Hausgeburt mit Kindern?

von: Nathalie Sassine am: Montag, 13.12.2010
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Kann die Anwesenheit der Kinder bei einer Geburt wirklich so romantisch sein?

JeKaMi-Geburt: Trauma oder Erinnerung für's Leben?

Ich gebe es zu: Als ich im letzten wir eltern den Titel “Die Geburt als Familienevent” lese und die Bilder dazu überfliege, reagiere ich erst einmal empört. Als erstes fällt mir mein damals viereinhalbjähriger Sohn ein, der die Tränen unterdrücken musste und sehr eingeschüchtert war, als er mich im Krankenhaus besuchen kam, in dem ich ein paar Stunden zuvor seine kleine Schwester zur Welt gebracht hatte. Er schaute mich etwas ängstlich an, wahrscheinlich weil ich immer noch Schläuche im Unterarm habe und aussehe wie ein Zombie nach einer durchzechten Nacht. Mein erster Impuls besteht darin, ihm zu versichern, dass es Mami gut geht, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Als ich ihn beruhigt habe, da erst erkundigt er sich nach seiner Schwester, die er sogleich ins Herz schliesst und mit der er auch nach zwei Jahren noch sehr gut auskommt.

Ob ich ihn hätte dabeihaben wollen, als ich mit Wehentropf dalag und mir während Stunden die Schmerzen aus dem Leib schrie? Natürlich nicht! Und zwar nicht nur deshalb, weil er vielleicht ein Leben lang nie vergessen würde, wie er seine Mutter hatte leiden sehen müssen. Auch weil ich Angst hätte, er würde der kleinen Schwester eventuell übelnehmen, dass Mami „wegen ihr“ so weh gehabt hatte. Das mag bei grösseren Kindern anders sein, denen kann man besser erklären, was eine Geburt mit sich bringt, aber einem kleinen Jungen, der gerade erst den Kindergarten begonnen hat?

Glauben Sie mir, ich bin keine dieser Mütter, die ihre Kinder überbeschützt, aber sie unnötig beunruhigen, damit es eine Geburt miterlebt, um daraus einen Familienevent zu machen? Es ist doch so: Im Endstadium meiner Schwangerschaften wollte ich ähnlich wie ein Kiffer die ganze Welt umarmen, ich liebte sogar den Taxifahrer, der uns zum Krankenhaus fuhr. Ich kann das Bedürfnis, seine Familie bei diesem einzigartigen Erlebnis um sich zu scharen also sehr wohl nachvollziehen. Trotzdem finde ich die Idee, die Kinder hier dabeihaben zu wollen trotz allen plausiblen Erklärungen einfach egoistisch. Und was ist daran auszusetzen, die Geburt einfach nur mit dem Kindsvater zu verbringen? In trauter Zweisamkeit? Schliesslich nehme ich meine Kinder auch nicht ins Restaurant mit, wenn wir Hochzeitstag feiern.

Ich habe mir damals viele Gedanken gemacht, wie wir unseren Grossen vorbereiten, damit er sich nicht ausgeschlossen fühlt, wenn Mama und Papa ins Krankenhaus müssen. Ein Wochenplan half uns dabei, unser Kind versorgt und in vertrauter Umgebung zu wissen. Er besuchte mich nach der Geburt jeden Tag und zu hause ging das Leben weiter, wir waren jetzt einfach zu viert.

Wie ich mich gefühlt hätte, wäre der kleine Mann im Gebärsaal anwesend gewesen? Schlecht, soviel steht fest. Ich erinnere mich, wie ich mich bei uns zu Hause zusammenreissen musste, als ich mir einmal ziemlich tief in die Hand geschnitten hatte. Damit er keinen Schrecken kriegt, da ich ziemlich viel Blut verlor. Nun, ich glaube nicht, dass ich mich während der Wehen, die irgendwann alle paar Minuten kamen, so hätte zusammenreissen können. Im Artikel steht zwar, das Kind müsse die Gelegenheit haben, nach draussen gehen zu können. Aber kann sich die Mutter dann noch konzentrieren, wenn sie weiss, der Kleine musste raus, weil es ihm zuviel wurde? Wenn er jetzt draussen steht und weiss ich was denkt? Und was, wenn man seine Anwesenheit auf einmal mitten drin bereut?

