Vorsätze 2012: Loslassen.
von: Andrea Strahm am: Dienstag, 03.01.2012
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Immer wieder wird behauptet, wir Mütter könnten nicht loslassen. Dabei gebären Sie einmal ein Kind, ohne loszulassen. Eben.
Wir lassen los, wenn sie anfangen zu laufen, wenn sie in die Spielgruppe kommen, den Kindergartenweg alleine bewältigen, in die Schule kommen, in Lager gehen, in den Ausgang. Wir Mütter sind einzigartig gut im Loslassen, das muss jetzt einfach einmal gesagt sein.
Ich habe auch gerade wieder einen Loslass-Schritt hinter mir. Die eine meiner Töchter ging nach Schweden ins World Jamboree, einem Pfadilager aller Pfadis weltweit. Stundenlang im Zug, auf dem Schiff, im Bus. Meine wunderbaren French-Nails waren futsch, als ich endlich eine SMS erhielt. Vier Buchstaben, «bi do» («ich bin da»), machten mich zum glücklichsten Menschen der Welt – für kurze Zeit. Denn das zweite Töchterchen flog eine Woche darauf mit ihrem Liebsten auf die Malediven. Meine Nerven lagen nicht nur blank, sondern ich schleppte meinen Ersatznotfallnerv hinter mir her, bis ich endlich im Internet feststellen konnte, dass der Flieger sicher auf Male gelandet war. Ich war fertig. Was ich natürlich keinem zeigte. Und alle merkten.
Immerhin, ich liess los. Manche von Ihnen verstehen das Theater vielleicht nicht und lächeln nur herablassend, was ich zum Glück nicht sehe. Für alle andern mache ich hier eine Überlebensstrategie-Liste, und es ist völlig egal, ob Ihr Kind nun in den Kindergarten kommt oder auf die Malediven fliegt, es ist immer das gleiche:
- Checken Sie durch, ob Sie das, was objektiv nötig ist, gemacht haben: den Kindsgi- oder Schulweg abgelaufen, die Packliste geprüft, die notwendigen Impfungen veranlasst, die Medikamente mitgegeben. Wenn ja: entspannen Sie. Wenn nein: auch. Ist eh zu spät.
- Lenken Sie sich ab.
- Legen Sie sich auf dem Schulweg nicht auf die Lauer. Ich wurde einmal fast verhaftet, als ich hinter den Torfballen der Migros an der Strassenkreuzung vorne in verdächtiger Art und Weise herumschlich, um zu schauen, ob mein Kindchen auch ja ordentlich über den Fussgängerstreifen geht.
- Planen Sie etwas per dann, wenn der Knirps oder der Twen wieder daheim sein wird.
- Meiden Sie alle, die Ihre Ängste unterstützen, zum Beispiel Ihre Mutter oder Schwiegermutter („mein Gott, so weit weg“ respektive „was, in Schweden, da war doch gerade dieses Massaker“). Denn danach brauchen Sie mindestens einen doppelten Whiskey oder eine Schachtel Valium und beides ist ungesund.
- Meiden Sie alle, die so wahnsinnig cool sind, dass sie ihre Kinder mit 14 eine Weltumsegelung machen lassen, denn die haben mit Ihnen nichts gemein.
- Und glauben Sie an sich: mit jedem Mal wird es einfacher, denn Sie haben bereits erfahren, dass der Nachwuchs sich zu schlagen weiss. Nur Sie hinken immer hinterher.
In diesem Sinne: alles Gute, Sie sind eine Meisterin im Loslassen. Und ich baue jetzt meine French-Nails wieder auf.
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 02.11.2011
Adipös, pummelig, dünn, magersüchtig. Wann besteht eigentlich Handlungsbedarf?

Kampfzone Gewicht: Mädchen auf der Waage. (Foto: iStockphoto)
Wir reden nicht von den Extremen – wenn der Kinderarzt oder die die Ärztin aufschreit, dann ist der Fall ja klar. Aber die Entwicklung bahnt sich langsam an. Ab wann muss man reagieren, wenn das eigene Kind langsam aber sicher allzu pummelig oder dünn wird? Soll man eingreifen, soll man schweigen?
Als meine Töchter zwischen 12 und 15 Jahre alt waren, nahmen sie einmal eine Freundin mit in die Skiferien, die altersmässig etwa dazwischen lag. Das Mädchen trank literweise Orangensaft, rümpfte über das Essen die Nase und ass fast nichts. Ich fragte sie, was ihr denn schmecke, und da kam es aus: Sie fand sich zu dick. Dabei schlotterten die Kleider nur so an ihr rum. Ich widersprach und schaute der Sache noch ein, zwei Mahlzeiten lang zu. Schliesslich sprach ich Klartext: dass sie im Wachstum sei, richtig essen müsse, sie sonst nicht mehr wachsen würde. Und dass ihre schönen Haare leiden und die Fingernägel abbrechen, wenn sie nicht richtig isst. Riesenaugen glotzten mich erschrocken an. Und ich schlug vor, dass sie nun einfach mal nach Herzenslust essen solle, und wenn sie 18 Jahre alt und aus der Wachstumsphase sei, würde ich mit ihr vor den Spiegel stehen und wir würden zusammen schauen, wo sie zu dick sei und ob Handlungsbedarf besteht.
