Wenn die Kindheit schrumpft
von: Nicole Althaus am: Freitag, 01.10.2010
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Mädchen kommen immer früher in die Pubertät. Wissenschafter rätseln warum. Sind die abwesenden Väter schuld?

Frühreif aber unreif: Die Pubertät setzt bei Mädchen immer früher ein.
Neunjährige Mädchen mit Brüsten und Barbie im Arm, zehnjährige Girls, die ihre Tage bekommen und zwölfjährige Teenies, die dem Türsteher vor dem Nachtclub locker Volljährigkeit vortäuschen: Die Pubertät setzt bei Mädchen immer früher ein. Ein Phänomen, das man nicht nur im Alltag beobachten, sondern auch mit Zahlen belegen kann. Hatten im 19. Jahrhundert junge Frauen ihre erste Periode mit etwa 17, menstruierten die Mädchen 1960 im Schnitt zum ersten Mal zwischen 12 und 13. Vor gut einem Jahr haben Forscher in Kopenhagen herausgefunden, dass Europäerinnen heute bereits mit 9,8 Jahren Brüste bekommen. Ein gutes Jahr früher als noch in den 1990-Jahren.
Während heute die Lebenserwartung steigt, schrumpft die Kindheit. Stimmen die Daten, darf die heutige Generation von Mädchen 85 Geburtstage feiern, aber bloss knapp 10 davon als Kind. Die Gründe für die Verschiebung der Pubertät ins Kindesalter sind noch unklar. Hormonähnlichen Stoffen in Lebensmitteln und Kosmetika wurde bereits die Schuld gegeben, arbeitstätige Mütter als Sündenböcke hingestellt und auch das Übergewicht wurde als Erklärungsgrund herbeigezogen. Doch jedesmal, wenn man glaubt, nun sämtliche Spekulationen zu kennen, taucht eine neue auf: Laut der renommierten Berkeley Universität in Kalifornien beschleunigt die hohe Scheidungsrate die körperliche Entwicklung der Mädchen: Wachsen sie ohne Vater auf, so zeigte eine Studie, pubertieren sie früher als Mädchen aus intakten Familien. Je intensiver die Vater-Tochter-Beziehung, schliessen Wissenschafter daraus, desto später tritt die erste Periode ein.
Eine Erklärung, die einleuchtet. Sind die Scheidungsraten doch tatsächlich dies- und jenseits des Antlantiks in den letzten Jahrzehnten gewachsen, und beiderorts sind es auch die Mütter, die grossmehrheitlich das Sorgerecht für den Nachwuchs erhalten. Allerdings beförderte die Studie selbst schon wieder ein Resultat zu tage, über das nun neuerdings auch spekuliert wird: Die abwesenden Väter nämlich beschleunigen die körperliche Reife der Töchter nur, wenn sie aus der Mittelschicht stammen. In Familien mit kleinem Einkommen hat die Trennung der Eltern überhaupt keinen Einfluss auf die körperliche Entwicklung der Töchter.
Klar ist heute einzig: Ein früher Eintritt in die Pubertät hat für Mädchen Konsequenzen, die weit einschneidender sind als die Tatsache, dass sie in einem Alter, in dem sie noch nicht einmal richtig aufgeklärt worden sind, einen Büstenhalter tragen müssen. Bewiesen ist: Nicht nur das Risiko einst an Brustkrebs zu erkranken nimmt mit dem längeren Einfluss von Östrogenen zu, auch Depressionen korrelieren mit einem Eintritt in die Pubertät vor dem 11. Lebensjahr. Was damit erklärt wird, dass der seelische Reifeprozess dieser Mädchen zwangsläufig hinter dem körperlichen hinterherhinkt.
Haben Sie das auch beobachtet? Und wie regieren Sie als Eltern auf das Phänomen?
