Kanzlerin oder Stumpfnase?

von: Marie-Christin Spitznagel am: Dienstag, 21.02.2012
Tags: FrauentypTochter

Unseren Töchtern wird vermittelt, doof und hübsch sei eine gute Kombination. Eine Mutter sagt diesem Frauenbild den Kampf an.

Welchen Frauentyp wünschen Sie für Ihre Tochter?

Prinzipiell versuche ich, unheimlich tolerant zu sein. Ich gebe mir Mühe, mich nicht über Sachen aufzuregen, die mein Leben nicht oder nur am Rande beeinflussen. Und ich möchte, dass meine Kinder sich so frei wie nur möglich entwickeln. Sie sollen sich nie verpflichtet fühlen, irgendetwas zu tun oder zu sein, nur um mich zufriedenzustellen. Ich sage immer: «So lange sie keinen Nazis werden, sollen sie machen, was ihnen gefällt.» Wenn ich aber so manche jungen Mädchen durch die Strassen laufen sehe, komme ich immer wieder an den Punkt, an dem ich denke «Wenn meine Tochter eines Tages SO das Haus verlassen will, gehe ich auf die Barrikaden!!»

Als ich gestern meine Babys aus der Kita abholen wollte (Ja, meine «Babys» sind schon aus dem Säuglingsalter raus. Sie bleiben meine Babys, bis sie 30 sind. Mindestens.), begegnete mir in der Strassenbahn wieder so ein abschreckendes Beispiel. Den ganzen Tag hatte es geregnet, es war nass und kalt und bäh. Ein junges Mädchen (vorsichtige Schätzung 15) sass in der Bahn mit ihren Stöpseln im Ohr, an denen glitzernde BlingBling-Diskokugelähnliche Kreolen hingen. Das Haar zu Tode blondiert, der Hautton war ein kräftiges «Karotte». Der Schal war so locker um den nackten Hals geschlungen, dass man den grossen Ausschnitt noch gut sah, die «Jacke» war knalleng und so kurz, dass jedes leichte Anheben der Arme sie in einen Bikini verwandelte. Die hautenge Hose bestand nur aus modischen Löchern und sie trug leichte Stoffballerinas ohne Socken.

Es ist Januar. Es ist kalt. Es ist nass. Ich trage eine Wollmütze, die gut mit den Klorollenüberziehern auf alten Mercedeskofferraumabdeckungen zu vergleichen ist. Mein Gedanke war: «Wenn meine Tochter eines Wintermorgens in diesem Outfit in die Schule gehen will, steck ich sie in einen Schneeanzug!!» Soweit ist es dann doch nicht mit meiner Toleranz!

Ich habe, gerade bei meiner Tochter, ein Problem mit Kleidung und mache mir Sorgen, wenn ich mir manche jungen Mädels um mich herum so ansehe. Der Trend geht zurück zum Püppchen. Zum Ziermädchen. Vielleicht liegt's am Fernsehprogramm? An Castingshows? An Daniela Katzenberger? An Sendungen, die Mädchen vermitteln «Doof und hübsch ist ne super Kombination»? Wenn schon berichtet wird, dass immer mehr Mütter lieber Zuhause bleiben und ihre Karriere für Kind und Haushalt aufgeben, vielleicht ist es dann mit der Emanzipation bei jungen Mädchen auch nicht mehr sonderlich weit her? Stehe ich dann in einer Kinderabteilung, um Kleidung oder Krimkrams für meine Kinder zu besorgen, sehe ich für Mädchen nur Lillifee und Hello Kitty und die Disney Prinzessinnen. Wie sollen sich aus Mädchen mit solchen Vorbildern selbstbewusste junge Frauen entwickeln, die im Winter keine Nierenbeckenentzündung riskieren, nur um «sexy» zu sein?

Meine Tochter ist jetzt kurz vor ihrem dritten Geburtstag. Viele aktuelle weibliche Rollenbilder beunruhigen mich sehr. Natürlich könnte ich es auch als Bereicherung sehen, dass im Deutschland 2012 von blonder Stumpfnase oder Verona-eskem «Werbestar» bis hin zur Bundeskanzlerin auch für Frauen alles möglich ist. Nur leider scheint es wesentlich mehr Stumpfnasen als Kanzlerinnen zu geben.

