Kanzlerin oder Stumpfnase?

von: Marie-Christin Spitznagel am: Dienstag, 21.02.2012
Tags: FrauentypTochter

Unseren Töchtern wird vermittelt, doof und hübsch sei eine gute Kombination. Eine Mutter sagt diesem Frauenbild den Kampf an.

Welchen Frauentyp wünschen Sie für Ihre Tochter?

Prinzipiell versuche ich, unheimlich tolerant zu sein. Ich gebe mir Mühe, mich nicht über Sachen aufzuregen, die mein Leben nicht oder nur am Rande beeinflussen. Und ich möchte, dass meine Kinder sich so frei wie nur möglich entwickeln. Sie sollen sich nie verpflichtet fühlen, irgendetwas zu tun oder zu sein, nur um mich zufriedenzustellen. Ich sage immer: «So lange sie keinen Nazis werden, sollen sie machen, was ihnen gefällt.» Wenn ich aber so manche jungen Mädchen durch die Strassen laufen sehe, komme ich immer wieder an den Punkt, an dem ich denke «Wenn meine Tochter eines Tages SO das Haus verlassen will, gehe ich auf die Barrikaden!!»

Als ich gestern meine Babys aus der Kita abholen wollte (Ja, meine «Babys» sind schon aus dem Säuglingsalter raus. Sie bleiben meine Babys, bis sie 30 sind. Mindestens.), begegnete mir in der Strassenbahn wieder so ein abschreckendes Beispiel. Den ganzen Tag hatte es geregnet, es war nass und kalt und bäh. Ein junges Mädchen (vorsichtige Schätzung 15) sass in der Bahn mit ihren Stöpseln im Ohr, an denen glitzernde BlingBling-Diskokugelähnliche Kreolen hingen. Das Haar zu Tode blondiert, der Hautton war ein kräftiges «Karotte». Der Schal war so locker um den nackten Hals geschlungen, dass man den grossen Ausschnitt noch gut sah, die «Jacke» war knalleng und so kurz, dass jedes leichte Anheben der Arme sie in einen Bikini verwandelte. Die hautenge Hose bestand nur aus modischen Löchern und sie trug leichte Stoffballerinas ohne Socken.

Es ist Januar. Es ist kalt. Es ist nass. Ich trage eine Wollmütze, die gut mit den Klorollenüberziehern auf alten Mercedeskofferraumabdeckungen zu vergleichen ist. Mein Gedanke war: «Wenn meine Tochter eines Wintermorgens in diesem Outfit in die Schule gehen will, steck ich sie in einen Schneeanzug!!» Soweit ist es dann doch nicht mit meiner Toleranz!

Ich habe, gerade bei meiner Tochter, ein Problem mit Kleidung und mache mir Sorgen, wenn ich mir manche jungen Mädels um mich herum so ansehe. Der Trend geht zurück zum Püppchen. Zum Ziermädchen. Vielleicht liegt's am Fernsehprogramm? An Castingshows? An Daniela Katzenberger? An Sendungen, die Mädchen vermitteln «Doof und hübsch ist ne super Kombination»? Wenn schon berichtet wird, dass immer mehr Mütter lieber Zuhause bleiben und ihre Karriere für Kind und Haushalt aufgeben, vielleicht ist es dann mit der Emanzipation bei jungen Mädchen auch nicht mehr sonderlich weit her? Stehe ich dann in einer Kinderabteilung, um Kleidung oder Krimkrams für meine Kinder zu besorgen, sehe ich für Mädchen nur Lillifee und Hello Kitty und die Disney Prinzessinnen. Wie sollen sich aus Mädchen mit solchen Vorbildern selbstbewusste junge Frauen entwickeln, die im Winter keine Nierenbeckenentzündung riskieren, nur um «sexy» zu sein?

Meine Tochter ist jetzt kurz vor ihrem dritten Geburtstag. Viele aktuelle weibliche Rollenbilder beunruhigen mich sehr. Natürlich könnte ich es auch als Bereicherung sehen, dass im Deutschland 2012 von blonder Stumpfnase oder Verona-eskem «Werbestar» bis hin zur Bundeskanzlerin auch für Frauen alles möglich ist. Nur leider scheint es wesentlich mehr Stumpfnasen als Kanzlerinnen zu geben.

Hoffentlich können wir in Zunkunft ihren und meinen Fokus auf «gute» Vorbilder lenken, und hoffentlich hat das Mädel aus der Bahn gestern so gefroren, dass sie sich heute einen Mantel gekauft hat!

Die Autorin
Marie-Christin Spitznagel wurde 1983 in Berlin geboren, ist aber seit 23 Jahren in Norddeutschland Zuhause und fühlt sich unter den Ureinwohnern dort ganz wohl. Seit 2009 lebt sie in glücklicher, interkultureller Ehe mit einem Süddeutschen und ist zweifache Mutter. Neben dem Fernstudium in der Elternzeit ist sie seit 2011 freie Autorin für das Kasseler Stadtmagazin «BRAUSER» und Bloggerin bei www.mutterschutzgebiet.de und www.nerven-futter.de.

Vorsätze 2012: Weniger Stress.

Überstundenabbau

von: Nathalie Sassine am: Freitag, 06.01.2012
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Männer tun im Haushalt noch weniger als vor drei Jahren. Das sollten wir Frauen auch.

Männer bei der Hausarbeit. Ein seltenes Bild.

