«Ich will Pizza!»

von: In Zusammenarbeit mit Kathrin Buholzer am: Freitag, 09.12.2011

Pizza, Pommes & Co kommen bei den Kids immer gut an. Kommt hingegen «Grünzeug» auf den Tisch, wird gemäkelt und gemotzt. Was kann man dagegen tun?

Gibt's Pizza, Pommes oder Pasta, braucht es keine langen Überredungskünste - das schaufeln die Kids wie wild in sich rein und im Nu sind die Teller leer. Bei Kohlrabi, Zucchini, Spinat oder Erbsen gibt's hingegen lange Gesichter. Zuerst wird gemotzt, dann verhandelt und am Schluss meistens gestreikt oder das Essen verweigert! Das Mittag- oder Abendessen wird zum Debakel – Mutti uns Vati sind genervt, die Kids ausser Rand und Band! Wie bringt man die lieben Kleinen dazu, auch mal etwas «Gesundes» in den Mund zu nehmen und das dann auch dort drin zu behalten? Kathrin Buholzer gibt in diesem Video ein paar Tipps und Tricks.

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Revolver-Girls

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 23.11.2011

Frauen, die gerne schiessen, stossen auf wenig Verständnis für ihr Hobby. Warum nur?

Nicht schiesswütig: Girls mit Knarren.

Wir sind eine friedliche Familie, eigentlich. Als Pazifisten würde ich uns zwar nicht bezeichnen, denn die sind ja aktiv, demonstrieren und dergleichen. Aber wir sind keine Freunde von Kriegsgerassel, Machtdemonstrationen, militärischem und pseudo-militärischem Gebaren. Dies nur so zur Klärung. Denn: Meine Töchter schiessen gerne und gut. Vielleicht schiessen sie gerne, weil sie es gut können, das wären dann mildernde Umstände, sozusagen. Dass man mit einem Schiesseisen theoretisch jemanden töten könnte, geht ihnen dabei so wenig durch den Kopf wie mir eine tödliche Messerstecherei, wenn ich ein Stück Brot abschneide.

Die Ältere fing damit an, und zwar schon im Primarschulalter. Irre, wenn man beim Ballern am Messestand besser ist als das Mami, trotz Schemel und allen möglichen Stützen. Dem Mami wäre es auch nie in den Sinn gekommen zu schiessen, das war der Papi. Aber das Mami musste dann halt auch. Lustig, wie der Standbetreiber in Deckung ging, nach dem ersten Schuss, aber lassen wir das.

Ich treffe absolut gar nichts, womit auch immer, Schiesseisen, Pfeile, Bälle. Meine Mutter prügelte mich jahrelang absolut erfolglos ins Tennistraining, der Trainer hat in seiner Karriere garantiert nie eine unfähigere Schülerin gehabt. Aber meine schlagkräftige Mutter war unerbittlich. Zudem schoss sie Kleinkaliber, und traf auch dort. Das ersparte sie mir immerhin. Ich tanze lieber, ganz der Papi.

Und nun meine Töchter, die nach der Oma und ihrem Papi geraten und alles treffen. Und nicht gerne tanzen. Das ist zwar ein Elend, aber man soll die Kinder ja dort abholen, wo sie sich befinden, und so sorgte ich dafür, dass meine Grosse mit 15 Jahren in den Schützenverein ballern gehen konnte.

Das ging in die Hose, denn dort traf sie zwar auch alles, aber auch auf Pseudo-Machos, die, wie leider zuweilen üblich, vor allem durch blöde Sprüche glänzten. Also brach sie die Übung ab und wurde keine Gaby Bühlmann. Ihre jüngere Schwester verzichtete gleich auf die Jungschützen und ballert sich so durch die Herbstmessen. Dass auch sie es kann, konnte ich am 1,5 Meter grossen Plüschbären mit Banane am Ohr sehen, den sie heimschleppte, und der nun alles versperrt. Ebenso wie ein überdimensionales Plüschherz, auf dem «I love you» steht.