Zu meiner Verblüffung klappte das, sie ass, und als wir sie ablieferten, passte sie noch immer in ihre Kleider. Heute ist sie längst volljährig, hat eine super Figur, und ich habe nie mit ihr vor den Spiegel stehen müssen.
Tatsache ist allerdings, dass ihre Mutter damals nicht gefunden hat, sie sei zu dünn. Selber immer pummelig machte diese Diät an Diät und impfte ihrer Tochter ein, dass man nicht früh genug mit Aufpassen anfangen könne, denn Abnehmen sei unglaublich schwierig, wenn nicht unmöglich.
War sie also zu dünn, oder war sie es nicht? Hätte sie normal gegessen, wäre mir wohl nichts aufgefallen – manche Kinder sind halt einfach Spargeln. Es war das Essverhalten, was mir auffiel.
Ein Nachbarskind hatte ebenfalls eine Mutter, die ständig Diäten machte und ihren Kindern ganz genau auf den Mund schaute. Ass die Kleine zu viel, war ihr die Aufmerksamkeit gewiss: Sie wurde bekniet, beschwatzt und es wurde ihr zugeredet, sie solle doch um Himmels willen weniger essen. Was sie nicht tat, denn so hatte sie die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sicher. Heute hat sie die Kurven ihrer Mutter – wen wundert’s.
Kriegen Kinder allzu viel Aufmerksamkeit über ihr Essverhalten, benutzen sie dies: entweder sie machen aus Trotz das Gegenteil dessen, was die Mutter möchte, oder sie bemühen sich, es ihr Recht zu machen. In beiden Fällen hören sie nicht mehr auf ihren Hunger, sondern provozieren die Reaktionen der Eltern. Im einen Fall werden die Mahlzeiten zum Kampfgebiet, im andern kriegen die Kinder so ihre Streicheleinheiten. Und dann ist es nicht mehr weit zur Entwicklung einer ausgewachsenen Adipositas oder Anorexie, und damit kommen dann weder Eltern noch Kinder mehr alleine klar.
Fazit: Vermutlich sollte man nicht zu rasch in Panik geraten, wenn der Nachwuchs in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Einfach ignorieren ist dennoch nicht richtig. Seine Beobachtungen mitteilen, das dürfen Eltern durchaus. Wer aber dauernd auf den Mund seines pummeligen Kindes starrt und meckert, sobald es etwas isst, zerstört mehr, als er erreicht. Ebenso derjenige, der ein dünnes Kind dauernd zum Essen nötigt. Gelassenheit ist angesagt, das Wichtigste in der Erziehung und das Schwierigste.
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 26.10.2011
Wer blöd genug tut, kriegt alle Freiheiten.

Ausser Rand und Band: Teenager im Urlaub.
Wir wissen es: Jugendliche randalieren, trinken zu viel, schlagen zu. Zwar in letzter Zeit heftiger als auch schon, aber neu ist das Phänomen nicht. Auch nicht bei Gymnasiasten und Studierenden. Deswegen werden die Maturreisen hier in Basel seit ewig im letzten Schuljahr im Herbst durchgeführt und von Lehrern begleitet. Bis vor drei Jahren auch am Gymnasium unserer Töchter, dem ältesten der Stadt. Dann hatte diese Schule genug. Passiert war das folgende (wobei ich auf Gerüchte angewiesen bin, denn informiert wurden wir Eltern nicht): Eine Klasse hatte anno 2007 auf einer Reise nach Rom Autos demoliert.
Es wurde entschieden, die Maturreisen hätten inskünftig in den Schulferien stattzufinden, und Lehrer würden keine mehr mitkommen. Was in der Freizeit der Schüler passiert, geht die Schule nichts an. Mitgeteilt wurde dieser Entscheid uns Eltern nicht, wir wurden schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Wir protestierten vollkommen vergeblich, bis auf Regierungsratsebene.
Denn Tatsache ist, dass über Jahre hinweg auf Initiative der Schule hin Geld gesammelt wird für ebendiese Maturreise, mittels Beiträge in die Klassenkasse, Theateraufführungen, Kuchenverkäufen und vielem mehr. Folglich stand die Klasse unserer älteren, unmündigen Tochter anno 2008 mit vollem Portemonnaie da. Die Klasse verreiste folglich frisch fröhlich nach Portugal. Eine homogene, ruhige Klasse, alles ging gut.
