von: Nathalie Sassine am: Mittwoch, 16.05.2012
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Was wünschen sich eigentlich erwerbstätige Mütter? Hier ein paar Ergebnisse über eine Work-Balance-Studie, für einmal sogar visuell ansprechend.

«Wie es ist, eine erwerbstätige Mutter zu sein.»
Was sich Mütter wirklich wünschen, wissen wir spätestens seit letzter Woche. Doch der Muttertag fällt immer auf einen Sonntag, weshalb vielleicht keine an die Arbeit gedacht hat. Der Blog «The Ladders» hat sich über die Frage gebeugt, was sich erwerbstätige Mütter denn so wünschen. Dieser Chart macht die Ergebnisse ihrer Umfrage deutlich:

Am wichtigsten ist den Working Mums, ihre Arbeit flexibel einteilen (44%) oder gar von zu hause arbeiten zu können (29%).
Wider Erwarten erhalten 42% der Befragten Unterstützung aus ihrem beruflichen Umfeld, nur 16% nehmen ihnen ihre familiären Prioritäten übel.
Das Geld führt die Hitparade der Gründe, wieso Mami wieder arbeiten geht, an, gefolgt vom Spass am Beruf (obwohl hier keine Prozentangaben gemacht werden).
Was kommt denn nun zuerst, Familie oder Beruf? 55% antworteten, sie würden sich schwer tun, mit dem Balanceakt, wovon ca. ein Viertel sagt, die Familie käme als Erstes, die Karriere leide jedoch darunter.
Liebe CEOs und Co: Flexible Arbeitszeiten! DAS wäre doch mal ein Geschenk auf den nächsten Muttertag, wie sieht's aus?
von: Nathalie Sassine-Hauptmann am: Mittwoch, 25.04.2012
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Wieso zweifelt man bei erwerbstätigen Mütter immer gleich die Liebe an ihren Kindern an? Diese und andere Fragen beantwortet das Buch «Macho Mamas».

Macho Mamas love their children too...
Noch bevor ich mein Exemplar des neuen Buches «Macho Mamas – Warum Mütter im Job mehr wollen sollen» in der Hand hielt, wurden sie bereits in diversen Medien rezensiert. Die Interviews mit den Autorinnen Nicole Althaus und Michèle Binswanger machten Lust auf das Buch, das erklärt, wieso das Genderproblem in der Arbeitswelt schon lange kein Männchen-Weibchen-Problem mehr ist. Es ist ein Problem zwischen Mann Frau und... Müttern.
Frauen können tun und lassen, was immer sie wollen. Nicht so die Mütter. Die verfallen nämlich auch im 21. Jahrhundert in alte Rollenmuster und das hindert sie im Job. Wieso das so ist und warum es nicht sein müsste, wird im Buch an zahlreichen Beispielen erläutert.
Diese hat offensichtlich auch Daniela Niederberger für die Weltwoche gelesen. Verstanden hat sie es aber nicht, wie mir scheint. So schreibt sie bereits eingangs Artikel, das Buch handle von Ehrgeiz und Eigensinn, nicht aber von den Kindern. Liebe Frau Niederberger, um die geht es ja auch gar nicht. Die Kinder sind weder das Problem, noch sind sie Schuld an der Misere.
Wieso geht es bei der Erwerbstätigkeit einer Mutter immer darum, ob sie ihre Kinder liebt? Ein Vater, der für den Unterhalt der Familie aufkommt, liebt seine Kinder offensichtlich, deshalb geht er ja arbeiten (meistens). Aber eine Mutter, die die Brötchen verdient? Ist eben eine Rabenmutter.
Doch wir von der Generation X wuchsen nun mal mit dem Gedanken auf, alles zu können und zu dürfen, was Männer auch können und dürfen. Studieren, abstimmen, «männliche» Jobs übernehmen und das in High Heels. Dass diese Laufbahn nach dem Gang in den Gebärsaal ein jähes Ende nehmen würde, hatte uns niemand gesagt. Und das Erwachen auf der anderen Seite der Spital-Tür ist eben hart. Frau verliert viel, wenn sie Mutter wird, keine mir bekannte Frau würde das je abstreiten.