Hoffentlich können wir in Zunkunft ihren und meinen Fokus auf «gute» Vorbilder lenken, und hoffentlich hat das Mädel aus der Bahn gestern so gefroren, dass sie sich heute einen Mantel gekauft hat!

Die Autorin
Marie-Christin Spitznagel wurde 1983 in Berlin geboren, ist aber seit 23 Jahren in Norddeutschland Zuhause und fühlt sich unter den Ureinwohnern dort ganz wohl. Seit 2009 lebt sie in glücklicher, interkultureller Ehe mit einem Süddeutschen und ist zweifache Mutter. Neben dem Fernstudium in der Elternzeit ist sie seit 2011 freie Autorin für das Kasseler Stadtmagazin «BRAUSER» und Bloggerin bei www.mutterschutzgebiet.de und www.nerven-futter.de.

Revolver-Girls

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 23.11.2011

Frauen, die gerne schiessen, stossen auf wenig Verständnis für ihr Hobby. Warum nur?

Nicht schiesswütig: Girls mit Knarren.

Wir sind eine friedliche Familie, eigentlich. Als Pazifisten würde ich uns zwar nicht bezeichnen, denn die sind ja aktiv, demonstrieren und dergleichen. Aber wir sind keine Freunde von Kriegsgerassel, Machtdemonstrationen, militärischem und pseudo-militärischem Gebaren. Dies nur so zur Klärung. Denn: Meine Töchter schiessen gerne und gut. Vielleicht schiessen sie gerne, weil sie es gut können, das wären dann mildernde Umstände, sozusagen. Dass man mit einem Schiesseisen theoretisch jemanden töten könnte, geht ihnen dabei so wenig durch den Kopf wie mir eine tödliche Messerstecherei, wenn ich ein Stück Brot abschneide.

Die Ältere fing damit an, und zwar schon im Primarschulalter. Irre, wenn man beim Ballern am Messestand besser ist als das Mami, trotz Schemel und allen möglichen Stützen. Dem Mami wäre es auch nie in den Sinn gekommen zu schiessen, das war der Papi. Aber das Mami musste dann halt auch. Lustig, wie der Standbetreiber in Deckung ging, nach dem ersten Schuss, aber lassen wir das.

Ich treffe absolut gar nichts, womit auch immer, Schiesseisen, Pfeile, Bälle. Meine Mutter prügelte mich jahrelang absolut erfolglos ins Tennistraining, der Trainer hat in seiner Karriere garantiert nie eine unfähigere Schülerin gehabt. Aber meine schlagkräftige Mutter war unerbittlich. Zudem schoss sie Kleinkaliber, und traf auch dort. Das ersparte sie mir immerhin. Ich tanze lieber, ganz der Papi.

Und nun meine Töchter, die nach der Oma und ihrem Papi geraten und alles treffen. Und nicht gerne tanzen. Das ist zwar ein Elend, aber man soll die Kinder ja dort abholen, wo sie sich befinden, und so sorgte ich dafür, dass meine Grosse mit 15 Jahren in den Schützenverein ballern gehen konnte.

Das ging in die Hose, denn dort traf sie zwar auch alles, aber auch auf Pseudo-Machos, die, wie leider zuweilen üblich, vor allem durch blöde Sprüche glänzten. Also brach sie die Übung ab und wurde keine Gaby Bühlmann. Ihre jüngere Schwester verzichtete gleich auf die Jungschützen und ballert sich so durch die Herbstmessen. Dass auch sie es kann, konnte ich am 1,5 Meter grossen Plüschbären mit Banane am Ohr sehen, den sie heimschleppte, und der nun alles versperrt. Ebenso wie ein überdimensionales Plüschherz, auf dem «I love you» steht.