OMG, wie konnte es nur so weit kommen? Männer machen heute noch weniger im Haushalt als vor ein paar Jahren! Ui nai! Das Staunen über die neue Hausarbeitsstudie des Bundesamtes für Statistik ist gross, die Empörung vielleicht noch grösser. Jetzt geben wir uns doch alle Mühe, die Geschlechterrollen aufzubrechen und dann so was! Männer arbeiteten 2010 zehn Prozent weniger im Haushalt als noch drei Jahre zuvor. Das macht 16 Stunden wöchentlich!

Tja, nicht jede hat einen Bänz Friedli zu hause. Doch immer, wenn ich solche Statistiken lese, wundere ich mich, wie viel generell offenbar im Haushalt gearbeitet wird. Mir war nicht einmal bewusst, dass ich überhaupt auf 16 Stunden fegen, kochen und Fudi putzen aufwende. Doch gemäss dieser Studie verbringen wir Frauen mit Kindern von 0 bis 6 Jahren durchschnittlich 56 Stunden mit Hausarbeit in der Woche!!! So viel habe ich nicht einmal zu meinen anstrengendsten Zeiten in einem internationalen Informatik-Konzern gearbeitet! Natürlich ist das ein Durchschnitt, aber auch wenn ich, sagen wir mal, nur die Hälfte davon in die Hausarbeit stecke, sind das ja immer noch 28 Stunden pro Woche. Für eine normale Arbeitswoche dürfte ich entsprechend eigentlich nur noch 12 Stunden erwerbstätig sein. Bin ich aber nicht. Sondern eben ca. 20 Stunden. Das geht irgendwie nicht auf, richtig?

Schuld daran ist – wie alles zur Zeit – die Wirtschaftskrise. „Die Anforderungen an die Männer sind gestiegen.“ so Karin Schwitter vom basler Zentrum Gender Studies in der letzten Sonntagszeitung. „Sie müssen mehr arbeiten und mehr leisten.“ Interessant. Und wir Frauen arbeiten ausschliesslich in Unternehmen, die von der Krise nicht betroffen sind, nicht wahr?

Ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich nach wie vor die Arbeitsaufteilung in den Köpfen ist? Natürlich sind 88% der Väter vollzeiterwerbstätig und somit für den Familienunterhalt zuständig, wogegen lediglich 16 von hundert Mütter ihre Familie ernähren. Doch auch Teilzeitarbeit ist gefährdet, mehr denn je! Also müssen doch auch Mütter mehr arbeiten und mehr leisten, oder etwa nicht?

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich die Studie vollkommen nachvollziehen kann und sie mich in keinster Weise empört. Denn einerseits ist es meines Erachtens nur logisch, dass ich als Teilzeit-Arbeitende, im Haus mehr erledige, ich sehe den Dreck ja viel öfter und im Zweifelsfall produziere ich auch mehr davon. (Den meisten Dreck produzieren sowieso die Kinder, aber das ist ein anderes Thema.) Das ist kein veraltetes Rollendenken, wie Julia Onken in derselben Sonntagszeitung behauptet, sondern modernes Praxisdenken. Ausserdem müssen wir einfach gestehen, dass wir selbst schuld sind, wenn wir im Ernst denken, unser Haus könne trotz Kleinkindern länger als 17 einhalb Minuten sauber bleiben, es jeden Tag staubsaugen und zweimal täglich saisonal bio kochen müssen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass wir Mütter uns das Leben nicht selten selber schwer machen mit der Hausarbeit. Oder wer von Ihnen hat sich nicht schon über den eigenen Mann aufgeregt, der zwar gekocht hat, jedoch danach eine Küche hinterliess, die an den Tahrir-Platz nach der Revolution erinnerte? 

Und das ist mein zweiter Punkt, wieso ich diese Studie als nicht besonderns schockierend empfinde: Die meisten Frauen, die ich kenne, argumentieren nämlich damit, dass ihre Männer den Haushalt sowieso nicht so erledigen wie sie, weshalb Frau es dann doch lieber selber macht.

56 Stunden pro Woche? Ich plädiere ganz einfach für weniger Hausarbeit. Somit wäre allen gedient. Ausser dem Bänz. Der kann nämlich nicht anders.

Bänz Friedli ist übrigens mit seinem neuen Buch "Wenn die mich nicht hätten" on tour.

 

Feministen-Frühling

von: Nathalie Sassine am: Donnerstag, 22.12.2011
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«Ich bin zwar keine Feministin, aber...» Wetten, dass...?

Kleider machen nicht die Feministin.

Als ich aufwuchs, gehörte Feminismus nicht zum Familien-Wortschatz. Nicht, dass meine Eltern konservativ gewesen wären, im Gegenteil. Sie hatten zwar die klassischen Rollen inne – Vater verdient die Brötchen, Mamma macht damit Sandwiches für die Familie –, trotzdem lebte mir meine Mutter von Anfang an vor, was eine starke Frau zu sein hat. Sie war meinem Vater nie untergeordnet, sagte ihre Meinung (mehr als ihm lieb war) und vertrat auch sonst feministische Ansichten, ohne diese so zu nennen. Zugegeben, sie war eine Schönwetter-Feministin, Militärdienst und Reifen wechseln waren für sie ganz klar männliche To-Do’s, ansonsten stand sie der 70er-Jahre-Bewegung jedoch in nichts nach. Im Gegenteil, ich empfand ihren Willen, sich freiwillig für diese Rolle entschieden zu haben, in einer Zeit, in der es verpönt war, der «nur» Hausfrau und Mutter zu, als extrem stark. Und feministisch.

