Sommerpause: Die besten Blog-Beiträge reloaded
von: Nicole Althaus am: Donnerstag, 18.08.2011
Adam Smith, ein amerikanischer Blogger, wurde kürzlich von Müttern vom Spielplatz gemobbt. Daurauf wollte er wissen, ob andere Väter ähnliches erlebt haben. Die Antworten sind erschütternd.
Stehen Männer unter Generalverdacht? Viele Lehrer würden die Frage wohl mit einem «Ja» beantworten: Es ist viel diskutiert und auch viel geschrieben worden über Lehrer, die sich nicht mehr getrauen, Mädchen am Reck zu stützen, aus Angst eines Übergriffes verdächtigt zu werden. Es ist seit längerem bekannt, dass Badewannenfotos, die Papa nackt mit Kind zeigen, im Scheidungsfall missbraucht werden können. Trotzdem haben mich die Resultate der Umfrage, die Adam Smith, ein amerikanischer Blogger, gestartet hatte, nachdem er von Müttern von einem Spielplatz gemobbt wurde erschüttert: Er wollte von Vätern wissen, ob sie ähnliches auch erlebt hätten: Mehr als 80 Väter haben bisher den Fragebogen ausgefüllt:
- 60 % verbringen 31 Stunden und mehr mit ihren Kindern
- 5 % wurden schon eines Spielplatzes verwiesen
- 24% sagten, man habe ihnen den Einlass zu Kindergeburtstagen oder anderen Eltern-Kind-Treffen verweigert.
- 55% gaben an, öffentlich für ihre Erziehungsmethoden kritisiert worden zu sein
- 60% glauben, diese Kritik sei auf Grund ihres Geschlechtes gemacht worden
- 28% haben alle obigen Vorfälle schon mehrmals erlebt
Wie sich diese Väter fühlen? Auch das kann man auf Smiths Blog nachlesen:
Ich weiche Müttergruppen generell aus. Wenn mein Sohn im Park spielt, sitze ich oft alleine abseits.
Kritik wird immer mit ähnlichen Sätzen eingeleitet: Natürlich wäre es für das Kind besser, die Mutter würde.....Ich muss aufpassen, dass ich das nicht persönlich nehme.
Und Sie? Haben Sie Ähnliches erlebt?
Sommerpause: Die besten Blog-Beiträge reloaded
von: Nathalie Sassine am: Montag, 15.08.2011
Der Kinderwunsch bei Lesben und Schwulen gilt oft als egoistisch. Wieso?

Ist Elton John egoistisch, weil er sich ein Kind wünscht?
Nicht erst seit Elton John (63) Vater wurde, wird Kritik laut. Kritik an immer älteren Vätern, Kritik an der Reproduktionsmedizin (John und sein Partner hatten eine Leihmutter) und vor allem hören wir vermehrt Kritik an homosexuellen Paaren, die Kinder wollen. Sie seien egoistisch, denn für das Kindeswohl sei es im Zweifelsfalle schädlich, gleichgeschlechtliche Eltern zu haben. Die EVP-Nationalrätin Maja Ingold meinte in der NZZ letzten Sommer, die «männlich-weibliche Doppelstruktur» sei Voraussetzung für die gesunde mentale Entwicklung eines jungen Menschen.
Die Politik verhilft Schwulen und Lesben nicht nur in der Schweiz zu einem schlechten Ruf in Sachen Kinderkriegen. Mit seinen Äusserungen über die Familienplanung schwuler und lesbischer Paare hat auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kurz vor Weihnachten in Deutschland für Empörung gesorgt. Er hatte der «Berliner Zeitung» gesagt, er «glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen». Die Bedürfnisse homosexueller Paare müssten in diesem Punkt hinter dem Kindeswohl zurückstehen.
Letztes Jahr fand das Thema auch im Film Anklang: «The kids are allright», der Ende 2010 in den Schweizer Kinos lief, wies einige egoistische Züge auf: Bis zu ihrer Volljährigkeit wussten die Kinder nicht, wer ihr Vater ist und den beiden Müttern wäre es am liebsten gewesen, wenn das so geblieben wäre. Sie wollten ihre Kinder für sich, und nur für sich.
Tatsache ist, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, Kinder zu wollen. Weder bei Heteros noch bei Homos. Und schon gar nicht geht es beim Kinderwunsch darum, es für das Kind zu tun. Jeder Kinderwunsch ist an sich egoistisch. Die Gründe sind vielfältig: Meine biologische Uhr tickt, ich bin in einer Grossfamilie aufgewachsen und will deshalb auch Kinder, ich bin ein Einzelkind und will eine grosse Familie oder ich habe endlich den perfekten Vater für mein Kind. Es läuft immer auf dassselbe hinaus: Ich, ich, ich!
