Neue Väter mit alten Ängsten

von: Michaela Kozelka am: Montag, 09.05.2011

Gefährden Väter ihre Karriere, wenn sie ihr Pensum reduzieren? Schweizer Männer glauben oft daran. Aber die Frauen bezweifeln es mehrheitlich.

Der gefürchtete Karrierekiller! (© iStockphoto)

Landauf, landab wird darüber diskutiert, ob sich nicht auch Männer vermehrt um ihre Kinder kümmern sollten, sei es in Form einer Auszeit oder mit einer generellen Reduktion des Arbeitspensums.

Doch die, um die es geht, sind skeptisch. Laut einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isopublic, in Auftrag gegeben vom Magazin «Readers Digest», haben gerade Männer Probleme damit, seltener am Arbeitsplatz zu sein: 46,4 Prozent der männlichen Befragten befürchten, eine Baby-Pause sei für ihre Karriere schädlich.

Interessanterweise sehen die Frauen in der Schweiz das etwas entspannter: Nur 37,3 Prozent schätzen eine Auszeit als berufliches Risiko ein – und 57,1 Prozent sind sogar überzeugt, die Entscheidung, mehr für den Nachwuchs da zu sein, stelle für die Karriere des Mannes keine Gefahr dar.

Etwas erstaunlich ist dieses Ergebnis ja schon: Immerhin sind es die Frauen, die immer wieder erleben mussten, wie schwer Karriere und Teilzeit-Job vereinbar sind (mal abgesehen davon, dass die Teppichetage auf weibliche Mitarbeiterinnen offenbar einen weit kleineren Reiz ausübt).

Und umgekehrt zeigten verschiedene Untersuchungen – wie beispielsweise kürzlich eine im Kanton St Gallen  –, dass Männer gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden. Tatsächlich werden auch in der Schweiz von Männerseite erste, wenn auch noch etwas zaghafte Forderungen nach mehr Teilzeit-Jobs  oder einem (längeren) Vaterschaftsurlaub laut.

Beispielsweise verlangt der Arbeitnehmerverband Travail.Suisse mindestens 20 Tage bezahlte Ferien für Neu-Väter. Und die Eidgenössische Kommission für Familienfragen fordert insgesamt 24 Wochen bezahlte Elternzeit, die sich Mutter und Vater untereinander aufteilen können.

Doch auch was Teilzeit-Jobs betrifft, werden immer mehr männliche Stimmen laut, die familiengerechtere Arbeitszeiten fordern. So verlangt der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen Maenner.ch mehr Teilzeit- und Job-Sharing-Modelle – auch auf Kaderstufe.

Bisher scheinen die Forderungen aber praktisch ungehört zu verhallen. Während über die Hälfte der Frauen laut Bundesamt für Statistik  2009 teilzeitarbeiteten, waren es bei den Männern nur gerade 13 Prozent. Die Quote lag damit nur geringfügig höher als 1991.

Und solange Männer Angst haben – und das nicht selten berechtigterweise –, mit einer Auszeit oder einem kleineren Arbeitspensum ihrer Karriere zu schaden, dürften sich diese Statistiken kaum gross ändern. Dabei könnte vielleicht gerade eine wachsende Zahl von männlichen (und bereits vorhandenen weiblichen) Teilzeit-Mitarbeitern dazu führen, dass der Druck in den Unternehmen steigt, auch ihnen gute Aufstiegsmöglichkeiten zu geben.

Autorin
Michaela Kozelka ist Redaktorin der «Tagesschau». Sie arbeitete davor unter anderem für «10 vor 10», die «Berner Zeitung» und war Redaktionsleiterin von «Radio Förderband» (heute Radio Energy Bern).

Karriere und Berufstätigkeit sind zweierlei

von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 28.04.2011

Karrieremütter sind die Ausnahme. Weshalb?

Die Arbeit ruft: Karrieremütter müssen die Erziehung ihrer Kinder an Drittpersonen delegieren.

