Müttergeheimnisse

von: Nathalie Sassine am: Donnerstag, 13.10.2011
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Es gibt Dinge, die kann man seinen Kindern nicht sagen. Und wahrscheinlich sollte man das auch nicht.

Eltern haben lange Nasen.

Heute Morgen stand mein Sohn konsterniert im Wohnzimmer und starrte auf ein leeres Pack Gummibärchen. Er hielt es mir hin, mit einem Blick, der Enttäuschung und Unverständnis ausdrückte, und fragte mich: «Habt ihr das gestern einfach so gegessen? Ohne mich?»
 
Dazu muss ich gestehen: Die Gummibärchen hatte ihm sein Gotti geschenkt. Und ich hatte sie weggelegt mit der Begründung, abends gäbe es keine Süssigkeiten, er könne morgen welche zum Dessert haben. Als das Gotti dann ging, machten mein Mann und ich uns über die Süssigkeiten her. Nun schäme ich mich. Ein wenig.
 
Doch es gibt sie, diese Dinge, die man den Kindern einfach nicht sagen kann. Entweder, weil es einfach zu peinlich ist. Oder weil es sie verletzen würde. Oder einfach weil es für Mami Image-schädigend wäre.
 
Hier eine kleine Liste der Dinge, die wir unseren Kindern beim besten Willen nie sagen werden (oder erst wenn sie älter sind und selber Kinder haben):

  • Wir essen gerne Junkfood, auch wenn wir dauernd predigen, es sei ungesund.
  • Nein, du bist nicht das hübscheste Kind auf Erden.
  • Du bist auch nicht das intelligenteste Kind seit Einstein. 
  • Wahrscheinlich würden sogar die Kinder in Afrika Mamis Suppe «grusig» finden.
  • Ich finde deinen besten Freund total nervig und am liebsten würde ich dir den Kontakt mit ihm verbieten.
  • Es ist oft NICHT okay, dass du so bist, wie du bist. 
  • Wir werfen deine Bastelarbeiten in den Abfall, wenn du gerade wegschaust.
  • Ich sag zwar, dass ich es tue, aber meistens verstehe ich deine Probleme nicht.
  • Deine Geschenke gefallen mir meistens nicht besonders.
  • Am liebsten habe ich dich, wenn du schläfst.
  • «Ich zähle bis drei», aber meistens weiss ich danach nicht, was passieren wird.
  • Euch zu gebären, war ein extrem schmerzhaftes Erlebnis.

Und was verschweigen Sie Ihren Kindern?

Kommentare

von: Annie am: Donnerstag, 13.10.2011

a) Gummibärchen wegessen die einem nicht gehören ist gemein, egal ob erwachsen oder nicht. Da gehört eine Entschuldigung und ein neues Pack her!
b) die Liste find ich nicht halb so witzig wie sie wohl gemeint war. Natürlich gibt es Dinge, die wir unseren Kindern nicht sagen und es auch besser ist, wir sagen es nicht. Erwachsenenebene und Kinderebene müssen nicht gemischt werden. Aber dennoch können und müssen auch Eltern authentisch bleiben, d.h. nicht jede unangenehme Wahrheit muss den Kindern verschwiegen werden, wärend Eltern quasi hinter deren Rücken lästern. Und übrigens; wenn man nicht weiss, was nach Drei kommt, dann sollte man sowohl das Zählen wie auch das Drohen sein lassen.

von: Pippilangstrumpf am: Donnerstag, 13.10.2011

wieso in allerwelt muss man kindern das gefühl geben, sie wären die schönsten und die intelligentesten? kinder sind nicht doof! sie wissen, dass x besser in der schule ist, dass y besser fussball spielen kann. meines erachtens verunsichern sie solche falschen bestätigungnen eher, als dass sie sie bestärken.

ausserdem kann mann auch mit kindern zusammen entscheiden, welche bastelarbeiten entsorgt werden können. und man muss ein gebastel nicht bezüglich des resultats in den himmel loben, sondern man kann auch ganz einfach die mühe, die sich ein kind gegeben hat, entsprechend würdigen. man darf m.e. aber auch mal sagen, dass man weiss, dass ein kind das besser kann. alles andere bringt dem kind nichts, sondern man züchtet eingebildete jugendliche heran, die im berufsleben dann absolut zu nichts fähig sind, keine ausdauer haben, und keine kritik ertragen.

