The Kid's Speech

von: Rita Angelone am: Dienstag, 24.01.2012
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Das Tabuthema «Stottern» kennt viele Vorurteile. Lassen Sie uns ein paar davon beseitigen.

Tabuthema Stottern: Es kann Könige und Kinder treffen.

Der Oscar-prämierte Film «The King’s Speech» erzählt die wahre Geschichte von Albert, Duke of York, dem späteren König George VI. Albert muss sich nach der Abdankung seines älteren Bruders auf die Rolle als künftiger König vorbereiten. Diese Aufgabe fällt ihm besonders schwer, da er seit seiner Jugend extrem stottert und deshalb Reden vor Publikum ein wahrer Albtraum für ihn sind.

Ob der Film die erhaltenen Auszeichnungen verdient, kann ich nicht beurteilen. Dass aber dadurch das Tabuthema Stottern zur Diskussion gebracht und hoffentlich von allen Vorurteilen und falschen Behauptungen befreit wird, ist auf jeden Fall zu wünschen – für alle direkt und indirekt Betroffenen.

Woher kommt eigentlich das Stottern?
Die Ursachen des Stotterns sind nicht vollständig erforscht. Erklärungen wie «Kinder denken schneller als sie sprechen» oder «Kinder sind eben nervös und wollen mit Stottern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen» treffen gemäss Logopäden nicht zu. Wissenschaftler vermuten, dass der gestörte Redefluss auf Funktionsstörungen im Gehirn zurückgeht.

Rund ein Prozent der Erwachsenen stottert chronisch
In der Schweiz sind es also gegen 80‘000 Personen. Beim Stottern wird der Redefluss in Form von Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen gestört. Stottern wird häufig von übermässiger Anstrengung beim Sprechen begleitet,  was sich in Form von Verkrampfung oder Zuckungen von Kopf, Armen oder Oberkörper äussert.

Das Stottern bei Kindern – vor allem bei Buben
Das Stottern beginnt meistens ohne besonderen Anlass im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Zuvor hat das Kind meistens eine Zeitlang flüssig gesprochen. Fünf Prozent aller Kinder entwickeln in diesem Alter ein so genanntes Entwicklungsstottern. Das ist meist kein Grund zur Besorgnis. Vier von diesen fünf Kindern verlieren das Stottern bis zur Pubertät wieder und sprechen flüssig, ohne dass ärztliche Hilfe nötig wird. Bei Mädchen ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Stottern verschwindet, um einiges grösser.

Vermeiden, dass es chronisch wird 
Bei Unsicherheiten ist eine logopädische Abklärung bei einer Fachperson sinnvoll. Je rascher ein Stottern, das chronisch werden könnte, behandelt wird, desto grösser ist die Chance, dass es wieder weg geht. Mit Hilfe von spielerischen Übungen soll das Kind vor allem wieder Freude am Sprechen bekommen und dabei positive Erlebnisse haben.

Weiterführende Informationen zum Thema Stottern:

Quelle: puls.tv

Autorin
Rita Angelone (43) ist mit dem Familienoberhaupt verheiratet, hat zwei Kinder – der Grosse (5) und der Kleine (3) – und schreibt jede Woche im «Tagblatt der Stadt Zürich» über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags.
www.dieangelones.ch 

Kommentare

von: Sandra am: Dienstag, 24.01.2012

Vielen Dank für diesen Artikel und die Hinweise auf weitere Infos. Als betroffene Mutter wünsche ich mir, dass das Stottern kein Tabu mehr ist.

von: Katharina am: Dienstag, 24.01.2012

Stottern ist ein Thema, das hoffentlich nicht auf uns zukommen wird. In der heutigen Leistungsgesellschaft wird schon unser Latetalker von Fachpersonen beäugt, wann sie ihn endlich therapieren dürfen.
Was mich daran erinnert, dass ich vielleicht doch mal mit einer Logopädin....
Ach, weshalb ist es in der heutigen Zeit nur so schwierig, unsere Kinder in ihrem eigenen Tempo ihre eigenen Stärken ausbauen zu lassen und über ihre Schwächen lachen zu lernen. Wenn so ein Kind stottert, stehen die Chancen hoch, dass es nicht Volksredner werden möchte. Und das Stottern wird es hoffentlich nicht davon abhalten können, seine ur-eigensten Stärken in seinem Leben umsetzen zu können und beispielsweise ein exzellenter Schriftsteller zu werden.