Wir hatten es ja hier schon davon: Kinder und Job lassen sich vereinbaren. Es ist sogar gut für die Kinder, wenn sie mitkriegen, woher das Geld kommt und was Zuhause so alles an Arbeit anfällt. Denn wenn beide Eltern arbeiten, müssen Kinder mit anpacken.

Und es ist auch gut für all die Elternteile, die ihre berufliche Erfüllung nicht im Haushalt sehen. Denn so wenig wie jeder gerne als Bürogummi oder Verkäuferin arbeitet oder vor Gericht den Clown spielt, sowenig hat jeder am Haushalten den Plausch. Es gibt halt aller Gattig Leut’, pflegte meine Oma zu sagen.

Wer Karriere machen will, muss aber nicht nur jobben, sondern sich steigern. Er oder sie muss gegen Konkurrenz bestehen, Überstunden machen, reisen, abrufbereit sein, einstecken und nicht dergleichen tun, wenn die Grippe ihn oder sie lahm legt. Darunter leidet das Privatleben, es leiden die Hobbys, die Freizeitaktivitäten und der Freundeskreis. Wer Karriere macht, möchte irgendwo hinkommen, und gibt dafür so manches auf.

Tatsache ist: Es machen wesentlich weniger Frauen Karriere als Männer. Und noch viel weniger Mütter als Väter. Es gibt sie natürlich, die Karrierekletterinnen, die von ihrem Beruf begeistert sind, in der Forschung Grosses vollbringen und in der Welt herumjagen – und Zuhause sogar mehrere Kinder haben. Auch die Erziehung lässt sich delegieren, nicht nur die Hausarbeit, nicht nur an den Ehemann, sondern auch an Drittpersonen. Und es ist durchaus möglich, dass dabei alle glücklich sind.

Aber Karrieremütter sind die Ausnahme. Wenn, dann sind es die Männer, die Karriere machen. Und zwar auch dann, wenn beide Partner hervorragende Berufsabschlüsse vorweisen können. Weshalb? Sind wir Weibspersonen einfach stinkfaul? Gehen den bequemeren Weg und lassen uns aushalten?

Tatsache ist: Eine Karriere fordert von jedem und jeder Opfer. Damit jemand die erbringt, braucht es eine Motivation. Bei all den Karrierefrauen, die ich kenne, stehen der Beruf und die Begeisterung dafür im Zentrum. Sie haben Spass. Sie lieben ihre Kinder so wie alle andern Eltern auch, aber sie sind bereit, nur wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Es geht bei Karrierefrauen in der Regel weder um Geld noch um Macht, sondern um die Faszination ihres Berufes.

Diese Motivation haben manche Männer ebenfalls. Aber Männer haben noch andere Gründe, Karriere zu machen: Sie steigert ihr Ansehen, Männer werden bewundert, und mit dem Salär steigt ihr Sexappeal bei den Frauen, Glatze oder Bauch hin oder her. Mit einem 30 Jahre jüngeren Model im Arm gehört der Mann dazu, und die andern Männer fallen neidvoll und bewundernd zurück.

Eine Frau, die sich hochstrampelt, steigt nicht in der weiblichen Hierarchiewelt, und das andere Geschlecht findet sie deswegen nicht begehrenswerter. Kommt sie mit einem 30 Jahre jüngeren Schönling daher, wird sie eher schief angesehen denn an den wichtigsten Tisch platziert. Frauen zahlen für die Karriere also zwar den gleichen Preis wie Männer, haben aber nicht den gleichen Gewinn.

Das wird sich mit keinen Förderungsmassnahmen dieser Welt ändern. Aber vielleicht merken irgendwann auch die Männer, dass der Preis, den sie für den sozialen Höhenflug bezahlen, zu hoch ist, wenn nicht wirklich die Freude an der Sache der Grund für die Karriere ist. Und dagegen ist nichts einzuwenden.

Kuschelfamilie, Karrierefrau?

von: Nina Töpfer am: Freitag, 11.03.2011
Tags: KarriereKind

Kind oder Karriere? Wenn die Wahl zur Qual wird.