... bezüglich der gummibärchen enthalte ich mich jeglichen kommentars...
sorry, aber ich kann dem artikel jetzt aber grad gar nix abgewinnen.

von: Ankh-Morpork am: Freitag, 14.10.2011

Einfach nur schrecklich; diese Heuchelei. Würde ihnen einen Zacken aus der Krone fallen, authentischer zu sein? Sie machen es sich zu leicht, Frau Sassine. Man kann auch unangenehme Dinge so sagen, ohne den anderen sehr zu verletzen.
Bitte Kinder nicht in Watte packen!

von: Sarah am: Freitag, 14.10.2011

...ich kann diesem Artikel auch nicht wirklich etwas abgewinnen.
Es ist mir zwar auch schon einmal passiert, dass ich Schokolade unserer Kleinen gefuttert habe, dass lag aber daran, dass ich am Arbeiten war und sie mit Papa unterwegs, als sie sie bekommen hat, ...und ich sie dann einfach Abends im Süssigkeitenschrank gefunden habe, aber nicht gewusst habe, was wo wie wann, und halt einfach während den häuslichen Büroarbeiten gegessen habe. Als dann die Umstände klar waren, hab ich mich dann aber auch sofort entschuldigt und wir sind zusammen los, eine neue kaufen!
Was das "die Wahrheit sagen" betrifft: Ich finde, das hat schlicht und einfach mit Respekt zu tun, den jeder Mensch verdient hat, egal wie jung oder alt! Und wir erwarten von unseren Kindern schliesslich auch, dass sie uns nicht anlügen! Klar knallt mann einer 4-jährigen nicht einfach an den Kopf, dass dies oder dass Sch.... ist, aber Wahrheiten kann man schliesslich auch altersgerecht rüberbringen, ohne zu Lügen...

von: Brunhild Steiner am: Freitag, 14.10.2011

Ist das ein bewusst polemischer Artikel, Frau Sassine, oder meinen Sie das wirklich so?
Falls letzteres, dann erstaunt mich der "am liebsten hab ich dich wenn du schläfst"-Punkt nicht besonders, muss ja ein Stress sein sich immer so herumzuwinden?
Nun mal im Ernst, wo, wenn nicht genau bei Ihnen zuhause, sollen denn Ihre Kinder lernen wie man mit offensichtlichem/angeblichem Versagen konstruktiv umgeht?!
Wie es sich für den Täter mit Gewissensbisse anfühlt (Bärchenkiller) und das Opfer? Und wie man den Weg wieder zueinander findet?
Erwarten Sie wirklich von Ihren Kindern dass sie ähnliche Konflikte im Freundeskreis dann mal anstandslos bewältigen, wenn Sie selber schon an einer gefutterten Süssigkeitenpackung scheitern???
Meine Kinder wissen übrigens auch dass ihre Geburten, ausser der letzten KS, sehr schmerzhaft war, inkusive Kollabieren danach- warum sollte ich ihnen da irgendwas schönmalen?
Im Gegenteil, gerade gelebte Offenheit ermöglicht Kindern eine gesunde Auseinandersetzung mit Widersprüchen denen sie unweigerlich begegnen werden- UND AUF DIE SIE VORBEREITET SEIN MÜSSEN!
Dass es auch hier Grenzen gibt ist selbstverständlich, aber Ihre erwähnten Punkte scheinen mir nicht annähernd der kritischen Grenze nahe..., naja, hoffe immer noch auf blosse Polemik, immerhin läuft hier wieder mal was :-)

von: Brunhild Steiner am: Freitag, 14.10.2011

2/ und nach ein bisschen nachdenken...
"Doch es gibt sie, diese Dinge, die man den Kindern einfach nicht sagen kann."
"Entweder, weil es einfach zu peinlich ist."- ich will das meine Kinder von mir lernen wie sie auf eine einigermassen gute Art u Weise mit peinlichen Situationen umgehen können, und dass der Himmel über ihnen nicht zusammenbricht wenn sie eine Peinlichkeit gestehen müssen- am einprägendstens geht das wohl wenn eben das Mami sowas ziemlich Peinliches gestehen muss... (ich hab ihnen auch schon Schoggi weggegessen und bin dazu gestanden, der Himmel steht immer noch :-) )
"Oder weil es sie verletzen würde."- ob es verletzt oder nicht kann ich nie wissen, wie schon pippilangstrumpf bemerkt, Kinder sind nicht doof... . Eine grundsätzliche Atmosphäre der bedingungslosen Annahme wird da vieles abfedern- und sie auf Situationen vorbereiten wo sie ohne dieses Annahme/Liebe verletzt werden.
"Oder einfach weil es für Mami Image-schädigend wäre."- mein Fokus liegt eher darauf diese Imagegeschichten zu enttarnen ;-)

von: Eni am: Freitag, 14.10.2011

Finde diesen Beitrag grausam und lieblos.

