«En Chlapf zur rächte Zyt» – Strafen früher und heute

von: Rita Angelone am: Dienstag, 28.02.2012

Schaue ich zurück auf meine Kindheit und auf die Art und Weise, wie ich von meinen Eltern bestraft wurde, stelle ich fest, dass sich manches verändert hat.

Wurden früher Kinder «härter angefasst» im überlieferten Glauben, dass bisweilen auch körperliche Züchtigung notwendig sei, um den Gehorsam aufrechtzuerhalten, stellen wir heute den ominösen «Chlapf zur rächte Zyt», der noch keinem Kind geschadet habe, doch vermehrt in Frage.

Das Strafverhalten hat sich in den letzten Jahren zwar verändert, ist aber immer noch nicht völlig frei von Körperstrafen. Dies besagt eine Studie zur Entwicklung des Bestrafungsverhaltens von Erziehungsberechtigten:

  • Die meist verbreitete Strafform ist das Schimpfen. Kinder werden zur Strafe aber auch gerne ins Bett oder ins Zimmer geschickt oder erhalten Fernseh-, Nachtessen- oder Dessertverbot und bisweilen auch Hausarrest. Kindern wird auch mit Schlägen gedroht und es wird auch heute noch angegeben, dass Kinder geohrfeigt oder geschlagen werden – bisweilen auch mit Gegenständen.
  • Grundsätzlich strafen Eltern heute eher mit Verboten und Liebesentzug als mit Körperstrafen.
  • Kinder zwischen 2.5 und 4 Jahren sind Körperstrafen am häufigsten ausgesetzt. Von diesem Alter an sinkt die Häufigkeit kontinuierlich.
  • Knaben müssen eher mit Körperstrafen rechnen als Mädchen.
  • Väter wenden häufiger verbietende Massnahmen an, während Mütter eher zur Bestrafung durch Liebesentzug neigen.
  • Belastete Eltern, die in ihrer Jugend körperlich bestraft wurden, wenden häufiger Körperstrafen an

Alles in allem hat im Bereich der Bestrafung eine gewisse Sensibilisierung stattgefunden und die Anzahl Eltern, die von der Körperstrafe Gebrauch machen ist in den letzten Jahren gesunken.

Bei den häufigst genannten Strafanlässen hat sich hingegen kaum etwas geändert: Bezüglich der jüngsten Kinder ist Ungehorsam nach wie vor ein wichtiger Auslöser, gefolgt von häufigem Schreien, schlechten Tischmanieren und Unhöflichkeit.

Doch was bewirken Strafen überhaupt?
Nur wenige Eltern geben an, dass sie mit dem Strafen ihre Ziele erreichen. Kinder brauchen zwar klare Grenzen, benötigen für ihre Entwicklung aber besser mehr Wegweiser, die ihnen die Richtung angeben anstelle der vielen Verbotsschilder, die nur das Negative betonen. Ausserdem erhalten Kinder durch Strafen gar noch mehr Aufmerksamkeit für ihr unerwünschtes Tun. Das unerwünschte Verhalten kann dadurch sogar an Attraktivität gewinnen.

Wenn Strafen ein effizientes Mittel wären, müssten sie also nicht so häufig angewendet werden! Dennoch: In ihrer ganzen Wut, Enttäuschung und auch Überforderung scheinen alle Eltern wider besseren Wissens und entgegen allen gesellschaftlichen Wandels immer wieder zu diesem letzten aller Mittel zu greifen oder greifen zu müssen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir uns immer wieder ganz bewusst Gedanken machen, weshalb und wie wir unsere Kinder strafen, ob und was es uns allen wirklich bringt und welche andere Handlungsptionen uns zur Verfügung stehen.

Wie haben Sie es mit dem Strafen? Welches Strafverhalten legen Sie an den Tag? Mit welchem Resultat?

Quellen:
• Bestrafungsverhalten von Erziehungsberechtigten in der Schweiz:
www.rwi.uzh.ch/elt-lst-buechler/famr/kindesschutz/de/.../pdf4.pdf

www.stoppkindesmisshandlung.ch/seiten/strafen.php

Freche Kinder und «blinde» Eltern

von: Désirée Seuret am: Freitag, 30.12.2011
Tags: AnstandBenehmenErziehungKindRespekt

Auch die eigenen Kinder sind nicht perfekt. Das sollten sich Eltern eingestehen und deren unflätiges Benehmen nicht schön reden.