Kürzlich erzählte ich im Bekanntenkreis, ich hätte bei der letzten Geburt gar nicht soo lange und schlimme Wehen gehabt. Worauf mein Mann mich konsterniert anschaute und fand, ob ich wirklich an derselben Entbindung gewesen sei wie er? Anscheinend hatte ich die Situation etwas anders in Erinnerung. Kann es sein, dass die portraitierten Familien sich ihre romantischen Erinnerungen mit Kind im Nachhinein schön reden?

Der andauernde Trend "Back to Nature" ist zusammen mit der Tragetuch- und Still-Diskussion einfach nicht mein Ding. Ich lebe in einer modernen Welt, habe einen Blackberry und einen Facebook-Account, bin meistens mit dem Auto unterwegs und benutze die Mikrowelle. Weil ich im 21. Jahrhundert lebe und nicht einsehe, wieso ich mich künstlich darum reissen soll, auf die uns gegebenen Annehmlichkeiten zu verzichten. Und ja, ich hatte einen Kaiserschnitt. Nicht freiwillig, aber im Nachhinein froh drum.

Mir geht es nicht darum zu sagen, dass eine Geburt mit Kindern etwas Schreckliches ist. Aber für mich wäre sie nie in Frage gekommen, auch dieser sehr einfühlsam geschriebene Artikel hat daran nichts ändern können.

Kommentare

von: Brunhild Steiner am: Montag, 13.12.2010

Ich kenne die Portraits nicht, aber sind denn in den "Naturkulturen" die Kinder bei einer Geburt bewusst/gewollt dabei, oder würden die eher zufällig dazustossen (und dann schnell wieder verschwinden)?
Mir wäre das Risiko, dass mein Kind dies im jugendlichen/erwachsenen Alter rückblickend als massiven Übergriff empfindet, viel zu hoch. Und ich denke nicht, dass ich die Schreie und das schmerzverzerrte Gesicht meiner unter Geburtsschmerz leidenden Mutter je aus dem Gedächtnis bekommen hätte- an die Kulisse meiner eigenen kann ich mich zum grossen Glück ja nicht erinnern :-)

von: Maja am: Montag, 13.12.2010

Blogs sind schon was Tolles. Da kann die Journalistin in Ich-Form endlich mal ihre persönliche Meinung zum Besten geben und gleich noch einen Rundumschlag gegen alles Natürliche plazieren. Hoffentlich hats gut getan. Spannend zu lesen wars nicht.

von: Brunhild Steiner am: Montag, 13.12.2010

@Maja: und wer definiert aufgrund welcher Kriterien was in diesem Zusammenhang hier nun "natürlich" ist und was nicht?

von: Veronica am: Montag, 13.12.2010

Toleranz, kann ich nur sagen! Wir sind zum Glück nicht alle gleich. Ausserdem: Die 14-jährige war ja aus freien Stücken dabei, zum 2. Mal übrigens, das 1. Mal mit 8 Jahren - von Schönreden kann da wohl nicht mehr die Rede sein.

von: nadine am: Montag, 13.12.2010

das finde ich, ist ein ganz persönliches thema... vermutlich ist es - wie bei vielen anderen situationen - so, dass die kinder je nach dem damit umgehen können, wie die eltern damit umgehen.. wenns für mama die natürlichste sache der welt ist, zu entbinden, während die anderen kinder plantschen, jänu... dann sei es darum.. jedem das seine!

für mich persönlich wärs nie in frage gekommen.. und gott sei dank - denn: spätestens während der komplikation wäre vermutlich dann eine etwas kompliziertere situation daraus entstanden, wo das geschwisterkind dann in erster linie untergegangen wäre... einfach, mal so zur anregung! und nein: die komplikation wäre nicht vorauszuahnen gewesen... insofern hätte es jede treffen können!