Soweit, so gut. Nun werden sie aber immer wieder angefeindet. Das tue man nicht, das sei Vorbereiten zum Töten und der Dinge mehr. Einem Jungen sieht man es nach, wenn er «seine Hörner» abstösst und mit Spielzeugpistolen und dergleichen rumhantiert. Dies taten meine Töchter hingegen nie. Wenn schon, würde sie der Schiesssport interessieren, aber das geht manchen nicht in den Kopf. Warum, ist mir schleierhaft. Denn anders als beim Softball-Ballern und andern Männer-Spielen und Games zielen sie nie auf Abbildungen von Menschen oder Tieren, sondern ausschliesslich auf Zielscheiben, fahrende Motive, aufgehängte Medaillons und dergleichen. Sie haben beide eine ruhige Hand und treffen meistens, was ihnen vor allem auch im männlichen Lager Anerkennung bringt. Aber nicht bei den andern Mädchen, und schon gar nicht bei den andern Müttern.

Was ist denn «schlimmer», mit einem untauglichen Ding auf Menschen zu zielen? Oder mit einem richtigen Schiesseisen auf eine Zielscheibe?  Meine Töchter interessiert nur das zweite, und je älter sie werden, umso weniger interessiert sie, was die anderen Leute denken. Das immerhin ist ein gutes Zeichen.

Sommerpause: Die besten Blog-Beiträge reloaded

Alles Mütter oder was?

von: Nathalie Sassine am: Donnerstag, 04.08.2011

Alle meine Freundinnen sind Mütter. Oder ist es andersrum? Sind Frauen ohne Nachwuchs einfach nicht mehr meine Freundinnen? Huhn oder Ei?

Wenn ich mich mit Freundinnen treffe, geht es uns in erster Linie darum, dem (Mutter)-Alltag zu entfliehen. Es wird erst beim Digestif über Kinder gesprochen – wenn überhaupt. Das ist eine unausgesprochene Regel zwischen uns. Als wären Kinder das Letzte, was uns verbindet. Dies trifft jedoch nur teilweise zu.

Die meisten meiner Freundinnen kenne ich schon aus der Zeit vor dem Mutterglück. Als wir noch ein Leben hatten, in dem Theater ohne Kasperlis, Kino ohne grünen Oger und Restaurants ohne Spielecken auskamen. Ergo zieht das Argument "Mütter verkehren nur mit Müttern" bei uns nicht.

Und doch frage ich mich, wo denn jene Frauen aus meinem Leben geblieben sind, die bis heute, trotz extrem laut tickender biologischer Uhr, keine Kinder haben.

Ob Afrika-Liebhaberin, die ihr Leben im Busch verbringen will oder Rösselerin, die in den geliebten Vierbeinern ihre Kinder sieht, oder die ungewollt Kinderlose, die sich nun definitiv für ein Leben mit Mini Cooper statt Minnie Mouse entschieden hat: Es gibt viele Gründe, keine Kinder zu haben. Doch ist dieser Zustand Grund genug, sich auseinanderzuleben? Eine Freundschaft einfach versanden zu lassen? Sicher ist, dass das Thema "Kinderlos glücklich" die Gemüter erhitzt und die Unterschiede der Mentalitäten grösser nicht sein könnten.

Oft scheinen kinderfreie (die, die freiwillig ohne Nachwuchs leben) Freunde vordergründig sehr verständnisvoll uns armen, gefangenen Eltern gegenüber. Verständlich, dass wir lieber mit anderen Familien etwas unternähmen, schliesslich könnten die Kleinen zusammen spielen. Und logisch, dass ich lieber mit dieser einen Freundin verkehre, schliesslich hätten wir gleichaltrige Kinder. Ich muss dann immer eingreifen und klarstellen, die besten Momente mit dieser Frau seien die, bei denen unsere Kinder nicht anwesend sind! Dann haben wir nämlich endlich wieder Zeit, ein Gespräch zu Ende zu führen, ohne dauernd unterbrochen zu werden von "Ich hatte es zuerst!" oder "Ich muss gaaaanz dringend Pipiii!"