Irgendwann vernahmen wir, die Klassen würden nun doch wieder begleitet, wenn sie denn wollten, und in diesem Fall dürften sie die Maturreise zumindest teilweise während der Schulzeit absolvieren.
Dieses Jahr nun war die Klasse unserer ebenfalls noch minderjährigen Jüngsten dran, 20 Jugendliche ab 17-jährig, vier Knaben, 16 Mädchen. Die Klasse versuchte vergeblich, einen Lehrer zum Mitkommen zu überzeugen. Also ging sie, ebenfalls mit gut bestücktem Portemonnaie, lehrerfrei nach Nizza. Und liess es dort – zumindest liessen es manche Mädchen – so richtig knallen. Sturz betrunkene Mädchen in Minikleidchen hingen bis in alle Nacht in Nizza in irgendwelchen Etablissements herum, zum Teil alleine, nahmen völlig unbekannte männliche Strandbekanntschaften ins Hotel, verunstalteten die Hotelzimmer. Gebechert wurden die härtesten Sachen in Mengen, die mich ins Spital befördern würden. Manche machten sich einen Spass daraus, Unerfahrene der Klasse abzufüllen.
Immerhin: Unsere Tochter kam lebendig nach Hause, aber sie hatte keinen Spass, und sie hat gelitten. Ihr wurde die Maturreise gründlich verdorben, so wie andern auch. Denn diejenigen, die derart die Sau rausliessen, sind zwar in der Minderheit, betroffen waren aber alle.
Ich habe eine unglaubliche, ohnmächtige Wut im Bauch. Was denkt sich diese Schule eigentlich? Hauptsache, sie haftet nicht und nach mir die Sintflut? Während der Reise hat uns ein Brief des Klassenlehrers erreicht, die Klasse sei auf der wohlverdienten Maturreise, das Geld habe gereicht, man solle aber bitte für die Wirtschaftswoche im November noch so und so viel Franken überweisen…
Bei allem Verständnis: Wenn es nicht mehr möglich ist, eine Maturklasse zu begleiten, weil alles ausser Rand und Band gerät, dann gehören Maturreisen verboten und das Geld den Schülern einzeln ausbezahlt. Dass diese Horden einfach so unkontrolliert, aber mit faktischer Unterstützung durch die Schule auf die Menschheit losgelassen werden, das geht nicht.
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 28.09.2011
Zuerst melken die Kinder die Brüste – und wenn diese versiegt sind, dann schröpfen sie Mutters Konto.

Wer würde da Nein sagen? Jessica aus der HBO-Serie «True Blood».
Mami ist eine Milchkuh, wobei die Kinder eigentlich nicht (mehr) mich melken, sondern mein Portemonnaie. Das gibt zwar keine Brustwarzen-Entzündungen, tut aber sonst weh. Dann nämlich, wenn ich tolle Schuhe sehe, und es beim Sehen bleibt, weil von meinem Konto nichts als gähnende Leere grüsst.
Eigentlich haben wir glasklare Abmachungen, die, wie in der Politik, dauernd wieder über den Haufen geworfen werden. Unsere Wundertöchter kriegen Taschengeld, und es ist klar, was sie damit zu bezahlen haben, und was an uns hängen bleibt. Etwa die Kleider müssen sie selber bezahlen. Was eine schlechte Idee ist, wenn Sie eine Mutter sind, die, wie ich, Freude an schönen Kleidern hat und Wert darauf legt, dass die Kinder nicht nur zwei, drei Tischmanieren haben, sondern sich auch einigermassen gepflegt anziehen.
Der Trick ist einfach: Die Damen geben das Geld für DVDs, Kino, Geschenke, Schnickschnack und so weiter aus, nicht jedoch für Kleider. Und dann macht man es so wie meine jüngere Tochter kürzlich: Zuerst lief sie in einer Jeans rum, die sie mit einer Sicherheitsnadel auf der einen Seite enger gemacht hatte. Die Naht am Po verlief seitlich über die eine Pobacke, wie bei einem Clochard. Dann brachte sie mir mit dramatischem Augenaufschlag über dunklen Riesenaugen eine schwarze Hose und bat mich höflichst, die Löcher am Po zu stopfen. In der Hose war sie vermutlich eine Rampe heruntergerutscht, jedenfalls hatte es zwei Löcher auf der Sitzfläche. Sie brauche für eine Schulhausführung eine schwarze Hose und eine andere als die habe sie nicht. Das war eine offizielle Führung, die die Schülerinnen und Schüler ihrer Schule auf dem Münsterplatz anlässlich des Denkmaltages für das Publikum machten. Folglich stopfte ich einen Nachmittag lang grimmig Löcher. Sie sollte mich nicht drankriegen, nicht mich, Denkmaltag hin oder her. Denkmale sind ja auch häufig geflickt. Oder haben Sie das Basler Münster mal ohne Gerüst gesehen? Eben.