von: Nadja am: Dienstag, 24.01.2012

Mein Sohn 3 1/2 hat zeitweise dieses sogenannte Entwicklungsstottern. Meine Kiä machte gleich ein Drama draus aber da es sich nach 3-4 Wochen wieder legt und er "normal" spricht hab ich mir eigentlich nie sorgen gemacht. Klar war ich am anfang etwas verunsichert..... Ich hab es mir dann so erklärt, dass wenn er wieder einen Entwicklungsschub hat oder er wieder ganz viele Wörter lernt das er das einfach bekommt. Irgendwo hab ich mal gelsen das man dem Kind nicht helfen soll wenn er Stottert d.h. er soll versuchen das Wort selber zu sagen damit er nicht die Lust am sprechen verliert. Auch sag ich ihm er solle langsam sprechen und mal kurz durchatmen. Das hilft teilweise auch schon :-D

von: Pablo S. am: Dienstag, 24.01.2012

Da stimme ich voll und ganz zu: Stottern ist ein wichtiges Thema - zumal die kommunikativen Fähigkeiten nach meinem Empfinden heute stärker gewichtet werden als früher. Deshalb wird den Sprachstörungen heute wohl auch viel mehr Beachtung geschenkt als früher. Als ich noch in der Primarschule war - und das ist Jahre her - hatten wir einen Jungen in der Klasse, der stark gestottert hat. Soweit ich mich erinnern kann, wurde er damals nicht logopädisch betreut, so wie das heute jeweils der Fall ist.

von: Nicole am: Dienstag, 24.01.2012

Zeitweiliges Stottern scheint bei kleinen Kindern wirklich sehr verbreitet zu sein. Meine 2jährige Tochter stockt derzeit auch öfters mal, auch wenn ich das jetzt nicht direkt als Stottern bezeichnen würde. Kommt aber wohl schon daher, dass Kinder viel erleben und lernen und dann manchmal das Gehirn mit dem Sprechen nicht mehr nachkommt....
Bei uns im Kindergarten werden alle logopädisch untersucht und bei einer Auffälligkeit wird das Kind weiter beobachtet und dann bei Bedarf frühzeitig behandelt. Wir hatten in der Krippe mal einen Vortrag einer Logopädin, welche betont hat, wie wichtig es für den Erfolg sei, dass man frühzeitig behandle. Dann könne noch sehr viel erreicht werden.

von: Jürg Brechbühl am: Mittwoch, 25.01.2012

Das mit dem früh Therapieren macht mich misstrauisch. Nehmen wir die Zahl: 5% der Kinder stottern ein paar Wochen oder ein paar Monate lang im Alter von 3.5 bis 5 Jahren. Das ist normal. Einige sehr seltene Erwachsene stottern ebenfalls, das behindert sie im Alltag, im Beruf, es kann wirklich furchtbar sein. Ich habe das bei einem Kollegen beobachtet. Vor allem, in dem Alter muss man dann hart arbeiten, bis es wieder vergeht.

Wo also ist die Grenze? Soll man Kinder erst in einem bestimmten Alter untersuchen und der Behandlung zuweisen (in unserer Dorfschule war das in der ersten Klasse)? Oder soll man beim Stottern eine Zeitlimite setzen, wie man es bei Grippen, offenen Wunden und anderem auch tut? Zum Beispiel in der Art: Wenn das Kind länger als 3 Monate, 6 Monate, etc. stottert, dann soll es untersucht werden?

von: Jürg Brechbühl am: Mittwoch, 25.01.2012

Die Logopädinnen meinen es sicher gut. Aber wir können für alles Therapien einführen: 5% der Kinder sind mit 6-jährig stark übergewichtig. Sollen wir sie ab 3-jährig in die Bewegungs- und Sportbehandlung schicken? 15% der Erstklässler können die Schuhe nicht selber binden. Sollen wir sie ab 5-jährig zur Behebung feinmotorischer Störungen schicken? Oder schicken wir besser die Eltern in einen Kurs in der Art "wie bastle ich ein Modellschiffli" mit meinem Kind? Oder schicken wir die Eltern grad sowieso schon in die Erziehungsberatung? Wir würden locker Gründe für Behandlungen von 80% der Kinder und 100% der Eltern finden.

