Kinder an die Leine?
von: Monique Brunner am: Donnerstag, 14.04.2011
Kleinkinder wollen die Welt entdecken – und vergessen dabei alles um sich herum, auch den Strassenverkehr. Muss man sie deswegen anleihnen?
In den USA ist jüngst eine Diskussion unter Müttern entbrannt, ob man Kleinkinder an die Leine nehmen darf. Auslöser der Aufregung war ein kurzer Kommentar von Judith Goldberg, der Kolumnistin des «Parents»-Magazins, in der April-Ausgabe:
Leine sind für Hunde. Sie würden Ihr Kind ja auch nicht in eine Hundebox stecken oder es am Strassenrand kacken lassen, richtig? Wenn Sie einen kleinen Ausreisser haben, kaufen Sie sich einen billigen Buggy mit Gurtschloss.
Über 100 empörte E-Mails sind bisher auf der Redaktion eingegangen. Das Thema polarisiert. Diejenigen Mütter, die ihre Kinder an die Leine nehmen, betonen die Aspekte Bewegung(sfreiheit) und Sicherheit. Anstatt dass das Kind im Buggy festgezurrt ist, könne es sich wenigstens mit dem Laufgeschirr in einem bestimmten Radius frei bewegen. Besonders Zwillingsmütter, die den Ausreissern nicht in unterschiedliche Richtungen nachrennen können, unterstreichen die Vorteile des Laufgeschirrs.
Das Lager der Mütter, die ihre Kinder nicht wie Hunde halten wollen, bezeichnet das andere Lager als faul. Es sei einer Frage der Erziehung. Ein gut erzogenes Kind rennt der Mutter nicht davon, ist ihre Meinung.
Ob alles eine Frage der Erziehung ist und man mit dem Laufgeschirr womöglich doch den Weg des geringsten Widerstandes geht, veranschaulicht folgendes Youtube-Filmchen:
Ich gestehe: Ich habe unsere Tochter, als sie noch klein war, auch an die Leine genommen. Wir wohnten damals an einer stark befahrenen Strasse und ich wollte damit verhindern, dass sie von einem Tram, einem Auto oder einem Bus überfahren wird, als sie jeweils voller Tatendrang aus der Haustür sprang. Aber da ich mir mit der Leine ziemlich bescheuert vorkam, kam das Laufgeschirr gerade mal einmal zum Einsatz. Händehalten tat es auch.
Erst neulich aber habe ich das Laufgeschirr wieder hervorgekramt. Denn die Cousine meiner Tochter wollte als «Rössli» an die Fasnacht. Und da ein Pferd ein Halfter braucht, was würde sich dafür besser eignen als das Laufgeschirr?
"Händehalten tat es auch."
Genau das ist der Punkt. Einem Kind eine Leine anlegen geht einfacher als ihm beizubringen, dass es auf dem Trottoir (Gehsteig für die neuen Zuwanderer) an der Hand gehen muss.
Und bist du nicht willig, gibt es tatsächlich noch den Buggy...
Wir haben das Rössligschirr auch gerne gebraucht und zwar aus dem einfachen Grund, dass das Kind klein (Grösse) so gut gelaufen ist, dass ich mir den Rücken krummgelaufen hätte oder dem Kind der Arm mit der Zeit eingeschlafen wäre :-). So hattens beide bequem und sicher (stark befahrene Strassen sind zuhauf vorhanden).
Ich hstte diese Leine auch und auch immer dabei, besonders an der Fasnacht... Hab sie nicht ein einziges mal gebraucht, muss aber sagen dass meine Tochter immer vorbildlich brav bei uns blieb und auch heute noch bleibt... Trotzdem kommt sie mir öfter mal vor wie ein "gut erzogener Hund" ich sage 'stopp, warten' und sie bleibt sofort stehen!! Eine Bekannte hat 2 Kinder mit dem grösseren hatte sie nie Probleme, die Kleine würde in alles rennen ohne "Leine" und ich glaube nicht das die Kinder nicht erzogen sind....
Wir hatten auc das "Rösslischirr" und zwar aus einem einfchen Grund. Wie will man sich bei Zwillingen teilen,wen jede in eine ander Richtung springt
Ich kann/konnte mit dem "Rössligschirr" noch nie etwas anfangen.
Ja,mann sollte dem Kind auch beim Spatzieren Freiheit lassen.
Unsere Tochter gibt nicht gerne die Hand,aber sobald ein Auto kommt,bleibt sie stehen.
Mein Grosser wollte nie an der Hand laufen und damit ich ihn nicht immer in den Kinderwagen sezten musste, habe ich an Strassen oder in Geschäften das Gschtältli angezogen. Ihn hat es nie gestört und die Leut eigentlich auch nicht bis auf einmal, als eine alte Frau meinen Sohn mit "hallo Hund" angesprochen hat. Ordentlich die Kappe gewaschen und die Frau wurde ziemlich kleinlaut.