Dachte ich, und stand zwei Tage später mit dem Lockenschopf im Laden und kaufte mit ihr fünf Paar neue Hosen, sie bezahlte zwei, ich drei. Wie sie mich doch noch dran gekriegt hat? Ganz einfach, sie bat mich, sie zu begleiten und ihr zu sagen, was ihr steht. Ihre Schwester beriet mit und wir hatten eine Menge Spass. Und dann fiel die Entscheidung schwer, und da ihr alle Modelle gut standen, zückte ich halt den Geldbeutel. Und redete mir ein, dass ihr Wachstumsschub mit gleichzeitigem Baby-Speck-Verlust eine Ausnahmeregelung rechtfertigte.
Sie kriegen mich immer wieder rum. Immerhin: Sie sind bescheiden und nicht dem Label-Wahn verfallen. Ich bin ja schliesslich auch keine Turbo-Milchkuh.
von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 08.09.2011
Mit Teenager und Kleinkindern gemeinsam Ferien verbringen zu wollen, ist ein Unterfangen, das zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist. Zu unterschiedlich sind die Tagesabläufe.

Harmonische Ferien? Schön wär's.
Kennen Sie das: Nach unglaublich langer Zeit macht Ihnen jemand einen Vorwurf, und Sie staunen Bauklötze, weil Sie das vollkommen anders gesehen hatten. So erging es mir kürzlich: Ich hätte, so erklärte der Vater meiner Kinder, nie mit seiner älteren Tochter in die Ferien gehen wollen. Da fiel ich gerade mal kurz aus allen Wolken, denn meiner Erinnerung nach hatte sie das nie gewollt. Es kristallisierte sich dann nach und nach heraus, worum es ging: Er hatte sie einmal mit nach Italien nehmen wollen, als seine Nachfolgetöchter schon auf der Welt waren, und ich hatte tatsächlich gestreikt, EINMAL. Denn ich hatte ein glasklares Vorstellungsvermögen dessen, was mich erwartet hätte, was dem Vater dieser drei Prachtsfrauen, die sie heute sind, völlig abgeht. Wirklich VÖLLIG, und das ist untertrieben.
Es ging damals nämlich darum, eine 18-Jährige, eine Fünf- und eine Zweijährige ferientechnisch unter einen Hut zu bringen. Vielleicht war das Trio auch etwas jünger oder älter, genau erinnere ich mich nicht. Aber sehr wohl an meine Gedankengänge: Dass nämlich Nummer eins umso munterer wurde je später der Abend, und ungefähr dann ins Bett ging, wenn Nummer zwei und drei anfingen, auf dem Bett Trampolin zu springen, putzmunter. Ich hatte absolut keine Lust, eine attraktive, langhaarige, junge Blondine, die kaum italienisch spricht, ins italienische Diskoleben einzuführen und nach meiner Rückkehr ohne eine Mütze Schlaf ausgeschlafene Kinder irgendwie ruhig zu stellen, damit Nummer eins hätte schlafen können. Denn – auch das war klar – Nummer eins hätte auf dem Sofa im Wohn-/Esszimmer schlafen müssen. Wo wir eigentlich frühstückten, und dies, zu jener Zeit, spätestens um sieben Uhr. Probleme waren vorprogrammiert, und ich war so egoistisch, Ferien machen zu wollen.
Tatsache ist: Der Schlafrhythmus des Nachwuchses fordert Eltern, und dies nicht nur in der Babyphase. Lange Jahre sind sie sehr früh wach, und am muntersten dann, wenn am Vorabend der Babysitter da und man selber an einer Party war. Irgendwann sitzt man dann plötzlich alleine am Frühstückstisch und die Jugend kreuzt frühestens mittags auf und wärmt sich im Pyjama die Pizzareste vom Vorabend – und wehe, man spricht sie an. Denn wach werden sie nur, weil sie Hunger haben. Dies soll wieder ändern, habe ich gerüchteweise erfahren. Wenn ich Grossmutter werde, dann garantiert.
Wenn ich es mir so überlege, war ich eigentlich etwas phantasielos, als ich damals streikte. Ich hätte nämlich den Vater dieser Kinder mit den beiden jüngeren in das eine Schlafzimmer verfrachten und das andere mit der Grossen teilen können. Dann hätte ich mit ihr abends um die Ecken ziehen und abfeiern können, und dann tüchtig ausschlafen. Wir hätten garantiert eine Menge Spass gehabt, die Grosse und ich. Der Papi hätte die Kleinen aufgenommen und wäre leise mit ihnen an den Strand geschlichen um Sandburgen zu bauen. Aber irgendetwas sagt mir auch heute noch, dass dieser Plan nicht aufgegangen wäre…
Sommerpause: Die besten Blog-Beiträge reloaded
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 20.07.2011
Wandern? Ruhe? Kein Handy-Empfang? Von «gelungenen Ferien» haben Teenager und ihre Eltern jeweils sehr verschiedene Vorstellungen.