Es ist die Natur, die uns den Kinderwunsch diktiert, in erster Linie uns Frauen. Also kommt es vor, dass wir uns von einem Tag auf den anderen in dieses Jöh-Monster verwandeln, das bei jedem Kinderwagen feuchte Augen kriegt und nur noch schwangere Frauen sieht. Hormone lassen sich nun mal schlecht steuern.
Und nun meine Frage: Wieso sollte das bei Schwulen und Lesben anders sein? Wieso erachten wir ihren Wunsch nach Nachkommen als egoistisch und unterstellen ihnen, das Kindeswohl zu vernachlässigen? Haben sie eine andere Biologie, weil sie mit Gleichgeschlechtlichen koitieren? Sollten wir als Gesellschaft und der Staat als Gesetzgeber nicht einfach dafür sorgen, dass Kinder zu ihrem Recht kommen und auch Homosexuelle als «echte» Eltern angesehen werden, anstatt sie zu verurteilen? Was meinen Sie?
von: Nathalie Sassine am: Montag, 06.06.2011
Stell dir vor, es ist Vatertag und keiner merkt’s.

Väter wollen auch gefeiert und geherzt werden. (Bild: iStockphoto.com)
Gestern war Vatertag, wussten Sie das? Leider gibt es keine Statistik darüber, doch mich würde interessieren, wie viele Mütter gestern Blumen gekauft, Frühstück gemacht und Geschenke gebastelt haben. Denn das alles wird schliesslich von den Vätern (zusammen mit den Kindern) erwartet, wenn die ganze Nation Muttertag feiert. Der Vätertag geht hingegen total unter. Kein Blumenladen hat spezielle Öffnungszeiten, keine Confiserie führt eigens dafür entwickelte Pralinen, die Kinder werden höchstens angehalten, eine Zeichnung für Papa zu kritzeln. Wenn überhaupt.
Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung? Einerseits wollen wir neue Väter, die miterziehen, waschen, wickeln, kochen sollen, andererseits glänzen wir mit Abwesenheit, wenn es darum geht, sie zu feiern.
Wenn es nach mir ginge, sollte man auch den Muttertag abschaffen und dafür Sorgen, dass Mütter das ganze Jahr beachtet und gelobt werden. Das würde uns auch die ganzen Diskussionen ersparen, ob man jetzt auch die Grossmütter einladen und feiern soll. Doch solange dieser Marketing-Tag weiter existiert, sollten wir die Väter bitte auch gebührend feiern. Wenn sogar die Politik langsam merkt, dass Väter für unsere Kinder wichtig sind und ihnen einen Vaterschaftsurlaub mittels Sparplan anbieten will, sollten wir Mütter sie wenigstens ein Mal im Jahr zum Helden machen. Ich sage «wir», weil ich gestern auch nicht in aller Früh raus bin, um Blumen zu besorgen. Sie etwa?
von: Andrea Strahm am: Dienstag, 31.05.2011
Es kommt der Tag, an dem das Kind die Bezeichnung «Mami» und «Papi» als kindisch empfindet.

Jaja, wenn es ums Wäsche waschen geht, dann muss das Mami her!
Ich bin s Mami. Wir Schweizer Mütter sind, nebenbei bemerkt, nämlich sächlich für die Kinder, was mich nicht stört. Etwas Weiblicheres als eine Mutter kann es eh nicht geben, das Mami hin oder her. Andere Kinder nennen ihre Mütter Mutti, Mueti, oder Mamme, je nach Region und Sitten. Nochmals andere Mütter sind für ihre Kinder die Clara oder Paula. Mit den Papis, Babbes oder Vatis ist es genau gleich, bloss, dass die nie sächlich sind. Aber auch die Väter sind mancherorts der Paul oder Yvo, und zwar in biologisch völlig unverdächtigen Familien ganz ohne Patchwork.
Für unsere Töchter sind wir also Mami und Papi – bei unseren besten Freunden ist es genau umgekehrt. Dabei sind deren Kinder exakt gleich alt wie unsere und wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen, und auch sie waren früher s Mami und dr Papi. Aber irgendwann in der Pubertät der Jungs wurden sie schleichend zu Franziska und Frank. Kürzlich schlenderte nun einer der Einmeterneunzig-Teenies locker an uns vorbei und liess ein «Frank, ich nehme dann heute das Auto» fallen. Ich muss zugeben: Das tönte unglaublich cool.