Selbstbewusster Bursche oder Arschloch-Kind? Junge auf Kinderstuhl. (Bild: iStockphoto)

Mit den sinkenden Temperaturen steigt mein Bedürfnis nach warmen Winterstiefeln. Bekanntlich tun sich Frauen nicht schwer mit Schuhekaufen. So bin auch ich kaum im Laden schon am Anprobieren. Kuschelig gefüttert, das Stiefelrohr bis unters Knie und ganz viele Häkchen für die Schuhbändel. Da so viel Schuhbinden im Stehen umständlich ist, setzte ich mich auf einen – für die Kundinnen vorgesehenen – Hocker. 

Inmitten meiner Schnürarbeit werde ich unterbrochen: «Das ist meiner!» Hm? Verwirrt blicke ich auf und in die grimmigen Augen eines halbwüchsigen Jungen. Aber die Schuhe kann er nicht meinen? Nein, es geht um den Hocker. «Geh‘ weg!» Bitte was? Der Kleine schnauzt mich in einem giftigen Ton an, als sei ich ein Strassenköter, den er aus seinem Sandkasten verscheuchen will. Das sei sein Hocker! Die Mutter des Jungen blickt zwischen den Regalen hervor und meint: «Er weiss halt, was er will.» Dem Frieden zuliebe gebe ich den Hocker frei. Und als Dank streckt mir der Kleine die Zunge raus! Michael Mittermeier würde sagen: «Das ist ein richtiges Arschloch-Kind.» Aber nein, es ist doch nur ein Junge, der halt weiss, was er will. Pha!

Es scheint mir ein Phänomen zu sein, dass Eltern ihr Kind nur als gutes Wesen sehen. Das eigene Kind drängelt sich beim Anstehen nie vor – es will nur, dass es speditiv vorwärts geht. Das eigene Kind mobbt auch keine Mitschüler – es ist nur sehr aufgeschlossen. Das eigene Kind ist anständig und lieb – schliesslich hat man es ja gut erzogen!

Reden sich Eltern ihre Kinder «schön», weil sie sonst das Gefühl haben, in der Erziehungsfunktion versagt zu haben? Jedes Kind ist ab und zu frech. Deshalb haben Eltern noch nicht versagt. Aber wenn sie ihr Kind im Glauben lassen, es sei okay, jedem die Zunge rauszustrecken, kommen bei mir Zweifel an den erzieherischen Kompetenzen auf. Eltern haben ihrem Kind Anstand und Respekt zu lehren. Wenn sie sich die Frechheit ihres Kindes schön reden, dann haben sie versagt. Finde ich. 

Mein Kind werde ich dereinst lieben, aber trotzdem nicht durch die Rosabrille betrachten. Wenn es der Charcuterieverkäuferin nicht «danke» für das «Redli» sagt, ist es nicht scheu, sondern unhöflich. Und wenn es sich im Schuhladen nicht benimmt, werde ich mein Kind zurechtweisen.

 Autorin 
Désirée Seuret studiert Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW in Winterthur und ist kinderlos – wenn man «das Kind in der Frau» nicht beachtet.

«Mein liebes Kind, du sollst doch nicht rauchen!»

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Montag, 12.12.2011

Rauchen ist cool, rauchen ist rebellisch, rauchen ist erwachsen. Das möchten viele Jugendliche ausprobieren. elternplanet.ch gibt Anregungen und Tipps, damit es bei einem Versuch bleibt.

Fast jeder tut es einmal. Oft einfach aus Neugier, oder um cool zu sein, zur Gruppe dazu zu gehören. Wenn Eltern ihre Kids mit der ersten Zigarette erwischen, gibt es meistens ein riesiges Donnerwetter, Streit, Strafen oder Hausarrest. Wie kann man Kinder davor bewahren, nicht mit rauchen anzufangen? Geht das überhaupt? Wann fängt gute Prävention an und bringt sie etwas? Was tun, wenn das eigene Kind plötzlich raucht?  

«Ich will Pizza!»

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Freitag, 09.12.2011

Pizza, Pommes & Co kommen bei den Kids immer gut an. Kommt hingegen «Grünzeug» auf den Tisch, wird gemäkelt und gemotzt. Was kann man dagegen tun?

