Mutter Natur letztes Wort
von: Nathalie Sassine am: Freitag, 12.11.2010
Tags:
Wie viele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Und was, wenn Mutter Natur anderer Meinung ist als ich?

Mein Bauch gehört mir! Oder manchmal eben doch nicht?
Letzte Woche wachte ich sehr früh morgens auf, weil mir unglaublich schlecht war. Ich hatte nichts Spezielles gegessen, noch war mir ein Virus bekannt, der zur Zeit die halbe Bevölkerung zur Schüssel treibt. Und da schoss mir völlig unerwartet die Möglichkeit durch den Kopf, ich könnte schwanger sein. An einschlafen war dann nicht mehr zu denken.
Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Kindern. Für mich als Einzelkind war es immer klar, nicht bei nur einem aufzuhören, mehr als zwei wollte ich mir aber auch nie antun. Zur Zeit sind die Töchter unserer Freunde bei uns zu Besuch, alles wunderbar, wir haben Spass, aber es ist auch schön, sie in ein paar Tagen wieder abgeben zu können.
Doch was, wenn uns Mutter Natur trotz sicherer Verhütung (so sicher sie halt zu haben ist) ein Schnäppchen schlägt? Wie würde ich, wie mein Mann reagieren, wenn ich wirklich wieder schwanger wäre?
Denn als Frau ist es doch so, dass man sich insgeheim freut, wenn der Körper so gut "funktioniert". Schwangerschaftstests als junge Frau machten einen zwar nervös, hinter der Erleichterung darüber, nicht mit 20 Mutter zu werden, steckte bei mir jedoch immer auch etwas Enttäuschung, dass mein Körper "versagt" hatte.
Ich war nie gegen Abtreibung. Selber hätte ich eine Abtreibung zwar nur in Betracht gezogen, wenn die Umstände untragbar gewesen wären. Meine Familie hätte mich auch als junges Mädchen unterstützt und ich war optimistisch (oder naiv) genug, um ein Leben unter erschwerten Bedingungen in Angriff nehmen zu wollen.
Nun kenne ich Frauen, die einen Schwangerschaftsunterbruch in Kauf nahmen und heute noch unter den Spätfolgen, ob physischer oder psychischer Natur, leiden. Die Gründe für den Schwangerschaftsabbruch waren vielfältig und bei allen nachvollziehbar: Zu jung, nicht verheiratet (vor zwei Generationen war das ein schwerwiegendes Kriterium) oder einfach weil der Bettgefährte als Vater nicht sehr viel versprach, hatte er sich doch bereits „am Morgen danach“ vor Sonnenaufgang aus dem Staub gemacht. Ich bin seither auf jeden Fall der Ansicht, dass jede Frau selbst entscheiden darf, ganz nach dem Feministen-Leitsatz „Mein Bauch gehört mir!“.
So haben wir uns entschieden (in unserem Fall gehört mein Bauch eben uns und nicht nur mir), uns mit zwei Kindern zu begnügen. Davon zeugt auch unser frisch gekauftes Haus, das genau zwei Kinderzimmer hat. Das Büro/Gästezimmer, welches massgeblich zum Kauf des Hauses beitrug, wollen wir eben auch in den nächsten Jahren als solches nutzen, bevor wir zu altersschwach sind, die Treppe zu meistern. Ich weiss selber, wie oberflächlich das klingt, aber ein weiteres Kind hätte bei uns sprichwörtlich keinen Platz.
Dennoch... Eine Abtreibung, wenn man bereits zwei Kinder in die Welt gesetzt hat? Zwei wunderbare Kinder, die einen täglich zum Schmunzeln bringen, zu Tränen rühren und ja, auch, zum Wahnsinn treiben? Kinder, die einem beigebracht haben, das Leben ganz anders zu sehen und die einen jede Sorge für fünf Minuten vergessen lassen, weil sie einfach das wunderbarste Lachen haben? Die einen ziemlich anderen Menschen aus mir gemacht haben, in dem Moment, indem ich ihnen zum ersten Mal in die Augen blicken durfte?
Könnte ich ein weiteres Kind einfach nicht austragen, weil es nicht mehr in unser Lebenskonzept passt? Ich bezweifle es. Und doch bin ich froh, dass mir seither nicht mehr schlecht war.
Ja - genau so ist es. Wer einmal geboren hat, der wird es wohl auch ein zweites udn drittes mal tun, auch wenns nciht ins Lebenskonzept passt.
Frau Sassine, Sie sehen (zumindest auf dem Foto) so menschlich und herzlich in die Kamera - sie hätten auch ein drittes Kind bestens in die Familie integriert. Trotzdem, ich verstehe Ihren Entscheid.
Da kann ich nur den Kopf schütteln !!!!
So haben wir uns entschieden (in unserem Fall gehört mein Bauch eben uns und nicht nur mir), uns mit zwei Kindern zu begnügen. Davon zeugt auch unser frisch gekauftes Haus, das genau zwei Kinderzimmer hat. Das Büro/Gästezimmer, welches massgeblich zum Kauf des Hauses beitrug, wollen wir eben auch in den nächsten Jahren als solches nutzen, bevor wir zu altersschwach sind, die Treppe zu meistern. Ich weiss selber, wie oberflächlich das klingt, aber ein weiteres Kind hätte bei uns sprichwörtlich keinen Platz.
Sorry aber da sieht man wieviel ein " Menschlein " Wert hat !
hmm..., an sich eine rationale und durchaus vertretbare sicht der dinge, dass man wirtschaftliche gegebenheiten in die familienplanung einfliessen lässt. dass allerdings die doch meist ziemlich verbreitete biederkeit hiesiger, erschwinglicher eigenheime ein solches gewicht erhält, lässt in mir wieder einmal den verdacht aufkommen, dass die kleinräumigkeit unseres landes nicht selten unvorteilhaft auf unser denken abfärbt.