Deshalb hat es mich interessiert, wie das nun eigentlich für die heutige Jugend ist. Wir hatten früher ja nie die Wahl. Hätte ich meine Mutter Elsbeth genannt, ich hätte wohl auch als Sechzehnjährige noch eine Ohrfeige kassiert. Hätten mich meine Töchter hingegen Andrea nennen wollen, hätte ich es klar akzeptiert. Aber sie taten es nicht.
Auf meine Frage hin erklärte meine jüngere Tochter kurz und bündig, es gäbe für sie nur eine Mami, aber Andreas kenne sie einige. Deshalb sei ich für sie ein für alle Mal die Mami und basta. Die ältere differenzierte. Irgendwann käme man in ein Alter, in dem Mami uncool sei. Sie störe es nicht, wenn sie mich anspreche, aber andern gegenüber sage sie nicht mehr s Mami, sondern meine Mutter. Meistens kürzen beide Töchter ab, nennen uns Ma oder Pa. Generell scheint, dass es für Jungs eher ein Problem ist, die Mutter öffentlich Mami zu nennen, denn das ist wohl ziemlich unmännlich.
Irgendwie kann ich das nachvollziehen. Spreche ich mit Kollegen meiner Kinder über deren Eltern, sage ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr Mami, sondern den Vornamen. Frage also nach, wie es der Stephanie geht und lasse einen schönen Gruss an den Peter ausrichten. Bin ich mit den Eltern per Sie, dann sage ich Deine Mutter oder Ihren Vater, je nachdem, ob ich den Kollegen duze oder sieze. Einem Zwanzigjährigen kann ich wirklich nicht mehr sagen, er solle dem Mami doch bitte etwas ausrichten.
Sollte man das nun von Anfang an anders nageln, damit diese Fragen gar nicht erst auftauchen? Die Beziehung zu unseren Kindern wäre garantiert keinen Deut anders, wenn wir für sie Andrea und André wären.
Mir ist es eigentlich ganz wohl mit Mami, denn das zeigt allen, dass ich die Mutter dieser beiden Mädels bin, und nicht bloss irgendeine Kollegin. Bin ich etwa eine stolze Henne? Vermutlich. Andererseits: Würden sie mich mit dem Vornamen ansprechen, würde mich das etwas jugendlicher machen. Auch nicht schlecht. Aber, unter uns gesagt, der Mutterstolz überwiegt. Und wie halten Sie es – Kollegin oder Gluckhenne?
von: Eva Assignon am: Freitag, 20.05.2011
Was tut eine berufstätige Mutter mit krankem Kind? Was erwartet der Arbeitgeber? Was der Kindsvater? Und was sie selbst?

Ist Kinderpflege ein weibliches Bedürfnis?
Bis anhin hatte ich, in Anbetracht der Unlösbarkeit des Problems, die Option «Gring ache, seckle, Augen zu, Fall wird nicht eintreffen» gewählt. Ging schief, weil Fall traf ein, und ich: vollkommen unvorbereitet. Krippe rief an, Kind krank und heimzuholend. Ja, in welcher Zeit leben wir denn? Glauben die in der Krippe immer noch an glückliche Ehen mit glücklichen Hausfrauen, die nur darauf warten, dass sie ihr Kind heimholen und gesundpflegen können?
Und überhaupt: Warum rufen die nicht den Vater an?
Wie viele Väter gibt es, die ihren Arbeitsplatz unmittelbar verlassen können/dürfen/wollen/müssen, wenn ihr Kind krank ist? Wie das wohl ankommt bei den Kollegen und beim Chef? Meistens, das behaupte ich jetzt mal frei heraus, wandern die (vorwurfsvollen) Blicke im Falle eines kranken Kindes automatisch zur Mutter, und dann kann sie von Glück reden, wenn sie nicht grad auch noch Schuld daran ist, dass das Kind überhaupt krank geworden ist.
Und wer ist Schuld daran, dass die Verantwortung für ein krankes Kind zu 96,5% bei der Mutter liegt? Der Mann? Die Frau? Die anderen?
Auch wenn sich die Schweiz emanzipiert schimpft: Patriarchen gibt es noch sehr viele, und am allertiefsten in der Patriarchenseele sitzt das Bewusstsein dafür, dass die Mama verantwortlich ist für das Kindeswohl. Ein bisschen Spass haben, ein bisschen spielen, ein bisschen vorzeigen, ein bisschen rumlümmeln, all das ein Papa-Job, keine Frage. Doch sobald echte Organisation gefragt ist, Essen, Kleidung, Schulreise, und eben Krankheit, dreht der Schalter im Patriarchenhirn eindeutig auf: Mama muss ran.