Deshalb sind Fragen, wie sie die Journalistin in der Weltwoche stellt, wie «Aber hat man nicht auch etwas Wunderbares gewonnen?» ähnlich deplatziert, wie die zahlreichen (männlichen) Kommentare, die uns Müttern nahelegen, einfach ein paar Jahre zu verzichten, das ginge nun mal nicht anders. Natürlich hat man viel gewonnen, das sagen übrigens auch die Macho Mamas selber. Kinder zu haben, ist das Grösste. Nur, darum geht es bei der Lektüre schlicht und einfach nicht. Und verzichten klingt erst einmal einfach und einigen vielleicht sogar plausibel, nur ist es nicht realistisch. Denn ein solcher Verzicht bedeutet schlicht und einfach, dass Mami in der Arbeitswelt weg vom Fenster ist. Die Folgen davon kennen viele von uns: Das Selbstverwertgefühl sinkt, man ist finanziell abhängig und das erneute «Reinwurschteln» in den Job ist eben genau das: ein Basteln, Probieren, ein Bitten und Betteln.
Auch Hinweise wie «Es gibt Mütter, die sind gerne bei ihren Kindern» sind schlicht und ergreifend dumm. Natürlich sind die meisten Mütter gern bei ihren Kindern! Aber immer? 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche? Schön! Die brauchen das Buch ja auch nicht zu lesen.
Für die anderen, die mit demselben schlechten Gewissen, wie es Frau Althaus und Frau Binswanger (und ich) manchmal haben, denen möchte ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen. Denn die Autorinnen beschreiben wunderbar, wie es sich anfühlt, in der Arbeitswelt trotz vielversprechender Karriere nicht mehr wahrgenommen zu werden, sobald ein Kind da ist. Und nein, die Kinder kommen nicht oft vor beim Lesen. (Aber auch: «Mein Kind. Dies war der erste meines neuen Lebens als Mutter. Ich habe ihn nie bereut.» M. Binswanger) Doch nicht, wie Daniela Niederberger glaubt, weil es die schreibenden Mütter nicht interessiert, «wie Kinder es finden, drei oder vier Tage in der Krippe oder im Hort zu sein. Ob ihnen das Mami fehlt...» sondern einfach, weil sie nicht das Thema sind. Die Mütter sind das Thema. Und die sollten das Buch lesen. Wenn sie wollen.
Macho Mamas – Warum Mütter im Job mehr wollen sollen. Von Nicole Althaus, Michèle Binswanger, erschienen bei Nagel & Kimche, CHF 26.00
Die Buchvernissage findet am 3. Mai im Kaufleuten in Zürich statt. Tickets gibt es hier.
von: Nathalie Sassine-Hauptmann am: Montag, 23.04.2012
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Kaum ist der «war on women» nicht mehr medienwirksam, kommt schon der nächste Krieg: «The mommy wars» ist in den Staaten deklariert.

Rabenmutter versus Supermami: Immer dasselbe.
Die Vorgeschichte hierzu ist natürlich am selben Ort zu suchen, wie alle anderen Stories, welche die US-Medien zur Zeit beschäftigen: In den Präsidentschaftswahlen.
So erklärte die Frau des republikanischen Kandidaten, Ann Romney, der «war on women» - also Themen wie Abtreibung und Verhütung - interessiere die Amerikanerinnen überhaupt nicht, sie würden sich viel mehr um die Wirtschaft und die andauernde Krise sorgen. Worauf Hilary Rosen, demokratische Poltstrategin, erwiderte, Romney’s Frau wisse ja gar nicht, wovon sie spreche, schliesslich habe sie «keinen Tag in ihrem Leben gearbeitet». Der Fuss sass tief im Fettnapf.
In der Tat wäre Ann Romney die allererste First Lady, die noch nie Geld verdient hat. Und da liegt eben genau der Unterschied. Mütterblogs und Kommentatoren liefern sich zur Zeit eine Schlacht sondergleichen, denn was heisst bitteschön «arbeiten»? Es stimmt, dass Mrs Romney noch nie erwerbstätig war, doch mit fünf Kindern kann man doch kaum davon sprechen, sie wisse nicht, was arbeiten heisse, nicht wahr?
Die «Mommy wars» sind in Amerika nichts Neues, der Krieg zwischen «Working» und «Stay-at-home» Müttern ist schon lange im Gange, nur in der Wahlpolitik hatte er bis jetzt noch nicht Einzug gehalten. Jetzt entflammt dafür eine umso heftigere Debatte, denn es geht bei der Frage, ob Mütter arbeiten sollen/dürfen nicht nur um moralische Grundsätze.
Ähnlich wie in der Schweiz existiert in Amerika folgendes Paradox: Nur eine Mutter, die zu hause bei den Kindern bleibt, ist eine gute Mutter. Aber gesellschaftlich gesehen ist sie eben «nur» eine Mutter. Und die hat halt keine Ahnung. Mütter können’s niemanden Recht machen. Doch müssen sie das überhaupt?