Soweit, so gut. Nun werden sie aber immer wieder angefeindet. Das tue man nicht, das sei Vorbereiten zum Töten und der Dinge mehr. Einem Jungen sieht man es nach, wenn er «seine Hörner» abstösst und mit Spielzeugpistolen und dergleichen rumhantiert. Dies taten meine Töchter hingegen nie. Wenn schon, würde sie der Schiesssport interessieren, aber das geht manchen nicht in den Kopf. Warum, ist mir schleierhaft. Denn anders als beim Softball-Ballern und andern Männer-Spielen und Games zielen sie nie auf Abbildungen von Menschen oder Tieren, sondern ausschliesslich auf Zielscheiben, fahrende Motive, aufgehängte Medaillons und dergleichen. Sie haben beide eine ruhige Hand und treffen meistens, was ihnen vor allem auch im männlichen Lager Anerkennung bringt. Aber nicht bei den andern Mädchen, und schon gar nicht bei den andern Müttern.

Was ist denn «schlimmer», mit einem untauglichen Ding auf Menschen zu zielen? Oder mit einem richtigen Schiesseisen auf eine Zielscheibe?  Meine Töchter interessiert nur das zweite, und je älter sie werden, umso weniger interessiert sie, was die anderen Leute denken. Das immerhin ist ein gutes Zeichen.

Die Znüni-Plage

von: Monique Brunner am: Donnerstag, 10.11.2011

Kaum im Kindergarten wird meine Tochter zur Nahrungsmittel-Neurotikerin. Warum bloss teilt man Esswaren in rot, grün und gelb ein?

Es gibt Süssem Saures: Das Znüni-Monster.

«Ich will nie wieder was Süsses in meiner Znüni-Box haben», schimpfte meine Tochter, als sie nach Hause kam. «Nie wieder.» «Nie mehr.» Eigentlich hätte ich Halleluja rufen sollen, denn meine Tochter ist ein süsser Zahn. Aber genau deshalb war ich beunruhigt.

Was war geschehen? Ich hatte es gewagt, die Ernährungstipps des Bundesamtes für Gesundheit zu ignorieren und meinem Mädel anstatt eines gesunden Apfels ein muntzigkleines, ein Fünfliber-kleines Biberli (wohlgemerkt: neben Vollkornbrötchen und Gurkenschnitzen) als Snack in den Kindergarten mitzugeben.

Nichtsahnend hatte meine Tochter dieses um 10.05 Uhr hervorgekramt und zu essen begonnen, als das Geschrei ihrer Gspändli losging. «Sie hat was Süsses, sie isst was Süsses!!!!!!!!!»,trompeteten die Zweitkindergärtler, die in unmittelbarer Nähe meiner Tochter sassen. Die Kleine erstarrte vor Schreck und warf das angebissene Biberli sogleich wieder in ihre Box − so zumindest habe ich es in ihrer Znüni-Tasche vorgefunden.

Sie war beleidigt und wütend auf mich: Ich hatte sie ins Messer laufen lassen. Fortan fragte sie, was ich in ihre Znüni-Box gelegt hatte und ob es denn wirklich alles «grüne» Sachen seien. Grün heisst nämlich: gut, gesund und zahnschonend. Gelb ist schon nicht mehr so toll, davon gibt’s Löcher. Und Rot, da holt einen der Teufel.

Meine Tochter hatte bis anhin ein recht unverkrampftes Verhältnis zum Essen. Sie wusste, dass sie Salat und Gemüse nicht mochte. Dass sie davon aber mindestens ein, zwei Bissen essen musste. Sie wusste, dass es Süssigkeiten nur in Massen gab, und dass sie Früchte essen durfte, soviel sie wollte – mit einer Ausnahme: keine Banane unmittelbar vor dem Znacht.

Die Idee des gesunden Znünis im Kindergarten und in der Schule, um «eine Reduktion der Karies bei Kindern herbeizuführen und das Trink- und Essverhalten in eine gesunde Richtung zu lenken», finde ich löblich. Wieso aber eine frische Aprikose (grün) gesünder sein soll als eine getrocknete (gelb), begreife ich nicht. Auch nicht, dass eine Banane für ein Kindergartenkind schlechter sein soll als für ein Schulkind. Welche Logik auch immer dahinter steht: Ich stelle mit Bedauern fest, dass sich meine Tochter zur kleinen Neurotikerin mit Ampel-Essverhalten entwickelt, und das finde ich alles andere als gesund.

Gewichtige Eingriffe

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 02.11.2011

Adipös, pummelig, dünn, magersüchtig. Wann besteht eigentlich Handlungsbedarf?

Kampfzone Gewicht: Mädchen auf der Waage. (Foto: iStockphoto)

Wir reden nicht von den Extremen – wenn der Kinderarzt oder die die Ärztin aufschreit, dann ist der Fall ja klar. Aber die Entwicklung bahnt sich langsam an. Ab wann muss man reagieren, wenn das eigene Kind langsam aber sicher allzu pummelig oder dünn wird? Soll man eingreifen, soll man schweigen?