Doch das Verständnis verdeckt das Tabuthema, das zwischen uns steht: Das Wieso. Wieso wollt ihr denn keine Kinder? Geht gar nicht. Denn entweder haben sie keine Lust, sich zu rechtfertigen. Oder das Paar ist sich gar nicht so einig über das Thema, sie will, er aber nicht. Ich habe auch schon erlebt, dass sie nur so tat, als wolle sie keine Kinder und mir heimlich anvertraute, sie hoffe, ihren Mann auf diese Weise rumzukriegen. Vielleicht weil er ihr einfach gerne widerspricht. Wie auch immer, mit Kinderfreien reden wir über alles andere, wogegen ich natürlich nichts einzuwenden habe, aber Tabus zwischen Freunden überdauern eine Freundschaft leider. Also lebt man sich auseinander und schiebt dem Kinderwunsch die Schuld in die Schuhe. Denn es ist schon so, wie Barbara Klingbacher in der NZZ Online und im Nido es so schön formulierte: "Den Kinderwunsch sucht man sich nicht aus." Die Freunde schon.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Verkehren Sie noch mit kinderfreien Freunden? Was verändert sich in einer Freundschaft, wenn Kinder kommen, oder eben nicht?

Nackte Tatsachen

von: Andrea Strahm am: Mittwoch, 06.07.2011

Für Frauen ist die (Intim-)Rasur schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden. Und für Männer?

Wann ist ein Mann ein Mann?

Es surrt eigenartig aus dem Badezimmer,  Schmerzensschreie, Kichern. Irgendwann kann ich meine Neugierde nicht mehr bezwingen und stelle fest: Es wird enthaart auf Teufel komm raus.

Es ist nicht so, dass ich rumlaufe wie ein Yeti. Auch ich mag gepflegte Beine, enthaarte Achselhöhlen und eine unbehaarte Bikinizone. Aber ich gerate nicht umgehend in Panik, wenn sich mal ein Haarstöppelchen frühreif wieder an die Oberfläche wagt. Die Jugend schon.

Tatsache ist, dass der totale Kahlschlag angesagt ist, wobei meine Girls, wie sie mir auf Nachfrage hin bereitwillig mitteilen, im Gegensatz zu manchen Kolleginnen nicht den ganz totalen praktizieren. Juckt ja blödsinnig, wenn das nachwächst, finden sie. Finde ich auch. Aber, und auch das erzählen sie mir bereitwillig, sowohl bei Jungs als auch bei Mädchen wird so viel wie möglich rasiert. Ein junger Mann mit Haaren auf dem Rücken, so finden sie, ist das absolut Hinterletzte. Iiiiiii!

Einen solchen Jungen hat ein Bekannter, selber reichlich behaart, ausser, wie so oft, auf dem Kopf. Der Sohn ist ungefähr 16 Jahre alt und sportlich sehr aktiv. Und nun hat der arme Kerl einen Heidenstress wegen seiner Körperbehaarung, auch im Intimbereich, und erst recht mit dem Pelzchen auf dem Rücken. Der Bekannte, irritiert von der Rasiererei seines Sohnemannes, hat bei uns moralische Unterstützung gesucht, und wir haben ihn nach diskreter Rücksprache mit unseren Töchtern beruhigen können. Sohnemann ist nicht transsexuell, sondern völlig normal.

Dass Frauen sich die Körperhaare rasieren, ist nichts Neues. Offenbar geraten nun aber vermehrt auch die Jungs unter Druck, gerade und vor allem, wenn sie nicht zur hellhaarigen Sorte gehören. «Neandertaler», «Monkey» und derartiges müsse sich sein Sohn sagen lassen, seit er in die Pubertät gekommen ist, erzählt der fassungslose Vater. Er hat keine Ahnung, wie er seinem Sohn haartechnisch helfen könnte, und dem ist es zu peinlich, die Mutter zu fragen.

Auch das Selbstbewusstsein des Vaters wankt, denn eigentlich hatte er sich immer attraktiv gefunden, Bartträger, der er ist. Und ich muss ihm Recht geben: Männer mit Körperbehaarung galten zumindest zu meiner Zeit eigentlich als männlicher als die kahlen. Aber wie es scheint, war das einmal, und das neue Männerbild ist so nackt wie das der Damenwelt. So sieht man wohl den Sixpack besser, den ein ordentlicher Mann sich anzutrainieren hat. Das Pendant zu Silikonkörbchengrösse D, offenbar.

