Otto und die Mütter

von: Michaela Kozelka (clack.ch) am: Montag, 23.01.2012
Tags:

Otto Ineichen will Mütter zurück in die Arbeitswelt lotsen und Kinderkrippen aufbauen. Doch für wen tut er das?

Otto Ineichen will Kinderkrippen für alle zugänglich machen.

Es geht ja schon länger, dass hierzulande vor dem kommenden Fachkräftemangel gewarnt wird. So arg wie in anderen Ländern ist es in der Schweiz zwar noch nicht, vor allem dank der grossen und inzwischen immer mehr umstrittenen Zuwanderung.

Trotzdem gibt es aus der Politik immer wieder Appelle und Initiativen wie beispielsweise diese Broschüre des SECO für Unternehmen, um Mütter vermehrt weg vom Herd und ran an die Arbeit zu bewegen. Nur stimmen leider die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht: Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit, wie etwa flexible Arbeitszeiten, Arbeit von zu Hause aus, etc. sind nicht eben weit verbreitet in den Unternehmen. Und da wäre noch das Problem mit der Kinderbetreuung.

Zwar wurden in der Schweiz in den letzten Jahren zahlreiche neue Kinderkrippen eröffnet – dennoch sind lange Wartezeiten immer noch keine Seltenheit, trotz des mehrjährigen Impulsprogrammes des Bundes, mit dem schliesslich über 30'000 neue Plätze geschaffen werden sollen.

Zu wenig, zu langsam, so muss jedenfalls das Fazit des FDP-Nationalrates Otto Ineichen gelautet haben. Und so startet er nun selbst eine Initiative, wie sie in der Schweiz wohl bisher einzigartig sein dürfte. Eine Stiftung («Speranza») hat der umtriebige und polarisierende Gründer von «Otto's Warenposten» ins Leben gerufen, mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren ein Netz von rund 100 Kinderkrippen quer durchs Land aufzubauen – die erste soll bereits im April im luzernischen Beromünster eröffnet werden.

Das Ziel, laut der Medienmitteilung: Mütter, die arbeiten wollen, sollen in den Arbeitsmarkt zurückkehren können. Denn bereits heute leide die Schweiz unter akutem Fachkräftemangel, so Stiftungspräsident Ineichen.

Und mit rund 70 Franken pro Tag und Kind soll ein Krippenplatz der Stifung auch noch deutlich billiger sein als in anderen Betreuungsinstitutionen, wo Eltern zuweilen das Doppelte berappen müssen.

Dabei helfen soll die Wirtschaft – bereits drei Unternehmen (welche, ist noch geheim), wollen Ineichen bei der Finanzierung unterstützen.

Was uns wieder einmal deutlich macht, dass tatsächlich auch ein Weg, wo ein Wille ist. Und da macht es auch nichts, dass wohl kaum in erster Linie Mütterfreundlichkeit den Ausschlag für die Initiative des Politikers gab, sondern rein ökonomische Überlegungen.

Autorin
Michaela Kozelka ist Redaktorin der «Tagesschau». Sie arbeitete davor unter anderem für «10 vor 10», die «Berner Zeitung» und war Redaktionsleiterin von «Radio Förderband» (heute Radio Energy Bern). 

Kommentare

von: Schnepfe am: Montag, 23.01.2012

"Mütterfreundlichkeit" hilft uns auch nicht weiter - zudem ist das Wort schon diskriminierend. Wenn schon, sollten wir von "Familienfreundlichkeit" reden. Wir bilden Frauen (und Männer) auf Kosten der Steuerzahler teuer aus, also muss alles getan werden, damit sie arbeiten können.

Kommentar hinzufügen

 

Tags

 Baby   Eltern   Erziehung   Essen   Familie   Frauen   Gefühle   Haushalt   Karriere   Kind   Kinder   Mütter   Mutter   Regeln   Schule   Stress   Teenager   Tipps   Vater   Väter 

Archiv

Facebook

Wer bloggt?