von: lilifee am: Montag, 13.12.2010

Mir gehts wie Brunhild Steiner: Ich hätte nie vor meinen Kindern geboren. Finde aber das Argument der Psychologin im Artikel, dass die heutige Gesellschaft dazu tendiert, Kinder von Tod und Geburt auszuschliessen bedenkenswert. Beides gehört zum Leben. Zumindest ab einem gewissen Alter dürfte freiwilliges Dabeisein nicht mehr übergriffig sein. Aber ich betone: ab einem gewissen Alter.
Dreijährige würde ich damit nicht konfrontieren wollen

von: hanna am: Montag, 13.12.2010

@maja - ja, liebe Maja - Blogs sind eben genau deshalb was tolles, weil man die eigene Meinung einbringen kann. Weil so ein Dialog entstehen kann über ein Thema, das man im Magazin liest. Auch Deine Meinung ist hier erwünscht. Aber nur weil die Schreiberin eine andere Meinung hat, macht das den Blog noch lange nicht blöd

von: Anita am: Samstag, 18.12.2010

meine 4,5 jährige tochter war bei der geburt ihrer kleinen schwester bewusst mit dabei.
meine grosse tochter musste mich nicht geschockt im spital besuchen, sondern war ein teil davon, als ihre kleine schwester geboren wurde. sie hat sie mit uns empfangen und wurde davon nicht ausgeschlossen (als einzige der kernfamilie).
ich kann ankzeptieren, dass nicht jede frau das so haben möchte...aber das ein natürlicher vorgang so distanziert behandelt wird, als wäre es was schlechtes für ein kind, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

von: Brunhild Steiner am: Samstag, 18.12.2010

@Anita: ich hätte einfach Angst dass das zuschauende Kind mit meinem Schreien (und die Dezibelstärke hab ich weder vorher noch nachher erreicht, und das war auch vor der Türe zu hören...) , dem schmerzverzerrten Gesicht, der blutigen Sauerei (etc)total überfodert wäre, oder dies später als unangenehme Erinnerung hochkommen würde.
Ich hätte sowieso keine Minute für es dasein können da nach der Geburt beide male kollabiert. Die dritte Geburt war ein KS, und dort hätte sowieso keines der Geschwister anwesend sein können (nimm ich jedenfalls an, erkundigt habe ich mich nicht, da ich es ohnehin nicht wollte)