Mehr Vrenelis im Mathebuch?
Am 14. Juni 1991 streikten die Frauen in der Schweiz zum ersten Mal. Mit damals 18 war ich Feuer und Flamme und hatte grosse Erwartungen an die Rednerinnen in der Kanti-Mensa. Doch ich wurde enttäuscht. Das Einzige, was mir von diesem Tag wirklich geblieben ist, ist eine Mathematiklehrerin, die sich über die fehlenden Mädchen in den Sätzchenaufgaben der Mathebücher beklagte. Da ich das überhaupt nicht so empfand und es mir schlicht schnurzpiepegal war, ob es mehr Fritzlis oder Vrenelis mit Äpfeln und Birnen zu berechnen gab (weil ich, typisch Frau, schlecht in Mathe war), entschied ich für mich, dass Feminismus mich nichts angeht. Ich und eine ganze Generation Frauen mit mir. 

Denn – so eine nicht repräsentative Umfrage meinerseits über Facebook – meine Generation empfindet dieses Wort heute als negativ. Michèle Roten beschreibt es in ihrem Buch «Wie Frau sein» so: «Feminismus, wäh!» Denn wir, die ein paar Jahre nach der Einführung des Fraunstimmrechts geboren wurden, verbinden Feminismus immer noch mit haarigen Achselhöhlen, baumelnden Brüsten und lila Latzhosen. Männer? Ein notwendiges Übel, das PatriarchatDIESEN Feminismus wollen wir nicht. Was wollen wir dann?

Feminismus, Individualismus, Egoismus?
Wie bei allem anderen auch, wollen wir heute den Feminismus individuell definieren können. Ich bin sowohl feministisch, wenn ich mich für die Mutter-Rolle entscheide, als auch, wenn ich im Beruf Erfolg haben will. Die grössten Feministinnen sind heute wohl die, die alles wollen. Kind, Karriere und Kaviar (na ja, frau will hoch hinaus). Der Feminismus ist nicht nur individueller geworden, sondern auch egoistischer. «Meine Art zu Leben ist für mich die richtige. Alles andere sind Notlösungen.»
 

Fragt man Frauen diverser Generationen, hört man nur vermeintlich unterschiedliche Definitionen von Feminismus. Feminismus bedeutet aber für die meisten nach wie vor: Der Kampf für die Rechte der Frauen. Und da jede Frau anders ist und anders lebt, sind auch diese Rechte anders gewichtet. Für die eine Frau ist ihr Mann, der nicht im Haushalt mithilft ein „Eheproblem“. Eine andere bezeichnet hingegen die Schläge, denen sie von ihrem Partner täglich ausgesetzt ist, als «Eheproblem». Der Kampf ist derselbe: «Ich bin ein Mensch und möchte als solcher behandelt werden.» Feminismus ist somit nicht in Stein gemeisselt, sondern eine laufende Diskussion. Nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch unter Frauen.

Die patriarchalischen Medien werden umschifft
Diese Diskussion wird immer kräftiger unterstützt durch die neuen Medien. Noch nie durften so viele Frauen ihre Meinung offen sagen, ohne von (teils männlich regierten) Medien abgekanzelt zu werden. Das Web revolutioniert seit ein paar Jahren nicht nur unser Leben, sondern auch unsere Sicht auf den Feminismus und somit auf Frauen. Neben den negativen Effekten wie Sexting und Pornographie, garantiert das Internet eine noch nie dagewesene Meinungsäusserungsfreiheit! Und viele wissen davon zu profitieren.

Heute können sich Mädchen und Frauen online eine Identität bauen, die sie offline nach aussen tragen. Sie vertreten Meinungen, die teils weder ihre Familie, noch ihre Freunde oder gar ihre Regierung mit ihnen teilt. Betrachtet man die Bloggerinnen des arabischen Frühlings oder die diesjährigen Friedensnobelpreisträgerinnen, so kann niemand mehr behaupten, der Feminismus sei ein alter Hut. 

Aber nicht nur solche Grossereignisse zeigen auf, wie omnipräsent die Frauenbewegung heute noch ist, die Bloggerszene bewegt auch im kleineren Rahmen. Der Blog "Her Bad Mother"Motherlode der New York Times und Fuckermothers aus Deutschland, sie alle sind heute Meinungsmacherinnen, die sich nicht scheuen, auch mal zu sagen, dass es durchaus nerven kann, eine Frau zu sein. Oder eine Mutter. Dass es aber ebenfalls grossartig ist, heute dem weiblichen Geschlecht anzugehören. Oder dass man keinen Broccoli mag. Oder Vergewaltiger. Wir dürfen sagen, was wir wollen. Und gelesen wird es auch noch! Die Statistiken bestätigen diesen Trend ohne Zweifel.

Das Thema der Mutterschaft scheint übrigens eines der wenigen zu sein, das sich seit der ersten Feminismus-Welle grundlegend geändert hat. War eine Frauenrechtlerin früher der Meinung, Kinder seien der Inbegriff der Unfreiheit, so kämpfen moderne Feministinnen dafür, dass sie Kinder UND Karriere haben können. Und auch hier sind die Digital Moms nicht unschuldig dran.

Leider widersprechen wir Frauen uns oft selber, wenn wir behaupten «Ich bin zwar keine Feministin, aber...». Egal, wie wir uns nennen, ob Pipilottas, Stinktiere oder Superwomen. Hauptsache, wir geben den Kampf nicht auf. On- und Offline.

Welche anderen Mütterblogs kennen Sie? Wir entdecken immer gerne Neues.

Partnerwahl Part two

von: Nathalie Sassine-Hauptmann am: Dienstag, 20.12.2011
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Auch Mrs. Right ist nicht einfach zu finden. Ein Vater erklärt seinem Sohn, worauf es zu achten gilt.

Keinen Freiraum, wenig Humor. Sie hat keine Chance. (Szene aus "Er steht einfach nicht auf dich")

Letzte Woche erfuhren wir, was wir unseren Töchtern unbedingt auf den Weg mitgeben müssen, bzw. worauf sie achten sollen, um zu erfahren, ob ihr Freund das Zeug zum „Mann für’s Leben“ hat.