Gibt's Pizza, Pommes oder Pasta, braucht es keine langen Überredungskünste - das schaufeln die Kids wie wild in sich rein und im Nu sind die Teller leer. Bei Kohlrabi, Zucchini, Spinat oder Erbsen gibt's hingegen lange Gesichter. Zuerst wird gemotzt, dann verhandelt und am Schluss meistens gestreikt oder das Essen verweigert! Das Mittag- oder Abendessen wird zum Debakel – Mutti uns Vati sind genervt, die Kids ausser Rand und Band! Wie bringt man die lieben Kleinen dazu, auch mal etwas «Gesundes» in den Mund zu nehmen und das dann auch dort drin zu behalten? Kathrin Buholzer gibt in diesem Video ein paar Tipps und Tricks.

Mehr Infos findet ihr auch hier: Mehr Infos findet ihr auch hier:
http://www.elternplanet.ch/elternplanet-magazin/ernaehrung.html 

Lustige Bilderbücher zum Thema «Essen/Ernährung» findet ihr im Shop:
http://www.elternplanet.ch/erziehung-mit-fantasie/buchtipps-kinder.html

Hilfe, mein Kind kann sich nicht alleine beschäftigen!

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Donnerstag, 01.12.2011

Was tun, wenn Kinder die ständige Aufmerksamkeit der Eltern wollen, nichts alleine tun können? elternplanet.ch gibt Anregungen und Tipps.

"Keine Minute kann ich den Kleinen aus den Augen lassen, schon fängt er an zu weinen. Den ganzen Tag klebt er an mir, ich kann kaum mal alleine auf die Toilette gehen." Was tun, wenn Kinder die ständige Aufmerksamkeit der Eltern wollen, nichts alleine tun können? Wie kann man Kinder zu mehr Selbstständigkeit erziehen. Kathrin Buholzer gibt ein paar Antworten auf diese Fragen.

Kinder vor der Glotze (Wie viel TV Konsum ist gesund?)

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Freitag, 25.11.2011
Tags: ErziehungFernsehenKinderTV

Ist der Fernseher als Babysitter geeignet? Sollen Kinder überhaupt Fernsehen schauen? Und wenn ja, wie lange? elternplanet.ch gibt Anregungen zum Thema.

Ach wie praktisch! Einfach die Glotze einschalten und die Kids sind parkiert, ruhig gestellt und die Mama hat mal etwas Pause. Wie viel TV Konsum aber ist gesund? Ab welchem Alter dürfen die Kinder überhaupt vor den Fernseher? Sollen Kinder überhaupt Fernseh schauen und wenn ja, wie lange? Kathrin Buholzer erzählt von persönlichen Erfahrungen und gibt Tipps und Anregungen zum Thema.

Die bröckelnde Front

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 16.11.2011

Kinder nutzen es aus, wenn sich Eltern in punkto Erziehung nicht einig sind. Ist das wirklich ein Problem?

Sind sich meist nicht einig: Lynnette und Tom Scavo in «Desperate Houswives».

Nesthäkchen war sauer. STINKESAUER. Ich hatte sie verdächtigt, die herrschende Regelung, dass sie spätestens mit dem letzten Tram nach Hause zu kommen hat, mit einer Übernachtung bei der Freundin umgangen zu haben. Zwei, drei Dinge gingen nicht auf, die Schwester hatte sich verplaudert (und sofort alles wieder zurückgenommen), und Mütter haben eh einen siebten Sinn. Das hatte ich ja auch bei meiner damals leidvoll erfahren. Röntgenblicke hatte die.

Also war Nesthäkchen nun zu Tode beleidigt und trug das auch zur Schau. Entweder zu Unrecht verdächtigt oder durchschaut, wer weiss das schon. Denn ich verzichtete auf Folter und Lügendetektoren und sagte bloss, dass ich das nicht in Ordnung fände. Wenn es so gewesen sein sollte.

Beim Abendessen fiel das todunglückliche Schweigen der Kleinen natürlich auf und umgehend bildete sich eine Front gegen mich. Dass die Schwestern zusammenhalten wie Pech und Schwefel, das bin ich gewohnt, und dass der Freund der Grossen sie nicht im Regen stehen lässt, ist ebenfalls klar. Aber dass sich auch der letzte im Bunde, der Vater der Verdächtigen, gegen mich verschwor, das war dann doch hart. Er zerschmolz vor Mitleid mit dem armen Mädchen, und besagtes armes Mädchen zog natürlich alle Register.

Nun ist das nicht neu. Schon als die Kinder klein waren, hat er meine Erziehungsversuche regelmässig torpediert, und das nützen Kinder natürlich schamlos aus. Und fühlen sich dabei unwohl, denn eigentlich wissen sie ja ganz genau, dass das Mami nicht ganz Unrecht hat. Zudem führte das zu Streit zwischen meinem Mann und mir, und das ist erst recht nicht gut für die Kinder, die sich dann schuldig am Streit fühlen.