Ein guter Kollege bat mich kürzlich, ob ich nicht «bei uns hinten», was heisst: hinten im Verzascatal, für ihn eine Ferienwohnung suchen könne. Er wandere so gerne. Okay, das verstehe ich, und ich bin ja nirgendwo lieber als in der Tessiner Bergwelt. Bloss: Seine Frau stammt aus Südamerika, und er hat drei Kinder zwischen 14 und 20 Jahren, zwei Mädchen und einen Jungen. Mir schleichen sich da also gewisse Zweifel ein. Ich habe ja auch zwei Töchter entsprechenden Alters, und mit den Eltern wandern, das siedeln sie in der Nähe von Zwangsarbeit oder Galeerenhaft an. Wenn sich die Tätigkeit allerdings «Hike» nennt und sie Teil einer Horde wilder Pfadfinder sind, dann marschieren sie tagelang. Sie sind gerne im Verzascatal, meistens für eine Schlafkur, und auch für Ausflüge zu haben. Vor allem nach Canobbio oder Luino, wenn dort Markt ist. Aber abgesehen von kurzen Spaziergängen geht heute nichts mehr, jedenfalls nicht mit uns Oldies.
Die Töchter meines Kollegen sind jünger als meine, trugen jedoch bereits Pumps, als meine noch dachten, dies sei eine Erfindung für ältere Damen wie beispielsweise mich. Sie sind immer tadellos gestylt, wie ihre Mami auch. Und diese liebt die Wärme und die Sonne. Stelle ich sie mir in den Ferien vor, dann irgendwo am Strand. Wenn in der Schweiz, dann in Ascona. Aber sicher nicht in einem Bergdorf, wo nichts, aber auch gar nichts los ist, und auch der Handy-Empfang jede Lust aufs Iphone zum Erlahmen bringt.
Mit kleinen Kindern kann man sich entweder in einen Club absetzen, in dem man nichts mehr zu tun hat, die Kinder kaum zu Gesicht kriegt, aber sich entspannt. Oder man macht Abenteuerferien und reist, (nicht zu) kleine Kinder sind begeisterungsfähig, und gemeinsame Erlebnisse stärken die Familie. Aber rein gar nichts ist ferientechnisch schlimmer als nöhlende, gelangweilte Teenager oder Dauerdiskussionen, weil jeder etwas anderes machen möchte.
Was also tun, wenn man gerne noch Ferien mit seinen Halbwüchsigen verbringen möchte? Damit es erspriesslich wird, müssen sie mitreden dürfen. Keiner wird gerne ferientechnisch vergewaltigt oder in die Pampa verdammt. Alles hat natürlich seine Grenzen, denn unsere ältere Tochter wollte einst unbedingt auf die Malediven, und das lag nicht im Budget. Dieses Jahr gibt es keine gemeinsamen Ferien, und für 2012 ist eine USA-Reise geplant, denn dann sollte auch die Jüngste die Schule geschafft haben, und das ist ein Grund zum Feiern. Ob sie danach noch mit uns verreisen, steht in den Sternen.
Man sollte also reden miteinander. Und so gab ich meinem Kollegen zwar drei Adressen an, erwähnte aber auch, dass er vielleicht doch auch die Ebene ins Auge fassen sollte, mit See und Sonne und Action pur, und keinen hohen Bergen links und rechts. Unsere ältere Tochter findet das Valle übrigens gar nicht mehr so abgelegen, seit sie die Fahrprüfung bestanden hat und somit rasch irgendwo ist – und für ihre Ferien selber aufkommen muss.
von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 06.07.2011
Für Frauen ist die (Intim-)Rasur schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden. Und für Männer?

Wann ist ein Mann ein Mann?
Es surrt eigenartig aus dem Badezimmer, Schmerzensschreie, Kichern. Irgendwann kann ich meine Neugierde nicht mehr bezwingen und stelle fest: Es wird enthaart auf Teufel komm raus.
Es ist nicht so, dass ich rumlaufe wie ein Yeti. Auch ich mag gepflegte Beine, enthaarte Achselhöhlen und eine unbehaarte Bikinizone. Aber ich gerate nicht umgehend in Panik, wenn sich mal ein Haarstöppelchen frühreif wieder an die Oberfläche wagt. Die Jugend schon.
Tatsache ist, dass der totale Kahlschlag angesagt ist, wobei meine Girls, wie sie mir auf Nachfrage hin bereitwillig mitteilen, im Gegensatz zu manchen Kolleginnen nicht den ganz totalen praktizieren. Juckt ja blödsinnig, wenn das nachwächst, finden sie. Finde ich auch. Aber, und auch das erzählen sie mir bereitwillig, sowohl bei Jungs als auch bei Mädchen wird so viel wie möglich rasiert. Ein junger Mann mit Haaren auf dem Rücken, so finden sie, ist das absolut Hinterletzte. Iiiiiii!