Diskussionen um Karriere und Kinder: Sogenanntes Mischmodell.

Polemik ist zweifelsfrei lustiger als langweilige Detaildebatten. So wie Autorin Bascha Mika in der Familie eine Art Rückzugsgebiet sieht, und wenn sich Frauen für Familien entscheiden und gegen Karrieren, erkennt sie  – so auch der Titel ihres Buchs  «Die Feigheit der Frauen».

Eine beliebte These derzeit: Es weht halt ein rauher Wind da draussen in der Arbeitswelt, also ziehen sich viele Frauen lieber ins Nest zurück. Politische Forderungen nach Arbeitsmodellen, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren, sehen da aus wie vergebene Liebesmüh, wenn nicht gar scheinheiliges Gejammer: Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sagt Bascha Mika. Natürlich fliegt der Autorin Zustimmung – und Kritik zu.

Eine Replik liefert zum Beispiel die «Weltwoche» in ihrer neusten Ausgabe. Ihre Autorin beschreibt, dass sie sich zwischen einer Karriere als Journalistin und der Kindererziehung vor allem für die Kinder entschieden habe. Das ist wunderbar, wer würde dagegen etwas einwenden. Mikas Feigheitsthese widerspricht die Autorin damit, dass sie betont, nicht unbedingt den lockereren Job gewählt zu haben. In dieser Wahrnehmung gehört es offenbar auch zum Muttersein, die Spätzli selber zu machen, statt Fertigmenüs zu wärmen (folglich rechtzeitig daheim zu sein). Ein mitleidiger Blick gilt Kindern, die ihre Nachmittage in einem Hort fristen müssen. Mit wieder anderen armen Kindern statt in der besten aller Gesellschaften daheim: So ist das wohl zu lesen.

Wie wunderlich auch immer: Das Anstrengende an solchen Diskussionen sind ihre programmatische Note und die Resistenz gegen Argumente.

Es gibt ja persönliche Empfindlichkeiten: Leute, die nicht ertragen, wenn Kinder schreien. Anderen löst der Geruch feuchter Wäsche Migräne aus. Nur: Was gibt es dazu zu sagen? Darüber hinaus dreht sich die Debatte der Gleichheit immer wieder zurück auf ihren Kern: auf die Wahl der Frauen.

Die Frage spiegelt sich in der Diskussion um eine staatlich verordnete Frauenquote – auch dazu gibt es unterhaltsame Beiträge. So kürzlich im «Spiegel», der die Quote wohl als irgendwie in der linken Ecke geborenen Mainstream ortet, ein «Wohlfühl-Thema» für die «politisch korrekte Latte-macchiato-Bourgeoisie», «irgendwie nett, Hauptsache, alles ist klimaneutral fair gehandelt, und wie man genau das Ziel erreicht, wird sich zeigen. Dann reichen wir uns die Hände und singen 'Kumbaya'».

Nach so viel Spott und erzählerischem Aufwand, um zu beschreiben, wie sehr eine Quote für viele auf der Hand liegt, kommen die – viel interessanteren – Argumente gegen die Quote zum Zug. Allein die Demografie zwinge die Arbeitswelt zum Umdenken, also auch dazu, Frauen zu fördern. Ausserdem werfe die Quote Fragen auf, die zu lösen noch anstehen. Etwa, wo sie denn überall gelten würde, nur in Vorständen oder ganzen Firmen, in jeder Branche oder nur in einigen, ob nicht mit Diskriminierung von Männern gerechnet werden müsse, ob sie denn für alle Staatsbürger gälte. Eine Quote «mogelt sich um die wahren Defizite herum», heisst es da.

Auch all dies führt schliesslich wieder zum Ausgangspunkt, dem «Unaussprechlichen»: Was, wenn viele Frauen gar nicht auf Karriere setzen wollen?

