Teilzeitarbeit – das spricht dagegen

von: Seraina Mohr am: Montag, 18.04.2011

Teilzeitarbeit gilt als Königsweg, um Berufs- und Familienarbeit miteinander zu vereinen. Bei näherer Betrachtung erweist sie sich jedoch als Sackgasse.

In der Abstellkammer: Die teilzeitarbeitende Mutter.

Nicht ganz drin und im Rennen um die attraktiven Stellen doch aussen vor – so lässt sich das Los vieler berufstätiger Frauen beschreiben. Denn mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen geht einer Teilzeitarbeit nach. Bei den Männern ist es nur einer von acht. Und genau die Verteilung ist das Problem und sorgt dafür, dass viele Argumente gegen eine Teilzeitarbeit sprechen.

  • Die Nadel im Heuhaufen ist einfacher zu finden als qualifizierte Teilzeitstellen. Die sind so gefragt, dass sich jeweils mehrere Dutzend bis Hunderte sehr gut qualifizierter Kandidatinnen und Kandidaten bewerben. Entsprechend schwierig ist es, als Teilzeit-Tätige die Stelle zu wechseln. Dabei beklagen sich laut einer Studie von Ernst & Young zahlreiche KMU, dass sie keine qualifizierten Leute finden.
  • Teilzeitarbeit reicht von 10 bis 90 Prozent, doch wenn es Schwierigkeiten gibt, dann gilt die Sippenhaft. Eine schlechte Erfahrung mit Teilzeit-Angestellten genügt vielerorts um sich grundsätzlich gegen die Teilzeitarbeit auszusprechen.
  • Die Fixierung auf Teilzeitarbeit schränkt das Denken ein. Berufe werden gewählt, weil sie sich für Teilzeit eignen, Jobs und Chef danach ausgesucht. Das ist genauso pragmatisch wie problematisch. Die Volkwirtschaftsprofessorin Monika Bütler bringt es im «Beobachter» auf den Punkt: «Mit Teilzeitdenken verbauen sich Frauen ihre Karriere, bevor sie angefangen hat».
  • Teilzeitarbeit gilt in den Köpfen der meisten Führungskräfte als nicht vollwertig, entsprechend sind Beförderungen, Lohnerhöhungen oder spannende Spezialprojekte kaum vorgesehen. Da nützt auch der Einsatz bis zur Erschöpfung nichts, die Gebilde in den Köpfen sind nachhaltig – da unterscheiden sich Frauen und Männer in Führungspositionen kaum.

  • Statt einer Boutique oder einer Galerie finanzieren reiche Männer ihren Frauen einen Teilzeitjob. Das klingt zynisch, rein finanziell erweist sich allerdings für einige Familien die Berufstätigkeit als kostspieliges Hobby. Auf diesen ökonomischen Unsinn weist die Wirtschaftsprofessorin Monika Bütler immer wieder hin und verweist insbesondere auf die fehlenden finanziellen Anreize für den Mittelstand, das Potenzial der Frauen als Arbeitskräfte zu nutzen. 
  • Überstunden gibt es für Teilzeitarbeitende kaum – zumindest bezahlte. Viele Arbeitsverträge kennen Überstunden für Teilzeitarbeitende nicht und als Überstunden wird nur angerechnet, was über das betriebsübliche Vollzeitpensum hinausgeht.
  • Weiterbildungen werden Teilzeit-Angestellten weniger oft finanziert oder nur mit geringeren Anteilen bezüglich Zeit und Geld. Einige wenige Betriebe haben diesen Missstand erkannt und sorgen dafür, dass Teilzeitangestellt bezüglich Weiterbildung nicht schlechter gestellt sind als Vollzeitangestellte. Dies ist aber die Ausnahme, die Regel ist, dass Teilzeitangestellt Weiterbildungen in der «Freizeit» machen und auch noch selber bezahlen.
  • Teilzeitarbeit ist nicht nur eine Karriere-, sondern eine Rentenfalle. Vielen Frauen wird erst zu spät bewusst, wie stark sich fehlende Pensionskassenbeiträge und tiefere Löhne im Alter auswirken – und dann ist es zu spät.
  • Die endlosen Diskussionen zu Terminen, Arbeitsaufteilung und Freiräumen sind kürzer, wenn die Rollen klar verteilt sind. Das ist kein Plädoyer für das Ernährermodell, sondern für eine fairere Verteilung der Arbeiten. Der ungleiche Anteil an der Erwerbsarbeit wirkt sich immer auch auf die Familienarbeit aus – nach wie vor meistens zu Lasten der Frauen.
  • Das Ende der Diskussionen Nummer 2. Während unsere Mütter kämpfen mussten, um zu arbeiten, weil es sie glücklicher machte, kriegen wir heute zu hören: «Du wärst doch unglücklich, wenn du nicht arbeiten würdest.»


Trotz all dieser Nachteile gilt die Teilzeitarbeit nach wie vor als Ideal, um Familie und Beruf zu vereinen, denn die wahren Alternativen, die fehlen – in den Köpfen und in der Praxis.