Wir Frauen wissen ja, dass wir in Sachen Eitelkeit masslos übertreiben und kaum eine mit ihrer Figur zufrieden ist, Problemzone hier, Problemzone da. Deshalb versuchen wir unseren Töchtern auch ein gelasseneres Frauenbild vorzuleben und sagen ihnen, wie hübsch sie sind.

Leider wird nun aber der Druck auf die Frauen in Sachen Schönheitsideal nicht kleiner, sondern derjenige auf die Männer steigt rasant. Es wird also Zeit, dass wir auch den Jungs ein positives Feedback zu ihrem Äusseren geben, vor allem natürlich, wenn sie in die Pubertät kommen und sich so manches ändert. Wegen seinem Äussern ausgelacht zu werden, ist brutal. Also müssen wir den Jungs beibringen, wie «Mann» sich pflegt.

Wundern Sie sich also nicht, wenn seltsame Geräusche aus dem Badezimmer dringen und ganze Haarbüschel in der Dusche am Boden liegen. Machen Sie ihm keine Vorwürfe von wegen «weibischem Theater», vor allem nicht, wenn Sie der Vater sind. Sollte Ihr Sohn am Rücken Haare haben, dann wäre es supercool, ihm lässig Hilfe anzubieten. Denn die Verrenkungen, dort rasieren zu müssen, stelle ich mir lieber nicht vor. Mir reicht es, wenn ich die Bräunungscrème mit Ach und Krach auf den Rücken kriege.

Karriere und Berufstätigkeit sind zweierlei

von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 28.04.2011

Karrieremütter sind die Ausnahme. Weshalb?

Die Arbeit ruft: Karrieremütter müssen die Erziehung ihrer Kinder an Drittpersonen delegieren.

Wir hatten es ja hier schon davon: Kinder und Job lassen sich vereinbaren. Es ist sogar gut für die Kinder, wenn sie mitkriegen, woher das Geld kommt und was Zuhause so alles an Arbeit anfällt. Denn wenn beide Eltern arbeiten, müssen Kinder mit anpacken.

Und es ist auch gut für all die Elternteile, die ihre berufliche Erfüllung nicht im Haushalt sehen. Denn so wenig wie jeder gerne als Bürogummi oder Verkäuferin arbeitet oder vor Gericht den Clown spielt, sowenig hat jeder am Haushalten den Plausch. Es gibt halt aller Gattig Leut’, pflegte meine Oma zu sagen.

Wer Karriere machen will, muss aber nicht nur jobben, sondern sich steigern. Er oder sie muss gegen Konkurrenz bestehen, Überstunden machen, reisen, abrufbereit sein, einstecken und nicht dergleichen tun, wenn die Grippe ihn oder sie lahm legt. Darunter leidet das Privatleben, es leiden die Hobbys, die Freizeitaktivitäten und der Freundeskreis. Wer Karriere macht, möchte irgendwo hinkommen, und gibt dafür so manches auf.

Tatsache ist: Es machen wesentlich weniger Frauen Karriere als Männer. Und noch viel weniger Mütter als Väter. Es gibt sie natürlich, die Karrierekletterinnen, die von ihrem Beruf begeistert sind, in der Forschung Grosses vollbringen und in der Welt herumjagen – und Zuhause sogar mehrere Kinder haben. Auch die Erziehung lässt sich delegieren, nicht nur die Hausarbeit, nicht nur an den Ehemann, sondern auch an Drittpersonen. Und es ist durchaus möglich, dass dabei alle glücklich sind.

Aber Karrieremütter sind die Ausnahme. Wenn, dann sind es die Männer, die Karriere machen. Und zwar auch dann, wenn beide Partner hervorragende Berufsabschlüsse vorweisen können. Weshalb? Sind wir Weibspersonen einfach stinkfaul? Gehen den bequemeren Weg und lassen uns aushalten?

