Otto Ineichen will Mütter zurück in die Arbeitswelt lotsen und Kinderkrippen aufbauen. Doch für wen tut er das?
Es geht ja schon länger, dass hierzulande vor dem kommenden Fachkräftemangel gewarnt wird. So arg wie in anderen Ländern ist es in der Schweiz zwar noch nicht, vor allem dank der grossen und inzwischen immer mehr umstrittenen Zuwanderung.
Trotzdem gibt es aus der Politik immer wieder Appelle und Initiativen wie beispielsweise diese Broschüre des SECO für Unternehmen, um Mütter vermehrt weg vom Herd und ran an die Arbeit zu bewegen. Nur stimmen leider die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht: Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit, wie etwa flexible Arbeitszeiten, Arbeit von zu Hause aus, etc. sind nicht eben weit verbreitet in den Unternehmen. Und da wäre noch das Problem mit der Kinderbetreuung.
Zwar wurden in der Schweiz in den letzten Jahren zahlreiche neue Kinderkrippen eröffnet – dennoch sind lange Wartezeiten immer noch keine Seltenheit, trotz des mehrjährigen Impulsprogrammes des Bundes, mit dem schliesslich über 30'000 neue Plätze geschaffen werden sollen.
Zu wenig, zu langsam, so muss jedenfalls das Fazit des FDP-Nationalrates Otto Ineichen gelautet haben. Und so startet er nun selbst eine Initiative, wie sie in der Schweiz wohl bisher einzigartig sein dürfte. Eine Stiftung («Speranza») hat der umtriebige und polarisierende Gründer von «Otto's Warenposten» ins Leben gerufen, mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren ein Netz von rund 100 Kinderkrippen quer durchs Land aufzubauen – die erste soll bereits im April im luzernischen Beromünster eröffnet werden.
Das Ziel, laut der Medienmitteilung: Mütter, die arbeiten wollen, sollen in den Arbeitsmarkt zurückkehren können. Denn bereits heute leide die Schweiz unter akutem Fachkräftemangel, so Stiftungspräsident Ineichen.
Und mit rund 70 Franken pro Tag und Kind soll ein Krippenplatz der Stifung auch noch deutlich billiger sein als in anderen Betreuungsinstitutionen, wo Eltern zuweilen das Doppelte berappen müssen.
Dabei helfen soll die Wirtschaft – bereits drei Unternehmen (welche, ist noch geheim), wollen Ineichen bei der Finanzierung unterstützen.
Was uns wieder einmal deutlich macht, dass tatsächlich auch ein Weg, wo ein Wille ist. Und da macht es auch nichts, dass wohl kaum in erster Linie Mütterfreundlichkeit den Ausschlag für die Initiative des Politikers gab, sondern rein ökonomische Überlegungen.
"Mütterfreundlichkeit" hilft uns auch nicht weiter - zudem ist das Wort schon diskriminierend. Wenn schon, sollten wir von "Familienfreundlichkeit" reden. Wir bilden Frauen (und Männer) auf Kosten der Steuerzahler teuer aus, also muss alles getan werden, damit sie arbeiten können.