Die Wahl der Frauen: Studien belegen, dass nur etwa ein Viertel oder ein Fünftel der Frauen Führungsaufgaben übernehmen wollen. Eine ist zu Beispiel Signhild Arnegard Hansen, schwedische Unternehmerin, Aufsichtsratsmitglied in mehreren Firmen und Mutter von sechs Kindern, und sie blickt einigermassen zuversichtlich in die Zukunft. Sie sieht, wie sich zu gleichen Teilen besetzte Führungskräfte ganz ohne Quote einpendeln würden. Der entscheidende Generationenwechsel in den Chefetagen stehe bevor, sagt Hansen. «Wenn», fügt aber auch sie hinzu, «diese Frauen die Karriere wollen.»

Ein weiteres Fünftel der Frauen entscheidet sich für die Familie. Und im grossen Mittelfeld bewegen sich die Frauen, die Beruf und Familile zu vereinen versuchen, oft unter Stress, zwischen Businessresien, schlechtem Gewissen und – ja, auch das gibt's – ökonomischem Druck. Wie viel Wahl bleibt da zwischen Kuschelfamilie und Karriereleben? Nicht welches denn die richtige Wahl sei, zählt, sondern die Freiheit des Entscheids. Damit zählt auch wieder die eher alte und sicher unpolemische Frage, welches die besten Voraussetzungen dafür sind und wie wir sie schaffen.

Catherine Hakim, Forscherin an der London School of Economics, hat dieses Mittelfeld die «Mischmodelle» genannt, im Gegensatz zu den eindeutigen Karrierefrauen («Manager») und den Hausfrauen («Muttis»). Nun hat die Soziologin kürzlich mit «Feminist Myths and Magical Medicine» ein neues Paper veröffentlicht, dass unter anderem hergebrachte, immer wieder angeführte Meinungen zu weiblichen Rollen in Beruf und Familie als Mythen demaskiert.

Zu den zwölf «feministischen Mythen» zählt Hakim das derzeit als erfolgreich zitierte skandinavische Modell einer auf Gleichheit ausgerichteten Arbeitswelt (Norwegens oft und gerne angeführte Quote!). Sie stützt sich auf Studien und folgert, dass eine auf Gender-Gleichheit ausgerichtete Politik nicht zwingend Gender-Gleichheit bringt. In Sachen Lohngleichheit sieht sie Schweden und Norwegen fast gleichauf mit Italien, Österreich, Deutschland und Australien.

Desgleichen untersucht Hakim etwa die «Mythen»,

  • dass Gender-Gleichheit durch mehr berufstätige Frauen erreicht werden kann (im Gegenteil, sagt sie),
  • dass der Zugang zur höheren Bildung für Frauen alles verändert (Hakim: Frauen in Toppositionen demonstrieren, warum Frauenförderung irrelevant sein kann, indem sie auf eine Work-Life-Balance verzichten und Kinderbetreuung delegieren),
  • dass Männer und Frauen dieselben Ansichten in Bezug auf Karriere, Werte und Ziele haben (dabei forderten Berufseinstiger schon zu Beginn mehr Lohn als Einsteigerinnen; während Männer eher für eine Lohnerhöhung vorsprächen, fragten Frauen eher um mehr Freizeit und anderen nicht-finanziellen Nutzen wie Weiterbildung).
  • Den «Mythos» finanzielle Unabhängigkeit der Frauen entlarvt Hakim mit dem Hinweis, dass immer noch viele europäische Frauen «nach oben» heiraten. 
  • Und dem beliebten «Mythos» des kooperativeren Führungsstils der Frauen setzt sie Studien gegenüber, die keinen Unterschied in der Hinsicht feststellen konnten (weibliche Manager unterscheiden sich von männlichen in Sachen Persönlichkeit und Familienleben, aber nicht darin, wie sie den Job machen, schreibt sie).

Glückliche Kindheit mit Selbstgekochtem? Karriereglück dank gerechterer Politik? Bei all den Behauptungen, woher sie auch immer kommen, von rechts oder von links, kann etwas freie Sicht nicht schaden. Soviel scheint das Beispiel Norwegen uns zu zeigen: Das Beste an der Quote ist die Diskussion darüber. Wenn sie sich denn nicht damit begnügt, einen einzigen richtigen Weg zu proklamieren.

