Wenn Kinder Kinder kriegen
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 19.10.2011
Ein Baby ist kein Schnuggeltierchen zum Schmusen, sondern harte Arbeit. Bewahren Sie die Teenager-Tochter davor, dies aus erster Hand erfahren zu müssen.

Wie war das noch mal mit gesunder Ernährung während der Schwangerschaft? Filmausschnitt aus «Juno».
Eine Mitteilung in der Tagespresse. Unprätentiös werden Fälle beschrieben, hinter denen Schicksale stecken. Diesmal lautet die dürre Mitteilung in etwa so: Ein Mädchen, «auf sich alleine gestellt», wird mit 17 schwanger, wird irgendwo aufgenommen und irgendwie betreut, kriegt das Kind, kümmert sich «hingebungsvoll», wird deshalb etwas weniger betreut, nur noch zweimal täglich findet eine Kontrolle statt. Schliesslich schüttelt sie ihr Baby zu Tode, weil sie dessen Geschrei nicht mehr erträgt. Und steht mit 18 Jahren deswegen nun vor Gericht, «auf sich alleine gestellt».
Ich kriege die Sinnkrise. Leben wir eigentlich noch im Mittelalter? Warum in alles in der Welt müssen junge Mädchen ihre befruchteten Eizellen heranreifen lassen und ein Baby auf die Welt stellen? Zumindest in unserer Kultur sind 17-Jährige in aller Regel hinten und vorne noch nicht in der Lage, ein Baby aufzuziehen, unfertig, wie sie noch sind. Ein Baby ist kein Schnuggeltierchen zum Schmusen, sondern harte Arbeit. Vor allem, wenn man noch in Ausbildung ist, vielleicht ins Ausland möchte, erst mal erwachsen werden müsste.
Im Bekanntenkreis meiner Töchter waren es in den letzten zwei Jahren zwei Mädchen, gleiche Alterskategorie, die Kinder austrugen.
Ich spreche in meiner Aufgewühltheit mit meiner Freundin, etwa zehn Jahre älter als ich. Sie wurde mit 17 schwanger, hatte ihr Kind die ersten Jahre bei ihren Eltern. Sie redet nichts schön: Ihr ganzes Leben sei durch dieses Kind beschwert gewesen. Jedes Kind habe das Recht, als Wunschkind geboren zu werden. Vielleicht ist es dies nicht anlässlich der Zeugung, aber spätestens drei, vier Wochen später sollte es dies sein, sonst wird das nichts. Sie hätte abtreiben sollen. Sagt sie, die es wissen muss. Und deren Tochter, in der gleichen Situation, 18 Jahre später, abtrieb.
Ein Kind ist lebenslänglich. Der Kollegenkreis bricht auseinander, keine Reise, kein Ausgang mehr, ohne dass das mit irgendjemandem abgesprochen werden muss. Mit wem eigentlich? Und damit wären wir bei den werdenden Grossmüttern. Entschuldigung, aber was fällt denen eigentlich ein, ihre Töchter zum Kinderkriegen zu ermuntern? Lassen die sich etwa von der Tochter einen neuen Lebensinhalt gebären? Ein Spielzeug tagsüber, wenn man mag, nachts ist dann die Tochter dran?
Ja, ich kenne da kein Pardon. Denn in einer gerade mal befruchteten Eizelle kann ich mit bestem Willen kein Kind sehen. Wenn eine Frau reif genug ist, dann ist es ein grosses Glück, Mutter zu werden. Gerade deshalb sollte jedes Mädchen die Chance haben, zuerst zu dieser Frau werden zu dürfen. Deshalb: Helfen Sie Ihrer Tochter, wenn sie in diese Situation kommen sollte. Kastrieren Sie nicht ihre Entwicklung, indem Sie Ihre grossmütterliche Hilfe bei der Kindsbetreuung anbieten. Diese Hilfe ist wertvoll, darf jedoch nicht zum Entscheid führen, eine Schwangerschaft auszutragen.
Ich finde das ein sehr schwieriges Thema. Wurde vorher den Eltern vorgeworfen, sie hätten ihre Tochter zu einer Abtreibung gezwungen, so wird der Spiess jetzt einfach umgedreht indem man Eltern zum Bock macht, wenn sie ihren Töchtern oder Schwiegertöchtern Hilfe anbieten.
Ab welchem Zeitpunkt Sie Frau Strahm ein Embrio oder Fötus als werdendes Leben betrachten, ist Ihnen überlassen, aber bitte respektieren Sie, wenn es Menschen gibt die das anders sehen. Auch ist für viele Mädchen und Frauen eine Abtreibung ein schlimmes Erlebnis welches oft ein Leben lang nicht überwunden wird.
Weil eine ihr Kind zu Tode schüttelt, müssen vorsichtshalber alle anderen ihre Kinder vorher schon töten, sprich abtreiben. Dass die Hälfte der Abtreibenden psychische Probleme bekommt, sind Peanuts. Die Möglichkeit der Adoption existiert nicht, wird jedenfalls mit keinem Wort erwähnt.