Was aber geschieht im vermeintlich emanzipierten und gescheiten, komplex kumulierten Frauenhirn? Liebe Leserin, ich warne Sie: Wenn Sie über ein empfindliches Nervensystem verfügen, dann sollten hier nicht weiterlesen, oder vielleicht erst ein Actimel oder einen Schluck Kaffeelikör trinken gehen oder einen Schokoriegel essen. Denn was jetzt kommt, ist sehr, sehr schmerzhaft.
Weil die Seele im Frauenhirn drin scheinbar noch immer nichts lieber tun will, als unmittelbar, kompromiss- und kopflos das Kind von der Krippe heimholen und es gesundpflegen. Genau das und nichts anderes auf der Welt. Mögliche andere Optionen auch bei deren Vorhandensein: ausgeblendet. Weil wenn ein krankes Kind ruft, siehst du von einer Mutter nur noch die Funken der Absätze auf dem Asphalt. Von hinten.
Ist das jetzt Biologie, sprich Schwangerschafts- und Stillbounding? Oder Genderzeugs? Ist es psychische Schwäche, sprich übertriebenes Mitgefühl, Schuldgefühle, Helferkomplex? Ist es heilbar? Sind die Mütter krank, die ihre Kinder aus Berufsgeilheit abschieben? Oder ist die Gesellschaft krank, weil sie den Vätern die Väterkompetenz entzieht? Haben die Väter einen Mangel an väterlicher Fürsorge-Kompetenz?
Falls Sie es noch nicht gewusst haben sollten: Es ist alles recht kompliziert.
Dazu gibt es etwas zu bedenken, was wir bisher in unseren Überlegungen ausgeblendet hatten: Das Kind selbst. Ist es krank, wo will es dann am liebsten sein? Bei der Nachbarin? Auf der Matratze im Turnzimmer der Kita? Sehen Sie, hier wird es wieder einfach: Das kranke Kind will zuhause sein, in seiner gewohnten Umgebung, im geschützten Nest.* Mit Mama. Oder Papa.
*Anmerkung der Verfasserin: An dieser Stelle hätte ich am liebsten hinzugefügt: Wer wüsste das besser als die Mütter dieser Welt? Hab ich aber nicht getan. Konnte mich gerade noch zurückhalten.
Autorin
Eva Assignon ist Initiantin und Betreiberin von www.bestefreundin.ch, wo sie seit 2008 auch den Business-Mama-Blog schreibt. Sie ist ausgebildete Naturheilpraktikerin/Homöopathin und arbeitet heute als Betreuerin in einer Tagesschule. Zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn lebt sie in Langenthal/BE.
von: Michaela Kozelka am: Montag, 09.05.2011
Gefährden Väter ihre Karriere, wenn sie ihr Pensum reduzieren? Schweizer Männer glauben oft daran. Aber die Frauen bezweifeln es mehrheitlich.

Der gefürchtete Karrierekiller! (© iStockphoto)
Landauf, landab wird darüber diskutiert, ob sich nicht auch Männer vermehrt um ihre Kinder kümmern sollten, sei es in Form einer Auszeit oder mit einer generellen Reduktion des Arbeitspensums.
Doch die, um die es geht, sind skeptisch. Laut einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isopublic, in Auftrag gegeben vom Magazin «Readers Digest», haben gerade Männer Probleme damit, seltener am Arbeitsplatz zu sein: 46,4 Prozent der männlichen Befragten befürchten, eine Baby-Pause sei für ihre Karriere schädlich.
Interessanterweise sehen die Frauen in der Schweiz das etwas entspannter: Nur 37,3 Prozent schätzen eine Auszeit als berufliches Risiko ein – und 57,1 Prozent sind sogar überzeugt, die Entscheidung, mehr für den Nachwuchs da zu sein, stelle für die Karriere des Mannes keine Gefahr dar.
Etwas erstaunlich ist dieses Ergebnis ja schon: Immerhin sind es die Frauen, die immer wieder erleben mussten, wie schwer Karriere und Teilzeit-Job vereinbar sind (mal abgesehen davon, dass die Teppichetage auf weibliche Mitarbeiterinnen offenbar einen weit kleineren Reiz ausübt).
Und umgekehrt zeigten verschiedene Untersuchungen – wie beispielsweise kürzlich eine im Kanton St Gallen –, dass Männer gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden. Tatsächlich werden auch in der Schweiz von Männerseite erste, wenn auch noch etwas zaghafte Forderungen nach mehr Teilzeit-Jobs oder einem (längeren) Vaterschaftsurlaub laut.
Beispielsweise verlangt der Arbeitnehmerverband Travail.Suisse mindestens 20 Tage bezahlte Ferien für Neu-Väter. Und die Eidgenössische Kommission für Familienfragen fordert insgesamt 24 Wochen bezahlte Elternzeit, die sich Mutter und Vater untereinander aufteilen können.