Bei uns hat die Familienplanung aus verschiedenen Gründen nach dem ersten Kind bereits aufgehört. Wir gehören zu den - wohl wenigen - glücklichen Einkindfamilien. Wir haben nicht das Gefühl - auch unser Sohn nicht - dass ein zweites Kind fehlt. So wie es ist, ist es gut. Trotz manch anmassendem Kommentar von anderen! Wäre ich trotzdem nochmals schwanger geworden, hätte ich aber nicht abgetrieben.
Tja, bei solch einem Thema, sieht oder liest man wieder, wie schwierig es ist, nicht über andere zu urteilen oder sich selbst nicht als "den" Maßstab gegenüber anderen Menschen zu sehen!
Vor 3 Jahren standen wir genau an dem Punkt.
Jetzt schlafen wir halt im Büro... was soll's. Zum Glück ist die Kleine da und zu uns gekommen und hat uns so vieles gelernt, bereits in den wenigen 3 Jahren!
Aber ich kann die Gedanken zu 100% nach voll ziehen. Man selber hat das Gefühl es nie auf die Reihe zu kriegen und nach dem 3. (oder 4.,5.,...) Kind werde alles total anders. Aber wird es nicht. Das Umfeld bleibt das selbe, der Job, das Haus, das Mutter sein! Einfach mit einem Herzchen mehr.
Bei uns wussten einige Leute dass unser 3. so nicht geplant war. In unserer Geburtsanzeige stand treffender weise:
Es Müüli meh, was macht das us,
Es Härzli meh, bringt Glück ist Huus.
Bewundert wirst du als Mutter für die Entscheidung das Kind zu bekommen und nicht für die Entscheidung es nicht zu wollen, auch wenn bestimmt alle es verstanden hätten (oder so getan!!)
Hedonismus, Egoismus oder wie soll man eine solche Lebenshaltung nennen? Kein Wunder können sich unsere Kinder nicht mehr für andere einzusetzen, wenn die Eltern ja nur auf sich und ihr Haus bedacht sind. Solange ein Menschenleben dem Entscheid eines anderen Menschen ausgesetzt ist, bleibt unsere Gesellschaft so, wie wir sie nie haben wollten.
Eine Gesellschaft wird daran gemessen, wie sie mit dem schwächsten Mitglied umgeht. Na dann sieht es ja ganz schlecht aus...Mein Bauch gehört mir und das Ungeborene hat weniger Rechte als unsere schlecht gehaltenen Haustiere.
Ich kann Frau Sassine gut verstehen, insbesondere die Erleichterung wenn dann doch bloss falscher Alarm war und es nicht ans Lebendige geht. Die Gedankengänge gleich als Hedonismus/Egoismus zu brandmarken geht mir ein bisschen zu weit, das "...nicht über andere zu urteilen oder sich selbst nicht als "den" Maßstab gegenüber anderen Menschen zu sehen!" allerdings auch, denn kritisiert wird damit ja bloss die eine Seite, nämlich diejenige der Abtreibungs-Skeptiker. Und mit "gegenüber anderen Menschen" sind bloss die Erwachsenen gemeint, denn gegenüber den Ungeborenen sollte man keinen Berechtigungsmassstab anwenden dürfen.. .
Allerdings, auch bei uns müssen sich zwei Kinder ein Zimmer teilen, ich bin mir ziemlich sicher dass ihnen deswegen keine gröberen Schäden entstehen werden..., drei Kinder sind so übel nicht, im Gegenteil ;-)
Jede/r, dem Abtreibungsgedanken kommen, aus was für Gründen auch immer, sollte daran denken, wie es ist wenn andere über sein Leben /Tod entscheiden, ohne dass sie/er etwas dazu sagen darf/kann.Danke an alle Eltern die auch ein behindertes Kind annehmen.
Wer alt genug zum Bumsen ist, ist auch alt genug, ein Kind grosszuziehen. Alles andere ist zugemüse unserer modernen Überzivilisation von Leuten, die immer alles noch besser, noch grösser, noch mehr haben wollen.
Die Ausrede von zu jung ist Schrott.
11'000 Schwangerschaften pro Jahr werden in der Schweiz abgebrochen. In 1000 Fällen ist tatsächlich das Leben von Kind oder Mutter in Gefahr.
10'000 Schwangerschaften werden aus reinen lifestyle Gründen abgetrieben. Im Schnitt treibt jede fünfte Frau im gebährfähigen Alter einmal ab.
Steht doch da wirklich Behauptung, wer ein Einfamilienhaus mit was? nur zwei Kinderzimmern habe, könne kein drittes Kind grossziehen?
Genau das ist, es was ich mit lifestyle Abtreibung meine....
@ max - die Wahrheit ist krass, hindert sie aber nicht daran wahr zu sein. Gut geschrieben!
Schon schlimm genug das man solch einen Lifestyle Blödsinn überhaupt bloggt. Das zeigt doch das Niveau der Zeitung.
mir wird schlecht. wo sind wir hier bloss?
zum glück fürs ungeborene war's falscher alarm, aber wie wäre, wenn so materialistisch denkende menschen sich nach "bestelleingang" der beiden wunschkinder unterbinden liessen???
SchwangerschaftsUNTERBRUCH? Setzt man die Schwangeschaft nach der Abtreibung fort?
Wie kann mann nur so egoistisch sein!
Kein Wunder haben wir bald keine Kinder mehr!
Also ich kann nicht genug von diesen kleinen süssen Wesen kriegen!