Nun, ich habe auch einen Sohn. Und der hat einen Vater, der, als er erwähnten Artikel las, etwas pikiert meinte: „Also ich hätte da auch ein paar Dinge, die ich einem jungen Mann sagen würde, der eine Frau für’s Leben sucht.“ Na, da sind wir ja mal gespannt: 

- Wenn du diese Frau nicht als "Freund" bezeichnen kannst, lass es lieber bleiben. Die Beziehung mit einem Vorzeigepüppchen ist nichts für’s ganze Leben.

- Eine Frau, die im Restaurant nur Salat und Wasser bestellt, ist keine Geniesserin und wird es auch nicht zulassen, dass du einer bleibst.

- Wenn ihr deine roten Hosen und dein Parfum nicht gefallen, lass sie dir etwas Style beibringen. Meist kann es nicht schaden. Beim Bart hört der Spass aber auf.

- Wenn sie deine Freunde nicht mag und sie sie auch nicht, hat es keine Zukunft. Daran ist nichts zu ändern, sorry.

- Bei vielen Frauen kannst du davon ausgehen, dass sie wie ihre Mutter werden. Ist dir diese ein Graus? Dann weisst du, was du zu tun hast.

- Sie wird sich laufend ändern wollen. Das ganze Leben lang. Und sie wird von dir erwarten, dass du dich auch weiterentwickelst. Sei darauf vorbereitet.

- Am besten testest du eine Beziehung in den Ferien. Wenn ihr euch nach ein paar Tagen schon nicht mehr riechen könnt, ist der Fall klar. 

- Lass die Finger von Frauen mit Ehemann und Kindern, sie verlassen diese nur höchst selten. Und du wirst nicht der Grund für eine kaputte Familie sein wollen. 

- Wenn du ihretwegen dein Hockeytraining und den Abend mit Freunden streichen musst, hat das auf die Länge keine Chance. Jeder Mensch braucht Freiraum, sie übrigens auch.

- Deine Frau muss Humor haben und Ironie verstehen, sonst macht’s einfach keinen Spass!

So, Sohnemann ist ausgerüstet. Oder hat der Papa noch was vergessen?

Mädchen können's eben doch

von: Nathalie Sassine am: Montag, 19.12.2011
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Der alte Mythos wird über den Haufen geworfen. Mathematik ist keine Sache der Chromosome.

Mathe und Mädchen: Keine Frage der Chromosomen, sondern des Umfeldes.

Obwohl wir immer wieder welche lesen, bleiben wenige Studien so sehr haften, wie die von Harvard Präsident Lawrence Summers 2005. (Eine weitere war übrigens die, dass eine Frau über 30 eher von einem Tiger gebissen wird, als dass sie einen Mann findet. Dies wurde leider bis heute nicht widerlegt). Summers Studie besagte, dass Jungs einfach besser in Mathe sind, weil sie, eben, Jungs sind. Viele sahen dies damals zum Anlass, Frauen wieder an den Herd zu schicken oder an die Schreibmaschine, auf jeden Fall nicht in ein Studium der Wissenschaften. 

Die American Mathematical Society straft Summers heute Lügen mit einer neuen Studie, die besagt, dass Mädchen sehr wohl mathematisch begabt sind. Zumindest nicht weniger als Jungs. Sofern sie jedoch – und das besteht der grosse Unterschied zu Summers Untersuchung, die nämlich nur amerikanische Kinder berücksichtigte – sofern sie in einem Land aufwachsen, in dem Frauen gleichgestellt sind. Da wären wir ja nie darauf gekommen, nicht? 

Jane Mertz, Autorin dieser neuen Studie erklärt es sich mit der heutigen Gesellschaft. Sie nennt sie die «Barbie doll society», die Mädchen weismachen will, dass sie den Jungs zwar unterlegen sind, es aber eben o.k. ist, kein Algebra zu beherrschen. Dieser Glaube, unsere Töchter seien in Mathematik und Naturwissenschaften weniger begabt, hindert sie daran, solche Studienrichtungen überhaupt einzuschlagen. 

Oder ist es Zufall, dass Harvard erst nach 375 Jahren eine Professorin für Mathematische Forschung eingestellt hat?

Sind Väter kulturell relevant?

von: Nathalie Sassine am: Dienstag, 13.12.2011
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Zum Kinderkriegen sind Männer heute (fast) überflüssig. Aber sind sie deshalb gesellschaftlich irrelevant?

Irrelevant? Von wegen, sie regen sogar zu Abstimmungen an!

Die Ehe verabschiedet sich langsam aus der Gesellschaft. Frau braucht keinen Mann mehr, um eine Familie zu gründen. Zumindest braucht sie ihn oft nicht mehr, um eine zu ernähren. Und da, wo noch Mami UND Papi mit den Kindern leben, hat der Vater oft nichts zu sagen, er ist ja den ganzen Tag bei der Arbeit.

Viele sehen das so. Ich habe jedoch ehrlich gesagt ganz andere Beobachtungen gemacht. Als TV-Fan (ich hätte fast-Junkie geschrieben...) stelle ich immer wieder fest, dass Produktionsfirmen auf jeden Zug aufspringen, den sie für gesellschaftlich relevant, bzw. einfach trendy, halten. Vampire, Fantasy, Sixties und – worauf ich natürlich hinaus will – Väter. Süsse, liebe, miterziehende Väter, deren Fehler man ihnen einfach nachsehen muss, sie geben sich doch solche Mühe. Väter werden im TV und der Werbung dargestellt, als könnten sie nicht viel anderes als ihre Socken rumliegen lassen, Playstation spielen und vergessen, den Müll rauszubringen. Trotzdem sind für ihre Kinder unentbehrlich, weil sie ja selber noch grosse Kinder sind. Dies alles trifft natürlich vor allem auf amerikanische Produktionen zu, aber sind wir ehrlich: Welche Serien und Filme schauen wir uns auch hierzulande mit Vorliebe an? Eben!