Also wenn das vorallem die geschiedene Mittelschicht betrifft, die Finanzlage also mitspielt, dann hat es viellicht mit den Aktivitäten dieser geschiedenen Mittelschichtväter, oder deren Geschenken (aus schlechtem Gewissen) an die Tochter zu tun? Was unterscheidet den Mitteschicht Geschiedenen vom Unterschicht Geschiedenen? (Wenn es wirklich zutreffen sollte dass diese Unterschiede vorhanden sind)
Seit ich vor einige Zeit ebenfalls gelesen hab, dass das soziale Wohlbefinden im Elternhaus ein Faktor für die immer früher einsetzende Pubertät ist, bin ich ganz stolz auf meine Spätzünderin :-)
Ja- schwierig. Meine nachbarin hat ein Mädchen, das gern mit meiner Tochter gespielt hat. Jeztz scheint sie plotzlich4 Jahre alter. Wahrend meine noch immer kind ist, wird aus ihr im Turbo eine Frau
@Brunhild : Frag ich mich auch gerade. Vielleicht, dass in der Unterschicht die Väter sowieso weniger zuhause sind? Mehr auf der Arbeit? Aber dann müssten die Unterschichtsmädchen generell früher in die Pubertät kommen. Was sich wohl nicht belegen lässt.
@lilifee:...oder vielleicht liegts an den geschiedenen Mittelstandsmütter, dass die irgendwas eklatant anderes machen als die geschiedenen Unterschichtsmütter? Jedenfalls wünsche ich meiner Tochter eine seeeehr lange Kindheit und werde sie mit Sicherheit kleidungsmässig und auch sonst nicht auf die "Erwachsenenschiene" raufhieven...
Mädchenkörper sind also irgendwie ein Indikator für irgendwas. Aber für was genau? Lassen sich aus der körperlichen Entwicklung von Mädchen vieleicht sogar... Börsenkurse ablesen?
Ich frage mich, ob der Gegenstand dieser Untersuchung(en) überhaupt seriös ist. Womöglich haben wir es mit einer komplett falschen Fragestellung zu tun. Ob es eine Korrelation zwischen Scheidungen und der immer früher einsetzenden Pubertät unserer Mädchen gibt, wage ich ganz stark zu bezweifeln. Und ob dabei die Schichtzugehörigkeit eine Rolle spielt, noch viel mehr.
Eine Korrellation kann man sich bei den Töchtern vorstellen, deren Vater vor der Mutter sprichwörtlich davonliefen. Vielleicht denken sich die Mädels dann, sie müssen was aus sich machen, damit sie den Männern gefallen. Was jedoch den Schichtenunterschied betrifft, bin ich ebenso ratlos. Vielleicht liegen da mehr Schundhefte rum, die falsche Vorbilder liefern?...
Es wurde eine einfache bivariate Statistik verwendet. Die Korrelation kann unter jedem nur denkbaren Gesichtspunkt zufällig sein oder von einem gemeinsamen dritten Faktor determiniert.
Mindestens drei mögliche solche Faktoren werden in der Studie selber erwähnt.
1.) Geschiedene Mütter aus der Mittelschicht sind vielleicht mehr im Stress, weniger für ihre Töchter da, weil sie länger und härter arbeiten.
2.) Geschiedene Mütter aus der weissen Mittelschicht können möglicherweise weniger auf ein soziales Netz zur Betreuung der Kinder zurückgreifen [Grossmütter, etc!!!]
3.) Geschiedene Eltern der Mittelschicht hatten vielleicht schon vor der Scheidung viel Streit.
<blockquote>Other unmeasured factors in a girl’s environment may influence
the effect of father absence on pubertal development. It is
conceivable that among higher-income families in the United
States, there are weaker social support networks compared with
lower income communities, for whom reliance on alternative
caregivers may be more normative [20,27]. An absence of social
support may be particularly deleterious when mothers are the
sole income earners and are working long hours, as may be the
case in higher-income, father-absent families. Maternal workload
may result in familial stress and maternal emotional distance,
which have been linked in previous studies to girls’ early
puberty [
and also the examination of tempo (rate of progression from
onset to menarche). Father presence (82%) was higher than the
national average for this age, thus limiting generalizability; 2009
United States Census data showed 74% of 6–8-year-old children
living in a home with a biological father. This study also had a
lower percentage of nonrelated adult males living in the home
compared with national data (4% vs. about 11% in the National
Growth and Health study). However, girls in National Growth
and Health study were slightly older than those in our sample,
therefore prevalence estimates may be more similar if ageadjusted.
Also, we neither had information about father absence....</blockquote>
"Faktoren" in der Bedeutung dieser Studie bedeutet "verursachende Umstände" für das frühe Einsetzen der Pubertät der Mädchen.
Also, Kurzfassung, die frühe Pubertät könnte nach Meinung der Autoren verursacht sein durch:
1.) Kalte, abwesende, gestresste Mütter.
2.) Fehlende Grossmütter.
3.) Ehestreitereien vor der Scheidung.