Autorin
Nina Toepfer arbeitet nach längerem Aufenthalt in New York als freie Autorin. Sie arbeitete unter anderem als Redaktorin des Kulturmagazins «Du», der «Weltwoche» und der «NZZ am Sonntag».

Que sera, sera: Oder was rat ich meinem Kinde?

von: Seraina Mohr am: Freitag, 04.03.2011
Tags: FamilieKarriereKindPlanungRatschlag

Mach zuerst Karriere! Denk dran, dass die Fruchtbarkeit nach 35 sinkt! Gibt es die Anleitung zum Glücklichsein?

Doris Day - die Karrierefrau inszeniert als perfekte Hausfrau.

«Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen? Und was soll ich kochen?» Die alte Dr. Oetker Werbung auf Youtube ist der Hit bei meiner Zwölfjährigen. Die Reaktionen schwanken zwischen Lachen und Entsetzen. Das Frauenbild aus vergangenen Zeiten ist ihr fremd, ihre Ambitionen sind anders. Verklagen würde sie die Produzenten am liebsten – wenn sie denn mal Anwältin ist, ihr derzeitiges Berufsziel.

Was sind die Optionen? Was soll man den Girls raten? Wie soll man realistisch erziehen, ohne sie zu desillusionieren. Denn noch wollen sie alles: einen Job, in dem sie gut verdienen, um hemmungslos shoppen zu können, die Bekanntschaft vieler Jungs, Reisen und natürlich, kaum erwähnenswert und absolut selbstverständlich: eine Familie. Die Lebensfragen einer Frau werden heute reduziert auf: Kinder oder Karriere?

Karriere und Familie, das wollten wir auch mal, strampeln uns die Beine aus dem Leib und wünschen uns so sehr, dass unser Kind glücklich wird. Oder zumindest lebensfähig und genau da fängt es an. Die zwei Lebenswünsche Kind und Karriere ziehen sich beinahe magnetisch an und verweigern doch die Zusammenarbeit. Noch sind sie wie ein verfeindetes Geschwisterpaar. Eine Aussöhnung ist nicht in Sicht und die Perspektiven könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Sammlung von Argumenten aus den verschiedenen Perspektiven:

Aus Karrieresicht: Eine gute Ausbildung ist gut, aber längst kein Garant mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für eine berufliche Laufbahn. Fleiss allein genügt nicht, da sind die Mädchen Spitze, doch die Realität der Schutzräume Schule und Universität ist nicht dieselbe wie in der Wirtschaft. Wichtig ist, keinen typischen Frauenberuf zu wählen, sondern möglichst dort zu sein, wo Geld erwirtschaftet wird. Also nicht Coiffeuse oder Kleinkindererzieherin, sondern Informatik oder Wirtschaft. Annika Falkengren, die an der Spitze des Finanzinstitutes SEB steht und Mutter ist, empfiehlt einen Job, der für Gewinn und Verlust zuständig ist.

Von Vorteil dabei ist, erst nach 40 schwanger zu werden, einen Mann zu haben, der bereit ist, beruflich zurückzustecken. Wer in den karrieretechnisch entscheidenden Jahren zwischen 30 und 40 nicht bis in die Abendstunden mitellbögeln und netzwerken mag, hat schlechte Karten für einen Topjob. Andere gehen, wie etwa der Job-Coach Roland Jäger kürzlich in der «Zeit», noch weiter. Sie halten Mütter generell ungeeignet für Topjobs, da sie mit den verschiedenen Rollen überfordert seien.

Aus Familiensicht:  Warte nicht zu lange mit der Partnerwahl. Denn je erfolgreicher du beruflich bist, desto kleiner wird das Revier und desto höher deine Ansprüche. Gutausgebildete sind am häufigsten allein und kinderlos und irgendwann nach 40 wirst du eher CEO einer Firma oder vom Blitz getroffen als einen Partner zu finden. Suchst du persönliches Glück, dann setz auf die Karte Beziehungen, die langfristig mehr bringt.