Nathalie Sassine, Journalistin

Rita Angelone, Journalistin

Nicole Althaus, Chefredaktorin wir eltern

Monique Brunner, Redaktorin

Newsletter abonnieren

Mit dem wir eltern-Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden. Alle 14 Tage erhalten Sie kostenlos aktuelle Informationen, gut recherchierte Artikel und hilfreiche Tipps rund um Schwangerschaft, Babys, Klein- sowie Schulkinder. Mit dem Newsletter profitieren Sie von tollen Angeboten und nehmen an Verlosungen von attraktiven Veranstaltungen teil.
Jetzt abonnieren

Das Neueste

Die Sache mit der «doofen Kuh»

Die Sache mit der «doofen Kuh»

... und wie Eltern darauf reagieren sollen.«Du Pippifurzgesicht!» Durchaus liebevoll begrüssen sich so zuweilen...

Die besten Gesichtsmasken zum Selbermachen

Die besten Gesichtsmasken zum Selbermachen

Der Winter nähert sich endlich seinem Ende – doch Ihre Haut hat ihm die trockene Kälte wahrscheinlich noch nicht...

Zu zweit zu früh

Zu zweit zu früh

In der Schweiz kommen sieben Prozent der Kinder zu früh zur Welt. Ein Grund dafür ist die Fortpflanzungsmedizin, die...

Nein, das esse ich nicht!

Nein, das esse ich nicht!

Was Eltern tun können, um aus ihren Kindern kulinarisch vielseitig interessierte Geniesser zu machen. Zumindest aber...

Werbung

Werbung

Wenn Kinder Kinder kriegen

Ein Baby ist kein Schnüggeli zum Schmusen, sondern harte Arbeit. Bewahren Sie die Teenager-Tochter davor, dies aus erster Hand erfahren zu müssen.
Jetzt lesen

Müttergeheimnisse

Es gibt Dinge, die kann man seinen Kindern nicht sagen. Und wahrscheinlich sollte man das auch nicht.
Jetzt lesen

Nackte Tatsachen

Für Frauen ist die (Intim-)Rasur schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden. Und für Männer?
Jetzt lesen

Babyblues

Was tun, wenn sie will und er nicht? Gehen oder bleiben und leiden?
Jetzt lesen

Das Weibchen und der Nachwuchs

Nicht jede Frau weiss mit Babys umzugehen. Nicht jede Mutter versteht das.
Jetzt lesen

Klauen Sie ihren Kindern den Broccoli!

Der Esstisch gleicht mancherorts einer Kampfzone. Ernährungspsychologe Thomas Ellrott gibt Tipps für einen Waffenstillstand.
Jetzt lesen

Mütterliches Burnout

Manchmal ist der Babyblues erst der Anfang.
Jetzt lesen

Teilzeitarbeit – das spricht dagegen

Teilzeitarbeit gilt als Königsweg, um Berufs- und Familienarbeit miteinander zu vereinen. Bei näherer Betrachtung erweist sie sich jedoch als Sackgasse.
Jetzt lesen

Der Rabenmutter-Komplex

Warum nur quält berufstätige Mütter ständig ein schlechtes Gewissen? Neue Antworten auf ein altbekanntes Gefühl.
Jetzt lesen

Frühstücks(g)rollen

Ein kleines Weekend-Theater. Völlig frei erfunden. Aber mitten aus dem Leben gegriffen.
Jetzt lesen

Kinder an die Leine?

Kleinkinder wollen die Welt entdecken – und vergessen dabei alles um sich herum, auch den Strassenverkehr. Muss man sie deswegen anleihnen?
Jetzt lesen

Deutsche Sprach', schwere Sprach'

Mit der Einschulung verkommt die deutsche Aussprache. Warum nur?
Jetzt lesen

Vom Nervensägen

Kinder sind Nervensägen. Schonen Sie Ihre Nerven, denn sie werden nicht reissfester mit dem Alter. Ein paar Tipps.
Jetzt lesen

Papas unter Verdacht

Der amerikanische Blogger Adam Smith wurde von Müttern vom Spielplatz gemobbt. Daurauf wollte er wissen, ob andere Väter ähnliches erlebt haben. Die Antworten sind erschütternd.
Jetzt lesen

So peinlich!