Einen solchen Jungen hat ein Bekannter, selber reichlich behaart, ausser, wie so oft, auf dem Kopf. Der Sohn ist ungefähr 16 Jahre alt und sportlich sehr aktiv. Und nun hat der arme Kerl einen Heidenstress wegen seiner Körperbehaarung, auch im Intimbereich, und erst recht mit dem Pelzchen auf dem Rücken. Der Bekannte, irritiert von der Rasiererei seines Sohnemannes, hat bei uns moralische Unterstützung gesucht, und wir haben ihn nach diskreter Rücksprache mit unseren Töchtern beruhigen können. Sohnemann ist nicht transsexuell, sondern völlig normal.
Dass Frauen sich die Körperhaare rasieren, ist nichts Neues. Offenbar geraten nun aber vermehrt auch die Jungs unter Druck, gerade und vor allem, wenn sie nicht zur hellhaarigen Sorte gehören. «Neandertaler», «Monkey» und derartiges müsse sich sein Sohn sagen lassen, seit er in die Pubertät gekommen ist, erzählt der fassungslose Vater. Er hat keine Ahnung, wie er seinem Sohn haartechnisch helfen könnte, und dem ist es zu peinlich, die Mutter zu fragen.
Auch das Selbstbewusstsein des Vaters wankt, denn eigentlich hatte er sich immer attraktiv gefunden, Bartträger, der er ist. Und ich muss ihm Recht geben: Männer mit Körperbehaarung galten zumindest zu meiner Zeit eigentlich als männlicher als die kahlen. Aber wie es scheint, war das einmal, und das neue Männerbild ist so nackt wie das der Damenwelt. So sieht man wohl den Sixpack besser, den ein ordentlicher Mann sich anzutrainieren hat. Das Pendant zu Silikonkörbchengrösse D, offenbar.
Wir Frauen wissen ja, dass wir in Sachen Eitelkeit masslos übertreiben und kaum eine mit ihrer Figur zufrieden ist, Problemzone hier, Problemzone da. Deshalb versuchen wir unseren Töchtern auch ein gelasseneres Frauenbild vorzuleben und sagen ihnen, wie hübsch sie sind.
Leider wird nun aber der Druck auf die Frauen in Sachen Schönheitsideal nicht kleiner, sondern derjenige auf die Männer steigt rasant. Es wird also Zeit, dass wir auch den Jungs ein positives Feedback zu ihrem Äusseren geben, vor allem natürlich, wenn sie in die Pubertät kommen und sich so manches ändert. Wegen seinem Äussern ausgelacht zu werden, ist brutal. Also müssen wir den Jungs beibringen, wie «Mann» sich pflegt.
Wundern Sie sich also nicht, wenn seltsame Geräusche aus dem Badezimmer dringen und ganze Haarbüschel in der Dusche am Boden liegen. Machen Sie ihm keine Vorwürfe von wegen «weibischem Theater», vor allem nicht, wenn Sie der Vater sind. Sollte Ihr Sohn am Rücken Haare haben, dann wäre es supercool, ihm lässig Hilfe anzubieten. Denn die Verrenkungen, dort rasieren zu müssen, stelle ich mir lieber nicht vor. Mir reicht es, wenn ich die Bräunungscrème mit Ach und Krach auf den Rücken kriege.
von: Andrea Strahm am: Freitag, 24.06.2011
Nicht nur die Schülerinnen und Schüler, auch die Lehrer und Lehrerinnen glänzen mit Abwesenheit.

Sind Ferien oder der Lehrer in der Weiterbildung? Leeres Klassenzimmer. (Bild: iStockphoto)
Solange man noch Kinder in der Schule hat, sollte man wirklich nie, niemals etwas schreiben, was gegen die Interessen der Lehrer verstossen könnte. Andererseits: Wenn ich kein Kind mehr in der Schule habe, schreibe ich erst recht nichts mehr über die Schule. Ich wage es also.
Die Baselbieter Lehrer haben dagegen protestiert, dass sie, anders als das restliche Staatspersonal, nicht ebenfalls mehr Freitage erhalten haben.
Die Witze und dummen Sprüche über die Ferien der Lehrerschaft sind abgedroschen und nur noch langweilig, darauf lasse ich mich hier nicht ein. Wer den Lehrern nicht gönnt, dass sie dann Ferien haben, wenn keine Schule ist, der soll selber unterrichten. Die Schüler benötigen zwölf Wochen Ferien, und die Lehrer können sich ja nicht gegenseitig unterrichten, damit sie auch bloss vier oder fünf Wochen Ferien haben, wie Otto Normalverbraucher. Zudem sind es nicht volle zwölf Wochen, weil Lehrkräfte ja noch mit Weiterbildung beschäftigt werden.