«Es geht nicht um Arbeit, sondern um Wohlstand»
Im Falle der Romneys kann man ausserdem kaum von einer klassischen «Stay-at-home» Mama sprechen, wenn man bedenkt, dass das Kandidatenehepaar nicht einfach nur reich, sondern –entschuldigen Sie die Vehemenz – stinkreich ist. Denn die Tatsache, dass die kleinen Romneys von einer Schar Personal mitbetreut wurden, lässt keine amerikanische Mutter kalt, welche Schicht arbeitet, sich täglich fragt, ob sie sich das Eis für ihren Spross leisten und ihre Hypothek vielleicht bald nicht mehr bezahlen kann. Die anstehenden Probleme sind kaum zu vergleichen mit Müttern aus manikürten Vororten, deren einzige Sorge es ist, ihre Kinder pünktlich in die Geigen- und Ballettstunde abzuliefern. Falls sie überhapt selber fahren. So sagt dann auch Adrianna Velez im The Stir: «In den Mommy Wars geht es nicht um Arbeit, sondern um Wohlstand».
Überhaupt werden, nachdem sich sämtliche Kommentatoren in einer ersten Phase auf die demokratische Hilary Rosen und ihr Fettnäpfchen einschossen, vermehrt Stimmen laut, die das ganze hinterfragen. Nicht im Sinne von «was ist besser, arbeiten oder nicht?», sondern vielmehr so, wie es beispielsweise Lindsay Cross auf The Grindstone formuliert: «Wenn wir Stay-at-home-Mütter so sehr schätzen, wieso haben wir dann keine Mutterschaftsversicherung?» Denn die USA kennt (wie die Schweiz noch bis 2004 übrigens auch) keinen gesetzlich geregelten Mutterschaftsurlaub. Viele Amerikaner (auch –innen) argumentieren damit, dass Mutterschaft und Hausfrauendasein eine Wahl darstellen und dass der Staat dafür nicht aufzukommen hat. Das kommt uns doch bekannt vor, nicht?
Worum es bei den Mommy Wars nun genau geht, wird womöglich keine grosse Rolle in den anstehenden Wahlen spielen. Ob sich indes amerikanische Mütter wirklich mit Ann Romney identifizieren können, bleibt fraglich. Vor allem, da ihr Jüngster als letzter von fünf Kindern bereits 1999 von zu hause ausgezogen ist. Da stellt sich nun mal die Frage, wie Mrs Romneys «Arbeit» in den letzten 13 Jahren ausgesehen hat und wieso sie glaubt, über die kriselnde Wirtschaft in ihrem Land referieren zu können.
von: clack.ch am: Montag, 19.03.2012
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Mit einem 10-Punkte Programm sollen französische Unternehmen ihren gestressten Mitarbeitern mit Familie entgegenkommen. Haben die Franzosen am Ende gar die Lösung?

Die Vaterschaft verändert sich. Jetzt sind die Unternehmen dran. (Bild: © iStockphoto)
Obwohl immer wieder als Vorbild genannt, kennt auch Frankreich grosse Defizite in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Vor allem in Bezug auf die Work/Life Balance hapert es auch bei unseren französischen Nachbarn offenbar massiv. Gemäss eines Familienpanels sind Frankreichs Väter/Männer zu wenig in den familiären Alltag involviert, viele haben deswegen ein schlechtes Gewissen und die, die etwas tun, fühlen sich zu wenig wertgeschätzt.
Nun hat das 2008 eröffnete Observatoire de la parentalité en entreprise (Observatorium der Elternschaft in Unternehmen) ein Zehn-Punkte-Programm lanciert, welches das Problem lösen soll. Sind die ersten sechs Lösungsvorschläge vor allem den Männern gewidmet, so zielen die letzten vier darauf hin, eine menschlichere Unternehmenskultur zu fördern.
1. Lancierung einer Kommunikationskampagne über Männer, die sich in der Familie einbringen, um Stereotypisierungen abzuschaffen.
2. Einführung eines «Vater-Donnerstags», an dem diese das Büro spätestens um 18.00 Uhr verlassen müssen. Das Ziel ist es, die Kultur der Präsenzzeit zu verändern. Auch in Frankreich sind es meist die Mütter, die ihre Kinder aus der Kita abholen, während die Väter networken und ihre Karriere vorantreiben.