Nicht nur Mütter sind peinlich, auch Teenager können ganz schön peinlich sein.
Jetzt lesen

Tigermütter vs. Kuschelmamis

Stehen wir westlichen Mütter unseren Kindern im Weg? Eine chinesische Mutter ist davon überzeugt.
Jetzt lesen

Daddy spielt die Hauptrolle

In Hollywood wimmelt es auf einmal von Väter mit Kindern. Sind sie deshalb Superdaddies?
Jetzt lesen

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht

Kaiserschnittmütter sind Mütter zweiter Klasse. Warum eigentlich?
Jetzt lesen

Überzeugt überzogen

Der Kindergarten führte vor zwei Jahren Hochdeutsch ein. Bis heute bereitet das Thema sowohl Eltern als auch Politikern Kopfschmerzen. Oder Kopfweh? 
Jetzt lesen

Schwangerschafts-Schau

Schwangere kranken an einer neuen Form des Exhibitionismus. Wächst der Bauch, fallen die Hüllen. Was sollen diese Reproduktions-Feierlichkeiten?
Jetzt lesen

Mutter Natur letztes Wort

Wie viele Kinder sind genug? Eigene, meine ich. Und was, wenn Mutter Natur anderer Meinung ist als ich? 
Jetzt lesen

Hausgeburt mit Kindern?

Kann die Anwesenheit der Kinder bei einer Geburt wirklich so romantisch sein?
Jetzt lesen

Väterfehler

Papa arbeitet viel. Damit die Familie sich etwas leisten kann, auch am Wochenende. Ein Fehler.
Jetzt lesen

Wenn die Kindheit schrumpft

Mädchen kommen immer früher in die Pubertät. Wissenschafter rätseln über die Gründe dafür. 
Sind die abwesenden Väter schuld?
Jetzt lesen

Die Schlacht um den Mutterbauch

Frauen die zuhause gebären denken mehr  an sich als an ihr Baby. Das behauptet das renommierte Medizin-Journal The Lancet. Kein Kompliment für Mütter.
Jetzt lesen

Runinieren Töchter die Ehe?

Sie wünschen Sich eine lange glückliche Ehe? Hoffentlich haben Sie  keine Töchter. Denn Mädchenmütter werden häufiger geschieden als Bubenmütter. Warum?
Jetzt lesen

Die Hobbykeller-Initiative

Spaghettitanz und Flaschenspiel: Gibt es das langsame Annähern ans andere Geschlecht im Zeitalter der Internet-Pornographie noch?
Jetzt lesen

Alles Mütter oder was?

Alle meine Freundinnen sind Mütter. Oder ist es andersrum? Sind Frauen ohne Nachwuchs einfach nicht mehr meine Freundinnen? Huhn oder Ei?
Jetzt lesen

Glücklich ist, wer eine Schwester hat

Menschen mit Schwestern sind optimistischer und ausgeglichener. Schlechter als Einzelkindern ergeht es nur noch Menschen mit Brüdern, besagt eine britische Studie.
Jetzt lesen

Stillen mit Publikum

Überall herrscht das Credo, Stillen sei das Beste für unser Baby. Damit kann man einverstanden sein oder nicht, jede soll nach ihrer Façon. Aber bitte ohne Brüste zu zeigen!
Jetzt lesen

Neun Monate lang alles richtig machen

Schwangere und Neo-Mütter stehen unter Dauerbeschuss. Ein strenger Kodex regelt, was sie essen und trinken dürfen, und wie sie zu gebären haben. Warum nur?
Jetzt lesen

Der Kompromiss-Marathon

Kinderlose Menschen glauben, ihr Leben bestünde aus lauter Kompromissen. Bis sie Kinder kriegen.
Jetzt lesen