Werden Väter in den Medien stereotypisiert? Natürlich werden sie das. Genauso wie Mütter  auch. Aber kann man daraus schliessen, dass ein Vater bloss ein weiteres Kind in der Familie darstellt, und dass ohne Mami eben doch nichts läuft? Um diese Frage zu beantworten, hier ein paar relevante Fakten, aufgezeichnet vom amerikanischen Dad-Blogger Ron Mattocks :

  • 2005 befand das amerikanische Parents Television Council, dass 87% der Fernsehprogramme Väter involvieren, 15% sogar alleinerziehende Väter zeigten und nur gerade 13% gar keinen Vater miteinbezogen.
  • Im Wall Street Journal konnte man lesen, dass Produktionsfirmen noch nie so viele Vorschläge für TV-Serien erhielten wie diese Jahr, in denen die verändernden Lebenumstände von Vätern aufgezeigt wurden.
  • Im selben Artikel war zu lesen, dass der neue Sitcom-Mann «selbstbewusst, der Familie ergeben, im Haushalt helfend und ein ziemlich guter Erzieher» und meist hauptsächlicher Ernährer ist.
  • Der kommerzielle Erfolg von Büchern (Go the fuck to sleep, Papa steht seinen Mann), Filmen (The Change-Up) und Serien (Up all night) spiegeln die Überlegungen und Frustrationen von Vätern in Erziehung und ihrer Work-Life-Balance wieder.
  • Auch Marken wie Proctor & Gamble, Kellog’s und Renault entwickeln zunehmend Kampagnen, die sich an Väter richten (nachdem sich viele Väter beklagten, in der Werbung zu wenig repräsentiert zu sehen).
  • Die Science Daily meldete, dass es für 77% der Männer heute wichtiger ist, als guter Vater wahrgenommen zu werden, als eine steile Karriere aufzuweisen (nur 49%).

Zurück zu meiner Frage: Sind Väter kulturell relevant? Und wie! Viele halten dies jetzt wahrscheinlich für oberflächlich, doch Tatsache ist, dass keine Produktionsfirma und kein Brand ohne Marktforschung auskommen. Denn in eine Zielgruppe wird viel Geld investiert, also will gut überlegt sein, wen man ansprechen will.  (Natürlich hängt es auch damit zusammen, dass Männer - entgegen langjährigen Meinungen - nach neusten Studien eben doch die Kaufentscheide fällen.) Deshalb ist es sehr wohl ein guter Indikator, was wir im TV und in der Werbung sehen. Es spiegelt das echte Leben, nicht im Detail, aber in den kulturellen und gesellschaftlichen Tendenzen. Oder sehen Sie das anders?

Göttliches Gemetzel

von: Nathalie Sassine am: Montag, 05.12.2011
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Zwei Elternpaare treffen sich für ein zivilisiertes Gespräch über ihre Kinder. Und wir schauen zu.

Zwei Jungs zünden sich gegenseitig verbal an, der eine angefeuert von seiner «Gang». Dem anderen wird es zu bunt, und er drischt mit einem Stock auf den Anführer ein. Diese Szene könnte in Kabul, Palermo, Pfungen oder New York zu beobachten sein. Was danach geschieht ist übrigens genauso universal.

Roman Polanski inszeniert in «Carnage» (Der Gott des Gemetzels) ein Theaterstück der Spitzenklasse. Darin treffen sich die Eltern der prügelnden Jungs, um die Sache zivilisiert aus der Welt zu schaffen. Das gelingt ihnen genau 10 Minuten lang, bis ihnen die Schuldfrage in die Quere kommt und die ersten spitzen Bemerkungen fallen.

Denn Eltern sind wie Kinder. Oder Politiker. Und Diktatoren. Sie vertreten immer die eigenen Interessen. Im Falle von Papa und Mama heissen diese Interessen eben «mein Kind». Es gibt wohl kaum eine Mutter, einen Vater, die nicht schon mal gedacht haben, dass das Gspänli von nebenan mit der frechen Klappe doch einfach nur ein kleines A...loch ist. Seien Sie ehrlich!

Und so geht es eben auch Penelope Longstreet, eine politisch korrekte Supermami aus New York, gespielt von Jodie Foster. Sie ist zwar die Initiantin dieses Gesprächs unter zivilisierten Erwachsenen, schliesslich «gehören wir alle einer globalen Gemeinde an» und der Weltfrieden ist ihr oberstes Ziel. Doch auch sie verliert zusehends die Contenance, spätestens als die Frage auftaucht, wieso ihr Sohn eigentlich Prügel bezogen hat. Er wird den Täter ja wohl provoziert haben, oder nicht? Ihr Mann, gespielt von John C. Reilly, verschlimmert das Ganze mit seiner pseudoneutralen Art, indem er es wagt, die These «Jungs sind halt so» in die immer aufgebrachtere Runde zu werfen. 