Tatsache ist: Eine Karriere fordert von jedem und jeder Opfer. Damit jemand die erbringt, braucht es eine Motivation. Bei all den Karrierefrauen, die ich kenne, stehen der Beruf und die Begeisterung dafür im Zentrum. Sie haben Spass. Sie lieben ihre Kinder so wie alle andern Eltern auch, aber sie sind bereit, nur wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Es geht bei Karrierefrauen in der Regel weder um Geld noch um Macht, sondern um die Faszination ihres Berufes.

Diese Motivation haben manche Männer ebenfalls. Aber Männer haben noch andere Gründe, Karriere zu machen: Sie steigert ihr Ansehen, Männer werden bewundert, und mit dem Salär steigt ihr Sexappeal bei den Frauen, Glatze oder Bauch hin oder her. Mit einem 30 Jahre jüngeren Model im Arm gehört der Mann dazu, und die andern Männer fallen neidvoll und bewundernd zurück.

Eine Frau, die sich hochstrampelt, steigt nicht in der weiblichen Hierarchiewelt, und das andere Geschlecht findet sie deswegen nicht begehrenswerter. Kommt sie mit einem 30 Jahre jüngeren Schönling daher, wird sie eher schief angesehen denn an den wichtigsten Tisch platziert. Frauen zahlen für die Karriere also zwar den gleichen Preis wie Männer, haben aber nicht den gleichen Gewinn.

Das wird sich mit keinen Förderungsmassnahmen dieser Welt ändern. Aber vielleicht merken irgendwann auch die Männer, dass der Preis, den sie für den sozialen Höhenflug bezahlen, zu hoch ist, wenn nicht wirklich die Freude an der Sache der Grund für die Karriere ist. Und dagegen ist nichts einzuwenden.

Wie verhütet meine Tochter?

von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 02.12.2010

Sexualität ist Privatsache. Aber wo hört die Intimsphäre innerhalb der Familie auf?

Verhütungsmethode Nummer eins: Die Pille. (Bild: ©iStockphoto)

Kürzlich traf ich mich mit einer Freundin, die eine Tochter der gleichen Grössenordnung hat wie ich. Wie üblich redeten wir querfeldein über dies und das und dann irgendwann auch darüber, zu welchem Arzt man als Mutter eines Teenagers noch mitgeht, und zu welchem eher nicht.

Da erklärte mir meine Freundin doch, dass sie selbstverständlich mit ihrer volljährigen Tochter zur Gynäkologin gegangen sei, denn sie fände wahnsinnig interessant, was es heute alles für Verhütungsmethoden gäbe. Ich schluckte leer, denn das finde ich daneben. Gerade der Besuch bei der Frauenärztin sollte – dies ist meine Ansicht – ohne mütterliche Aufsicht stattfinden können. Jedenfalls dann, wenn die jungen Frauen alleine gehen wollen. Meine Freundin hat aber ihre Tochter gar nicht erst gefragt.

Gut, mit meiner Mutter konnte ich diesbezüglich nichts bereden. Man geht jungfräulich in die Ehe, und der Rest, der kommt dann von alleine, hiess es. Als ich mit etwa 14 Jahren überaus starke Menstruationsbeschwerden hatte, kam sie mit zum Frauenarzt und untersagte eine Untersuchung. Das war es dann. Also fanden meine erste Verliebtheit und die ersten körperlichen Kontakte im Versteckten statt. Niemals hätte sie Empfängnisverhütung geduldet, und als sie zufällig entdeckte, dass ich die Pille nahm, gab es ein Zeter und Mordio. Da war ich 20 Jahre alt.