Allerdings sollten Lehrkräfte dann, wenn die Schülerinnen und Schüler Unterricht haben, auch anwesend sein. Was sie nicht sind – und wir reden hier nicht von Krankheit. Eine meiner Töchter kam in einem Schuljahr auf fünf verschiedene Biologielehrer wegen Altersentlastung, Jubiläum und sonst irgendeinem Grund, den wir Eltern nicht erfuhren. Man kann sich unschwer vorstellen, dass der Stoff so kaum vermittelt werden konnte. Die andere Tochter musste kürzlich einen Vortrag halten, in einem Hauptfach, ein Jahr vor der Matur – vor einer Vertretung. Sie hatte sich viel Mühe gegeben, wollte gerade dieser Lehrerin, die sie an der Matur prüfen würde, zeigen, was sie kann. Und musste dann feststellen, dass «nur» eine Aushilfe da war. Einmal mehr, wie sie enttäuscht sagte.
Auch wenn eine Vertretung noch so gut instruiert wird – der Stoff kann so nicht abschliessend und vollständig vermittelt werden. Aushilfen sind zudem häufig nur mässig motiviert und bringen die Stunde bloss irgendwie hinter sich – sie müssen die Folgen ja nicht tragen. Für die Schülerinnen und Schüler ist dies schlecht. Aber nicht nur: Wenn die Lehrkräfte heute vermehrt über disziplinarische Probleme berichten, dann muss man ihnen leider auch ein wenig den Spiegel vor die Nase halten. Ein Unterricht, bei dem immer mal wieder mit Abwesenheit geglänzt wird, ist nicht nachhaltig. Nimmt der Lehrer die Vermittlung des Stoffes nicht ernst – wie sollen es dann die Schülerinnen und Schüler?
Dass der Lehrer früher eine andere Stellung hatte, lag auch an seinem Auftritt. Mussten wir nachsitzen, sass auch er da, bis es ausgestanden war. Keiner wäre auf die Idee gekommen, dass der Lehrer nichts anderes ist als ein normaler Angestellter, der möglichst oft «frei» haben will. Sonst wäre seine Autorität rasch im Eimer gewesen. Deshalb: Liebe Lehrer, fordert mehr Lohn oder weniger Weiterbildung, aber seid da, wenn die Kinder da sind. Euch und den Kindern zuliebe. Danke.
von: Nicole Althaus am: Freitag, 17.06.2011
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Wenn Sender und Empfänger nicht dasselbe wollen: Konversation mit einem Teenager.

Schweigen ist eben nicht immer gold(ig).
Irgendwann ist man schon so lange Mutter und denkt, man hat alles gesehen, da kommt nichts mehr, was einen aus der Fassung bringen könnte. Alles schon gehabt, schlaflose Nächte, endlose Tage, grundloses Glück, sinnloser Zoff. Doch dann kommt die Tochter eines Tages von der Schule heim und sagt einfach nichts. Nicht einmal das übliche «Was gibt’s?» am Mittag. Nein, sie markiert ihre Präsenz mit angenervtem Schweigen und spart ihre Worte, als seien sie kontingentiert, für den nächsten Anruf einer Freundin auf.
Das ist total normal, tröstet man sich, so sind Teenager nun mal. Aber fühlen tut man sich trotzdem ein bisschen wie damals in der Krabbelgruppe, als all die anderen süssen Fratze schon so was wie «Mammamma» zustande kriegten und der eigene unbeeindruckt weiter schwieg, als handle es sich beim Spracherwerb um eine freiwillige Angelegenheit: Man redete und redete und wartete, gespannt zuerst, dann ungeduldig und zuletzt doch ziemlich angespannt auf das erste Anzeichen einer kommunikativen Kontaktaufnahme seitens der Tochter.
Nun, in der Pubertät wiederholt sich diese mütterliche Einwegkommunikation: Sie besteht aus einem Sender, der viel sagt und gern viel hören würde, und einem Empfänger, der weder etwas hören noch etwas sagen will.
Nicht nur innerfamiliär übrigens ist die Kommunikation zäh wie Kaugummi. Kolumnen? Eltern-Magazine? Blogs? Die drehen sich alle fast ausschliesslich um die ersten Jahre mit den Kids. Selbst befreundete Eltern, die früher immer ein Episödchen vom Nachwuchs zum Besten gegeben haben, sind plötzlich wortkarg. Teenager sind offenbar einfach nicht unterhaltsam genug, im wahrsten Sinne des Wortes. Wirklich hilfreich sind in diesen Tagen auch die geschwätzigen Sites mit den Tipps für den Umgang mit Teens nicht: «Bleiben Sie im Gespräch!», rät man da allenthalben. Ja, das will ich doch! Aber dafür müssen Sender und Empfänger ab und zu ihre Rollen tauschen. Versuche ich es also damit: «Machen Sie keine Vorwürfe, zeigen Sie Ihr Interesse». «Schätzchen», wende ich mich an Tochter I, «Schätzchen, es interessiert mich, was du nach der Schule Spannendes gemacht hast, dass du so spät nach Hause kommst.» Tochter I guckt kurz hoch, legt ihre babyglatte Stirn dramatisch in Falten und schweigt. Ihr Blick allerdings sagt mehr als tausend Worte. Zusammengefasst und auf das Wesentliche gekürzt: «Du nervst!»