Wie nicht anders zu erwarten war, sind es anfangs vor allem die Mütter, die sich in die Diskussion einbringen und ihre Kinder – sachte zuerst, immer vehementer zum Schluss – verteidigen. Das Muttertier stellt sich lange schlafend. Bis Kate Winslet, die vordergründig sensible Upper Class Mom, die vor lauter Aufregung schon bald auf den Clubtisch kotzt, sich lautstark empört, als ihr Mann sich nicht vollkommen und uneingeschränkt für ihr Kind – den vermeintlichen Täter – einsetzt. Christoph Waltz brilliert in der Rolle des arroganten Vaters, der für solchen Unsinn eigentlich gar keine Zeit hat, schliesslich ist er ein wichtiger Anwalt der Pharmaindustrie und muss etwa alle fünf Minuten ein Telefongespräch führen, das sein Desinteresse für seine Mitmenschen immer wieder auf ein Neues demonstriert.

Der Film hiesse nicht Carnage (zu deutsch: Gemetzel), wenn das Echtzeit-Gespräch nicht vollkommen ausarten würde. Ohne die Handlung vorwegnehmen zu wollen, verrate ich Ihnen nun, was wir aus diesem Film lernen:

  • Alkohol macht uns zu ehrlicheren Eltern/Menschen.
  • Männer sind objektiver und vernünftiger, oder haben Sie schon mal das Wort «Vatertier» gehört?
  • John Wayne hat als Vorbild für Väter und Söhne auch 2011 noch nicht ausgedient.
  • Die Solidarität eines Elternpaares weicht früher oder später der Geschlechtersolidarität.
  • Kinder scheren sich keinen Deut um die Meinung ihrer Eltern.

Fazit: Babysitter besorgen und ab ins Kino!

"Carnage" von Roman Polanski, zur Zeit in Schweizer Kinos.

Revolver-Girls

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 23.11.2011

Frauen, die gerne schiessen, stossen auf wenig Verständnis für ihr Hobby. Warum nur?

Nicht schiesswütig: Girls mit Knarren.

Wir sind eine friedliche Familie, eigentlich. Als Pazifisten würde ich uns zwar nicht bezeichnen, denn die sind ja aktiv, demonstrieren und dergleichen. Aber wir sind keine Freunde von Kriegsgerassel, Machtdemonstrationen, militärischem und pseudo-militärischem Gebaren. Dies nur so zur Klärung. Denn: Meine Töchter schiessen gerne und gut. Vielleicht schiessen sie gerne, weil sie es gut können, das wären dann mildernde Umstände, sozusagen. Dass man mit einem Schiesseisen theoretisch jemanden töten könnte, geht ihnen dabei so wenig durch den Kopf wie mir eine tödliche Messerstecherei, wenn ich ein Stück Brot abschneide.

Die Ältere fing damit an, und zwar schon im Primarschulalter. Irre, wenn man beim Ballern am Messestand besser ist als das Mami, trotz Schemel und allen möglichen Stützen. Dem Mami wäre es auch nie in den Sinn gekommen zu schiessen, das war der Papi. Aber das Mami musste dann halt auch. Lustig, wie der Standbetreiber in Deckung ging, nach dem ersten Schuss, aber lassen wir das.

Ich treffe absolut gar nichts, womit auch immer, Schiesseisen, Pfeile, Bälle. Meine Mutter prügelte mich jahrelang absolut erfolglos ins Tennistraining, der Trainer hat in seiner Karriere garantiert nie eine unfähigere Schülerin gehabt. Aber meine schlagkräftige Mutter war unerbittlich. Zudem schoss sie Kleinkaliber, und traf auch dort. Das ersparte sie mir immerhin. Ich tanze lieber, ganz der Papi.

Und nun meine Töchter, die nach der Oma und ihrem Papi geraten und alles treffen. Und nicht gerne tanzen. Das ist zwar ein Elend, aber man soll die Kinder ja dort abholen, wo sie sich befinden, und so sorgte ich dafür, dass meine Grosse mit 15 Jahren in den Schützenverein ballern gehen konnte.

Das ging in die Hose, denn dort traf sie zwar auch alles, aber auch auf Pseudo-Machos, die, wie leider zuweilen üblich, vor allem durch blöde Sprüche glänzten. Also brach sie die Übung ab und wurde keine Gaby Bühlmann. Ihre jüngere Schwester verzichtete gleich auf die Jungschützen und ballert sich so durch die Herbstmessen. Dass auch sie es kann, konnte ich am 1,5 Meter grossen Plüschbären mit Banane am Ohr sehen, den sie heimschleppte, und der nun alles versperrt. Ebenso wie ein überdimensionales Plüschherz, auf dem «I love you» steht.

Soweit, so gut. Nun werden sie aber immer wieder angefeindet. Das tue man nicht, das sei Vorbereiten zum Töten und der Dinge mehr. Einem Jungen sieht man es nach, wenn er «seine Hörner» abstösst und mit Spielzeugpistolen und dergleichen rumhantiert. Dies taten meine Töchter hingegen nie. Wenn schon, würde sie der Schiesssport interessieren, aber das geht manchen nicht in den Kopf. Warum, ist mir schleierhaft. Denn anders als beim Softball-Ballern und andern Männer-Spielen und Games zielen sie nie auf Abbildungen von Menschen oder Tieren, sondern ausschliesslich auf Zielscheiben, fahrende Motive, aufgehängte Medaillons und dergleichen. Sie haben beide eine ruhige Hand und treffen meistens, was ihnen vor allem auch im männlichen Lager Anerkennung bringt. Aber nicht bei den andern Mädchen, und schon gar nicht bei den andern Müttern.

Was ist denn «schlimmer», mit einem untauglichen Ding auf Menschen zu zielen? Oder mit einem richtigen Schiesseisen auf eine Zielscheibe?  Meine Töchter interessiert nur das zweite, und je älter sie werden, umso weniger interessiert sie, was die anderen Leute denken. Das immerhin ist ein gutes Zeichen.