von: Céline am: Dienstag, 21.12.2010

Eine wirklich sehr persönliche Sache - und der Entscheid für oder gegen die Anwesenheit von Geschwistern bei einer Geburt ist wohl in der jeweiligen Lebensbiographie aller Anwesenden zu suchen und zu finden. Ich möchte hier niemanden verurteilen, der die Kinder bei der Geburt dabei oder eben nicht dabei hatte - denn jede/r, der/die sich dafür oder eben dagegen entscheidet, wird seine ganz persönlichen Gründe dafür oder dagegen haben... Vielleicht sollten wir einfach alle etwas offener werden in Bezug auf Dinge, die wir uns vielleicht für uns persönlich nicht vorstellen können, die aber für andere Menschen genau das Richtige sind? Leider tendieren viele Menschen dazu, jeweils gerade das, was sie als richtig erachten, auch als richtig für alle anderen Menschen zu betrachten.
Weil es in unserer Gesellschaft nun einfach mal mehrheitlich so ist, dass man ins Spital geht zum Gebären (oder entbunden zu werden), hat diese Praxis nach sich gezogen, dass Geschwister bei einer Geburt nicht dabei sind und davon auch nichts mitbekommen sollen (wie auch allfällige Nachbarn, andere Verwandte etc).
Ob dies nun gut oder schlecht ist, möchte ich selber nicht beurteilen - denn wie geschrieben hat ja jede Familie ihre eigenen Werte und ihre eigene Biographie.
Ich selber hatte bisher fünf Hausgeburten und liess es jeweils auf uns zukommen, ob dann Geschwister bei der Geburt anwesend wären oder nicht. Wir hatten aber immer eine externe, nah gelegene Betreuungsmöglichkeit für unsere Kinder organisiert - für den Fall, dass es unseren Kindern oder mir (oder meinem Mann) nicht wohl sein sollte bei der Sache. Bei der Geburt unseres zweiten Kindes war mein Mann am Morgen an das andere Ende der Schweiz in den WK eingerückt und musste sein Natel ausschalten. Da ich dann ganz alleine die Geburtsvorbereitungen (Wasser kochen, Wanne mit Wasser füllen, alles nötige bereitlegen, telefonieren) machen durfte und dazu noch mit dem Verarbeiten der recht heftigen Wehen beschäftigt war - und den Eindruck hatte, dass es unserer damals knapp zweijährigen Tochter zuviel wurde rsp. dass sie jemanden gebraucht hätte, der sie dabei betreut und ihr alles erklärt hätte, entschied ich mich, die Betreuungsperson (meine Schwiegermutter) zu informieren und unsere Tochter wegzugeben. Nun, die Geburt ging sehr zügig voran - die Hebamme war unterwegs, aber noch nicht da und mein Mann hatte mich gerade vor etwa fünf Minuten angerufen, dass er nun abfahre, als unser Sohn im gemieteten Geburtspool das Licht der Welt erblickte. Da ich nun ganz alleine mit meinem neugeborenen Sohn in der Wanne sass und alleine nicht aussteigen konnte (Söhnchen hing noch an der Nabelschnur, rund um den Pool war Teppichboden, den ich nicht verschmutzen wollte), rief ich meine Schwiegermutter an, ob sie bis zum Eintreffen der Hebamme zu mir kommen könne. Sie kam dann auch postwendend mit unserer Tochter, die ihren kleinen Bruder sofort streichelte und ins Herz schloss. Sie hatte keinerlei Anzeichen von Angst, wie es die Blogschreiberin von ihrem Sohn beim Besuch im (ihm fremden) Spital zeigte, denn sie war ja in ihrer gewohnten Umgebung und ich war (ausser, dass ich im Wohnzimmer in der Wanne sass (die aber auch schon seit einigen Tagen dastand und deren Zweck unserer Tochter mehrmals erklärt wurde)) auch soweit "normal" anzuschauen.
Die Geburt des dritten Kindes begann dann am frühen Morgen. Die beiden anderen Kinder schliefen im Zimmer nebenan. Gerade, als die Geburt in die Übergangsphase zwischen Eröffnung und Austreibung kam (jeweils für mich die heftigste Phase der Geburt), standen die beiden Geschwister auf. Mein Mann und ich beschlossen, dass wir unseren Kindern nicht gleich nach dem Erwachen eine Geburt, die schon in vollsten Zügen war, zuzumuten. So brachte mein Mann die Kinder wiederum zur Schwiegermutter. Nachdem Söhnchen Nummer zwei kurz darauf das Licht erblickt hatte, die Plazenta geboren war (und die Hebamme eingetroffen war), holte mein Mann die beiden "Grossen" (damals 3,5 und 1,5 Jahre alt). Sie begrüssten ihren Bruder, streichelten ihm über den Kopf und meldeten dann an, dass sie nun Hunger hätten ;-). Die Ankunft ihres kleinen Bruders schien sie nicht weiter zu beeindrucken - sie freuten sich enfach, dass er nun endlich da war.