Doch auch was Teilzeit-Jobs betrifft, werden immer mehr männliche Stimmen laut, die familiengerechtere Arbeitszeiten fordern. So verlangt der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen Maenner.ch mehr Teilzeit- und Job-Sharing-Modelle – auch auf Kaderstufe.
Bisher scheinen die Forderungen aber praktisch ungehört zu verhallen. Während über die Hälfte der Frauen laut Bundesamt für Statistik 2009 teilzeitarbeiteten, waren es bei den Männern nur gerade 13 Prozent. Die Quote lag damit nur geringfügig höher als 1991.
Und solange Männer Angst haben – und das nicht selten berechtigterweise –, mit einer Auszeit oder einem kleineren Arbeitspensum ihrer Karriere zu schaden, dürften sich diese Statistiken kaum gross ändern. Dabei könnte vielleicht gerade eine wachsende Zahl von männlichen (und bereits vorhandenen weiblichen) Teilzeit-Mitarbeitern dazu führen, dass der Druck in den Unternehmen steigt, auch ihnen gute Aufstiegsmöglichkeiten zu geben.
Autorin
Michaela Kozelka ist Redaktorin der «Tagesschau». Sie arbeitete davor unter anderem für «10 vor 10», die «Berner Zeitung» und war Redaktionsleiterin von «Radio Förderband» (heute Radio Energy Bern).
von: Monique Brunner am: Donnerstag, 03.03.2011
Wäre das nächtliche Babygeschrei ein Autoalarm, wären Väter eher zur Stelle.

Alles eine Frage der Zuständigkeit?
Wer steht in der Nacht auf, wenn das Kind einen Albtraum hat, hungrig oder durstig ist? Mami oder Papi? Was in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis die Regel zu sein scheint, lässt sich nun auch wissenschaftlich belegen. «Frauen geben 2.5-mal häufiger als Männer ihren Schlaf auf, um sich um die Kinder zu kümmern» heisst es in einer neuen Studie der Universität von Michigan. Männer dagegen würden ihr Bett hauptsächlich verlassen, um pinkeln zu gehen oder um zu prüfen, ob die Türe abgeschlossen ist.
Basierend auf 20'000 Nacht-Protokollen von berufstätigen Eltern zeigte sich folgendes Bild:
- Ist das Kind noch unter einem Jahr alt, unterbrechen 32% der befragten Frauen ihren Schlaf, um nach dem Kind zu sehen, 11% bei den Männern.
- Ist das Kind um die drei Jahre alt, geben 5,3% der Frauen und 1% der Männer ihre Nachtruhe auf.
Wieso dieser grosse Unterschied, zumal ja beide Partner erwerbstätig sind? Die Studienleiterin Sarah Burgard meint dazu:
Die Verantwortlichkeit gegenüber dem Kind (auch während der Nacht) rührt noch vom Stillen her. Aber danach ist die Zuständigkeit nicht mehr ausgehandelt worden.
Selbst bei Frauen, welche den Haupterwerb für die Familie erbringen, waren es 28% der Frauen gegenüber 4% der Männer, die in der Nacht nach dem Baby schauten. «Die Hauptverantwortlichkeit (gegenüber den Kindern) obliegt immer noch den Frauen, auch dann, wenn sie weitere Verpflichtungen haben», meint Burgard abschliessend.
Oder tun wir am Ende den Vätern Unrecht? Laut einer Studie von MindLab würden Väter in der Nacht ihre Kinder ignorieren, weil sie schlicht kein Gehör für Kindergeschrei hätten. Ganz andere Geräusche würden ihnen den Schlaf rauben:
Top 10 der Geräusche, die Männer aufwachen lassen:
1. Autoalarm, 2. Rauschen des Windes, 3. Mückensurren, 4. Schnarchen, 5. Kanalisationsgeräusche, 6. Zirpen einer Grille, 7. Sirenen, 8. Ticken einer Uhr, 9. Bauarbeiten, 10. Tropfen eines Wasserhahnes
Top 10 der Geräusche, die Frauen aufwachen lassen:
1. Babygeschrei, 2. Tropfen eines Wasserhahnes, 3. Pöbeln im Freien, 4. Schnarchen, 5. Mückensurren, 6. Bauarbeiten, 7. Sirenen, 8. Autoalarm, 9. Rauschen des Windes, 10. Kanalisationsgeräusche
Wie schauts bei Ihnen zu Hause aus? Wer steht für wen oder was während der Nacht auf?
von: Andrea Strahm am: Donnerstag, 23.12.2010
Am Weihnachtsbaume vereint sich so mancher, der sich sonst nie trifft.

