, 05.11.2010

Zu was für einem Ergebnis kommt wohl diese Studie wenn ich 7 Schwestern habe.
...und dazu noch 8 Brüder?

von: max am: Freitag, 05.11.2010

@Elisabeth

Finde ich schön, dass Sie jetzt ein Jahr Ruhe haben und sich erholen können. Vielleicht gibt es eine andere Zeit, wo Ihre Tochter und Sie sich in anderen Dingen näher kommen.

Hauptsache, sie nimmt das Leben und die Aufgaben ernst, die sich stellen. Das kann sie auch in der Fremde.

von: klara moser am: Freitag, 05.11.2010

weshalb soll es Einzelkinder schlecht gehen?

von: zamboli am: Freitag, 05.11.2010

Wenn doch nur immer etwas in eine Schachtel gepackt werden kann. Da streben wir Individualität an und sollen doch immer schön der Norm entsprechen. Wir haben Buben und Mädels und finden das Zusammenspiel genial.

von: Katharina am: Samstag, 06.11.2010

"unserer biologischen Prägung tatsächlich ausgeliefert"

Jaja, ich ein Zombie meiner Gene. Alles ist vorbestimmt durch DNA, der numerologie des geburtsdatums und das karma.

dumm ist, dass die simple alltaegliche realitaet sowas staendig luegen straft.

I have a free will, therefore I break such rules...fine shoot me then, it would be a cost efective short cut to the one surely predetermined event in my life: the end of it.

bunch a crap such studies.

von: Pierre am: Sonntag, 07.11.2010

Wieviel Lebenserfahrung fehlt noch, dass man sich solche Fragen stellt? Ich würde es nicht ganz so krass ausdrücken, wie meine Vorrednerein, aber wenn Ihre schliessliche Fragen ernstgemeint sind (biologische Prägung etc.), dann kratze ich mir schon etwas mein ergrautes Haupt. Freuen wir uns auf ein neues Geschwisterchen, Punkt, und dass Leben, das damit auf diese Erde kommt!

von: Irene am: Sonntag, 07.11.2010

@Klara Moser
Das frage ich mich auch. Diese Aussage finde ich eben ziemlich frech und daneben. Also unserem Einzelkind gehts sogar sehr gut!

von: mirjam am: Montag, 08.11.2010

Meien arme Jungs: in die Schule sind sie nicht willkommen, wachsen ohne Schwester auf. Bin ich froh das die Psychiater in die Zukunft Arbeit haben......

von: Dave am: Montag, 08.11.2010

solche studien sollte man eh nicht all zu ernst nehmen. mal ist es so mal so. und wie die auswahlkriterien waren, darüber wird nicht diskutiert. geschweigedenn einleitend aufgeklärt.
aber es passt grad so schön in die welt, wo männer als alles mögliche als sündenböcke hinhalten müssen.
nur diese männer, die aus einer generation kommen, die fast ausschliesslich von frauen auf- und erzogen wurden sagt das viel mehr über das biotop aus, von wo sie her kommen.

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