Ich sprach also unter vier Augen mit ihm. Sein Argument: Seine Eltern seien sich immer absolut einig gewesen, eine starre Wand, kein Durchkommen. Und er habe sich als Kind derart klein, nichtig und hilflos gefühlt, das sei schrecklich gewesen. Das wolle er seinen Kindern nicht antun, deshalb stelle er sich zuweilen gegen mich. Als Anwalt der Kinder, sozusagen. Aber dass das nicht gut ausgeht, war auch ihm klar.

Wir stellten dann die Regel auf, dass der Elternteil, der Zuhause ist, das Sagen hat, oder, wenn beide Zuhause sind, derjenige, der als Erster etwas gefragt wird oder etwas anordnet. Das klappte. Er hielt sich zurück, wenn ich «Mais» mit den Kindern hatte, und umgekehrt sagte ich nichts, wenn er am Diskutieren war.

Bis eben kürzlich: Ich stand da und focht gegen Nesthäkchen mit drei Bodyguards – ein völlig sinnloses Unterfangen. Kommt dazu, dass die Letzte-Tram-Regel eh nur bis zur Volljährigkeit gilt, und sie wird im nächsten Januar 18 Jahre alt. Lächerlich also, im Oktober noch Rambazamba zu machen. Also sagte ich dem Feindeslager, ich würde mich ab sofort raushalten. Nesthäkchen solle in Zukunft nur noch mit dem Papi abmachen, wann und wie sie nach Hause komme. Von mir aus könne man den Geburtstag auch vorverschieben, ich hätte keine Lust, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Das hat sich als sehr gute Idee erwiesen. Als die Kleine nämlich kürzlich im  Ausgang war, ging ich sorglos früh schlafen. Und als der Papi des unterdrückten Kindes auch ins Bett kommen wollte, wies ich ihn nur kurz und freundlich darauf hin, dass ja er nun zuständig sei und sicher abgemacht habe, wann und wie Nesthäkchen heimkomme. Was er natürlich völlig vergessen hatte. Ziemlich sauer tippte er erfolglos SMS an SMS in sein Handy und verschwand schliesslich vor den Fernseher. Ich schlief ausgezeichnet. Sie  kam im Übrigen mit dem letzten Tram nach Hause.

«Dumme Kuh, Arschloch, doofe Nuss»

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Dienstag, 15.11.2011

Aufgeschnappt in der Schule, bei Freunden oder im Fernsehen finden Schimpfwörter ihren Weg in den Alltag der Kinder. elternplanet.ch gibt Tipps zum Umgang damit.

Was tun, wenn die Kleinen das erste Mal der Oma «blöde Kuh» austeilen? Wie damit umgehen, wenn sich Schimpfwörter so langsam in den Alltag schleichen und plötzlich zum Standart werden? Ignorieren, schimpfen oder eine Strafe verhängen? Kathrin Buholzer gibt ein paar Tipps und Anregungen zum Umgang mit Schimpfwörtern.

Wunschtag reloaded

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Dienstag, 08.11.2011

Streit und Eifersüchteleien zwischen Geschwistern können anstrengend werden. elternplanet.ch gibt Tipps, um die Lage zu entschärfen.

«Ich will zuerst!» – «Wieso kriegt der immer das grössere Stück Kuchen?» – «Das ist gemein, immer darf sie zuerst auswählen.» Streitereien und Eifersuchtsszenen unter Geschwistern gehören zur Tagesordnung. Das nervt und ist anstrengend. Kathrin Buholzer erklärt, wie der Wunschtag dieses Problem lösen kann.

Aufräumen

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Dienstag, 01.11.2011
Tags: DrohungenErziehungKinder

Niemand macht es wirklich gerne, und Kinder wohl am allerwenigsten. elternplanet.ch gibt Tipps, damit es trotzdem klappt.

«Wenn du jetzt nicht sofort deinen Saustall aufräumst, dann!...» – Ja, was dann? Spielsachen bei Ebay versteigern? Ohne Essen ins Bett? Zum Fenster rauswerfen? Oder einfach selber aufräumen? Es gibt kein Patentrezept, damit Aufräumen mit Kindern immer klappt. Seien wir ehrlich: Wer tut das schliesslich schon gerne? Kathrin Buholzer erklärt einige kleine Tricks, die ganz hilfreich sein können.

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