Ich war selten so enttäuscht über einen Blog-Eintrag. Dann hätte ich doch lieber wieder etwas unbedarftes von der Praktikantin!
Auch ich war selten so enttäuscht über einen Blog-Eintrag!!!
Werte Frau Strahm,
auch ich wurde mit 17 Jahren schwanger. Es war keineswegs meine Wunschvorstellung, so jung Mutter eines Kindes zu werden. Ich liess „meine befruchtete Eizelle heranwachsen“, ohne von meinen Eltern in meiner Entscheidung beeinflusst zu sein. Ich hätte mir niemals vorstellen können, mein „Kind“ und wenn es auch gerade mal eine befruchtete Eizelle ist, abzutreiben.
Klar war ich in einer schwierigen Situation, hatte gerade erst mit meiner Ausbildung begonnen, Auslandpläne und und und
...auch finanziell wurde es sehr schwierig für mich. Dass ein Baby kein Schnuggeltierchen zum Schmusen ist, sondern harte Arbeit müssen Sie mir nicht erzählen.....
Meine Tochter möchte ich trotzdem keinen Augenblick missen. Ich liebe sie von ganzem Herzen - von der ersten Sekunde an, als ich von ihrer Entstehung erfuhr. Sie hat mich zu dem Menschen „gemacht“, den ich heute bin. Auch wenn ich das Erwachsenwerden im Schnellzugstempo erlebt habe, sehe ich das keineswegs als Nachteil. Meine jugendlichen Träume und Vorstellungen meiner Zukunft haben sich mit der Schwangerschaft und der Geburt automatisch verändert. Was ist schon ein Kinoabend mit Freundinnen im Vergleich zu einem Kinderlachen oder einem Gutenachtkuss.
Ich hatte nie das Gefühl, durch das frühe Mutterwerden in meiner Jugend etwas verpasst zu haben. Im Gegenteil – ich habe das Gefühl, bereits in jungen Jahren durch und mit meinem Kind ganz viel Schönes erlebt zu haben...
Mittlerweile hat meine Tochter ihre Ausbildung mit Bravour abgeschlossen, ist in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden und steht auf eigenen Beinen... und ist unteranderem auch sehr stolz auf ihr „junges“ Mami und auf die Vergangenheit, die wir zusammen so gut gemeistert haben.
Sicher habe ich viel mit meiner Tochter über frühe Schwangerschaft gesprochen und dass ich mir nicht unbedingt wünsche, bereits mit 36 Jahren Grossmami zu werden. Aber ich würde ihr niemals raten, ihr Kind abzutreiben, auch wenn es erst eine befruchtete Eizelle wäre.
Wollte noch sagen, dass ich bei meiner 2. und 3. Schwangerschaft mit fast 30 Jahren zwar reifer war, aber keineswegs das grössere oder kleinere Glücksgefühl hatte, Mutter zu werden. Auch wenn die beiden jüngeren Kinder geplante Wunschkinder waren. Ich bin stolz auf alle meine Kinder!
Sagt ja zum Leben!
Mir war klar, dass ich anecken werde. Aber ich habe am Gericht zu viel Elend gesehen von jungen Müttern, die mit der Moralkeule zur Austragung überredet wurden und dann die ganze Last der frühen Mutterschaft alleine zu tragen hatten. Wenn ein junger Mensch das wirklich von sich aus will - ohne religiöse oder andere Zwänge - dann ist das ein Wunschkind und super. Bloss ist das die Ausnahme. Ich sah einfach zuviel, um mir hier noch Illusionen zu machen. Weden den Mädchen noch den Kindern dient eine zu frühe Mutterschaft, zumal die Kinder meist ohne Vater aufwachsen müssen.
sehr geehrte frau strahm
auch wenn ich ihnen (ebenfalls aus praktischer erfahrung) zumindest teilweise zustimme, weil tatsächlich während der schwangerschaft von allen möglichen stellen ganz viel materielle hilfe versprochen wird, und viel schön geredet wird, was in der praxis nach der geburt nicht ganz so umgesetzt wird, so bin ich der meinung, dass ein heft wie "wireltern" ein denkbar ungeeignetes medium ist, ihre, bitte entschuldigen sie, eher politische meinung, kundzutun.
auf wireltern gibt es viele frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen, wie ein kind, denen aber dieses glück aus ungewollten gründen verwehrt bleibt. viele hoffen, dass sie ein kind adoptieren können. durch abtreibung wird ihnen auch diese hoffnung, zumindest eines kindes aus der schweiz, verwehrt.
ob adoption in diesen fällen eine gute lösung ist, ist ein anderes thema.
hingegen lassen sie bezüglich abtreibung tatsächlich ein ganzes kapitel (die traumatischen folgen, die eine abtreibung nach sich ziehen kann) beiseite.
daher denke ich, sind sie auch durchaus in der lage nachzuvollziehen, dass ihr artikel hier nicht auf viel verständnis stossen wird.
mit freundlichen grüssen
pippilangstrumpf
Sie haben am Gericht nur die schlechten Beispiele gesehen. All die guten, die keine "Probleme" machen, werden ausgeblendet.