Rein biologisch fängst du besser früh an mit der Fortzpflanzung. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es noch klappt, die sinkt mit jedem Jahr.

Aus Muttersicht würde ich ihr am liebsten sagen: Überleg nicht zu viel, mach was dir Spass macht und wofür du dich begeistern kannst. Oder mit den Worten der filmischen Übermutter Doris Day: «What will be, will be».

Nehm ich mir das selber ab? Ist das naiv? Was würde ich einem Jungen empfehlen? Und wird sich die übernächste Generation auch einmal köstlich amüsieren, wenn sie vom grossen Dilemma Anfang des 21. Jahrhunderts hört?

Autorin
Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Online Kommunikation der Fachhochschule Luzern und Mitgründerin des Online-Frauenportals Clack. Sie ist verheiratet und Mutter einer 12-jährigen Tochter.

Geständnis einer arbeitenden Mutter

von: Monique Brunner am: Mittwoch, 16.02.2011

Obwohl arbeitende Mütter längst keine Ausnahme mehr sind, haben sie einen schweren Stand.

Kind und Karriere, passt das zusammen? Tina Fey in «30 Rock».

Ach, hätten wir doch nur diesen Apfel nicht gegessen! Denn an allem ist die Frau und erst recht die Mutter schuld. Sie ist schuld, wenn das Kind Asthma (der Kaiserschnitt!) und Allergien (keine Muttermilch) hat, zu dick ist (Schwangerschaftsdiabetes aufgrund des hohen Alters der Mutter) , keine Bindung eingehen kann (das Kind wurde flugs in die Krippe abgeschoben) und schwache Leistungen in der Schule erbringt (die Mutter kümmert sich zu wenig um das Kind, weil sie arbeitet).

Besonders hart trifft die Schuld arbeitende Mütter.  Ein schwacher Trost ist, dass es arbeitende Mütter im zurzeit babyboomenden Hollywood auch nicht einfacher haben. Die US-amerikanische Komikerin Tina Fey («30 Rock»), Mutter einer 5-jährigen Tochter, ärgerte sich letzte Woche im Magazin «New Yorker» in einem Artikel darüber, dass Frauen und insbesondere arbeitende Mütter im Showbusiness einen schweren Stand hätten – und ihre Situation totgeschwiegen würde:

Es ist einfacher einen Comic zu zeichnen, wo Allah Onkel Sam einen Zungenkuss gibt, als ehrlich über die Situation arbeitender Mütter zu sprechen.

Als arbeitende Mutter habe man im Showbusiness mit folgenden Punkten zu kämpfen:

  • Die «anklagenden Augen» der Öffentlichkeit: Noch immer gilt: Wer arbeitet, vernachlässigt auf die eine oder andere Art und Weise sein Kind.
  • Die Kind-Karriere-Frage: Soll man die Karriere vorantreiben oder aber die geliebte Arbeit für ein zweites Kind sausen lassen?
  • Das Alter und die Attraktivität:  Mit zunehmendem Alter und abnehmender Attraktivität schwinden die (Job)Angebote. Oder wie es Tina Fey ausdrückt: «Ich habe den Verdacht, dass im Showbusiness die Definition von <verrückt> eine Frau ist, die immer noch redet, obwohl niemand sie mehr f***** will.»

Showbusiness hin oder her. Jede Frau, die ihr Kind UND ihre Arbeit liebt, hat wegen des einen oder anderen Punktes schon manche Nacht wach gelegen. Darum ist es gut zu wissen, dass selbst Stars mit den Tücken der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu kämpfen haben.

Bekenntnisse eines Losers

von: Ralf Martin am: Mittwoch, 08.12.2010

Karriereknick und Lohnverzicht kratzen am Ego des Wochentagvaters. Warum tut er sich das trotzdem an?

Sheriff und Clown in Personalunion: Steve Martin in «Parenthood».