We are family: An Weihnachten treffen Leute zusammen, die sich unter normalen Umständen nicht an einen Tisch setzen würden.
Wer zur Weihnachtsfeier einlädt, wünscht sich, dass alle zufrieden und happy sind, das Essen gelingt, jeder so viel und diejenigen Geschenke erhält, die er sich erhofft hat, und dann ist Harmonie pur und alle gehen glücklich und beschwingt nach Hause.
Bloss, dass da Leute zusammen feiern, die sich unter normalen Umständen in aller Regel nie an einen Tisch setzen würden, zu unterschiedlich in allen Belangen sind sie. Alles, was verbindet, sind nämlich irgendwelche verwandtschaftliche Banden, um viele Ecken.
Als ich Kind war, fand ich meinen Onkel besonders lustig, sehr im Gegensatz zu meinem Vater. Letzterer ist ruhig, pflichtbewusst und seriös. Sein Bruder hingegen war das pure Gegenteil, fluchte, was das Zeug hielt, war Extremsportler und auch sonst kein Kind von Traurigkeit. Die beiden hielten zusammen wie Pech und Schwefel – ausser an Weihnachten. Da wollte mein Onkel partout nichts «Frommes» und machte pausenlos den Clown, legte Militärmusik auf, wenn mein Vater sich zu weit von der Musikanlage entfernte, und trommelte mit dem Besteck auf den Holzstühlen Wirbel und Tagwachen was das Zeug hielt. Es war wirklich sehr, sehr lustig. Ausschliesslich für uns Kinder, natürlich. Mein armer Vater ertrug es mit betrübtem Gesicht. Ebenso, dass meine Grossmutter ihre Schwägerin nicht mochte, also meine Grosstante, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruhte. Meine Mutter hatte mit manchen der Ehefrauen meines Onkels, über die Jahre waren es deren drei, ihre liebe Mühe, und die Giftpfeile flogen nur so. Wir Kinder schwirrten zwischen den diversen Kriegsschauplätzen umher und kümmerten uns einen Deut darum.
Weihnachten ist also eigentlich nichts anderes, als eine Giga-Patchwork-Familienfeier. Man liest sich die Schwägerin so wenig aus, wie den Schwiegervater, und auch das eigene Blut wurde einem in die Wiege gelegt, ob man wollte, oder nicht.
Bei uns kommt nun heuer eine weitere Dimension dazu: die Politik. Mein Vater ist BDP, mein Bruder LDP und ich bin CVP, soweit so altbekannt. Nun stösst aber die Jugend nach. Meine Jungmannschaft ist zwar parteilos, aber dem Alter entsprechend linker als ich, die ich, im Verhältnis zu Vater und Bruder, bislang die «Linke» war. Seit die Ältere stimmberechtigt ist, sind sie und ihr Freund wach am diskutieren. Mit mir natürlich, aus ihrer Sicht der «Rechten». Ich werde nun aber wohl auch in ihren Augen «linker», denn mit dem Freund meiner Nichte wird neu ein sehr aktiver SVP-Mann, rechts aussen, mit am Weihnachtstisch sitzen. Was mich nicht wirklich beruhigt, denn wenn gewisse Themen aufs Tapet kommen, fliegen die Fetzen. Minarette an Weihnachten.
Wie also kriege ich hier die Harmonie auf die Reihe? Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt, denn das Politisieren zu verbieten wird etwa so gelingen, wie meinen Onkel von den Trommelwirbeln abzuhalten. Man könnte mit der Sitzordnung operieren, denn genug unpolitische Leute hätte es schon, wir sind alles in allem ein gutes Duzend. Aber wenn ich den Tisch von links nach rechts auffädle, sitze ich in der Mitte. Ich muss aber in Küchennähe bleiben, und das wäre am rechten oder linken Ende, wo ich nicht hingehörte, politisch gesehen. Wahrscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig, als allen Baldrian in den Apéro zu tröpfeln.
Wenigstens – oder in unserem Falle wohl eher: leider – sprechen alle die gleiche, nicht-politische Sprache, nämlich Schweizerdeutsch. Es wäre eigentlich unglaublich praktisch, links könnte nur französisch und rechts nur italienisch. Aber einfacher würde es vermutlich auch dann nicht, denn es gibt bestimmt eine bedauernswerte Kreatur, die beide Sprachen kann, und die dann den ganzen Abend damit verbringen darf, hin und her zu übersetzen und Missverständnisse auszuräumen («Warum hat sie denn jetzt gelacht??»).