Das ist wie bei den viel diskutierten Sorgerechtsstreitigkeiten. Ein paar wenige haben Probleme und wollen das ganze System umkrempeln. Im Fokus ist halt nur, wer laut schreit.
Ich habe hier nur von Kinder-Müttern gesprochen, nicht von Abtreibung generell. Das Mädchen, von dem ich am Anfang sprach, ist nun zu 3,5 Jahren Hindelbank verurteilt worden, zur "Nachreifung" (steht exakt so da). Sie hat das Baby schon früher geschlagen. Eine Leidenszeit, die mit 17 anfing und mit etwa 23 enden wird, Ausbildung futsch, soziale Kontakte weg, auf immer gezeichnet. Wenn diesen Mädchen keine Schuldgefühle eingeimpft werden, dann leiden sie später nicht unter der Abtreibung. Und zu Wir Eltern: Viele von uns haben Töchter und in einer derartigen Situation ist es wichtig, als Mutter da zu sein, nicht als potentielle Grossmutter.
@Frau Strahm: dann blenden Sie aber bitte all die Gewaltdelikte an Kindern von nicht-minderjährigen Müttern und Vätern nicht aus...
aufgrund dieses (und anderer in Ihrer Praxis erlebten Fällen) Falles scheinen Sie mir hier schon fast einen Tunnelblick entwickelt zu haben. Und wie Sie erwachsenen Frauen, welche ihren Kindern eine andere Lösung als die vermeintlich "befreiendste" nahe legen wollen ans Schienbein treten (und das noch mit High Heels... ;-) ), nein, das finde ich absolut nicht in Ordnung. Und komplett unnötig.
Mir kommen die Tränen vor lauter Mitleid mit dieser Kindsmörderin. Frechheit, dass sie dafür bestraft wird, sie hat ja nur ein dummes Balg zu tode misshandelt. Ironie of.
Finde es asozial, beschämend und widerlich wie da eine Schlampe zum Opfer gemacht wird und das tote Kind ist nicht der Rede wert. Im Übrigen werden die meisten Kinder von Erwachsenen gequält und oft sind es auch Wunschkinder
Ich bin für Wahlfreiheit in die eine oder andere Richtung. Aber vor allem bin ich für Vorbeugen statt Heilen beziehungsweise abtreiben. Wir haben die Mittel für Empfängnisverhütung! Liebe Mütter und Väter: Sprecht mit Töchtern UND Söhnen über diese doch sehr praktische Möglichkeit! Mensch, so schwierig ist das doch nicht. Und wenn im Rausch der Gefühle doch noch etwas Unüberlegtes geschieht, dann gibts doch auch noch die Pille danach. Da wird maximal ein Zellhäufchen aus dem Körper entfernt und die Katastrophe hält sich in sehr engen Grenzen... Aber redet mit Euren Kindern, damit sie im Fall der Fälle rechtzeitig mit Euch reden: VORHER!!!!
Das entscheidende Wort ist "auf sich allein gestellt" -- eben. Ihr Eifer, ob man dem Mädchen eine Abtreibung hätte nahelegen sollen, erübrigt sich. Es war gar niemand da, der ihr das nahegelegt hätte. Sie können als Journalistin nicht die Familie, die Kontakte, die Beziehungen ersetzen, die dieser Mutter und vielleicht während der ganzen Kindheit gefehlt haben.
Zudem: Die beiden 13-jährigen im Kanton Bern, die ihre Kinder austragen, bzw. ausgetragen haben, die wachsen durchaus in behüteten Familien auf. Da wäre vielleicht gescheiter, über soziale Normen und über Erziehung nachzudenken, darüber, was wir den Kindern erlauben und ab welchem Alter.
Die Dorffeuerwehr kann man nämlich nur an ein oder zwei Orten gleichzeitig im Einsatz sein. Wenn allerdings an jeder Ecke ein Bub mit dem Feuer spielt, dann steht das Dorf trotz der besten Wehr in Flammen. Also lehrt man die Buben gescheiter rechtzeitig den Umgang mit Streichhölzern.
auch eine abreibung ist ein leben lang...
so gesehen ist es eine individuelle entscheidung, die jeder selber tragen muss. man kann diesen jungen frauen nur anbieten, ihnen zur seite zu stehen, wie immer sie sich entscheiden. man kann mit ihnen die vor- und nachteile erarbeiten, die jede lösung mit sich bringt.
aber schönreden, weder das eine noch das andere, zieht nicht.
von daher frage ich mich, geehrte frau strahm, wer sie sind, um sich ein solches urteil anzumassen !
und: immer wieder eine lektüre wert: gottes werk und teufels beitrag von john irving