Alle drei Umstände treten nach Meinung der Autoren häufiger ein in Familien der Mittelschicht, wo der biologische Vater fehlt.
Ein eigentlich interessantes Thema, aber wieder mit sogenannten Studien pseudo-legitimiert. Warum nicht mit Beispielen aus der hiesigen Realität?
Zu Ihren Fragen "Haben Sie das auch beobachtet?" - Ja. - "Und wie regieren Sie als Eltern auf das Phänomen?" - so genommen, eher locker, wie's halt kam und passte. Trotzdem durfte die Tochter nicht so liberal in den Ausgang, wie sie's gerne gehabt hätte.
Die aufgeführten Kriterien
findet man in jeder Gesellschaftsschicht, nicht nur im Mittelstand. Womöglich haben sogar die Konjunturzyklen einen Einfluss auf die körperliche Entwicklung von Mädchen. Sind diese Körper etwa eine Art Medium? Ein interkultureller Vergleich würde da vieleicht Abhilfe schaffen. Nein, ich halte solche Korrellationen, wie in diesem Falle aufgezeigt, für absolut unseriös.
Ich kann aus persönlicher Erfahrung erzählen, dass es auch innerhalb der einzelnen Familien riesige Unterschiede gibt. Mit gleichem familiärem Hintergrund also. Während die eine Schwester mit knapp 10 die erste Mens und Brüste hatte, bekam die andere Schwester alles erst mit 17! Das gleiche in der weiteren Verwandtschaft.... Wie wollen die Forscher das erklären? Wir sind auch viel grösser, viel dicker,weniger behaart usw. als früher, sowas nennt sich Wandel der Zeit oder Evolution.
Die Studie dokumentiert nur eine statistische Korrelation. Weiter nichts. Falls das Mengengeruest ueberhaupt gross genug war, um eine allgemeingueltige Korrelation zu zeigen und nicht nur einen Trend in einer kleinen Gruppe.
kausale Zusammenhaenge zeigt die Studie nicht.
@Pierre - Ich könnte mir das Thema durchaus auch mal im Heft vorstellen. Deshalb wäre es ja interessant, wenn diese Themen auch im Forum diskutiert würden
@N. Althaus, Tipp: Dann nehmen Sie nicht eine Studie als Aufhänger, sondern eine Beobachtung oder Episode aus dem richtigen Leben, wo sich mehr Leser abgeholt fühlen. Dann kommt's gut.
@Katharina
Das ist das Problem, wenn Germanistinnen sich an solche Studien heranmachen. Sie verstehen den Unterschied zwischen einer statistischen Korrelation und einer Kausalität nicht.
Zudem fällt es dem Laienpublikum schwer zu merken, wie ungemein gering der Erkenntniswert dieser Studie ist. Sie kann allerhöchtens als allererster Überblick gelten, um eine eigentliche richtige Untersuchung zu Thema zu entwerfen und zu planen. Unsereins würde sich schämen, mit so dürftigem Material in eine Fachzeitschrift zu gehen.
Ich habe die zitierte Studie heruntergeladen und den grössten Teil gelesen.
Das ganze sieht ziemlich improvisiert aus. Mit recht grossem Aufwand wurden während vielen Jahren die Mädchen untersucht und ihre körperliche Entwicklung dokumentiert.
Für die Mutmassung, dass die Abwesenheit des Vaters der Auslöser für eine frühe Pubertät sein könnte, wird kein biologisch-medizischer Prozess postuliert. Es ist also gar keine eigentlich wissenschaftlich begründete Hypothese da, die mit einer geeigneten Untersuchungen überprüft werden könnte.
Das Fehlen einer Vermutung über biologisch, psychiatrisch, medizinische Vorgänge zeigt sich auch darin, dass nur eine sehr kleine Zahl von möglichen Einflussfaktoren mit Fragebogen erhoben wurden.
Zum Beispiel: Warum wurden nur zwei Einkommensklassen gewählt, über und unter 50'000 Dollar. Je nach Wohngegend kann man mit 50'000 Dollar in Frieden leben, an deren Orten genügt das nicht einmal für die Miete.
Erst in der Schlussdiskussion wird emotionaler Stress als möglicher Auslöser genannt: Ehestreitigkeiten bevor der Vater wegging. Grösserer Geldbeschaffungsstress bei Müttern in oberen wirtschaftlichen Schichten, schlechteres familiäres Beziehungsnetz in den oberen Schichten. Aus alledem folgend weniger emotionale Nähe und persönliche Betreuung der Kinder.