Als meine Töchter zwischen 12 und 15 Jahre alt waren, nahmen sie einmal eine Freundin mit in die Skiferien, die altersmässig etwa dazwischen lag. Das Mädchen trank literweise Orangensaft, rümpfte über das Essen die Nase und ass fast nichts. Ich fragte sie, was ihr denn schmecke, und da kam es aus: Sie fand sich zu dick. Dabei schlotterten die Kleider nur so an ihr rum. Ich widersprach und schaute der Sache noch ein, zwei Mahlzeiten lang zu. Schliesslich sprach ich Klartext: dass sie im Wachstum sei, richtig essen müsse, sie sonst nicht mehr wachsen würde. Und dass ihre schönen Haare leiden und die Fingernägel abbrechen, wenn sie nicht richtig isst. Riesenaugen glotzten mich erschrocken an. Und ich schlug vor, dass sie nun einfach mal nach Herzenslust essen solle, und  wenn sie 18 Jahre alt und aus der Wachstumsphase sei, würde ich mit ihr vor den Spiegel stehen und wir würden zusammen schauen, wo sie zu dick sei und ob Handlungsbedarf besteht.

Zu meiner Verblüffung klappte das, sie ass, und als wir sie ablieferten, passte sie noch immer in ihre Kleider. Heute ist sie längst volljährig, hat eine super Figur, und ich habe nie mit ihr vor den Spiegel stehen müssen.

Tatsache ist allerdings, dass ihre Mutter damals nicht gefunden hat, sie sei zu dünn. Selber immer pummelig machte diese Diät an Diät und impfte ihrer Tochter ein, dass man nicht früh genug mit Aufpassen anfangen könne, denn Abnehmen sei unglaublich schwierig, wenn nicht unmöglich.

War sie also zu dünn, oder war sie es nicht? Hätte sie normal gegessen, wäre mir wohl nichts aufgefallen – manche Kinder sind halt einfach Spargeln. Es war das Essverhalten, was mir auffiel.

Ein Nachbarskind hatte ebenfalls eine Mutter, die ständig Diäten machte und ihren Kindern ganz genau auf den Mund schaute. Ass die Kleine zu viel, war ihr die Aufmerksamkeit gewiss: Sie wurde bekniet, beschwatzt und es wurde ihr zugeredet, sie solle doch um Himmels willen weniger essen. Was sie nicht tat, denn so hatte sie die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sicher. Heute hat sie die Kurven ihrer Mutter – wen wundert’s.
 
Kriegen Kinder allzu viel Aufmerksamkeit über ihr Essverhalten, benutzen sie dies: entweder sie machen aus Trotz das Gegenteil dessen, was die Mutter möchte, oder sie bemühen sich, es ihr Recht zu machen. In beiden Fällen hören sie nicht mehr auf ihren Hunger, sondern provozieren die Reaktionen der Eltern. Im einen Fall werden die Mahlzeiten zum Kampfgebiet, im andern kriegen die Kinder so ihre Streicheleinheiten. Und dann ist es nicht mehr weit zur Entwicklung einer ausgewachsenen Adipositas oder Anorexie, und damit kommen dann weder Eltern noch Kinder mehr alleine klar.

Fazit: Vermutlich sollte man nicht zu rasch in Panik geraten, wenn der Nachwuchs in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Einfach ignorieren ist dennoch nicht richtig. Seine Beobachtungen mitteilen, das dürfen Eltern durchaus. Wer aber dauernd auf den Mund seines pummeligen Kindes starrt und meckert, sobald es etwas isst, zerstört mehr, als er erreicht. Ebenso derjenige, der ein dünnes Kind dauernd zum Essen nötigt. Gelassenheit ist angesagt, das Wichtigste in der Erziehung und das Schwierigste.

Du bist ja soooo dünn!

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 12.10.2011

Jedes Kind entwickelt sich nach seinem Tempo. Wehe dem Kind aber, das zu gross, zu dick, zu klein, zu dünn ist.