Wenn man seine Kinder am liebesten hat wenn sie schlafen, hätte man sich eine Adoption überlegen sollen. Arme Kinder, die mit so einer lieblosen Mutter aufwachsen müssen.

von: Trulla am: Montag, 17.10.2011

Ich bin schockiert. Wollen Sie lustig sein, Frau Sassine? SIe haben den Bogen überspannt. Die Beziehung zu Ihren Kindern muss, dem Beitrag nach zu urteilen, sehr nüchtern sein. Traurig, wenn es so ist, wie Sie es darstellen. Aber vielleicht haben Sie einfach nicht bemerkt, dass Sie übers Ziel hinausgeschossen sind. Möglicherweise hätte es geholfen, Ihren Text erst wegzulegen und nach einiger Zeit nochmals zu lesen, bevor er veröffentlicht worden wäre. Ich wünsche mir jedenfalls, dass Sie das wenigstens jetzt erkennen.

von: sono io am: Samstag, 22.10.2011

Oh oh oh oh ohweh ohweh.

Mutti sensibili?

Da sind Moralapostel unterwegs, das gibts ja gar nicht. Unverschämt sind eigentlich einzig diese Kommentare hier wie z.B.:

Zitat Eni:
"Wenn man seine Kinder am liebesten hat wenn sie schlafen, hätte man sich eine Adoption überlegen sollen"

was erlauben Sie sich dermassen über die Mutterqualitäten von Frau Sassine zu urteilen?

Ihr nehmt euch und eure Brut einfach einen klitzekleinen Deut zu ernst.

Dass wir unsere Kinder, ja, ich habe auch zwei, obwohl ich schrecklich böseböse klingen werde, absolut lieben (besonders dann, wenn sie grad nicht an einer überfüllten Mirgroskasse einen Trotzanfall der Extraklasse einem liefern - sondern lieber FRIEDLICH schlummern *zaunpfahl) und wir wunderbare Geschöpfe aufziehen ist so SONNENKLAR, das muss man nicht in jedem j e d e m Blog schreiben, lesen.

Bitte, Ball flach halten.

Ich für meinen Teil kann wunderbar Grinsen beim Lesen dieses Beitrags. Grazie Frau Sassine.

von: Eni am: Sonntag, 23.10.2011

@ sono io

Ist nicht meine Schuld, wenn Sie die Wahrheit nicht ertragen. Traurig, wenn Eltern ihre Kinder nicht so lieben können wie sie sind. Manche Leute sollten sich mal ein Beispiel nehmen an Eltern die ein behindertes Kind aufziehen anstatt bei ihren gesunden nur das Haar in der Suppe zu suchen. Ja ich finde es schlimm, wenn Kinder in einem so kalten Elternhaus aufwachsen müssen, wo sie zu spüren bekommen, dass sie nur dann geliebt werden wenn sie einwandfrei funktonieren.

von: Brunhild Steiner am: Sonntag, 23.10.2011

@sono io: vielleicht sollten Sie die Kommentare nochmals in Ruhe und genau durchlesen, die Liste beinhaltet bedenkliche Beispiele- oder erwarten Sie auch von ihren Kindern dass sie trotz gegenteiligen Vorlebens zuhause dann mal Konflikte und Unehrlichkeiten im Freundeskreis, an der Arbeit, etc konstruktiv auf die Reihe kriegen?
Wenn sie zuhause praktiziert bekommen dass man nicht mal zu weggegessenen Gummibärchen stehen kann weil dann das "Image" den Bach runtergeht?
Nee, das kann ich nicht mehr unter "Humor" abbuchen, da werden mir zuviele heikle Verhaltensmuster geliefert, resp. Punkte über die eben genau gesprochen werden muss damit ein gesunder Umgang entstehen kann, bspw das Junkfood- dass es so toll schmeckt hat ja seine Gründe und das müssen die Kinder wissen. Denn erst dann werden sie fähig ihren Konsum in einen gesunden Rahmen zu lenken. Theaterspielen finde ich auf diesem Gebiet nur traurig, und nicht dazustehen dass ich es eigentlich liebe kein bisschen witzig.