3. Kreation eines «Familientags» im Unternehmen. (Was dieser genau beinhaltet, sagt das Programm leider nicht.)
4. Einen Monat Vaterschaftsurlaub gewähren.
5. Schaffung einer neuen Form des Elternurlaubs mit einer Sperrfrist, die nicht von Mutter auf Vater oder umgekehrt übertragen werden kann.
6. Die Begleitung von Vätern vor der Geburt inkl. Vorbereitungskursen, für welche die Absenzen während der Arbeitszeit genehmigt werden. (In Frankreich dürfen Mütter bereits heute während der Arbeitszeit an solchen Kursen teilnehmen.)
7. Das «Home Office» ermöglichen und fördern.
8. Sogenannte «Bio-Manager» fördern. Das Kader soll weitgehend dazu ausgebildet werden, «menschlicher» zu managen, vor allem in Bezug auf die Präsenzzeit.
9. Infolgedessen soll eine Art Lizenz ausgestellt werden, welche dieses menschliche Management ausweist und die bei Nichtbefolgung auch Sanktionen vorsieht.
10. Die Kreation eines «Labels» für HR und Management, um die Erkennung der Unternehmen vereinfachen, welche den menschlichen Aspekt am Arbeitsplatz respektieren.
Diese Charta wurde seit Februar von 359 Unternehmen unterzeichnet. Darunter befinden sich Grössen wie die Allianz Versicherung, der Stromlieferant EDF und der TV-Sender Canal+, aber auch kleinere KMUs.
Die Zukunft wird zeigen, ob Frankreich die Lösung hat. Oder ob es bei der freiwilligen Unterschrift gewisser avantgardistischer Unternehmen bleibt.
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von: clack.ch am: Montag, 05.03.2012
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Arbeit + Kind = schlechtes Gewissen. So lautete bisher die gängige Formel, jedenfalls für berufstätige Mütter. Doch wie's aussieht, wird sie derzeit endlich neu berechnet.

Glücklich, trotz Job und Kind? Die Amerikanerinnen machen's vor.
Eigentlich ist ja alles schon längst erforscht, untersucht und immer wieder bestätigt: Es schadet keinen Kind, im Gegenteil, wenn Mama ins Büro geht – solange die Betreuung in der Kita oder wo auch immer stimmt.
Doch das schlechte Gewissen, das hat sich irgendwie festgekrallt, an den berufstätigen Müttern. Umso beruhigender eine neue Umfrage aus den USA: Es ist offenbar durchaus möglich, als working mum ohne ständige Schuldgefühle zu leben.
Zwar wurden nur gerade 1000 berufstätige Mütter befragt, vom Unternehmen Care.com, das in den Staaten seit 2006 Babysitter und Tagesmütter, aber auch Nachhilfeunterricht, Haushaltshilfen und Hunde-Ausführer vermittelt.
Dennoch lassen die Resultate aufhorchen: Ganze acht von zehn der befragten Frauen gaben an, ihre Rolle als berufstätige Mutter zu geniessen. 64 Prozent sind der Ansicht, dass sich der Job nicht störend auswirke, auf die Fähigkeit, eine gute Mutter zu sein; und immerhin die Hälfte der working mums sieht sich selbst als gutes Rollenvorbild, für die Kinder.
Allerdings: Immer noch 40 Prozent der befragten Frauen haben das Gefühl, verurteilt zu werden, weil sie arbeiten.
Nun sind die Verhältnisse in den USA sozusagen etwas fortgeschrittener - bereits seit Jahren haben deutlich mehr Frauen als Männer einen Uni-Abschluss in der Tasche, und nicht selten verdienen weibliche Arbeitnehmende inzwischen mehr als ihre männlichen Kollegen.
Zwar holen die Schweizerinnen ebenfalls rasant auf – waren doch 2011 bereits über 57 Prozent aller Maturanden weiblich und der Frauenanteil an unversitären Diplomen beträgt inzwischen 62 Prozent.
Doch das schlechte Gewissen der berufstätigen Mütter, das bleibt – bis heute. Auch wenn immer mehr Mütter arbeiten, erst recht nach einer langen Ausbildung. Doch immerhin scheint es möglich, dass sich die Schuldgefühle langsam verflüchtigen könnten, irgendwann mal, auch hierzulande. Eine befreiende Vorstellung, nicht?
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von: Nathalie Sassine-Hauptmann am: Montag, 27.02.2012
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Deutsche Mütter können dank Elterngeld früher wieder in den Beruf einsteigen, das Haushaltseinkommen steigt und die Väter sind präsenter.