Die Geburt des vierten Kindes begann wiederum in den frühen Morgenstunden und dauerte eine Stunde - auch diese Geburt "passierte" in unserem Schlafzimmmer, nur durch eine Bretterwand getrennt vom Schlafzimmer der Kinder. Die älteren beiden Kinder hatten sich am Vorabend kurzfristig entschlossen, dass sie bei meiner Mutter schlafen möchten - und da ich eine Woche über den ET war und allmählich das Gefühl bekam, dass die Geburt einfach nicht starten wollte/konnte, weil ich immer so eingespannt war, stimmte ich dem Vorhaben zu. Unser dritter Sohn wurde also geboren - und gerade, als alles soweit vorüber war und ich mit dem kleinen Bruder im Bett lag und ihn zu stillen begann, erwachte unser Drittgeborener und tappste in unser Schlafzimmer (er war damals knapp zweijährig). Er begutachtete seinen kleinen Bruder und unterhielt danach Hebamme und Ärztin. Zwei Stunden später standen dann auch die beiden älteren in unserer Stube und konnten endlich ihren kleinen Bruder begrüssen.
Die Geburt unseres fünften Kindes begann in der Nacht. Die grösseren beiden Geschwister hatten mich am Vorabend beim Zubett-Bringen gebeten, dass wir sie bittebitte wecken sollten, wenn die Geburt beginne: sie möchten UNBEDINGT dabeisein. Als dann die Geburt aber begann und alles so schön gemütlich lief, dachte ich mir, dass wir die Kinder nun nicht wecken. Das ganze Drumherum stimmte für mich einfach gerade so, wie es war. Die Geburt dauerte wiederum etwas mehr als eine Stunde - und als ich mit dem Kleinen im Bett lag und ihn stillte, ging mein Mann die drei älteren Kinder wecken. Sie begrüssten ihren Bruder - und kurz darauf torkelte auch unser Viertgeborener in unser Schlafzimmer und staunte über seinen kleinen Bruder.
Somit war bei allen unseren Geburten nie ein Geschwisterkind anwesend, auch wenn ich mir/uns diese Option immer offenliess. Wichtig scheint mir, dass die Kinder gut vorbereitet sind, dass sie jemanden haben, der sie betreut (das hätte bei uns mein Mann gemacht, da ich ihn unter der Geburt nie gross "benötigte" - wenn aber einer Gebärenden die Anwesenheit ihres Mannes wichtig ist, sollten sie sich nach einer anderen nahestehenden Betreuungsperson für die Geschwister umsehen) und/oder es sollte ein "externer" Betreuungsplatz für die Geschwister organisiert sein - für den Fall, dass es Mutter und/oder Kindern einfach zu viel wird, für den Fall einer Spitalverlegung oder im Falle einer Komplikation.
Ich habe Kolleginnen, die in Anwesenheit ihrer Kinder geboren haben und ich habe bei keinem der sechs Kinder den Eindruck, dass es einen "Schaden" davongetragen hat. Im Gegenteil: sie sind allesamt begeistert, wenn sie von der Geburt ihres Geschwisters erzählen können.
Und eines möchte ich auch noch gesagt haben: ich habe keine Ahnung, weshalb die Geburt überall als blutig und mit schreiender Gebärender beschrieben wird. Bei einer normal verlaufenden Geburt tritt erst nach der Geburt des Kindes eine Blutung ein, die die Lösung der Plazenta anzeigt. Um dieses Blut "aufzufangen", gibt es in jedem Spital und auch bei Hausgeburten spezielle, saugfähige Wegwerf-Unterlagen, die bei Bedarf einfach gewechselt werden können. Und nach der Geburt der Plazenta (bei einem normalen Verlauf) tritt der Wochenfluss ein, der mit den eigens für das Wochenbett vorgesehenen Wochenbettbinden, die in die Unterhosen gelegt werden, aufgefangen wird. Ich weiss nun wirklich nicht, was daran so blutig und "nach Metzgete" aussehen soll. Arbeitet die Hebamme ordentlich (und tritt kein Notfall auf), sollte die Umgebung der Geburt eigentlich immer sauber sein - so habe ich es erlebt.
Auch dass alle Gebärenden stundenlang schreien, was das Zeug hält, stimmt so nicht. Gebärende schreien, aber nicht vom Anfang der Geburt bis zum Ende. Das Schreien tritt nur phasenweise auf und ist zeitlich begrenzt. Es gibt sogar Gebärende, die gar nicht schreien rps. Geburten, bei denen gar nicht geschrien wird. Ich glaube, dass die Gebärenden selbst das Schreien oft überbewerten. Hinzu kommt, dass man als anwesende Person, die während des gesamten (oder fast gesamten) Geburtsverlaufs dabei war, das Schreien gar nicht als schlimm erlebt - es gehört in dem Moment dazu. Muss ich allerdings vor dem Gebärzimmer als aussenstehende Person dem Schreien zuhören, bekomme ich Hühnerhaut (meine Erfahrung als Hebamme).