Ich lasse ihr also, das ein anderer Tipp einer weiteren einschlägigen Site, ihren Freiraum, schweige meinerseits und lese die Zeitung. Am Abend setze ich mich zu ihr ans Bett, wie immer, und setze zum letzten Gesprächsversuch an. Was ihr denn am heutigen Tag besonders gefallen oder missfallen habe, frage ich.
«Nichts», antwortet sie.
Na, das ist doch ein Anfang.
von: Andrea Strahm am: Dienstag, 31.05.2011
Es kommt der Tag, an dem das Kind die Bezeichnung «Mami» und «Papi» als kindisch empfindet.

Jaja, wenn es ums Wäsche waschen geht, dann muss das Mami her!
Ich bin s Mami. Wir Schweizer Mütter sind, nebenbei bemerkt, nämlich sächlich für die Kinder, was mich nicht stört. Etwas Weiblicheres als eine Mutter kann es eh nicht geben, das Mami hin oder her. Andere Kinder nennen ihre Mütter Mutti, Mueti, oder Mamme, je nach Region und Sitten. Nochmals andere Mütter sind für ihre Kinder die Clara oder Paula. Mit den Papis, Babbes oder Vatis ist es genau gleich, bloss, dass die nie sächlich sind. Aber auch die Väter sind mancherorts der Paul oder Yvo, und zwar in biologisch völlig unverdächtigen Familien ganz ohne Patchwork.
Für unsere Töchter sind wir also Mami und Papi – bei unseren besten Freunden ist es genau umgekehrt. Dabei sind deren Kinder exakt gleich alt wie unsere und wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen, und auch sie waren früher s Mami und dr Papi. Aber irgendwann in der Pubertät der Jungs wurden sie schleichend zu Franziska und Frank. Kürzlich schlenderte nun einer der Einmeterneunzig-Teenies locker an uns vorbei und liess ein «Frank, ich nehme dann heute das Auto» fallen. Ich muss zugeben: Das tönte unglaublich cool.
Deshalb hat es mich interessiert, wie das nun eigentlich für die heutige Jugend ist. Wir hatten früher ja nie die Wahl. Hätte ich meine Mutter Elsbeth genannt, ich hätte wohl auch als Sechzehnjährige noch eine Ohrfeige kassiert. Hätten mich meine Töchter hingegen Andrea nennen wollen, hätte ich es klar akzeptiert. Aber sie taten es nicht.
Auf meine Frage hin erklärte meine jüngere Tochter kurz und bündig, es gäbe für sie nur eine Mami, aber Andreas kenne sie einige. Deshalb sei ich für sie ein für alle Mal die Mami und basta. Die ältere differenzierte. Irgendwann käme man in ein Alter, in dem Mami uncool sei. Sie störe es nicht, wenn sie mich anspreche, aber andern gegenüber sage sie nicht mehr s Mami, sondern meine Mutter. Meistens kürzen beide Töchter ab, nennen uns Ma oder Pa. Generell scheint, dass es für Jungs eher ein Problem ist, die Mutter öffentlich Mami zu nennen, denn das ist wohl ziemlich unmännlich.
Irgendwie kann ich das nachvollziehen. Spreche ich mit Kollegen meiner Kinder über deren Eltern, sage ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr Mami, sondern den Vornamen. Frage also nach, wie es der Stephanie geht und lasse einen schönen Gruss an den Peter ausrichten. Bin ich mit den Eltern per Sie, dann sage ich Deine Mutter oder Ihren Vater, je nachdem, ob ich den Kollegen duze oder sieze. Einem Zwanzigjährigen kann ich wirklich nicht mehr sagen, er solle dem Mami doch bitte etwas ausrichten.
Sollte man das nun von Anfang an anders nageln, damit diese Fragen gar nicht erst auftauchen? Die Beziehung zu unseren Kindern wäre garantiert keinen Deut anders, wenn wir für sie Andrea und André wären.
Mir ist es eigentlich ganz wohl mit Mami, denn das zeigt allen, dass ich die Mutter dieser beiden Mädels bin, und nicht bloss irgendeine Kollegin. Bin ich etwa eine stolze Henne? Vermutlich. Andererseits: Würden sie mich mit dem Vornamen ansprechen, würde mich das etwas jugendlicher machen. Auch nicht schlecht. Aber, unter uns gesagt, der Mutterstolz überwiegt. Und wie halten Sie es – Kollegin oder Gluckhenne?
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