Mehr Zeit für das Kind. Mehr Zeit für den Wiedereinstieg.
Vaterschaftsurlaub ist in der Schweiz noch immer vom Good Will des jeweiligen Unternehmens abhängig. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein einziger Tag nach Geburt des Kindes. Deutschland hingegen hat vor fünf Jahren die Elternzeit eingeführt mit dem Erfolg, dass Mütter ihre Babypausen verkürzen, Väter ihre Kinder vermehrt betreuen und das durchschnittliche Einkommen erhöht werden konnte, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung jetzt deutlich macht.
Das Elterngeld wird an Mütter und Väter während 14 Monaten nach der Geburt ausbezahlt, sofern sie mit der Arbeit aussetzen. Der monatliche Betrag orientiert sich am bisherigen Einkommen und ist nach oben und unten plafoniert. Vor allem aber haben Eltern einen Anspruch auf Erhalt des Arbeitsplatzes während der Elternzeit.
Den grössten Erfolg feiert die Einführung des Elterngeldes auf jeden Fall mit den berufstätigen Müttern, da die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Erwerbstätigkeit nach einem Jahr wieder aufnähmen «signifikant» gestiegen sei. Doch natürlich hat auch der ganze Jubel einen Haken. Solange nicht genügend Krippenplätze zur Verfügung stehen, nützt alles Elterngeld nichts. Die Erwerbsbeteiligung von Müttern kann nur gesichert werden, wenn sie einen Betreuungsplatz für ihre Kinder haben. Doch auch hier schafft Deutschland bald Abhilfe: Ab 2013 werden Familien einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz haben.
Die Schweiz hinkt zwar noch etwas hinterher, doch zeigt die Finanzhilfe des Bundes Wirkung, unterstützte sie in den letzten neun Jahren doch die Schaffung von 35'600 Betreuungsplätzen, wie das Bundesamt für Sozialversicherungen diese Woche mitteilte. Das Angebot wurde damit um 70 Prozent erhöht, was natürlich beachtlich ist. Doch damit ist es eben noch nicht getan, der berufliche Wiedereinstieg der Mütter ist in der Schweiz weiterhin ein Problem, das sehr bald gelöst werden muss. Ob Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit nach deutschen Vorbild, in der Schweiz dauert eben immer alles etwas länger...
von: Nathalie Sassine-Hauptmann am: Mittwoch, 01.02.2012
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Alleinerziehend wird immer «normaler». Das sei zwar traurig, aber kein Grund für eine Erweiterung der Tagesstrukturen an Schulen. So zumindest sieht es eine SVP-Kantonsrätin.

Warten, bis es eine Kinderbetreuung schneit?
«Ich finde es traurig, dass es fast schon normal ist, alleinerziehend zu sein.»
Mit diesem Satz lehnte die Geschäftsfrau und SVP-Kantonsrätin Theresia Weber-Gachnang gestern im Tages Anzeiger das im Dezember angedachte FDP-Projekt für mehr Tagesschulen in Zürich und Winterthur ab. Oder besser gesagt, die staatlich Übernahme des «Hütedienstes» von Schweizer Kindern, wenn Eltern «die Arbeit als persönliche Freiheit ausleben wollen». Und wenn die Arbeit mit Freiheit gar nichts zu tun hat? Was fängt eine alleinerziehende Mutter mit dieser Aussage an?
Die Geschäftsfrau, die übrigens selber drei Kinder hat und deren Geschäft das Sekretariat ihres Bauernbetriebs darstellt, behauptet auf Ihrer Homepage, dass für sie die «traditionelle Familie in der Eigenverantwortung, Gleichberechtigung, Mitbestimmung und Förderung aller Fähigkeiten nicht nur leere Worthülsen sind» einsteht.
Was bedeuten diese Worte, die keine Hülsen sein wollen, nun wirklich? Ein Erklärungsversuch:
Eigenverantwortung: Eltern sollen ihre Kinder gefälligst selber «hüten»?
Gleichberechtigung: Zwischen wem und wem? Mann und Frau? Arm und reich? Verheiratet und alleinerziehend (wohl eher nicht)?
Mitbestimmung: Aber nur, wenn es mit dem Parteiprogramm übereinstimmt?
Förderung aller Fähigkeiten: Was, wenn die grösste Fähigkeit einer Mutter die Ernährung der Familie ist?