von: Anita am: Donnerstag, 23.12.2010

@Brunhild
ich wusste, dass es eine schnelle geburt geben wird. also haben wir die grosse einfach gut darauf vorbereitet. wir haben bücher angeschaut und ich habe ihr auch erklärt und sogar vorgeschrien, wie ich dann sein werde und dass dies ganz normal sei und es mir dann auch wieder gut geht, wenn ich schreien durfte. sie fand das sogar spannend und wir haben auch viel gelacht ;). ich habe in der wanne geboren. bei der geburt stand meine grosse hinter mir - was für uns völlig klar war. ich konnte ihr immer wieder versichern, dass es mir trotz schreien gut geht und ich erinnere mich noch wie sie sagte: "ja mami, weiss ich doch" :) ich bin überzeugt davon, dass dieses gemeinsame begrüssen der kleine schwester, die beziehung gestärkt hat.

von: wina am: Montag, 17.01.2011

ich habe als teenie (13+15) die beiden hausgeburten meiner halbbrüder miterlebt. es war nicht geplant, hatte nur zufälligerweise beide male schulfrei. es war spannend, es war laut, es war blutig. es war normal. ich fühlte mich wichitg, ernst genommen in meinem jugendlichen gwunder. was sonst am tv zu sehen ist, live und so nah.
seit zwei jahren bin ich selbst mutter, habe im spital geboren. trotz guter erfahrung damals, ich müsste es mir 2x überlegen meinen sohn dabei haben zu wollen...

von: Eni am: Montag, 17.01.2011

Ich finde es egoistisch, wenn man seine Kinder bei der Geburt von Geschwistern dabeihaben muss. Seit ich den Grossen geboren habe, weiss ich warum die Fenster vom Gebärzimmer auch in der grössten Sommerhitze geschlossen werden, bei dem Geschrei würde man ja die Polizei alarmieren. Ich fand es schon schlimm genug, als ich während den Wehen allport auf die Toilette musste und unfreiwillige Lauscherin wurde, der Geburt nebenan betreffend.

Auf die Frage, was dagegen spricht, die Kinder bei der Geburt dabeisein zu lassen, gibt es nur die Antwort. Das Gleiche was dagegen spricht, die Kinder bei der Zeugung zusehen zu lassen.

von: bibi am: Samstag, 28.05.2011

Was mich immer wieder unglaublich erschreckt ist die Tatsache, wie intolerant Frauen mit anderen Frauen umgehen. Unter meinen Freundinnen wie auch in zahlreichen Blogs und Artikeln werden die Meinungen anderer Frauen/Mütter immer wieder aufs Übelste diskreditiert. Ich finde es absolut OK, wenn Mütter ohne ihre älteren Kinder gebären wollen - oder wenn sie es eben wollen. Es ist ok, wenn Mütter nicht Stillen, ihr Kind in den Hort geben, Arbeiten möchten oder 100% zu Hause sind, jahrelang Stillen, ihre Kinder impfen lassen oder eben nicht. Wir sollten andere Meinungen akzeptieren ohne sie aggressiv zu kommentieren. Ist doch gut, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, oder nicht? Wir Frauen sollten uns gegenseitig unterstützen und nicht ständig gegeneinander tratschen. Jede Mutter macht es eben anders - und das ist gut so.

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