von: Winny am: Sonntag, 23.10.2011

Beim Lesen der Kommentare fällt mir ein früherer Psychologie-Professor in Zürich ein, der meinte: "Frauen in der Schweiz verstehen weder Ironie noch Sarkasmus noch Zynismus. Sie werden immer auf Unverständnis stossen." Und so ist es wohl wirklich....

von: Brunhild Steiner am: Sonntag, 23.10.2011

@Winny: oder sie stellen an Ironie, Sarkasmus und Zynismus einen gewissen Qualitätsanspruch?...
Bin diesem Dreiergespann nämlich gar nicht abgeneigt, aber falls das so gemeint hätte sein sollen, dann fehlt mir doch der entscheidende Pfeffer dabei...

von: Claudia am: Montag, 24.10.2011

Oh mann...wie gut das in der Schweiz alle außer Frau Sassine die absolut authentischen Übermütter sind, die ihre Kinder auch lieben, wenn sie Trotzanfälle kriegen, stundenlang schreien, weil sie nicht ins Bett wollen, sondern lieber toben oder das gemeinsame Mahl in eine Essenschlacht verwandeln, dann werden diese Mütter sicher auch ganz authentisch sein und ihren Kindern sagen, das sie sie gaaanz doll lieb haben egal wie sie sich benehmen und dann...schimpfen, drohen? Man weiß es nicht, man liest in ihren Kommentaren ja nur, wie viel besser sie es machen, nur leider leider lassen sie uns nicht an ihrem großen Wissen teilhaben.

Wie alt sind eigentlich Frau Sassines Kinder? Sind sie wirklich schon in einem Alter in dem man mit ihnen "Konsum in einem gesunden Rahmen" diskutieren können? Aber warum mach ich mir darüber eigentlich Gedanken, wär ja viel einfacher ihr einfach zu sagen wieviel besser ich bin....

von: Kira am: Mittwoch, 26.10.2011

Mir platzt der Kragen ob der Abwertung "... kann keine gute Mutter sein" in einem der Kommentare. Genau dieses Verurteilen finde ich ganz ganz schlimm, um nicht zu sagen bedenklich. Ich möchte nicht wissen, welche Mütter diese sagenhaften Übermütter noch abqualifizieren: die arbeitenden Mütter mal mit Sicherheit. Liebe Frau Sassine, ganz sicher mal danke für die Ehrlichkeit, vor allem für die "grusige Suppe", ich hab mich sehr amüsiert, da ich genau das schon manches Mal selber gedacht habe ...

von: Brunhild Steiner am: Donnerstag, 27.10.2011

@Claudia: definitiv spielt das Alter der Kinder eine Rolle, aber ich denke Grundsätzliches lässt sich auf verschiedene Weisen vorleben. Mich nervt wenn man bei Hinterfragen und Nachhaken gleich das Etikett "Übermutter" verpasst bekommt, das blockt den Austausch genauso wirkungsvoll ab wie blosse Abwertung. Hilfreich wär hingegen sich mal zu überlegen was "lieben" bedeutet- Rosenblattregengefühl in einem Trotzanfall? Finde eher nicht...,
und eben, ich hab meinen Kindern jeweils gestanden wenn ich ihnen was wegass- und nicht mal eine eventuell herumfliegende "Supermutteretikette" hat mir dabei geholfen es locker vom Hocker hinzukriegen, aber danach hab ich mich jeweils besser (im Sinne von erleichtert) gefühlt...

von: Marie am: Freitag, 27.01.2012

Die Kommentare beweisen, dass provokative Artikel wie dieser dringend nötig sind.
Dreist und unverschämt sind sie zum Teil.

von: eiltempo am: Donnerstag, 05.04.2012

haha! selber schuld, wenn man bis drei zählt :D das geht doch so... eins! zweeeeeiiiiii! zweieinhalb!! zweidreiviertel!! :PPP

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