Symbol für die Unterernährung: ein «Biafra-Kind» während der Hungerblockade Ende der 1960er-Jahre. (Bild: wikipedia.org)

Ja, sie war mal sehr klein für ihr Alter, meine ältere Tochter. Und eine nette Bekannte, mehrfache Mutter, sprach sie jedes Mal darauf an: «Jetzt musst du aber Gas geben, sonst ist deine jüngere Schwester bald grösser als du!» Worauf die kleine Grosse noch mehr zusammensackte. In der Klasse war sie zwischenzeitlich auch die Kleinste und die drei Jahre jüngere Schwester war wirklich gleich gross. Das ist für eine Zwölfjährige hart.

Diese meiner Töchter hatte Zöliakie, und als dies endlich diagnostiziert wurde und sie glutenfrei ass, holte sie auf und ist nun grösser als ich. Aber kleiner als die grosse Kleine, denn die hat wirklich Gas gegeben und ist zwischenzeitlich 178 cm gross. Was wir alle toll finden.

Nicht aber unser kürzlicher Besuch. Gute Freunde, ein eher klein geratenes Ehepaar. «Jetzt musst du aber öppe aufhören, sonst findest du ja keinen passenden Mann!» kriegte die grosse Kleine zu hören – ein an Intelligenz kaum zu überbietender Satz. Das fand auch meine grosse Tochter, was ihr unschwer anzusehen war, aber sie schaute bloss freundlich auf die beiden herunter und lächelte.

Ich war allen immer zu dünn. «Biafra-Kind» wurde ich genannt – und zwar nicht in der Schule, sondern von Erwachsenen, Freunden meiner Eltern. Auch ich hatte und habe Lebensmittelintoleranzen, bloss wusste damals keiner, was das ist. Es ist einfach, dünn zu sein, wenn man zwischendurch wochenlang unter Koliken und Erbrechen leidet.

Was ist hier eigentlich los – kennen Sie das auch? Junge Menschen, die sich rhetorisch noch überhaupt nicht wehren können, werden unglaublich verletzend aufgrund ihres Äusseren dumm angemacht. Hahaha. Nicht von ihresgleichen, sondern von längst Erwachsenen.

Wie geht man damit um? Wenn mir heute jemand sagt, ich sei zu dünn, dann antworte ich regelmässig, dass ich nicht mit seiner Figur tauschen wolle, und dann ist Ruhe. Das kann aber ein junger Mensch noch nicht, die sind viel zu arglos. Erst recht, wenn der Angriff nicht von Kollegen, sondern Erwachsenen, Nachbarn, Freunden der Eltern kommt.

Soll man sich einmischen? Meine Töchter finden nein, das wäre ihnen peinlich. Ich würde das überbewerten. Tue ich das? Ich litt jedenfalls unter dem «Biafra-Kind», aber dass meine Mutter sich einmischt, das hätte ich auch nicht gewollt. Also Faust im Sack?

Das Breimonster

von: Désirée Seuret am: Montag, 20.06.2011
Tags: BabysElternessenFerkelhaltensauber

Babys essen wie Ferkel. Wieso überlassen Eltern dabei ihre Sprösslinge sich selbst?

Mein Name ist «Babe», Ferkel Babe.

Mit blauen Kulleraugen strahlt mich das wenige Monate alte Mädchen aus dem Zugabteil gegenüber an. Seine schwarzen Locken hat die Mama mit bunten Haargummis zu kleinen Schwänzchen gebunden. Zufrieden sitzt das Mädchen auf dem Schoss seiner Mutter. «Jöö», ein richtig süsses Bébé!

Aber dann! Mama holt ein Glas Babybrei und einen pinkfarbenen Plastiklöffel aus der Tasche. Mir als Kinderlose läuft ein kalter Schauer über den Rücken: Fütterungszeit! Jawohl. Anders kann man das, was sich vor meinen Augen abspielt, nicht nennen. Die Prozedur ist animalisch. Im Nu sieht die Tochter wie Schweinchen Babe am Futtertrog aus. Das ist nicht mehr «Jöö».

«Ein Löffelchen für Papa!» Und bevor richtig geschluckt ist, kommt auch schon «das Löffelchen für Oma!» Die Hälfte Brei im Mund, die andere Hälfte draussen. Ein breispeiender Vulkan – kein schöner Anblick! Die Mutter macht jedoch keine Anstalten ihre Tochter «sauber» zu halten! Sie überlässt das Sabbermonster seiner – durchaus altersgemässen – Unfähigkeit sich selbst den Mund zu putzen und lässt es vor sich hin geifern.