Hat es hier Leidensgenossen? Wer von Ihnen muss auch noch Knacknüsse lösen? Vielleicht finden wir ja gemeinsam kreative Lösungen. Wie auch immer: Auf ein gutes Gelingen in Harmonie und Zufriedenheit – Ihnen allen besinnliche, fröhliche Weihnachten!
von: Ralf Martin am: Mittwoch, 08.12.2010
Karriereknick und Lohnverzicht kratzen am Ego des Wochentagvaters. Warum tut er sich das trotzdem an?

Sheriff und Clown in Personalunion: Steve Martin in «Parenthood».
In den letzten Wochen war viel die Rede von neuen Männern und den Vätern. Das Familienmagazin «wir eltern» widmete den Papawünschen ein ganzes Heft. Im Mamablog gab es eine Lobeshymne für die windelwechselnden Männer, was wiederum «wir eltern»-Bloggerin Nathalie Sassine zum Anlass nahm, um auch mal den alten Väter ein Kränzchen zu winden.
Warum, fragte ich mich, wimmelt es in den Medien plötzlich von «neuen Männern», die dann allerdings in meinem Bekanntenkreis kaum ausfindig zu machen sind? Liegt es am Zeitgeist und falschen Gesetzen, dass es nicht mehr Wochentagväter gibt? Sind die böse Gesellschaft, die gemeinen Arbeitgeber und der fehlende Vaterschaftsurlaub schuld daran, dass so wenig Väter Teilzeit arbeiten?
Die Umstände mögen eine Rolle spielen. Aber zur Hauptsache geht es um etwas ganz anderes: Liebe Mütter und Väter – Hand aufs Herz – wenn ihr die Wahl habt: Globus oder Aldi? Malediven oder Mallorca? Mercedes oder Mobility? Einfamilienhaus oder Genossenschaftswohnung? Natuzzi oder Ikea? Bébéhaus Wehrli oder Kinderkleiderböse des Frauenvereins? Wofür entscheidet ihr euch? Ich spreche nicht von der theoretischen Wahl, sondern von einem effektiven, freiwilligen Verzicht. Ein Verzicht, den ich etwa jeden Tag spüre. Nach der Geburt meines Sohnes halbierte sich das Familieneinkommen, weil ich meinem Kaderjob aufgeben und erneut als Sachbearbeiter einsteigen musste. Obwohl ich 60% arbeitete, verdiente ich weniger als 50% meines bisherigen Lohnes.
Und deshalb, liebe Mütter und Väter, stelle ich erneut die ketzerische Frage: Wie viele von Ihnen sind wirklich bereit, auf einen substanziellen Teil des Lebensstandards zu verzichten, damit sich der Vater zwei Tage in der Woche um die Kinder kümmern könnte? Viele nicht. Denn wenn die Antwort oft «ja» lauten würde, gäbe es mehr Wochentagväter.
«Alle Wochentagväter und Hausmänner sind Loser» schrieb erst neulich ein anonymer Teilnehmer in einem Blogbeitrag. Deshalb würden sich nur wenige Frauen für Männer interessieren, die zuhause bleiben und ihren Kindern die Windeln wechseln wollen.
Er hat wohl tatsächlich recht. Ökonomisch gesehen sogar ganz bestimmt. Denn wenn ich mich mit Gleichaltrigen vergleiche, die in den letzten Jahren viel gearbeitet und sich ausschliesslich um ihre Karriere gekümmert haben, trage ich nur einen Bruchteil des Geldes nach Hause. Und das kratzt zeitweise ganz schön am Ego, weil von einem Mann ja schliesslich erwartet wird, dass er seine Familie ernährt. Dabei geht es nicht nur mir so. Wie ich herausgefunden habe, beschäftigen sich auch andere Wochentagväter mit dem Thema. Die abhanden gekommene Karriere und die bescheidene Lohnabrechnung sind die Achillesferse der wirklich neuen Väter. Manchmal sitzen wir zusammen, klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und führen Gespräche, was wohl aus unserer Karriere geworden wäre, wenn…
Bleibt zum Schluss die berechtigte Frage: Weshalb um Gottes willen tue ich mir das denn an, wenn ich so darunter leide? Die Antwort ist einfach: Obwohl ich meine Arbeit liebe, lache ich während eines Tages mit meinen Kindern mindestens fünfmal mehr als im Geschäft. Und dann spüre ich jeweils, dass ich das Richtige tue. Es ist es wert.
Autor
Ralf Martin ist Autor des Väterratgebers «Wache Väter – ein Handbuch für Wochentagväter». Er ist 42 Jahre alt, arbeitet wie seine Frau 60% und verbringt zwei Wochentage Zuhause mit seinen beiden Kindern.
von: Ralf Martin am: Mittwoch, 01.12.2010
Papa arbeitet viel. Damit die Familie sich etwas leisten kann, auch am Wochenende. Ein Fehler.