von: Katharina am: Mittwoch, 25.01.2012

Wenn man Kurzen und deine Prinzessin sprechen hört, würde man nicht meinen, dass sie altersmässig grad mal zwei Wochen auseinander sind. Kurzer steht sprachentwicklungsmässig dort, wo C. vor einem Jahr stand. Trotzdem sind sie beide in der Normverteilung drin, meiner ganz links, deine ganz rechts. Und trotzdem, immer wenn's zu solchen Diskussionen wie jetzt hier kommt, geht mir der Gedanke durch den Kopf ob ich ihn nicht längst hätte in die Therapie bringen sollen, weil wie du ja sagtest: Je früher, je besser. Womit dann ein absolut normales Kind mehr eine Etikette aufgeklebt bekäme auf der "nicht normal" steht. Ich möchte das nicht und solange kein Leidensdruck besteht, werden wir dem Kurzen genau so lange Zeit geben zum Sprechen lernen, wie er dazu benötigt. Sollte er es im KiGa noch immer nicht können, werden wir erneut über die Bücher gehen. Aber bis dahin fliesst noch viel Wasser die Aare runter und schlussendlich wird nicht in seinem Curriculum stehen, ob er mit eins, zwei oder drei die ersten Sätze formen konnte.

von: Rita Angelone am: Mittwoch, 25.01.2012

Ich muss mich ganz kurz einklinken und erzählen, dass unser Kleiner bis über 2 praktisch kein einziges Wort konnte. An der 2-Jahres-Kontrolle hiess es, dass er plusminus 30 Wörter können sollte. Tat er aber nicht. Der Kinderarzt - mit dem wir sehr, sehr zufrieden sind - hat uns aber gleich gesagt, dass das nur ein "Richtwert" ist und jene, die mehr nach links oder rechts abweichen, nicht einschliesst. Er gab mir ein paar Tipps, worauf ich achten sollte und sagte, wir sollen einmal ein weiteres halbes Jahr einfach nur beobachten. Ja, und dann hats angefangen.Er redet nun gut, sogar zweisprachig. Tipptopp. Dafür hat der Grosse, der mit 1 1/2 schon plapperte wie verrückt, plötzlich mit 3 1/2 Mühe bekommen. Man kann nichts voraussagen, alles kann sich ändern, tut es ja auch. Zum Glück. Unser Grosser hat immer wieder solche Rückfälle, aber er selber fühlt sich nicht beeinträchtigt. Wir beobachten auch hier weiter und sind gespannt wie sich das weiter entwickelt. Er allerdings geht jetzt eine Stunde pro Woche in die Kiga-Logopädie.

von: Rita Angelone am: Mittwoch, 25.01.2012

Hier noch ein passender Artikel aus dem aktuellen Beobachter zum Thema Sprechen: http://www.beobachter.ch/familie/kinder/artikel/babysprache_wenn-kleinkinder-das-wort-ergreifen/

von: Stottern in Zürich am: Donnerstag, 26.01.2012

Zur Frage, wann eine Therapie angezeigt sei:

Eine Logopädin hat die Kenntnisse, um zu entscheiden, wann ein Stottern therapiewürdig sei. Sie wird also bei kleinen Kindern in vielen Fällen feststellen, dass eine direkte Therapie momentan nicht nötig sei und eine Elternberatung ausreiche.

Wenn ein Stottern sich in eine ungute Richtung entwickelt, sollte man in der Tat bald mit einer Therapie beginnen, und zwar bei einer Logopädin, die sich mit Stottern auskennt.

Stottern in Zürich:
home.datacomm.ch/stottern
facebook.com/stottern

von: Stottern in Zürich am: Donnerstag, 26.01.2012

Korrekt ist: facebook.com/stottern.zuerich

von: Nicole am: Donnerstag, 26.01.2012

@"Stottern in Zürich": Danke für die hilfreiche Präzisierung!
@Jürg Brechbühl: Als ich 1976 (!)im Kiga war, hat meine Kindergärtnerin meine Eltern darauf hingewiesen, dass ich bewegungstechnisch nicht so gut sei wie die Gleichaltrigen, und dann ging ich zu einer Tante mit Klavier in ein Bewegungstraining. Hat mir auf jeden Fall geholfen! Ich bin auch dagegen, zu früh zu therapieren, aber ich bin froh, dass bei uns nun im Kiga das Thema aufgenommen wird. Ich denke, da ist man dann richtig.
@Kat: Sorry, ich war wohl etwas missverständlich, von wegen "so früh wie möglich" - ich habe natürlich nicht 2jährige gemeint. Dein Kurzer wird beim Sprechen genauso den Knopf finden wie beim Laufen - und dann wird er dich den ganzen Tag volllabern wie meine "Prinzessin".... ;-)

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