Erwachsene genieren sich, wenn man sie auf einen kleinen Sauceflecken am Mundwinkel aufmerksam macht. Wenn sich jedoch Babys Brei vom einen bis zum anderen Ohr zieht, das Gesichtchen unter dem Geschmier kaum noch zu erkennen ist, überlassen Eltern ihren Nachwuchs sich selbst. Hätte das Kind in diesem Alter schon Schamgefühle – es wäre ihm peinlich, so vollgeschmiert der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Nein, mein Sinn für Sauberkeit ist nicht übermässig ausgeprägt. Ich will das Gesicht des Kindes beim Essen auch nicht wundschrubben. Doch ein bisschen Ästhetik beim «Füttern» fordere ich ein. Und ich schwöre, meinem eigenen Nachwuchs werde ich dereinst im schmierigen Kampf mit dem Brei beistehen. Schliesslich soll sich vor meinem Bébé niemand ekeln!

 

Autorin
Désirée Seuret arbeitet zurzeit als Praktikantin bei wir eltern. Sie studiert Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW in Winterthur und ist kinderlos – wenn man «das Kind in der Frau» nicht beachtet.

Na, Mahlzeit!

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 06.04.2011
Tags: EssenGemüseGesundesMahlzeitwählerisch

Kinder weigern sich, Gemüse zu essen. Damit es ihnen nicht wie dem Suppenkaspar ergeht, müssen Eltern sie überlisten.

Popeye war einmal... (Fotoquelle: iStockphoto)

Mit etwa zwei Jahren spachtelte unsere Erstgeborene mit viel Hunger und problemlos Paella und schälte gekonnt Crevetten aus dem Panzer. Aber es ging nicht lange, und das «Bäh-Zeitalter» setzte ein. Plötzlich wurde alles sehr, sehr kompliziert.

Wir assen (meistens) vorbildlich. Wir kauften weder Zuckerzeug noch Glutamat und hatten eine anthroposophische Kindergärtnerin, die biologische und politisch korrekte Znünis aufstellte. Wir erklärten. VOLLKOMMEN ERFOLGLOS. Es scheint Kinder zu geben, die mit Begeisterung Gemüse, Salat und Obst essen – meine gehör(t)en nicht dazu. Ich fühlte mich ziemlich hilflos und stand und stehe bei der Mütterpolizei unter Generalverdacht, heimlich Fixfertigzeug zu kochen.

Was macht man da? Zwingen, wie einst? Das heisst: mit viel Liebe kochen, und dann sitzen sie da, essen das Minimum und machen ein angewidertes Gesicht. Ermahnen das ganze Essen hindurch? Drohen? Da kriege ICH keinen Bissen mehr runter. Also Vitaminpillen, Pasta und Sugo ohne Ende? Frustrierend.

Ich fing an zu schummeln. Und da doch die Möglichkeit besteht, dass meine Kinder keine Einzelfälle sind, verrate ich hier ein paar Schummelrezepte:

  • Schummelrezept 1:  Aus Käse, Rübli, Gurkenringen, Bananenscheiben, Schinken und so weiter jedem einen Teller mit einem Gesicht basteln. Dann essen sie Nase, Augen, Mund und nicht das, was es eigentlich ist.

  • Schummelrezept 2: Gemüsesuppe: Rüebli, Kartoffeln, Sellerie, Kohlrabi weichkochen und pürieren. Braucht höchstens etwas Salz. Und dazu Würfel aus Hartkäse (zieht toll Fäden, wenn er in der heissen Suppe schmilzt) und Croutons. Oder (Ernährungsberater weghören) Wienerli.

  • Schummelrezept 3: Den Rest der Gemüsesuppe zusammen mit der Ablöschflüssigkeit in einen Risotto geben und anstatt Parmesan oder Rahm Mascarpone unterrühren. Das Gemüse ist nicht zu sehen, der Risotto mild und cremig.

  • Schummelrezept 4: Gemüsepizza. Auf den (Blätter-)Teig kommt klein geschnittenes, kurz vorgekochtes, abgetropftes Gemüse – etwa Brokkoli, Rüebli, Tomaten, sowie etwas Salami. Darauf massenweise Mozzarella, so dass man das Gemüse nicht mehr sieht, und viel Oregano. Fantastisch. Und ist natürlich keine richtige Pizza, aber wir schummeln ja.

  • Schummelrezept 5: Kartoffelstock anreichern mit Sellerie- und Rüeblipuree.