Die 53-jährige erklärt weiter, bei ihr wären für die Betreuung der Kinder Familie, Nachbarn und Freunde eingesprungen. Nun stellt sich doch die Frage: Wieso soll es nun eher Aufgabe der Familie, Nachbarn und Freunde sein, ihre Kinder zu «hüten», als die des Staates, für den sie später einmal Steuern zahlen werden (um in der gewohnten Wortwahl der SVP zu bleiben)?
Im erwähnten Artikel des Tages Anzeigers gesteht Theresia Weber-Gachnang dennoch grosszügig die Zwickmühle ein, in der sozial schwächere Familien stehen. Tagesschulen nennt sie in diesen Fällen einen «Lösungsansatz». Eine Lösung bringt sie indes selber nicht. Auch für Alleinerziehende nicht.
von: Nathalie Sassine am: Montag, 30.01.2012
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Eine Studie will Beweise für die negativen Auswirkungen von Kinderkrippen auf die Sozialkompetenz der Kinder haben. Wieso man diese einmal mehr besser ignoriert.

Dieses Kind ist ein Krippenkind. Oder einfach ein Kind?
«Studien zeigen: Krippenkinder sind agressiver» So titelte Der Sonntag gestern und entfachte einen Sturm im Wasserglas. Und das bei einem Thema, das sowieso schon die Gemüter erhitzt, Mütterkriege mit Waffen versorgt und das dem Wort «Rabenmutter» einer neuen Hochkonjunktur unterzieht.
Kurz zur Studie: Die Studie bestätige, dass Krippenkinder nicht per se schlauer, früher entwickelt und sozial kompetenter seien. «Im Gegenteil: Vor allem bei Kindern, die schon früh, also im ersten Lebensjahr, während mehr als zehn Wochenstunden in einer Kindertagesstätte (Kita) betreut werden, leiden das soziale Verhalten und die psychische Gesundheit.
Das haben Wissenschafter rund um den Engländer Jay Belsky, heute Psychologieprofessor an der University of California in Davis, USA, mit einer gross angelegten, inzwischen 15 Jahre andauernden Langzeitstudie belegt. «Eine geringfügige Verbesserung in kognitiven Fähigkeiten wie Spracherwerb oder Lesenlernen» attestiert Belsky den untersuchten 1300 Kindern. Zugleich aber auch «vermehrt Aggressivität, unangepasstes Risikoverhalten und soziale Auffälligkeiten».
Genauso undifferenziert, wie de Behauptung Krippenkinder seien «per se schlauer, früher entwickelt und sozial kompetenter», ist die Behauptung «Krippenkinder sind aggressiver.» Soziale Kompetenz kann geübt werden. Eltern können ihrem Kind Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein Kind mit anderen Kindern interagiert und so lernt, dass sich die Welt nicht nur um sie dreht. Das geschieht entweder zu Hause, an Nachmittagen mit Gspänli, in der Spielgruppe oder eben in der Krippe. Wenn die Eltern dabei sind, geht man einfach davon aus, dass das Kind also besser lernen soll, wie soziale Kompetenz funktioniert und entsprechend einen weniger aggressiven Charakter entwickelt?
Meine Erfahrung zeigt, wenn schon, das genaue Gegenteil. Tatort Spielplatz: Mamis, die andere Mamis belehren, ihr Leon solle doch bitte die kleine Lea nicht mit Sand bewerfen, obwohl Lea den «aggressiven» Leon seit 10 Minuten damit nervt, dass sie seine Schaufel will und er sie trotz verbalen Versuchen nicht zur Vernunft bringen konnte. Also wirft er mit Sand, einfach weil er entnervt ist. Ein entnervtes Kind. Doch keiner sagt der kleinen Lea, dass sie einfach eine rechthaberische Zicke ist, die doch bitte mit ihrer eigenen Schaufel spielen soll. In der Krippe würde man ihr das beibringen. Zumindest in einer guten.
Und da liegt eben genau das Problem, das geben sogar jene zu, die oben genannte Studie unterstützen: Carola Bindt, Kinderpsychiaterin der Universität Hamburg erklärte dem Sonntag, die Krippen müssten nicht abgeschafft, sondern verbessert werden. Nicht nur ausgebildetes Personal, sondern vor allem kinderliebende Betreuer/innen seien gefragt. Denn Kinderkrippen kann man natürlich nicht einfach schliessen. Sie findet auch, dass Mütter, die auf «Fremdbetreuung» angewiesen seien, ihr plagendes schlechtes Gewissen nicht unnötig strapazieren sollten. Ja, wie denn, bitte schön, wenn dauernd solch pauschal mediatisierte Artikel zu lesen sind?