Autorin
Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Online Kommunikation der Fachhochschule Luzern und Mitgründerin des Online-Frauenportals Clack. Sie ist verheiratet und Mutter einer 12-jährigen Tochter.

Kommentare

von: Hefalump am: Montag, 18.04.2011

Was ist denn das für ein schlimmer Artikel?! Schon mal überlegt, dass es Leute gibt die TZ arbeiten, weil sie doch noch einige Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen?! Aber auf das Geld angewiesen sind? Oder gehts hier nur um die nice-to-have-Jobs? Aber auch bei denen. Schon mal daran gedacht dass eine Frau, die einen "lächerlichen" TZ-Job hat weitaus die grösseren Chancen hat sehr schnell wieder mehr (ja auch 100 %) zu arbeiten als eine blutige Wiedereinsteigerin?

Was tun den TZler die nicht mehr arbeiten können mit ihrer PK? Wohlbemerkt solche die sich keine dritte Säule leisten können....

Der Artikel greift an und beantwortet zuwenige der aufgeriffenen Fragen. Und er ist zum Teil echt diskriminierend (schränkt das Denken ein?!)

von: philosophia am: Montag, 18.04.2011

Es soll ja Leute geben , die Leben um zu arbeiten. Manche Frauen machen Teilzeitarbeit, weil die Familie das Geld braucht. Aber glauben Sie mir, es gibt Menschen, die sehen ein reiches Leben fernab von Karriere und Geld. Die leisten sich statt Luxusgüter einfach freie Zeit!!! oder zeit für die Familie. Ich finde dies ist so kostbar, das wiegt alles Geld und Ansehen durch Beruf nich auf.Dass dies so wenig Männer tun, finde ich sehr schade.

von: tanja am: Montag, 18.04.2011

ich stimme hefalump zu. sehr schlimm, dieser artikel.
wieviele menschen machen denn karriere? und was für ein pensum arbeiten denn sassine, althaus, brunner, strahm? machen sie es der bezahlten weiterbildung und der karriere wegen? wir schliessen teure versicherungen ab für lächerlich kleine risiken, wir impfen wegen komplikationsraten von 1/1000 komplikationen auf überhaupt 1/1000 kranke! aber eine trennungsrate von 50% blenden wir aus und machen uns wieder wirtschaftlich abhängig. das ist nicht zeitgemäss. zeitgemäss wäre, die 42std woche als passé zu betrachten. vollzeitbeschäftigung für alle ist doch heute schon eine illusion

von: Hefalump am: Montag, 18.04.2011

philosophia sagt es richtig. Zeit ist auch etwas das man sich leisten kann und manchmal auch einfach muss. Ebenfalls tanja ;-)

von: nelly am: Montag, 18.04.2011

Was macht denn bitte einen "schlimmen" artikel aus? wenn er sagt, was man nicht sagen darf? oder wenn er einfach nicht der grossen masse gerecht wird? im gegenteil, ich finde den text spitze, auch wenn ich nicht allem zustimme, auch ich arbeite teilzeit. fakt ist, dass es für unternehmen einfach weniger attraktiv ist, sonst gäbe es doch viel mehr teilzeitstellen. oder nicht?

von: Liz am: Montag, 18.04.2011

@hefalump Denkverbote sind diskriminierend aber andere Ansichten schlimm - die Logik verstehe ich nicht ganz. Es geht doch mehr darum auch einmal die negativen Seiten von Teilzeitarbeit zu erwähnen - ohne Denkverbote.

von: tanja am: Montag, 18.04.2011

nelly, argumente, warum wir den artikel schlimm finden, stehen doch da. du musst nicht die gleiche ansicht haben, aber bezieh dich bitte darauf und unterstelle nicht einfach etwas

von: Hefalump am: Montag, 18.04.2011

tanja hat bereits geantwortet. Und die Argumentation dann gäbe es viel mehr ist hanebüchen! Wieviele male in der Vergangenheit hat die bequeme Mehrheit schon so argumentiert?

Und warum darf ich Ansichten die ich schlimm finde nicht als solche bezeichnen? Und was Du mit Denkverbote meinst, ist mir nicht ganz klar. Meine Klammer bezog sich auf den Abschnitt "schränkt das Denken ein".

von: rambo am: Samstag, 26.11.2011

Ich finde dieser Text hat nicht viel wahres... Eine TZ angestellte ist weder Minderwertig noch blöd...
Ich bin froh eine TZ angestellte zu sein, und habe eine super Stelle, super Weiterbildungsmöglichkeiten, super Lohn und einen sehr kurzen arbeitsweg für diesen ich nicht mal ein Auto benötige...
und Pensionskasse kriegt eine Mutter und Hausfrau ja auch keine!!!

Wenn man TZ arbeitet, kann man (wenn die kinder volljährig sind) besser wieder voll einsteigen, man kann immerhin etwas vorweisen...

Also allen die TZ arbeiten viel spass weiterhin, den die abwechslung zum Hausfrau und Mutter altag macht es aus.

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