Das Gewissen putzt mit

von: Nathalie Sassine am: Freitag, 11.11.2011
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Mütter haben ein schlechtes Gewissen, das ist nichts Neues. Erstaunlich aber ist, WAS ihnen Kopfweh beschert.

Yes, we can! Und wenn nicht, macht's auch nichts!

«What Moms Choose», so heisst eine Studie des amerikanischen Working Mother Research Institute, in der knappe 4000 Frauen zu ihrer Situation als Frau und Mutter befragt wurden. Vieles ahnten wir schon, einiges ist überraschend. Davon ausgehend, dass eine solche Studie in unseren Breitengraden nicht viel anders ausfallen würde, hier ein paar Zahlen, die Sie beim nächsten Raclette im Pfännchen servieren können:

  • 55% der (ehemals) karriere-orientierten Vollzeitmütter, würden lieber arbeiten.
  • 71% der erwerbstätigen Mütter tun es nur wegen der Bezahlung.
  • 51% der erwerbstätigen Mütter haben ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen.
  • 55% der erwerbstätigen Mütter fühlen sich schuldig, ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.
  • 55% der Vollzeitmütter gaben Schuldgefühle, weil sie nichts zum Einkommen beitragen.
  • 44% der Vollzeitmütter fühlen sich schuldig ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.

Ausserdem fühlen sich erwerbstätige Mütter am meisten verurteilt in Sachen:  

  1. Haushalt
  2. Sorge für sich selbst
  3. Zeit mit den Kindern

Vollzeitmütter hingegen glauben, es werde in folgenden Belangen über sie geurteilt:

  1. Fehlendes Einkommen
  2. Haushalt
  3. Ungenutzte Bildung

Man kann es nicht ignorieren: Moderne Frauen messen sich noch immer an ihrem Haushalt. Seltsam, nicht? In Zeiten der vertauschten Rollenbilder und Vollzeit-Hausmänner, glauben wir Frauen immer noch, es sei von Bedeutung oder es sage etwas über uns aus, ob unser Haus sauber und aufgeräumt ist. Oder eben weniger. Warum ist das so?

Mein Haus ist sauber. Und zwar genau während der drei Stunden, die dem Putzen folgen (und nur deshalb, weil die Kinder dann noch nicht zu hause sind). Danach leben wir halt weiter und entsprechend sieht es auch aus. Aber ich muss selber zugeben, dass ich aufräume, wenn Besuch kommt, irgendwie scheine auch ich (und glauben Sie mir, ich bin alles andere als die perfekte Hausfrau) mich mit einem aufgeräumten Wohnzimmer besser zu fühlen. Aber Schuldgefühle habe ich deswegen keine. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Mann und Kinder für die Unordnung verantwortlich mache, wenn ich alleine wohnen würde, wär’s nämlich viel besser.

«Das Handbuch für die gute Hausfrau» von 1955 scheint in den Köpfen immer noch hochaktuell zu sein. Dort wurde der Hausfrau allen Ernstes empfohlen, ihren Ehemann nach Feierabend mit einem Cocktail, den Pantoffeln, einer warmer Mahlzeit und natürlich einem piccobello aufgeräumten Heim zu empfangen. Der Traum eines jeden Mannes! Heute klingt es mehr so: «Bringst du bitte den Müll raus und kannst du die Kinder baden und übrigens, ich gehe aus, bitte kümmere dich um’s Abendessen!» Oder so ähnlich.

Und jetzt meine Frage: Gäbe es ein «Working Dad Institute», wie stünde es da um das schlechte Gewissen der Männer bezüglich ihrem Haushalt? Wahrscheinlich gibt es deshalb keines: Weil wir die Antwort darauf schon kennen.

Ganz schön emanzipiert – und ganz schön enttäuscht

von: Nicole Althaus am: Montag, 07.11.2011
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Die einst hoffnunsgvollen Frauen der Generation X fühlen sich mittlerweile vom Leben und im Beruf benachteiligt. Und haben damit eigentlich ziemlich ähnliche Probleme wie die Männer.

Am Steuer des eigenen Lebens? (Bild aus "Reality Bites", DEM Film über die Generation X)

Fühlen Sie sich frustriert, müde und kriegen allen Yoga-Kursen zum Trotz das Kunststück namens Work-Life-Balance einfach nicht hin? Erwischen Sie sich öfters dabei, dass Sie der Frage nachhängen, ob das jetzt schon alles gewesen ist? Weil Sie im Job vor sich hindümpeln und zu Hause allen alles hinterherräumen, obwohl sie durchaus wissen, wie man das Wort «Emanzipation» buchstabiert? Oder aber Sie sind ein paar Treppen die Karriereleiter hochgestiegen, so hoch bis Ihnen ein Babyboomer im Weg gesessen ist und immer noch sitzt? Und haben unterwegs ganz vergessen, die Kinder zu bekommen, die sie sich eigentlich gewünscht haben?