Über fehlende Erziehung zu munkeln ist völlig fehl am Platz; meine Kinder konnte beide mit 13 Monatel laufen, kein Kind gehorcht in diesem Alter, der Forschungsdrang ist bei vielen Kinder grösser als der Sinn nach Gehorsam.
Unsere Tochter gibt mir nie die Hand. An den Armen und Händen anfassen mochte sie schon als ganz kleines Baby nie. Nun ist ihr Bewegungsdrang so gross, dass sie nicht mehr in den Kinderwagen will. Also ziehe ich ihr das Rössligeschirr an, sobald wir an einer stark befahrenen Strasse sind. Auf unserer Quartierstrasse läuft sie natürlich immer ohne. Bei einzelnen Autos bleibt sie auch stehen, wenn meist auch mitten auf der Strasse. Da nützt alles gut zureden nichts, ich muss sie holen und dabei aufpassen, dass sie mir nicht gegen das Auto rennt, da sie das ganze dann als Spiel anschaut und sich freut, wenn Mami mit ihr mitrennt. Auf einer viel befahrenen Strasse vergisst sie sich, rennt los und landet schon mal neben dem Trottoire. Mit "erziehen" hat das nicht viel zu tun. Es kommt auf das Temperament und die Ängste des Kindes an! Unsere hat vom 1. sehr viel und vom 2. nichts. Kinder können in diesem Alter die Gefahr nicht einschätzen! Selbst Schulkinder haben ja noch Mühe Gefahren richtig einzuschätzen. Ich habe meine Tochter lieber am Rössligeschirr als unter einem Auto!
Ich würde meine Kinder nicht an die Leine nehmen, ich bin der Meinung, dass einem Kind beigebracht werden kann, wie es sich z.B. auf der Strasse zu verhalten hat. Früher hat das auch geklappt und früher gabs auch schon viel befahrene Strassen. In der Regel hat das Kind an der Leine ja ein paar Meter 'Freiraum', ergo kann es vom Trottoir auch auf die Strasse springen - die Leine bringt da nur bedingt mehr Sicherheit.
Richtig absurd wird es, wenn Kleinkinder auf der Skipiste an die Leine genommen werden. Trifft man immer häufiger an.
ich habe meine Tochter auch das Rössligschirr angelegt, als sie gerade anfing laufen zu lernen. Sie wollte so gerne frei laufen und so konnte ich sie ganz einfach auffangen, bevor sie hinfiel. :) Sobald sie so sicher lief, dass sie nicht mehr alle drei Schritte hingefallen ist, habe ichs aufgegeben und wir üben jetzt, an der Hand gehen. Schlimm finde ich es aber nicht, wenn Eltern das machen. (obwohl ich früher anders darüber dachte)
Wenn ich hier lese, dass das ja alles nur eine Sache der Erziehung ist, dann find ich so einen Tunnelblick mehr als traurig.
Vielleicht können die Verfechterinnen der "Ich-nehm-mein-Kind-lieber-an-die-Hand" oder "Ich-erziehe-mein-Kind-gut" mir als Zwillingsmutter mal erklären, wie ich beide Kinder plus Sportkarre (denn in dem Alter, wo man so ein Laufgeschirr nutzt, geht man eigentlich idR auch trotzdem nicht ohne Karre aus dem Haus) mit nur 2 Händen managen soll.
Ich kann nicht immer nur meine Zwerge in die Karre zwängen, wenn sie eigentlich viel lieber die Welt auf ihren eigenen Füssen erkunden möchten.
Und sind wir doch mal ehrlich - ob ich mein Kind nun zwinge an der Hand zu gehen und es massiv einschränke, damit ihm nichts passiert, oder ob ich es in den entsprechenden Situationen mit einem gewissen Spiel- und Freiraum am Geschirr halte, was wäre den dem Kind wohl lieber?
Die Empörung findet da wohl mehr in den Köpfen der Erwachsenen statt.
Inzwischen sind meine Zwillinge in der Pubertät und ich kann jede Mutter, die ein Laufgeschirr nutzen möchte, nur beruhigen. Weder leiden meine Kinder heute unter einem Leinenzwang, noch sind sie in irgendeiner Form traumatisiert oder haben merkwürdig anmutende Vorlieben ;o).
Danke Marion für deinen Beitrag. Genau so sehe ich das auch! Mein Kleiner (14 Monate) will partout nicht Händehalten beim Laufen - tja dann, nehme ich halt ein Rössligschirr. Er ist zufrieden, weil er frei laufen kann und ich bin zufrieden, weil ich ihn nicht zwingen muss mich an der Hand zu halten und ich ebenfalls keine Angst haben muss, dass er plötzlich "einen falschen Weg einschlägt".