Solche Mutmassungen über mögliche Auslöser könnten mit einem detaillierten Fragebogen, einer besseren Aufschlüsselung von Gehaltsklassen erhoben und in einer Faktorenanalyse die hauptsächlichen Einflussfaktoren gefunden werden.
Die hier verwendete bivariate Statistik ist nicht adäquat. Die ehobenen Datensätze ungenügend. Das fehlen einer wissenschaftlichen Vermutung über die Verursachung der frühen Pubertät macht die Statistik zur reinen Fingerübung, zur Zahlenspielerei.
Wer sagt, dass man mit mückenstichgrossen Brüsten BHs tragen muss?! Meine Güte, diese Kolumenen sind so unsorgfältig geschrieben. Oder ist das Absicht?
Ich kann dem ganzen "fehlen des Vaters" und "abwesende Mütter" Zeugs nicht viel Glauben schenken.
Wenn es tatsächlich so sein sollte das Mädchen im 19 Jahrhundert erst mit 17 Ihre erste Menstruation hatten, dann frag ich mich warum. Zu dieser Zeit war das Leben Körperlich gesehen sicherlich viel anstrengender als es heutzutage ist, also wäre ein "schnelleres erwachsen werden" doch irgendwie logischer gewesen.
Ein Leben war nicht so lang und ein früher Start hätte da doch mehr sinn gemacht.
Zudem waren diese Stressfaktoren wie streit in der Ehe oder das fehlen eines Elternteils sicherlich nur Kleinigkeiten im Vergleich zu, "werden wir diesen Winter überleben?"
Ich glaube das wir einfach alle zu viel Essen! Unsere Kinder sind so gut "gedüngt" wie nie zu vor. Wir wachsen höher und schneller als je zu vor. Ob dies eine gute Entwicklung ist ist natürlich fraglich, aber ich denke auch das diese Frühreife eine Evolution des modernen, westlichen Menschen ist.
Ich habe nichts von Germanistinnen gesagt. Es scheint auch keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem germanistenstudium und dem verbiegen von taxonomien zu geben. statistisch gesehen kann also kein zusammenhang zischen der glaubwuerdigkeit der untersuchung und der tasache, dass die zitierend germanistin ist, hergestellt werden. nicole ist auch icht las autorin der untersuchung genannt. gleich wie ich die taxonomie verdrehen will, so kann ich einfach diesen zusammenhang nicht herstellen.
tia.
das mengengeruest war 444 maedchen mit 96%, wo die mutter primary care giver war. untersuchngsgegenstand war, ob BMI, ethnizitaet und einkommen faktoren sein koennten.
kernaussage der untersuchung ist nur, dass ein zusammenhang zwischen bmi und frueherem einsetzen der pubertaet nicht sichtbar ist.
die untersuchung fand korrelationen entlang der zwei faktoren einkommen und rasse.
einkommen wurde in 6 kategorien tallyyiert, aber zur INTERPRETATION der daten dichotomisiert. das ist der grund, dass einkommen nur unter zwei kategorien (kleiner als 50k bzw hoeher) genannt werden der grund ist, dass in den tiefen einkommen kleiner 50k ueberdurchschnittlich viele afroamerikaner sind. da ging es um die interaktion dieser faktoren.
die analyses methode beruecksichtigt, dass die rohdaten zensuriert sind (Survival analysis).
ohne in die details zu gehen, kann gesagt werden, dass das mengengeruest mit 444 viel zu klein ist, um eine aussage zu machen, vorallem wenn nach aufteilung in ethnien beruecksichtigt.
die studie besagt nur, dass eine korrelation zwischen pubarche, einkommen und ethnie nur bei afromarekianern mit hoeheren einkommen (sprich mehr als 50 k und damit mittelschicht) besteht. als moegliche gruende werden stressoren erwaehnt weil afroamerikaner in der mittleschicht eher diskrimination ausgesetzt sind als in der monokulturellen unterschicht.
es hat mit armut zu tun und den daraus entstehehnden dysfunktionalen familien.
die studie sagt dann selber, sie seien 'ueberascht gewesen, dass der zeitpunkt der pibarche nicht entlang der ethnizitaet variiere, sondern entlang einkommen. weil eben mit dichotomisierung der faktor etnizitaet moderiert wurde.
es hat also nichts mit absenten vaetern zu tu, sondern schlicht einfach mit armut.