Dann sind Sie wahrscheinlich eine Frau und gehören der Generation X an: Also einem jener Jahrgänge zwischen 1965 und 1975, die mit «Teleboy» und Playmobil gross geworden sind, im langweiligsten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts, in den 80er-Jahren, pubertiert haben und in Keilhose und Glanzbluse von der alles bestimmenden Frage umgetrieben worden sind, ob man nun Prince oder Michael Jackson hören soll – um dann als Erwachsene zur Musik von beiden im Fitnessstudio an der Figur und im Büro an der Karriere zu arbeiten. Nun, diese Generation von Frauen, die Florian Illies im Jahr 2000 in seinem Buch «Generation Golf» beschrieben hat, ist offenbar heute, in der Mitte des Lebens, kollektiv enttäuscht über das, was es ihnen beschert hat. Das zeigt eine neue Studie des amerikanischen Center for Work-Life-Policy, die im angelsächsischen Raum viel zu reden gegeben hat:

    •    Die Frauen der Generation X sind die ersten, die im Beruf so ehrgeizig sind wie die gleichaltrigen Männer: 61 Prozent wünschen sich einen Topjob. Bei den Babyboomern, den Jahrgängen zwischen 1946 und 1964, gaben diesen ehrgeizigen Wunsch lediglich 45 Prozent der Frauen zu Protokoll. Ambitionen sind in dieser Generation geschlechtslos geworden: Rund 70 Prozent beider Geschlechter bezeichnen sich selbst als ehrgeizig.
    •    54 Prozent sind unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation, sie fühlen sich ausgebremst von den zahlenmässig weit überlegenen Babyboomern und von unten bedrängt von den nachrückenden jüngeren, ebenfalls topausgebildeten Frauen. (Lesen Sie auch: «Geld oder Zeit? Was ist Ihnen wichtiger?»)
    •    Dennoch sind die Generation-X-Frauen die ersten überhaupt, die in beträchtlicher Zahl ihre Männer lohnmässig überrunden. In Amerika sind es 36 Prozent, in Grossbritannien spricht man von einem Drittel.
    •    Nur bedeutet das nicht, dass sie nun den Staubsauger in der Ecke liegen lassen könnten: Obwohl 62 Prozent der befragten Männer reklamieren, ihren Teil zu Haushalt und Kinderbetreuung beizutragen – geben die Frauen dieser Generation grossmehrheitlich an, den Feierabend statt mit einem Bier mit der zweiten Arbeitsschicht zu Hause zu feiern.
    •    43 Prozent der Vertreterinnen der Generation X mit höherer Ausbildung haben keine Kinder oder noch keine Kinder (Die jüngeren Jahrgänge könnten diese unglaublich hohe Zahl noch etwas nach unten korrigieren)

Das Porträt, welches diese Daten von den weiblichen Vertreterinnen der Generation Golf zeichnet, nachdem sie auf den Mercedes oder aber den VW-Kombi umgestiegen ist, gibt zu denken: Schliesslich waren die X-erinnen die Ersten, die sich selbstverständlich hinters Lenkrad des eigenen Lebens geklemmt haben. Als sie in den 70ern eingeschult wurden, durften ihre Mütter erstmals wählen und die Botschaft mit der sie zu Hause imprägniert wurden, lautete: Mädchen sind auch wer. Also wurden sie wer und kamen tatsächlich überall hin: in die Bars, in die gläsernen Bürohäuser, ja sogar in die Teppichetage. Sie studierten und arbeiteten, sie verdienten Geld und Titel, sie schliefen wo und mit wem sie wollten, sie verhüteten und trieben ab. Ja, die X-erinnen lebten wie die gleichaltrigen Männer. Das konnte keine Frauengeneration zuvor behaupten.

Warum also bläst ausgerechnet diese Generation heute Trübsal? Vielleicht, weil sie sich das mit dem Emanzipations-Erbe ganz anders vorgestellt hat. Vielleicht weil für diese Frauen damals im Golf Cabrio, wenn der Fahrtwind mit den langen Haaren spielte, alles ganz danach ausgesehen hatte, als könnten sie in Manolo-Blahnik-Stilettos elegant und selbstbestimmt den Weg abschreiten, den ihre Grossmütter und Mütter in Latzhosen und gröberem Schuhwerk vorgetrampelt haben. Und dann kamen plötzlich Kinder und statt das «Ohmm» der Work-Life-Balance perfektioniert man heute den Spagat.

Nein, Fassaden hat diese Generation keine eingeschlagen. Das haben die Babyboomer für sie erledigt. Doch die Generation X räumt heute auf. Sie sortiert die Scherben, die der Feminismus hinterlassen hat, und versucht aus dem grossen Wort Gleichberechtigung irgendeinen Alltag zu basteln. Dabei kann man sich schon mal ganz schön in die Finger schneiden. Sortieren und Probieren ist mitunter frustrierend, schmerzhaft – schliesslich gibt es noch keine Rezepte und wenig Orientierungshilfe. Deshalb rappelt sich diese Generation nun gerade aus dem Spagat hoch und stellt ermattet fest: Der Leistungssport, genannt Emanzipation, ist anstrengend. Mitunter bleibt die Karriere auf der Strecke. Oder die Partnerschaft. Oder die Kinder.

Superwoman gibts nur in Comics. Genau wie Superman. Allen Beschwörungen der sogenannten Powerfrau, dem Unwort des letzten Jahrhunderts, zum Trotz. Und diese Generation bekommt noch etwas anderes unmittelbar am eigenen Leib zu spüren: Der Feminismus hat einen grossen Bogen um das Hindernis Mutterschaft gemacht. In der Theorie genauso wie in der Praxis. Oder wo sind sie denn, die grossen Vordenkerinnen mit Familie? Betty Friedan hatte Kinder und Elisabeth Badinter – das wars dann.

Deshalb ist es ganz einfach Zeit, den Mythos zu entlarven, dass die heutigen Frauen um die vierzig bloss Profiteurinnen der Frauenbewegung sind. Es ist, wie die Studie beweist, mindestens so schwierig, Emanzipation zu leben, wie sie zu propagieren. Dafür braucht es vielleicht weniger Kampfesmut, dafür umso mehr Geduld, Pragmatismus und Durchhaltewillen. Und unterwegs soll man schliesslich auch mal müde werden und jammern dürfen. Oder nicht?

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