In den letzten Wochen war viel die Rede von neuen Männern und den Vätern. Das Familienmagazin «wir eltern» widmete den Papawünschen ein ganzes Heft. Im Mamablog gab es eine Lobeshymne für die windelwechselnden Männer, was wiederum «wir eltern»-Bloggerin Nathalie Sassine zum Anlass nahm, um auch mal den alten Väter ein Kränzchen zu winden.

Warum, fragte ich mich,  wimmelt es in den Medien plötzlich von «neuen Männern», die dann allerdings in meinem Bekanntenkreis kaum ausfindig zu machen sind? Liegt es am Zeitgeist und falschen Gesetzen, dass es nicht mehr Wochentagväter gibt? Sind die böse Gesellschaft, die gemeinen Arbeitgeber und der fehlende Vaterschaftsurlaub schuld daran, dass so wenig Väter Teilzeit arbeiten?

Die Umstände mögen eine Rolle spielen. Aber zur Hauptsache geht es um etwas ganz anderes: Liebe Mütter und Väter – Hand aufs Herz – wenn ihr die Wahl habt: Globus oder Aldi? Malediven oder Mallorca? Mercedes oder Mobility? Einfamilienhaus oder Genossenschaftswohnung? Natuzzi oder Ikea? Bébéhaus Wehrli oder Kinderkleiderböse des Frauenvereins? Wofür entscheidet ihr euch? Ich spreche nicht von der theoretischen Wahl, sondern von einem effektiven, freiwilligen Verzicht. Ein Verzicht, den ich etwa jeden Tag spüre. Nach der Geburt meines Sohnes halbierte sich das Familieneinkommen, weil ich meinem Kaderjob aufgeben und erneut als Sachbearbeiter einsteigen musste. Obwohl ich 60% arbeitete, verdiente ich weniger als 50% meines bisherigen Lohnes.

Und deshalb, liebe Mütter und Väter, stelle ich erneut die ketzerische Frage: Wie viele von Ihnen sind wirklich bereit, auf einen substanziellen Teil des Lebensstandards zu verzichten, damit sich der Vater zwei Tage in der Woche um die Kinder kümmern könnte? Viele nicht. Denn wenn die Antwort oft  «ja» lauten würde, gäbe es mehr Wochentagväter.

«Alle Wochentagväter und Hausmänner sind Loser» schrieb erst neulich ein anonymer Teilnehmer in einem Blogbeitrag. Deshalb würden sich nur wenige Frauen für Männer interessieren, die zuhause bleiben und ihren Kindern die Windeln wechseln wollen.

Er hat wohl tatsächlich recht. Ökonomisch gesehen sogar ganz bestimmt. Denn wenn ich mich mit Gleichaltrigen vergleiche, die in den letzten Jahren viel gearbeitet und sich ausschliesslich um ihre Karriere gekümmert haben, trage ich nur einen Bruchteil des Geldes nach Hause. Und das kratzt zeitweise ganz schön am Ego, weil von einem Mann ja schliesslich erwartet wird, dass er seine Familie ernährt. Dabei geht es nicht nur mir so. Wie ich herausgefunden habe, beschäftigen sich auch andere Wochentagväter mit dem Thema. Die abhanden gekommene Karriere und die bescheidene Lohnabrechnung sind die Achillesferse der wirklich neuen Väter. Manchmal sitzen wir zusammen, klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und führen Gespräche, was wohl aus unserer Karriere geworden wäre, wenn…

Bleibt zum Schluss die berechtigte Frage: Weshalb um Gottes willen tue ich mir das denn an, wenn ich so darunter leide? Die Antwort ist einfach: Obwohl ich meine Arbeit liebe, lache ich während eines Tages mit meinen Kindern mindestens fünfmal mehr als im Geschäft. Und dann spüre ich jeweils, dass ich das Richtige tue. Es ist es wert.

Autor
Ralf Martin ist Autor des Väterratgebers «Wache Väter – ein Handbuch für Wochentagväter». Er ist 42 Jahre alt, arbeitet wie seine Frau 60% und verbringt zwei Wochentage Zuhause mit seinen beiden Kindern.

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