Ein Vater, der sich bei seiner Familie unwohl fühlt, sollte nicht mehr, sondern weniger arbeiten. (Bild: ©iStockphoto)
Heute sitzt Freddi abends oft alleine in seiner kleinen 3 ½-Zimmer-Wohnung und denkt darüber nach, weshalb er über zwei Drittel seines Nettolohnes an seine Frau und seine beiden zwölf- und 14-jährigen Söhne bezahlen muss. Sie wohnen im Gegensatz zu ihm weiterhin im kleinen, hübschen Einfamilienhaus, das er vor acht Jahren zusammen mit seiner Frau geplant und gebaut hat. Vor rund vier Jahren fühlte er sich zuhause immer öfters unwohl. So blieb er abends länger im Büro, ging manchmal auch am Wochenende arbeiten. Sein Chef sah, wie er sich anstrengte, und so wurde er befördert und bekam mehr Lohn. Das verfügbare Einkommen der Familie stieg. Da Freddi nun auch das ganze Wochenende arbeitete, sprach er immer weniger mit seiner Frau. Seine Kinder sah er nur noch selten, so dass er sich von ihnen emotional entfremdete.
Vor rund 1 ½ Jahren eröffnete ihm seine Frau, dass sie einen Freund habe und es wohl besser sei, wenn er ausziehen würde. Freddi überlegte nicht lange. Ihm war schon länger klar, dass die Beziehung nicht mehr zu retten war. Nach seinem Auszug wohnte er zuerst bei einem Freund, bevor er eine eigene Wohnung fand. Nachdem er sich mit seiner Frau nicht über die zu zahlenden Unterhaltsbeiträge hatte einigen können und auch die Mediationsstelle nicht vermitteln konnte, landete der Fall beim Gericht. Der Richter erklärte, dass alle Familienmitglieder grundsätzlich Anspruch auf die Fortführung ihres bisherigen Lebensstandards hätten. Es stellte sich heraus, dass alle – ausser Freddi – teure Hobbies hatten. Seine Frau besucht regelmässig Yogastunden und belegt Kurse. Auch seine beiden begabten Söhne werden in ihren Sportarten speziell gefördert, was pro Monat mehrere hundert Franken kostet. Da das Geld gerade reichte, wurden die Unterhaltsbeiträge so festgesetzt, dass weder seine Frau noch seine Söhne ihre Hobbies aufgeben müssen. Nur Freddi hatte keine Freizeitbeschäftigung, dessen Kosten er vor Gericht hätte geltend machen können, denn er hatte ja Tag und Nacht gearbeitet. So blieb ihm nur das gesetzlich vorgesehen Minimum.
Nun sieht Freddi seine beiden Söhne in der Regel zweimal im Monat am Wochenende. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnten sich die drei wieder annähern. Für Freddi persönlich bleibt nach seiner Einschätzung nicht viel Geld übrig. Er kann weder seinen Söhnen etwas bieten noch sich selbst etwas leisten. Seine Kinder haben zuhause je ein eigenes Zimmer mit Fernseher und Spielkonsole. In der väterlichen Wohnung müssen sie sich einen Raum teilen, was oft zu Streitereien führt. Freddis Lust, viel zu arbeiten, hat merklich abgenommen. Er sieht nicht ein, wofür er sich anstrengen soll.
Freddi ist zu folgenden Schlüssen gelangt: Er hätte seinem Impuls, der Familie auszuweichen, nicht nachgeben dürfen. Anstatt mehr zu arbeiten, hätte er sich eine Freizeitbeschäftigung suchen sollen. Die teueren Hobbies seiner Kinder und seiner Frau konnten nur finanziert werden, weil er befördert worden ist. Zudem war es ein Fehler, weniger Zeit mit seinen Söhnen zu verbringen.
Deshalb, liebe Väter, wenn ihr den Impuls verspürt, mehr zu arbeiten, solltet ihr ihm niemals unreflektiert nachgeben. Ein Vater, der sich bei seiner Frau und den Kindern unwohl fühlt, sollte nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Anstatt den finanziellen Lebensstandard zu heben, sollte er Zeit und Energie in seine Familie - vor allem in seine Kinder - investieren. Zu Beginn ist das zwar anstrengender, aber längerfristig wird es sich lohnen. In jedem Fall emotionell. Im Fall einer Scheidung wenigstens finanziell.
Autor
Ralf Martin ist Autor des Väterratgebers «Wache Väter – ein Handbuch für Wochentagväter». Er ist 42 Jahre alt, arbeitet wie seine Frau 60% und verbringt zwei Wochentage Zuhause mit seinen beiden Kindern.
Treffer 1 bis 10 von 131
2
Nächste >