Natürlich klärt man seine Kinder auf. Und zwar immer wieder, denn mit dem Alter ändern die Bedürfnisse und die Fragen. Sind sie das erste Mal verliebt und wird es ernst, tauchen weitere Fragen auf. Ich stand und stehe jederzeit Rede und Antwort und helfe, wenn sie es wollen. Ansonsten halte ich mich aber raus. Sexualität ist primär Privatsache und keiner mischt sich ungefragt beim andern ein. Über mein Liebesleben rede ich nicht mit meinen Töchtern, denn das ist das letzte, was sie interessiert. Eltern sind von Natur aus asexuelle Wesen, auch wenn man sein Leben der Tatsache verdankt, dass sie einst kopuliert haben. Als Mutter hilft man also sang- und klanglos, wenn das Kondom gerissen ist, aber für die eigenen Bett-Probleme sind, wenn nicht der Göttergatte, dann die Freundinnen da, nicht die Töchter. Finde ich.

Das sieht meine Freundin nun aber gar nicht so. Sie wolle doch wissen, was da bei ihrer Tochter so laufe, wie weit sie schon ginge, wann das erste Mal war. Und sie habe ihr auch schon erzählt, welche Probleme sie mit dem Vater des Mädchens habe, sie müsse schliesslich wissen, wie das Leben so läuft. Mir stellten sich nur noch die Nackenhaare auf.

Richtig ist, dass mit der Liebe, der seelischen und der körperlichen, auch schmerzhafte Erfahrungen einhergehen können. Der erste Liebeskummer ist Weltuntergang pur. Da braucht es Trost, Ablenkung, Zuwendung und Zeit. Es ist nicht immer einfach zu spüren, ob ein Kind, das Kummer hat, nun Kontakt braucht oder besser in Ruhe gelassen wird. Auch die körperliche Liebe bringt am Anfang ein paar Bresten mit sich, von denen eine junge Frau nicht weiss, wie damit umgehen. Schön, wenn sie Vertrauen zur Mutter hat und nachfragen kann. Vielleicht weiss aber auch die Freundin Bescheid. Als Mutter ist man eine Art Tankstelle: Die Kinder kommen tanken, wenn sie es benötigen. Wenn nicht, umfahren sie einen grossräumig.

Meine beiden Töchter gingen alleine zur Gynäkologin. Die eine, weil sie einen Freund hatte, die andere hatte gesundheitliche Probleme. Zumindest bei der zweiten hätte ich mich auf den Standpunkt stellen können, dass ich da vielleicht mitzureden habe. Ich habe aber darauf vertraut, dass sie das selber machen kann und ihr lediglich angeboten mitzugehen, wenn sie es wünsche. Sie wünschte es nicht, und sie ist wieder fit.

Ich meine: Wenn meine Freundin es so interessant findet, was heute in Sachen Empfängnisverhütung machbar ist, dann soll sie dies ihren eigenen Gynäkologen fragen. In diesem Sinne: Hilfe ja, aber nur, wenn sie gewünscht wird. Schwere Erkrankungen und grobe Unvernunft ausgeschlossen, natürlich.

Regeln des normalen Lebens

von: Nathalie Sassine am: Dienstag, 14.09.2010
Tags: ErziehungFrauenKinderMütterRegeln

Das werde ich niemals tun, sagen Frauen, bevor sie Mutter geworden sind. Das Leben soll so weitergehen wie bisher. Und dann kommen sie auf die Welt.

Das wahre Leben hat wenig mit guten Vorsätzen zu tun.

Vor kurzem war eine Freundin zu Besuch, die gerade erst Mutter wurde. Vor der Geburt hatte sie sich geschworen, dieselbe zu bleiben, was wir Mütter natürlich mit einem kleinen Schmunzeln zur Kenntnis nahmen. Keine von uns hätte geglaubt, Sätze wie «Häsch Pipi gmacht?» je zu sagen oder im Mc Donald's die Rohr-Rutsche runterzurutschen um den eigenen Nachwuchs zu retten, der stecken geblieben war. Ich gestand ihr, dass ich vor den Kindern genau dieselbe Arroganz wie sie besass, nämlich, dass sich mein Leben überhaupt nicht verändern würde. Und schon gar nicht gewisse Prinzipien, auf denen ich ritt, lange bevor ich Kinder überhaupt in Betracht zog. Meine mentale Liste sah in etwa so aus:

Regeln für das glimpfliche Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern

  • Regel Nr. 1:
    Auf keinen Fall zulassen, dass sie in unmöglichen Farbkombinationen
    rumlaufen, bloss weil mir die Diskussionen bezüglich guten Stils
    morgens um sieben zu anstrengend sind. Mein Kind zieht gefälligst an, was ich sage!
  • Das wahre Leben:
    Mein Sohn steht darauf, sein T-Shirt in die Hose zu stopfen und sich den Hosenbund möglichst über den Bauchnabel zu ziehen. Dazu Socken in den Sandalen. Na ja, vielleicht kann man seine Gene nicht leugnen und bei ihm melden sich eben die seines deutschen Grossvaters. Oder der keimende Wunsch, eines Tages «Polizischt» zu werden.

 

  • Regel Nr. 2:
    Nie, unter keinen Umständen, zu denken, geschweige denn zu sagen «mein Sohn nervt mich» oder «meine Tochter ist eine solche Zicke». Es sind doch nur Kinder, das gehört nun mal dazu!
  • Das wahre Leben:
    Ich habe schon so viel Schlimmeres gedacht, dass dies hier mit Sicherheit zensuriert werden würde.


  • Regel Nr. 3:
    Sofort die chemische Keule zu schwingen, kaum hat das Baby über 38°C Fieber, nur damit die Nacht ruhig verläuft. Lieber vorher mit Essigsocken und Zwiebelwickel probieren, es geht schliesslich nicht um meine Nachtruhe, sondern um seine Gesundheit.
  • Das wahre Leben:
    Meine Nachtruhe geht eben doch (fast) über alles. Also Zäpfchen rein und gute Nacht.


  • Regel Nr. 4:
    Kein TV vor dem fünften Altersjahr, ein Kind soll sich selber beschäftigen können!
  • Das wahre Leben:
    Danke Tinky Winky, Bob, Timmy, Diego und Co! Wie sonst wäre ich in den ersten zwei Jahren in Ruhe zum Duschen gekommen?

 

  • Regel Nr. 5:
    Meine Ferien sind mir heilig. Ich nehme doch keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kleinen! Die sollen sich gefälligst anpassen und nicht wir!
  • Das wahre Leben:
    Wie haben seit Jahren nicht im Busch aus dem Rucksack gelebt! Denn Schoppen und Windeln sind einfach nicht tramper-tauglich.

 

  • Regel Nr. 6:
    Gesund Essen! Mein Kind kriegt im Restaurant kein Schnipo und auch keine Süssigkeiten ausser zum Geburtstag.
  • Das wahre Leben:
    Das Menu ist in der Tat differenzierter als nur Schnipo: Manchmal bestellen sie auch Pasta oder Pizza! Und Schoggi-Glace zum Dessert...

 

  • Regel Nr. 7:
    Die Bettzeit wird nicht verhandelt. Dafür gibt es jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte.

  • Das wahre Leben:
    Ehrlich? Die Bettzeit wird jeden Abend diskutiert. Und die Geschichte verfolgt mich in meiner wohlverdienten Nachtruhe. Kein Wunder, habe ich sie doch erst 465 mal vorgelesen. «Nomal! Nomal!»

 

  • Regel Nr. 8:
    Waffen kommen mir auf keinen Fall ins Haus. Ich erziehe meine Kinder ja sowieso gender-neutral.

  • Das wahre Leben:
    Mein Sohn macht aus allem, aber wirklich aus allem eine Waffe, ob Chop-Sticks, Shampoo-Flasche oder Lego. Nichts ist zu klein, eine Waffe zu sein. Und seine Schwester? Von wegen gender-neutral, sie mutiert zum kleinen Rambo mit Haarspängeli!


Vielleicht sollte man sich vor dem ersten Kind einfach nicht soviel vornehmen. Denn es kommt sowieso anders, als man denkt. 

Diese Liste kann beliebig erweitert werden. Was habe ich vergessen? Oder hätte ich besser durchgreifen sollen?

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Kinderlose Menschen glauben, ihr Leben bestünde aus lauter Kompromissen. Bis sie Kinder kriegen.
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