Nun hoffe ich auf Ihre Anregungen! Denn auch Teenager sind noch recht diffizil, ich kann also Tipps gebrauchen…

Warum Familienkalender sinnlos sind

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 23.02.2011

Jugendliche und Planen. Ein No-Go.

Full house oder home alone?

Heute ist wieder so ein Tag. Es war eigentlich alles klar: Es gibt Pizza mit Salat zum Abendessen und alle sind da. Das war nicht schwierig zu erraten, denn wir haben einen allgemeinen Wochenplaner am Küchenschrank, einen XXL-Kalender an der Wand. Und wir haben Stundenpläne von Schule und Uni am Kühlschrank. Im Wochenplaner steht, wer IN DER REGEL zu welcher Mahlzeit da ist, auf dem Kalender stehen die Ausnahmen, also etwa «Melina Girlie-Abend», und die Stundenpläne dienen der allgemeinen Ratlosigkeit, denn es fällt dauernd etwas aus oder es gibt eine Zusatzstunde irgendwo. Aber es tragen alle, alle brav ein, schreiben ab und um und merken sich alles. Auch ich. Vor allem ich. Und nach gründlichem Studium aller Einträge musste ich heute zwingend zum Schluss kommen, dass alle da sind und es folglich eine Pizza geben kann.

Fakt ist: Es ist keiner da, wie ich seit etwa 10 Minuten dank drei SMS weiss, und es ist jetzt präzise 18:00 Uhr. Immerhin ist die Pizza noch nicht im Ofen, optimistisch gesehen. Ich habe nämlich auch schon einen halben Kraken, den ich mühsam ausgenommen und stundenlang gekocht hatte, alleine gegessen. Mir hat das ja geschmeckt, aber geplant war es nicht, und ich habe mir die Mühe seither nicht mehr gemacht.

Oder ich rechne mit einem freien Abend, weil alle Kinder etwas vorhaben und der Herr des Hauses ins Fitness-Studio will. Also mache auch ich ein kleines Turnprogramm und stehe entspannt unter der Dusche. Ich erwäge alle möglichen ungesunden Dinge wie Bier und Chips und DVD, trockne mich ab und will zum Kleiderschrank – und hechte adrenalingebeutelt wieder zurück ins dampfende Badezimmer. Denn da kommt, gemütlich pfeifend, der theoretisch abwesende Freund der älteren Tochter die Treppe hoch. Und wo er ist, ist immer auch sie, denn man erhält die zwei nur im Doppelpack. Und in der Tat. Verkehrskunde sei halt ausgefallen, der Freund des Freundes erkältet oder irgendetwas in der Art, jedenfalls sind sie jetzt hier, und jedenfalls ist es ihnen völlig egal, dass es «nichts» zum Essen hat, sie haben mordsmässigen Kohldampf und wir plündern zusammen die Vorräte und essen zu dritt mässig gesunde Dinge.

Kürzlich wollte ich die angekündigte Abwesenheit der Meute dazu nutzen, einen Hektoliter Sugo vorzukochen und portionenweise einzufrieren. Richtiger Sugo braucht ein paar Stunden, und ich bin immer mal froh um Vorrat (siehe oben). Aber um genau 19.30 Uhr war der ganze Kessel weggeputzt, ich hatte nicht einen Deziliter einfrieren können. Die vermeintlich Abwesenden müssen das bis ins Büro, die Schule, die Uni, die Fahrstunde gerochen haben, denn es waren alle da.

Die Lagervorbesprechung unserer Töchter, gemäss welcher mein Liebster und ich alleine Zuhause gewesen wären, wurde spontan zu uns verlegt und, noch spontaner, gleich mit einem Nachtessen kombiniert. Besagtes Leitungsteam besteht aus effektiv etwa sieben, gefühlten eher 100 Jugendlichen. Als wir heimkamen, stand die Kleine am Herd und kochte, es roch verführerisch nach Curry, ein Bündel Leute stierte in ein Laptop und jemand öffnete Schränke auf der Suche nach Geschirr. Zum Glück gibt es Restaurants.

Kurzum: Es klappt NIE. Da können noch so viele Kalender hängen, die Jugend ist vor allem eins: flexibel und spontan. Allerdings auch uns Altvorderen gegenüber: Wenn ich einfach nicht kochen mag – halb so wild, sie machen schon, lass mal Mami. Und zudem gibt es Tiefkühltruhen.

Allerdings, zuweilen hätte ich schon wahnsinnig gerne ansatzweise frisches Brot zum Frühstück. Und weder steinhartes noch Müsli…

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