Deshalb wird jetzt an diesem Thema gearbeitet: «Was macht eine gute Krippe aus? Das wollen die Jacobs-Stiftung und der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS) endlich klar definieren: Sie erarbeiten bis 2013 ein umfassendes Qualitätslabel für die rund 1000 Kindertagesstätten der Deutschschweiz.» so der Sonntag weiter. Gut so.
Jay Belkin, der diese Studie mit dem reisserischen Aufmacher herausgebracht hat, ist übrigens für seine polemischen und reisserischen Aussagen bezüglich fremdbetreuter Kinder bekannt. Bereits 2001 beschwerten sich Kollegen, er suche dauernd «das Scheinwerferlicht und mache alarmierende Aussagen, die seine Studien gar nicht so klar hervorbrächten, wie er das behaupte». Eine Studie ist eben immer nur soviel wert, wie das erwünschte Ergebnis, dass der Auftraggeber in seiner Agenda hat. Sonst würden die positiven Aspekte genauso thematisiert, nämlich «Verbesserung in kognitiven Fähigkeiten wie Spracherwerb oder Lesenlernen». Oder haben Sie das etwa nicht gelesen?
von: Michaela Kozelka (clack.ch) am: Montag, 23.01.2012
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Otto Ineichen will Mütter zurück in die Arbeitswelt lotsen und Kinderkrippen aufbauen. Doch für wen tut er das?

Otto Ineichen will Kinderkrippen für alle zugänglich machen.
Es geht ja schon länger, dass hierzulande vor dem kommenden Fachkräftemangel gewarnt wird. So arg wie in anderen Ländern ist es in der Schweiz zwar noch nicht, vor allem dank der grossen und inzwischen immer mehr umstrittenen Zuwanderung.
Trotzdem gibt es aus der Politik immer wieder Appelle und Initiativen wie beispielsweise diese Broschüre des SECO für Unternehmen, um Mütter vermehrt weg vom Herd und ran an die Arbeit zu bewegen. Nur stimmen leider die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht: Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit, wie etwa flexible Arbeitszeiten, Arbeit von zu Hause aus, etc. sind nicht eben weit verbreitet in den Unternehmen. Und da wäre noch das Problem mit der Kinderbetreuung.
Zwar wurden in der Schweiz in den letzten Jahren zahlreiche neue Kinderkrippen eröffnet – dennoch sind lange Wartezeiten immer noch keine Seltenheit, trotz des mehrjährigen Impulsprogrammes des Bundes, mit dem schliesslich über 30'000 neue Plätze geschaffen werden sollen.
Zu wenig, zu langsam, so muss jedenfalls das Fazit des FDP-Nationalrates Otto Ineichen gelautet haben. Und so startet er nun selbst eine Initiative, wie sie in der Schweiz wohl bisher einzigartig sein dürfte. Eine Stiftung («Speranza») hat der umtriebige und polarisierende Gründer von «Otto's Warenposten» ins Leben gerufen, mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren ein Netz von rund 100 Kinderkrippen quer durchs Land aufzubauen – die erste soll bereits im April im luzernischen Beromünster eröffnet werden.
Das Ziel, laut der Medienmitteilung: Mütter, die arbeiten wollen, sollen in den Arbeitsmarkt zurückkehren können. Denn bereits heute leide die Schweiz unter akutem Fachkräftemangel, so Stiftungspräsident Ineichen.
Und mit rund 70 Franken pro Tag und Kind soll ein Krippenplatz der Stifung auch noch deutlich billiger sein als in anderen Betreuungsinstitutionen, wo Eltern zuweilen das Doppelte berappen müssen.
Dabei helfen soll die Wirtschaft – bereits drei Unternehmen (welche, ist noch geheim), wollen Ineichen bei der Finanzierung unterstützen.
Was uns wieder einmal deutlich macht, dass tatsächlich auch ein Weg, wo ein Wille ist. Und da macht es auch nichts, dass wohl kaum in erster Linie Mütterfreundlichkeit den Ausschlag für die Initiative des Politikers gab, sondern rein ökonomische Überlegungen.
Autorin
Michaela Kozelka ist Redaktorin der «Tagesschau». Sie arbeitete davor unter anderem für «10 vor 10», die «Berner Zeitung» und war Redaktionsleiterin von «Radio Förderband» (heute Radio Energy Bern).
Vorsätze 2012: Weniger Stress.
von: Nathalie Sassine am: Freitag, 06.01.2012
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Männer tun im Haushalt noch weniger als vor drei Jahren. Das sollten wir Frauen auch.

Männer bei der Hausarbeit. Ein seltenes Bild.
OMG, wie konnte es nur so weit kommen? Männer machen heute noch weniger im Haushalt als vor ein paar Jahren! Ui nai! Das Staunen über die neue Hausarbeitsstudie des Bundesamtes für Statistik ist gross, die Empörung vielleicht noch grösser. Jetzt geben wir uns doch alle Mühe, die Geschlechterrollen aufzubrechen und dann so was! Männer arbeiteten 2010 zehn Prozent weniger im Haushalt als noch drei Jahre zuvor. Das macht 16 Stunden wöchentlich!
Tja, nicht jede hat einen Bänz Friedli zu hause. Doch immer, wenn ich solche Statistiken lese, wundere ich mich, wie viel generell offenbar im Haushalt gearbeitet wird. Mir war nicht einmal bewusst, dass ich überhaupt auf 16 Stunden fegen, kochen und Fudi putzen aufwende. Doch gemäss dieser Studie verbringen wir Frauen mit Kindern von 0 bis 6 Jahren durchschnittlich 56 Stunden mit Hausarbeit in der Woche!!! So viel habe ich nicht einmal zu meinen anstrengendsten Zeiten in einem internationalen Informatik-Konzern gearbeitet! Natürlich ist das ein Durchschnitt, aber auch wenn ich, sagen wir mal, nur die Hälfte davon in die Hausarbeit stecke, sind das ja immer noch 28 Stunden pro Woche. Für eine normale Arbeitswoche dürfte ich entsprechend eigentlich nur noch 12 Stunden erwerbstätig sein. Bin ich aber nicht. Sondern eben ca. 20 Stunden. Das geht irgendwie nicht auf, richtig?
Schuld daran ist – wie alles zur Zeit – die Wirtschaftskrise. „Die Anforderungen an die Männer sind gestiegen.“ so Karin Schwitter vom basler Zentrum Gender Studies in der letzten Sonntagszeitung. „Sie müssen mehr arbeiten und mehr leisten.“ Interessant. Und wir Frauen arbeiten ausschliesslich in Unternehmen, die von der Krise nicht betroffen sind, nicht wahr?
Ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich nach wie vor die Arbeitsaufteilung in den Köpfen ist? Natürlich sind 88% der Väter vollzeiterwerbstätig und somit für den Familienunterhalt zuständig, wogegen lediglich 16 von hundert Mütter ihre Familie ernähren. Doch auch Teilzeitarbeit ist gefährdet, mehr denn je! Also müssen doch auch Mütter mehr arbeiten und mehr leisten, oder etwa nicht?
Trotzdem muss ich gestehen, dass ich die Studie vollkommen nachvollziehen kann und sie mich in keinster Weise empört. Denn einerseits ist es meines Erachtens nur logisch, dass ich als Teilzeit-Arbeitende, im Haus mehr erledige, ich sehe den Dreck ja viel öfter und im Zweifelsfall produziere ich auch mehr davon. (Den meisten Dreck produzieren sowieso die Kinder, aber das ist ein anderes Thema.) Das ist kein veraltetes Rollendenken, wie Julia Onken in derselben Sonntagszeitung behauptet, sondern modernes Praxisdenken. Ausserdem müssen wir einfach gestehen, dass wir selbst schuld sind, wenn wir im Ernst denken, unser Haus könne trotz Kleinkindern länger als 17 einhalb Minuten sauber bleiben, es jeden Tag staubsaugen und zweimal täglich saisonal bio kochen müssen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass wir Mütter uns das Leben nicht selten selber schwer machen mit der Hausarbeit. Oder wer von Ihnen hat sich nicht schon über den eigenen Mann aufgeregt, der zwar gekocht hat, jedoch danach eine Küche hinterliess, die an den Tahrir-Platz nach der Revolution erinnerte?
Und das ist mein zweiter Punkt, wieso ich diese Studie als nicht besonderns schockierend empfinde: Die meisten Frauen, die ich kenne, argumentieren nämlich damit, dass ihre Männer den Haushalt sowieso nicht so erledigen wie sie, weshalb Frau es dann doch lieber selber macht.
56 Stunden pro Woche? Ich plädiere ganz einfach für weniger Hausarbeit. Somit wäre allen gedient. Ausser dem Bänz. Der kann nämlich nicht anders.
Bänz Friedli ist übrigens mit seinem neuen Buch "Wenn die mich nicht hätten" on tour.
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